Die Kräuter in meinem Garten

Die Kräuter in meinem Garten - 800 Seiten Buch aus dem Freya Verlag

Ich gestehe: Die meisten Kräuter in meinem Garten wurden aus kulinarischen Gründen gepflanzt – Salbei, Lorbeer, Thymian. Manche auch, weil ich statt Vorgarten einen Sandstreifen habe, der sich in der prallen Mittagssonne stark aufheizt. Hier wuchert Rosmarin, der sich offensichtlich wie zuhause fühlt und froh ist, dass er nicht von wilden Ziegen zurück gebissen wird. Ich bin mir der Heilwirkung der Kräuter wohl bewusst. Nichts hilft bei mir so gut gegen Wetterfühligkeits-Kopfschmerz wie ein Mädesüß-Tee. Doch die Blüten in meinem Garten überlasse ich lieber den Hummeln und Bienen und hole mir den Tee in der Apotheke. Ein paar mal habe ich Heilkräuter gesammelt – Lindenblüten zum Beispiel. Wisst ihr, wie klebrig die sind? Das Trocknen wollte nicht so recht klappen und im Endeffekt sind sie dann doch wieder im Garten gelandet, auf dem Kompost. Die einzige Heilpflanze, von der ich immer einen großen Vorrat habe, ist Salbei. Kein Wunder: Wenn ich den nicht zweimal im…

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Warum Waldbaden für Pälzer Krischer eine gute Idee wäre

Waldbaden: Kraft und Energie durch Bäume. Sachbuch aus dem Freya Verlag

Endlich sagt es mal einer! Das war mein spontaner Gedanke, als ich zum ersten Mal vom Begriff Waldbaden gehört habe. Bis dahin war vom Wald als grüne Lunge die Rede gewesen, als Wasserschutzgebiet und Feinstaubfilter, als Naherholungsgebiet, Spielplatz für Kindergartenkinder und als Sportgerät. Wer ohne Rucksack, Mountainbike, Hund und Kind im Pfälzer Wald unterwegs war, keine Pilze sammelte, weder Langstrecken laufen wollte noch den Premium-Wanderwegen folgte, dabei auch noch still vor sich hin lief und einfach nur atmete, schaute, lächelte – der wirkte fehl am Platz. Zumindest kam ich mir manchmal so vor. Nun also die Trendwende. Sie kam aus Japan, hatte eine lange Tradition und wirkte zugleich urdeutsch und exotisch: shinrin yoku, waldbaden. Geh in den Wald, nimm ihn in Ruhe mit allen Sinnen wahr und kehre als glücklicher, gesunder Mensch in die Stadt zurück. Wo ein Trend, da auch Bücher. Sie alle hatten eines gemeinsam: sie sprachen mich, die Waldliebhaberin, nicht an. Ich…

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Karte der Wildnis

Was ist Wildnis? Für Menschen wie Robert Macfarlane lässt sich diese Frage kaum stellen, ohne den Verlust von Wildnis durch Umweltzerstörung gleich mitzudenken. Er macht sich auf, in seinem Heimatland Großbritannien die letzten wilden Winkel zu erkunden, bevor sie, wie er befürchtet, endgültig verschwunden sind: Gipfel, Moore, Küsten, Inseln, Wälder. Seine Betrachtung der Natur erschien mir manchmal seltsam distanziert. Zuerst dachte ich, dass es daran liegt, dass seine Leitwissenschaft die Geologie ist. Das Benennen von Gesteinsschichten und Erdzeitaltern ist nicht meine Welt, aber ich bin grundsätzlich neugierig auf andere Blickwinkel. Dann dachte ich, dass das Gefühl von Distanz darin begründet ist, dass er so vieles macht, was ich nicht tue: Auf Bäume klettern, im Freien übernachten, querfeldein ohne Karte wandern. Aber auch daran kann es nicht liegen, da ja der Reiz von Büchern gerade darin liegt, Abenteuer mitzuerleben. Was war es dann? Es ist der Blickwinkel des Erzählers selbst. Jede seiner Reisen ist wie Anlauf…

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Naturbeobachtung, Wissenschaft und Poesie: Das verborgene Leben des Waldes

Naturbeobachtung: Das verborgene Leben des Waldes von David G. Haskell

In dem Stapel der Bücher, die ich gerade lese, befindet sich immer eines, an dem ich besonders lange lese. Manchmal, weil es anstrengend ist. Oder auch, weil jedes Kapitel erst mal verdaut werden muss. Vielleicht auch deswegen, weil es ein Thema behandelt, das nicht immer passt. Auf Das verborgene Leben des Waldes von David G. Haskell trifft all das nicht zu und doch lese ich schon seit dem letzten Frühsommer darin. Jetzt, im Januar, habe ich immer noch 40 Seiten vor mir. Ich werde sie mir einteilen. Ich habe keine Eile mit dem Buch – ganz im Gegenteil. Es ist mein momentanes Genussbuch. Ich lese es langsam, ein Kapitel am Abend, höchstens zwei. Dann lege ich es wieder weg, genieße, was ich gerade gelesen habe und freue mich auf das nächste Kapitel, dass ich vielleicht in ein paar Tagen lese werde. David G. Haskell hatte auch keine Eile. Ein Jahr lang hat er sich Zeit…

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Bienen. Flora 717 und der Bienenstaat.

Jetzt weiß ich mehr über Bienen und Bienenvölker,  als ich je wissen wollte. Das habe ich der Autorin Laline Paull und Flora 717 zu verdanken. Flora ist eine Arbeiterbiene, die immer wieder aus ihrer Rolle herausfällt, und so zur Heldin des Romans „Die Bienen“ wird. Doch weder aus der Rolle herausfallen noch Heldin sind passende Bezeichnungen. Laline Paull vermenschlicht die Bienen nie. Vielmehr beschreibt sie das Leben in einem Bienenvolk von innen heraus. Wie wird die Zusammenarbeit organisiert? Welche Rolle spielen Duftstoffe und die Tänze der Bienen? Wie wirkt sich schlechtes Wetter aus und wie wird ein Wespenangriff abgewehrt? Wie sieht der Alltag in einem Bienenstock aus und welche Aufgaben erfüllen die einzelnen Bienen? Das Leben von Flora 717 verläuft anders als das der anderen Arbeiterinnen. Sie ist nützlicher als andere Bienen – so bezeichnen das ihre „Vorgesetzten“. So beteiligt sie sich an der Kinderaufzucht, kümmert sich um das Wohlergehen der Drohnen und wird sogar Sammlerin. Indem…

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Schlossgarten Schwetzingen durch die Kamera von Horst Hamann

Bildband Schwetzingen Schlossgarten hamann

Welchen Schwetzinger Schlossgarten hätten’s denn gerne? Den der Hochzeitpaare mit dem satten grünen Rasen, dem ewig blauen Himmel und den majestätischen alten Bäumen? Dieser Schlosspark war nie meiner. Oder den der Familienausflüge, die hier besonders harmonisch gelingen, weil die mäandernden Spazierwege es erlauben, dass jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt? Der gefällt mir schon besser. Oder den Schlossgarten meiner Kindheit, prall voll mit magischen Orten wie dem Ende der Welt, dem majestätischen Hirsch und dem bemoosten Pan? Diesen Schwetzinger Schlossgarten besuche ich noch immer gerne. Oder lieber den Schlossgarten, der einen ausbremst und entschleunigt, der einen auf die Parkbank befördert und der einen zwingt, auf das sanft kräuselnde Wasser zu schauen und zu beobachten, wie sich die Spiegelungen verändern? Diesen Schwetzinger Schlossgarten lernte ich jenseits meines 35. Lebensjahres kennen. Oder den Schwetzinger Schlossgarten, der auch nach über 45 Jahren bei jedem neuen Besuch einen neuen Blickwinkel offenbart? Den mag ich besonders. Jetzt kenne ich noch einen…

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Über Lieblingsautoren zu bloggen ist nicht einfach: Wolf-Dieter Storl

Bücher von Storl die ich gelesen habe

Eigentlich erstaunlich, dass ich seit 2012 – so lange blogge ich hier schon – nur einen einzigen Beitrag zu Wolf-Dieter Storl und seinen Büchern veröffentlicht habe. Er zählt zu meinen Lieblingsautoren, einfach weil er ein begnadeter Erzähler und ein lustvoller Kreuz-und-Querdenker ist. Das macht Spaß zu lesen, erweitert meinen Horizont und sorgt für Aha- Momente. Andererseits erstaunt mich das auch wiederum nicht, denn ich kenne das von mir: je besser mir ein Buch gefällt desto schwerer fällt es mir, darüber zu reden. Das ging mir schon als Buchhändlerin so. Es erschien mir als fast unmöglich, die Fülle an Gedanken zu einem Lieblingsbuch in zwei, drei knackige Sätze für das Verkaufsgespräch zu packen. Damals habe ich begonnen, mir vor dem Weihnachtsgeschäft Knacksätze zu Büchern zu notieren, so dass ich sie bei Beratungen besser im Hirn verankert hatte. Es hat funktioniert und vielleicht war das ja die Keimzelle für mein heutiges Bloggen? Zurück zu Storl, von dem…

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Fürst Pückler – Bestseller-Autor zu Kaisers Zeiten

Biographie Fürst Pückler

Im Museum gewesen: „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“. Gleich danach im Museumsshop eine Biographie gekauft, weil mir der Mensch, um den es in der Ausstellung ging, fremd geblieben ist. Beim Lesen köstlich amüsiert, obwohl ich die Ausstellung ich als sehr theorielastig empfunden hatte. Doch das Museum ist unschuldig: es liegt am Menschen Fürst Pückler, der sich so gar nicht in eine Schublade zwängen lässt – und erst recht nicht in eine einzige Ausstellung. Fürst Pückler war ein bunter Hund. Ein Adliger, der bis Mittags schläft, sich danach im Garten die Hände schmutzig macht, abends in orientalischer Kleidung tafelt und anschließend viele Briefe an Frauen jeglichen Alters schreibt. Wäre er Brite gewesen, hätte man ihn als Exzentriker bezeichnet. Auch politisch saß er zwischen allen Stühlen und fühlte sich dort wohl. Dem jungen Deutschland stand er genauso nahe wie dem Kaiser und Bismarck. Regelmäßiger Gast in den Klatschspalten der Presse und Bestseller-Autor war er zudem…

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Gartenkunst im Museum: zwei Ausstellungen

Parkomanie - Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn

„Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ heißt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die uns Leben und Werk des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau näher bringen will. Das geschieht sehr biografisch, sehr textlastig und sehr theoretisch. Hochinteressant, aber ungefähr so, als würde ich durch ein Buch laufen. Was mir in dieser Ausstellung gefehlt hat, war der Dreck unter den Fingernägeln, die eigentliche Gartenarbeit. Erst durch den Garten auf dem Dach der Bundeskunsthalle, der alle in der Theorie vorgestellten Gestaltungselemente in modellhafter Realität zeigt, kommt die Ausstellung für mich ins Gleichgewicht. Aber war es wirklich nötig, dafür Bäume aus der Baumuniversität – eine Wortschöpfung von Fürst Pückler – von Branitz nach Bonn zu schaffen? Sie sollen nach Ende der Ausstellung wieder dorthin zurückkehren. Nun, dem Garten-Visionär hätte diese Idee sicherlich gefallen, denn klein Denken und bescheiden auftreten gehörte ganz sicherlich nicht zu seinen Talenten. Der Mensch Hermann von Pückler-Muskau war für mich nach der Ausstellung so wenig greifbar, dass ich…

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Einfach Räuchern – hilft auch gegen Schnaken

Buch Einfach Räuchern von Susanne Berk

Derzeit betreibe ich das Räuchern sehr pragmatisch: mehr Rauch bedeutet weniger Schnaken um mich. Das ist in diesem Jahr in einem Garten, der in der Rheinebene liegt, sehr wichtig. Die vielen Hochwasser boten den Schnaken perfekte Bedingungen und erschwerten der Schnakenbekämpfung KABS die Arbeit. Das ist wahrscheinlich der einzige Räucheranlass, der in dem Buch von Susanne Berk nicht vorkommt. Räuchern für das eigene Wohlbefinden, für Seelenfrieden, Harmonie und Konzentration und Räuchern, um mit feinstofflichen Kräften in Kontakt zu treten – das sind ihre Themen. Diese Möglichkeiten erklärt sie auf 112 Seiten sehr schlüssig und informativ, aber doch immer sehr persönlich. Trotz des enormen Detailwissens, das Susanne Berk in ihr Buch gepackt hat, wirkt dieses Büchlein für mich wie eine gute Freundin, die mich im lockeren Gespräch an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lässt. Ein Räucherstäbchen anzuzünden ist die einfachste Art zu Räuchern und für viele der Einstieg in das Thema. Auch das berücksichtigt Susanne Berk. Ein ganzes…

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Ein Museum ist eine Insel: Hombroich

Museum Hombroich Blick aus einem Ausstellungsgebäude

Einst war hier nichts als Natur. Dann kam der Mensch und mit ihm die Kunst. Einst war hier eine Auenlandschaft. Dann kam der Braunkohletagebau und legte die Landschaft trocken. Einst war hier ein Herrenhaus und eine Parklandschaft. Dann änderten sich die Zeiten und alles verwilderte. Dann kamen die Kunstliebhaber und Künstler und definierten alles neu. Bauten Häuser mit und ohne Kunst; schufen eine neue Landschaft ohne Park aber mit Wegen und renaturierten eine Auenlandschaft, wo keine mehr sein konnte. In diese Wildnis, die eine Kulturlandschaft ist, brachte der Mensch sich und seine Visionen, seine Fragestellungen ein. Wo stehe ich, wo schaue ich hin? Was möchte ich sehen, was kann ich erkennen? Was zeigt mit das Tageslicht heute, was morgen? Wie verändern die Jahreszeiten meinen Blick? In wie weit kann ich die Natur bereichern und in wie weit kann ich mich von ihr beschenken lassen? Dieses Museum ist kein Park, kein Landschaftsgarten und keine Galerie. Hombroich…

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Hainich – wandern im Noch-Nicht-Urwald

Wandern im Hainich Buchenwald

Es waren die alten Buchenwälder, die dem Hainich zum Status Unesco Weltnaturerbe verhalfen. Doch selbst ein alter Buchenwald ist kein Urwald. Das liegt einmal an der Struktur des Waldes: das dichte Laubdach der alten Buchen lässt nur wenig Licht durch, so dass kaum Unterholz wächst. Erst, wenn ein Baum umstürzt, fällt genug Licht auf den Waldboden und das Wachstum beginnt. Zudem wurden im Hainich bis 1998 noch Bäume gefällt. Die Spuren der Forstwirtschaft verblassen genauso wie die Spuren des Truppenübungsgeländes. Doch Urwald ist der Hainich nicht – eher ein Urwald-Erwartungsgebiet. Dschungelgefühl kommt daher nur sehr selten auf – das kann man im Nationalpark Bayrischer Wald besser erleben. Aber auch dort sind es nur wenige Waldstücke, die schon seit sehr langer Zeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Nicht, weil man den Wald schützen wollte, sondern weil sie einfach zu unzugänglich und abgelegen waren. Es ist auch nicht nur der Hainich, der von der Unesco ausgezeichnet und unter Schutz gestellt…

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