Die Kräuter in meinem Garten

Die Kräuter in meinem Garten - 800 Seiten Buch aus dem Freya Verlag

Ich gestehe: Die meisten Kräuter in meinem Garten wurden aus kulinarischen Gründen gepflanzt – Salbei, Lorbeer, Thymian.

Manche auch, weil ich statt Vorgarten einen Sandstreifen habe, der sich in der prallen Mittagssonne stark aufheizt.

Hier wuchert Rosmarin, der sich offensichtlich wie zuhause fühlt und froh ist, dass er nicht von wilden Ziegen zurück gebissen wird.

Ich bin mir der Heilwirkung der Kräuter wohl bewusst. Nichts hilft bei mir so gut gegen Wetterfühligkeits-Kopfschmerz wie ein Mädesüß-Tee. Doch die Blüten in meinem Garten überlasse ich lieber den Hummeln und Bienen und hole mir den Tee in der Apotheke.

Ein paar mal habe ich Heilkräuter gesammelt – Lindenblüten zum Beispiel. Wisst ihr, wie klebrig die sind? Das Trocknen wollte nicht so recht klappen und im Endeffekt sind sie dann doch wieder im Garten gelandet, auf dem Kompost. Die einzige Heilpflanze, von der ich immer einen großen Vorrat habe, ist Salbei. Kein Wunder: Wenn ich den nicht zweimal im Jahr kräftig zurückschneide, überwuchert er mir das ganze Kräuterbeet.

Doch so alle paar Jahre denke ich mir: Du solltest mehr mit Kräutern machen als nur Tee und Inhaliersalz.

Die Kräuter in meinem Garten – was für ein Wälzer!

800 Seiten Buch geben mir das sichere Gefühl: Es ist viel mehr möglich. 500 Heilpflanzen, 2000 Anwendungen, 1000 Rezepte. Ich fühle mich ein wenig erschlagen.

Wie nähert man sich einem so umfassenden Standardwerk? In meinem Fall blätternd. Bilder betrachtend. Pflanzen ratend. Ich bin überrascht, wie viele ich kenne.

An denen bleibe ich hängen. Lese. Freue mich, dass neben den informativen Texten und botanischen Fakten auch der Kurzweil seinen Platz findet. Unter »Magisches« wird vom Volksglauben erzählt und alte Geschichten weitergetragen. Ich mag das. In kleinen Infokästen wird auf Hildegard-Medizin, TCM und Homöopathie eingegangen. Ab und an gibt es einen Garten-Tipp. Den meisten Platz nehmen natürlich die Anwendungen und Rezepte ein. Vieles davon klingt machbar – selbst für mich.

Das Buch und ich, wir sind uns also sympathisch. Einen Haken hat die Sache natürlich doch: Ich muss 5 cm Platz in meinem Regal mit den Gartenbüchern schaffen. Erst dann kann »Die Kräuter in meinem Garten« von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger so richtig bei mir einziehen. Dann schauen wir, ob aus der Sympathie eine innige Freundschaft wird und ich tatsächlich Rezepte und Anwendungen umsetzen werde!

Wobei, der Rosmarin müsste eh mal wieder zurückgeschnitten werden – lass mal schauen: Rosmarin-Tee, Rosmarinwein, Massageöl, Tinktur, Salbe, Räuchern …

Infos zum Buch:

Sigrid Hirsch & Felix Grünberger

Die Kräuter in meinem Garten
500 Heilpflanzen, 2000 Anwendungen, 1000 Rezepte, Botanik, Anbau, Magisches, Homöopathie, Hildegardmedizin, TCM, Volksheilkunde

Freya Verlag

Noch mehr Buch-Tipps:

Zuerst wollte ich ja in der Zwischenüberschrift statt „Wälzer“ das schöne pfälzische Wort „Wescher“ verwenden, denn dann hätte der Beitrag gut zu dieser Empfehlung für ein weiteres Buch aus dem Freya Verlag gepasst:

Waldbaden – warum das für Pälzer Krischer eine gute Idee wäre

Hier findet ihr noch mehr Bücher und Beiträge zum Thema Natur und hier die schönste Rezension, die ich je geschrieben habe: Black Box Gardening und die Geschichte mit der Akelei.


Warum Waldbaden für Pälzer Krischer eine gute Idee wäre

Waldbaden: Kraft und Energie durch Bäume. Sachbuch aus dem Freya Verlag

Endlich sagt es mal einer! Das war mein spontaner Gedanke, als ich zum ersten Mal vom Begriff Waldbaden gehört habe.

Bis dahin war vom Wald als grüne Lunge die Rede gewesen, als Wasserschutzgebiet und Feinstaubfilter, als Naherholungsgebiet, Spielplatz für Kindergartenkinder und als Sportgerät.

Wer ohne Rucksack, Mountainbike, Hund und Kind im Pfälzer Wald unterwegs war, keine Pilze sammelte, weder Langstrecken laufen wollte noch den Premium-Wanderwegen folgte, dabei auch noch still vor sich hin lief und einfach nur atmete, schaute, lächelte – der wirkte fehl am Platz. Zumindest kam ich mir manchmal so vor.

Nun also die Trendwende. Sie kam aus Japan, hatte eine lange Tradition und wirkte zugleich urdeutsch und exotisch: shinrin yoku, waldbaden. Geh in den Wald, nimm ihn in Ruhe mit allen Sinnen wahr und kehre als glücklicher, gesunder Mensch in die Stadt zurück.

Wo ein Trend, da auch Bücher. Sie alle hatten eines gemeinsam: sie sprachen mich, die Waldliebhaberin, nicht an. Ich blätterte kurz rein, las ein paar Absätze und legte sie wieder weg. Da wurde viel Wissenschaft und noch mehr Worte bemüht um etwas zu begründen, was sich meiner Meinung nach nur erfahren lässt: die heilsame Wirkung, die ein Wald haben kann, wenn man sich mit allen Sinnen auf ihn einlässt.

Die Bücher ließen mir und meiner Liebe zum Wald keinen Freiraum. Dicht und eng gesetzt stürmten sie mit Input auf mich zu: Lies!Mich!und!Lerne! Oder sie steckten voller Aufforderungen: Mach!diese!Übung!Umarme!diesen!Baum!

Ich umarme gerne einen Baum – dann wenn mir und dem Baum danach ist. Der Wald sagt einem schon, welche Art Kontakt die angemessene ist.

Wald ist für mich Freiraum. Die Bücher wollten aus dem Wald ein System machen. Kein Wunder, das wir nicht zusammen kamen.

Freiräume machen den Unterschied

Nur eines sprach zu mir:„Waldbaden – Kraft und Energie durch Bäume“ von Werner Buchberger. Beim ersten Durchblättern hatte ich das Gefühl, frei atmen zu können – so, wie ich im Wald atme. Wie kann das sein? Es liegt am Layout und am Farbkonzept. Dieses Buch ist so gestaltet, dass es dem Leser Freiräume lässt, Platz zum Atmen und Denken. Es schenkt ihm damit die Möglichkeit, den Inhalt im eigenen Tempo zu erkunden.

Weil nun der Raum vorhanden war und ich mich als Leser mit eigenen Bedürfnissen akzeptiert gefühlt habe, konnte ich mich auf den Inhalt einlassen. Nun, was soll ich sagen: er besteht aus vielen Übungen, die ich alle nicht gemacht habe. Aber ich habe meine eigenen Erfahrungen und Vorgehensweisen mit denen des Försters Werner Buchberger abgeglichen. So entstand ein Dialog zwischen mir, dem Buch, dem Autor – und dem Wald.

Wir vier sind nicht bei allem einer Meinung. So habe ich meist im Wald mein Handy dabei und habe auch durchaus den Eindruck, dass es Bäume gibt, die auf dieses Netzwerk und seine Möglichkeiten zur Kommunikation neugierig sind. So wie diese Eiche, die ein Selfie mit mir machen wollte:

Waldbaden kreativ: der Versuch, ein Selfie mit einer Eiche zu machen. Die Eiche war zu groß für das Bild, daher bin ich nur vom Scheitel bis zur Nasenspitze zu sehen.
Selfie mit Eiche.

Nach der Lektüre eines Buches muss man wieder hinaus in die Welt. Und in den Wald. Dort waren sie wieder, die Pälzer Krischer. Gruppen auf dem Weg zur nächsten Hütte, die anscheinend eine Art Orientierung per Schall und Echolot entwickelt haben. Laut rufend – sie nennen es unterhalten – laufen sie durch den Wald. Man hört sie kilometerweit; an stillen Waldgenuss ist nicht zu denken. Ob ich ihnen in Zukunft ein Buch über Waldbaden in die Hand drücken sollte?


Angaben zum Buch:

Werner Buchberger

Waldbaden – Kraft und Energie durch Bäume

Freya Verlag


Mehr Bücher zum Thema Wald auf meinem Blog:


Draußen sein, im Garten und im Wald, Natur beobachten und erleben: Buch-Tipps und Rezensionen zu Gartenbüchern und Ratgebern, Sachbüchern und Nature Writing.


Karte der Wildnis

Mögen wir das Erkunden nicht lassen, und stehen am ende unserer Erkundungen wieder dort, wo wir einst begannen, und erkennen den Ort zum ersten Mal. Zitat von T. S. Eliot.
Mögen wir das Erkunden nicht lassen.

Was ist Wildnis? Für Menschen wie Robert Macfarlane lässt sich diese Frage kaum stellen, ohne den Verlust von Wildnis durch Umweltzerstörung gleich mitzudenken. Er macht sich auf, in seinem Heimatland Großbritannien die letzten wilden Winkel zu erkunden, bevor sie, wie er befürchtet, endgültig verschwunden sind: Gipfel, Moore, Küsten, Inseln, Wälder.

Seine Betrachtung der Natur erschien mir manchmal seltsam distanziert. Zuerst dachte ich, dass es daran liegt, dass seine Leitwissenschaft die Geologie ist. Das Benennen von Gesteinsschichten und Erdzeitaltern ist nicht meine Welt, aber ich bin grundsätzlich neugierig auf andere Blickwinkel. Dann dachte ich, dass das Gefühl von Distanz darin begründet ist, dass er so vieles macht, was ich nicht tue: Auf Bäume klettern, im Freien übernachten, querfeldein ohne Karte wandern. Aber auch daran kann es nicht liegen, da ja der Reiz von Büchern gerade darin liegt, Abenteuer mitzuerleben.

Was war es dann? Es ist der Blickwinkel des Erzählers selbst. Jede seiner Reisen ist wie Anlauf nehmen – einen langen, gründlicher Anlauf, um dann zum Schluss doch mitten hinein in das emotionale Erleben von Natur zu springen. Ich würde mir ja den Anlauf sparen und gleich zum Spüren übergehen – gerne ohne mich vorher durch Regen, Sturm und Schnee den Berg hinauf gequält zu haben. Doch Instant-Naturgenuss scheint nichts für den Erzähler zu sein. Er braucht die Mühe, um den Blickwinkel wechseln zu können. Ich nicht.

Aber es besteht Hoffnung für den armen Kerl. Sowohl seine kleine Tochter als auch sein guter Freund Roger zeigen ihm eine andere Art der Annäherung an Natur und Wildnis.

»Die Wildnis ist überalll« hatte mir Roger einmal geschrieben, »wir müssen einfach nur stehen bleiben und sie uns ansehen.«
Karte der Wildnis – S. 206

Wo gibt es noch echte Wildnis?

Ich selbst kann mir kaum etwas wilderes, kraftstrotzenderes, eigensinnigeres vorstellen als eine Industriebrache, die von Portulak, Brennnesseln, Beifuß, Pappel und Birken erobert wird – da bin ich ganz Kind der Vororte, aufgewachsen mit Blick auf den Industriehafen. Daher freut es mich natürlich, dass Robert Macfarlane sich am Ende seines Buches meinem Blickwinkel annähert:

Das in den Rissen des Gehwegs wuchernde Gras, die frech durch den Straßenasphalt stoßende Wurzel: Auch sie waren Zeichen von Wildnis … In einem Morgen Wald nahe der Stadt gab es ebenso viel zu lernen wie auf dem Gipfel des Ben Hope.
Karte der Wildnis – S. 290

 


Karte der Wildnis - Buch von Robert Macfarlane - Cover

Angaben zum Buch:

Robert Macfarlane

Karte der Wildnis

Übersetzt von Andreas Jandl und Frank Sievers

Matthes und Seitz Verlag
Reihe Naturkunden

ISBN: 978-3-95757-101-4


 

Dieses Buch von Robert Macfarlane und ich kamen hingegen so gar nicht zusammen: Alte Wege

Naturbeobachtung, Wissenschaft und Poesie: Das verborgene Leben des Waldes

Naturbeobachtung: Das verborgene Leben des Waldes von David G. Haskell

In dem Stapel der Bücher, die ich gerade lese, befindet sich immer eines, an dem ich besonders lange lese. Manchmal, weil es anstrengend ist. Oder auch, weil jedes Kapitel erst mal verdaut werden muss. Vielleicht auch deswegen, weil es ein Thema behandelt, das nicht immer passt.

Auf Das verborgene Leben des Waldes von David G. Haskell trifft all das nicht zu und doch lese ich schon seit dem letzten Frühsommer darin. Jetzt, im Januar, habe ich immer noch 40 Seiten vor mir. Ich werde sie mir einteilen.

Ich habe keine Eile mit dem Buch – ganz im Gegenteil. Es ist mein momentanes Genussbuch. Ich lese es langsam, ein Kapitel am Abend, höchstens zwei. Dann lege ich es wieder weg, genieße, was ich gerade gelesen habe und freue mich auf das nächste Kapitel, dass ich vielleicht in ein paar Tagen lese werde.

David G. Haskell hatte auch keine Eile. Ein Jahr lang hat er sich Zeit genommen und ein kleines Stück Waldboden genau beobachtet. Gerade mal ein Quadrameter groß ist dieser Kosmos im Kleinen. Ganz genau schaut David G. Haskell hin, beobachtet Pflanzen, Insekten, Pilzsporen und kleinste Veränderungen. Er schaut mit dem Blick des Wissenschaftlers und schreibt mit dem Herz des Poeten.

Die Mücke auf meiner Hand hat offensichtlich eine ergiebige Ader getroffen. In Sekundenschnelle schwillt ihr hellbrauner Unterleib zu einem rubinrot glänzenden Ballon an.
S. 142

Das entspricht seiner Vorstellung von Naturnähe. Nah ran gehen, nicht eingreifen, beobachten. Auf die Beobachtung folgt eine detaillierte wissenschaftlich Beschreibung, die mich Staunen lehrt. Nie hatte ich mir zuvor Gedanken darüber gemacht, was für ein hochkomplexer Organismus eine Stechmücke ist! Damit verändert sich meine Einschätzung von „lästig“ auf „faszinierend“ in fünf Sätzen.

Doch pures Beobachten und Erklären genügt David G. Haskell nicht. Seine kleinen Beobachtungen verortet er im großen Ganzen, im Ökosystem und in der Geschichte des Planeten. So ist jedes Kapitel eine Reise vom Menschen zum Naturdetail und von dort aus über die Wissenschaft zum gesamten Planeten. Dafür genügen ihm nur wenige Seiten: seine Kapitel sind erstaunlich kurz.

Das wiederum macht es mir leichter, mir das Buch in kleine Genusshäppchen einzuteilen. Was für ein Lesevergnügen!


Angaben zum Buch:

Genusslesen mit dem Buch Das verborgene Leben des Waldes von David Haskell

David G. Haskell

Übersetzt aus dem Englischen von Christine Ammann

Das verborgene Leben des Waldes
Ein Jahr Naturbeobachtung

Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-22198-1

Ausführliche Rezensionen zum Buch bei Elementares Lesen und bei Literaturkritik. 


Nature Writing – Grenzgänger zwischen Sachbuch, Roman, Poesie und Naturbeobachtung. Ein Genre, was mich immer wieder packt. Hier eine kleine Auswahl an Büchern, die ich empfehlen kann, mit Links zu meinen Buchrezensionen:


Bienen. Flora 717 und der Bienenstaat.

Bienen von Laline Paull. Grenzgänger zwischen Roman und Sachbuch.

Jetzt weiß ich mehr über Bienen und Bienenvölker,  als ich je wissen wollte. Das habe ich der Autorin Laline Paull und Flora 717 zu verdanken. Flora ist eine Arbeiterbiene, die immer wieder aus ihrer Rolle herausfällt, und so zur Heldin des Romans „Die Bienen“ wird.

Doch weder aus der Rolle herausfallen noch Heldin sind passende Bezeichnungen. Laline Paull vermenschlicht die Bienen nie. Vielmehr beschreibt sie das Leben in einem Bienenvolk von innen heraus. Wie wird die Zusammenarbeit organisiert? Welche Rolle spielen Duftstoffe und die Tänze der Bienen? Wie wirkt sich schlechtes Wetter aus und wie wird ein Wespenangriff abgewehrt? Wie sieht der Alltag in einem Bienenstock aus und welche Aufgaben erfüllen die einzelnen Bienen?

Das Leben von Flora 717 verläuft anders als das der anderen Arbeiterinnen. Sie ist nützlicher als andere Bienen – so bezeichnen das ihre „Vorgesetzten“. So beteiligt sie sich an der Kinderaufzucht, kümmert sich um das Wohlergehen der Drohnen und wird sogar Sammlerin. Indem der Leser Floras Leben verfolgt lernt er alles über Aufbau eines Bienenstaats. Ein hochinteressanter Ansatz, Wissen über Bienen zu vermitteln!

Doch das, was die Stärke des Romans ist, der auch ein Sachbuch sein könnte, ist zugleich auch seine Schwäche. Dadurch, dass die Bienen nicht vermenschlicht werden, funktionieren die Techniken eines Romans nur bedingt. Das Leben bleibt immer gleich, die Figuren entwickeln sich nicht. Wie sollten sie auch, wenn sie einem biologischen Programm folgen? Symptomatisch ist für mich der Satz „Flora verschloss ihre Antennen“, den ich recht bald nicht mehr lesen wollte. Auch über die Wirkung von Duftstoffen wollte ich einfach irgendwann nicht noch mehr wissen. Aber da sie entscheidend dazu beitragen, das Leben im Bienenstaat zu organisieren, werden sie immer und immer wieder beschrieben.

So fand ich das Buch thematisch hochinteressant und stilistisch ermüdend.


Angaben zum Buch:

Laline Paull

Die Bienen

(Übersetzer wird auf der Webseite des Verlags leider nicht angegeben)

Droemer Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-30478-5

(Das Buch ist nicht mehr lieferbar)

Alexandra vom Bücherkaffee war hingegen begeistert und bei Read Pack hat das Buch für gute Laune gesorgt. Deutschlandradio Kultur berichtet hier. Ich empfehle stattdessen Tiere in der Stadt. Eine Naturgeschichte oder Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften.


 Viel über Bienen gelernt habe ich auch in diesem Buch: Der Heiler und die Bienen

Schlossgarten Schwetzingen durch die Kamera von Horst Hamann

Bildband Schwetzingen Schlossgarten hamann

Welchen Schwetzinger Schlossgarten hätten’s denn gerne? Den der Hochzeitpaare mit dem satten grünen Rasen, dem ewig blauen Himmel und den majestätischen alten Bäumen? Dieser Schlosspark war nie meiner.

Oder den der Familienausflüge, die hier besonders harmonisch gelingen, weil die mäandernden Spazierwege es erlauben, dass jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt? Der gefällt mir schon besser.

Oder den Schlossgarten meiner Kindheit, prall voll mit magischen Orten wie dem Ende der Welt, dem majestätischen Hirsch und dem bemoosten Pan? Diesen Schwetzinger Schlossgarten besuche ich noch immer gerne.

Oder lieber den Schlossgarten, der einen ausbremst und entschleunigt, der einen auf die Parkbank befördert und der einen zwingt, auf das sanft kräuselnde Wasser zu schauen und zu beobachten, wie sich die Spiegelungen verändern? Diesen Schwetzinger Schlossgarten lernte ich jenseits meines 35. Lebensjahres kennen.

Oder den Schwetzinger Schlossgarten, der auch nach über 45 Jahren bei jedem neuen Besuch einen neuen Blickwinkel offenbart? Den mag ich besonders.

Jetzt kenne ich noch einen weiteren Schwetzinger Schlossgarten: den des Fotografen Horst Hamanns. Dieser spezielle Schlossgarten enthält von all dem, was ich genannt habe, ein wenig und ist doch so ganz und gar neu und eigen.

Schwetzingen by Horst Hamann

Schwetzingen hat Jubiläum. Mindestens 1250 Jahre ist es alt – so sagt der Lorscher Codex. Zu so einem Jubiläum gönnt man sich was. In diesem Fall eine Zusammenarbeit mit dem Fotografen Horst Hamann.

Wie fast alle Mannheimer hat er ein enges Verhältnis zum Schwetzinger Schlossgarten. Als Kind war er hier, bestaunte das Ende der Welt und andere verwunschene Orte. Als junger Fotograf nutzte er den Schlossgarten als Kulisse für romantische Fotos. Jetzt hat er sich wieder auf diesen besonderen Ort eingelassen und nahm sich für seine Foto-Serie fast eineinhalb Jahre Zeit.

Natürlich steht der Schlossgarten mit seinen Skulpturen, verwunschenen Plätzen und Blickachsen im Mittelpunkt. Wer Schwetzingen zum ersten Mal besucht, kommt schließlich wegen des Parks.

Gegen Ende des Buches werden die Kreise größer. Doch wie fotografiert jemand, der erfolgreiche Bildbände zu Metropolen veröffentlicht hat, eine Kleinstadt? In dem er sucht und das kleinstädtische genauso ernst nimmt wie die Spuren urbaner Architektur.

Mittendrin dann auf einmal das Foto, das für mich Schwetzingen jenseits des Schlossgartens zusammenfasst: ein Pfau, der über eine schon fast dörflich anmutende Straße läuft und den Verkehr zum Ruhen bringt. Für einen Moment ist der Pfau und damit ein Stück Schlossgarten über die Gartenmauer gehüpft und verzaubert den Ort. Das ist Schwetzingen.


Angaben zum Bildband:

Schwetzingen by Horst Hamann

Edition Panorama

ISBN 9783898235105

Webseite des Schloss und Schlossgarten Schwetzingen


Lust auf mehr Parkbesuche mit mir?

Und dann gibt es noch diesen Roman mit und über Schwetzingen, der so gar kein Heimatroman ist 

Über Lieblingsautoren zu bloggen ist nicht einfach: Wolf-Dieter Storl

Bücher von Storl die ich gelesen habe

Eigentlich erstaunlich, dass ich seit 2012 – so lange blogge ich hier schon – nur einen einzigen Beitrag zu Wolf-Dieter Storl und seinen Büchern veröffentlicht habe. Er zählt zu meinen Lieblingsautoren, einfach weil er ein begnadeter Erzähler und ein lustvoller Kreuz-und-Querdenker ist. Das macht Spaß zu lesen, erweitert meinen Horizont und sorgt für Aha- Momente.

Andererseits erstaunt mich das auch wiederum nicht, denn ich kenne das von mir: je besser mir ein Buch gefällt desto schwerer fällt es mir, darüber zu reden.

Das ging mir schon als Buchhändlerin so. Es erschien mir als fast unmöglich, die Fülle an Gedanken zu einem Lieblingsbuch in zwei, drei knackige Sätze für das Verkaufsgespräch zu packen.

Damals habe ich begonnen, mir vor dem Weihnachtsgeschäft Knacksätze zu Büchern zu notieren, so dass ich sie bei Beratungen besser im Hirn verankert hatte. Es hat funktioniert und vielleicht war das ja die Keimzelle für mein heutiges Bloggen?

Zurück zu Storl, von dem ich längst noch nicht alles gelesen habe. „Wanderung zur Quelle. Geschichten von Shiva und Parvati“ fehlt mir zum Beispiel noch. Warum eigentlich? Wahrscheinlich nur, weil Storl schon so viel Interessantes veröffentlicht hat. Wie soll ich das in einem einzigen Leserleben schaffen?

Würde ich noch einmal von vorne beginnen, seine Bücher zu lesen, dann würde ich unbedingt mit seiner Autobiographie beginnen: Ich bin ein Teil des Waldes. Den Untertitel Der Schamane aus dem Allgäu erzählt ignoriert man am besten. Er wird ihm und seinem enormen Wissen genauso wenig gerecht wie den vielen kleinen und großen Abenteuer, über die er ihm Buch erzählt. Das beginnt bei den Mutproben, die er als Junge in den amerikanischen Wäldern bestanden hat, führt nach Indien und in die Schweiz, an die Universität und zu den Indianern. Storl ist vielseitig – ein Untertitel kann ihm nicht genügen.

Doch was könnte das zweite Buch von Storl sein, das man liest? Das wiederum hängt von den eigenen Interessen ab. Vielleicht Bekannte und vergessene Gemüse oder auch Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor. Beide sind im AT Verlag erschienen, einen Verlag, den ich sehr schätze. Schön gemachte Bücher zu interessanten Themen in feinster Ausstattung – da schlägt mein Bücherherz schneller!

Danach könnte sich ein Ausflug in die Geschichte lohnen – vielleicht mit Pflanzen der Kelten
Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender ? Oder bei den Pflanzen bleiben: Mit Pflanzen verbunden
Meine Erlebnisse mit Heilkräutern und Zauberpflanzen.

Ganz ehrlich: mich hat noch kein Buch von Storl enttäuscht. Auch wenn ich nicht immer mit ihm einer Meinung bin. Insbesondere bei den Herleitungen von Wortbedeutungen würde ich gerne die zweite Meinung eines Sprachwissenschaftlers hören. Aber das macht nichts, denn Storls Bücher sind prall von Geschichten und Inspirationen. Sie verführen dazu, Wald, Garten und Feld mit anderen Augen zu betrachten und versorgen den Lesern mit Fakten zur Kulturgeschichte, zur Botanik und zur Heilkunde. Und die Götter kommen auch nicht zu kurz.

Mehr Infos über Storl findet Ihr auf seiner (etwas in die Jahre gekommenen mittlerweile sehr schicken) Webseite. Einen guten Eindruck von seiner Art zu erzählen bekommt Ihr auch in den Videos von Mystica.tv. Meine Rezension zu “Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer” findet Ihr hier auf meinem Blog. Viel Spaß beim Entdecken!


Dringend nötiges Update: es gibt mehr Beiträge zu den Büchern von Wolf Dieter Storl auf meinem Buchblog: Wolfsmedizin und Wanderung zur Quelle

 

Fürst Pückler – Bestseller-Autor zu Kaisers Zeiten

Biographie Fürst Pückler

Im Museum gewesen: „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“. Gleich danach im Museumsshop eine Biographie gekauft, weil mir der Mensch, um den es in der Ausstellung ging, fremd geblieben ist. Beim Lesen köstlich amüsiert, obwohl ich die Ausstellung ich als sehr theorielastig empfunden hatte. Doch das Museum ist unschuldig: es liegt am Menschen Fürst Pückler, der sich so gar nicht in eine Schublade zwängen lässt – und erst recht nicht in eine einzige Ausstellung.

Fürst Pückler war ein bunter Hund. Ein Adliger, der bis Mittags schläft, sich danach im Garten die Hände schmutzig macht, abends in orientalischer Kleidung tafelt und anschließend viele Briefe an Frauen jeglichen Alters schreibt. Wäre er Brite gewesen, hätte man ihn als Exzentriker bezeichnet.

Auch politisch saß er zwischen allen Stühlen und fühlte sich dort wohl. Dem jungen Deutschland stand er genauso nahe wie dem Kaiser und Bismarck. Regelmäßiger Gast in den Klatschspalten der Presse und Bestseller-Autor war er zudem auch noch.

Wie schreibt man zu Kaisers Zeiten einen Bestseller?

Wie hat man damals, zu Kaisers Zeiten Bestseller gemacht? Genau wie heute. Man nehme einen Autor, der entweder schon prominent ist oder einen Lebenswandel hat, über den sich gut in den Zeitungen schreiben lässt. Fürst Pückler hatte beides.

Schnell muss man sein. Das Buch muss erscheinen, solange noch über das Thema gesprochen wird. Fürst Pückler und sein Team haben zum Teil nur ein halbes Jahr gebraucht, um ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.

Natürlich muss ein Bestseller-Autor auch etwas zu erzählen haben und inspirieren können. An beidem bestand bei Fürst Pückler kein Mangel.

Ein Bestseller-Autor schreibt nicht alleine. Fürst Pückler wusste ein gutes Team hinter sich, die sich um mehr als nur das Lektorat gekümmert haben. Lucie, seine geschiedene Frau, die doch immer seine Lebensgefährtin blieb, hat alles schlüpfrige geglättet. Varnhagen strich alles allzu politische raus. Sein Verleger Hallberger sorgte dafür, dass das Buch schnell erschien.

Kalkulieren muss man können. Nur an einem Buch hat Fürst Pückler nichts verdient, da es viel zu opulent ausgestattet war. Mit den anderen Büchern hat er immer Schulden ausgleichen können, die durch seine Leidenschaft für Landschaftsgärten und seinen Lebenswandel entstanden sind.

Der grüne Fürst – eine gelungene Biographie

Heinz Ohff hat mit seinem Buch das geschafft, was der Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ nicht gelingen konnte: er hat mir den Menschen Fürst Pückler und seinen Charakter nahe gebracht. Amüsante und informative Lektüre, die ich gerne weiter empfehle.

Nur über Lucie, die trotz Scheidung ein Leben lang an Pücklers Seite blieb, würde ich zu gerne immer noch mehr wissen.

Weitere Angaben zur Biographie:

Heinz Ohff

Der grüne Fürst
Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau

Piper Verlag


Meine Eindrücke zur Ausstellung  „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ findet Ihr hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


Noch ein Exzentriker mit einer Leidenschaft für Landschaftsgärten: Lord Findlater

Gartenkunst im Museum: zwei Ausstellungen

Parkomanie - Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn
Parkomanie – Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn

„Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ heißt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die uns Leben und Werk des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau näher bringen will. Das geschieht sehr biografisch, sehr textlastig und sehr theoretisch. Hochinteressant, aber ungefähr so, als würde ich durch ein Buch laufen.

Was mir in dieser Ausstellung gefehlt hat, war der Dreck unter den Fingernägeln, die eigentliche Gartenarbeit.

Erst durch den Garten auf dem Dach der Bundeskunsthalle, der alle in der Theorie vorgestellten Gestaltungselemente in modellhafter Realität zeigt, kommt die Ausstellung für mich ins Gleichgewicht.

Aber war es wirklich nötig, dafür Bäume aus der Baumuniversität – eine Wortschöpfung von Fürst Pückler – von Branitz nach Bonn zu schaffen? Sie sollen nach Ende der Ausstellung wieder dorthin zurückkehren. Nun, dem Garten-Visionär hätte diese Idee sicherlich gefallen, denn klein Denken und bescheiden auftreten gehörte ganz sicherlich nicht zu seinen Talenten.

Der Mensch Hermann von Pückler-Muskau war für mich nach der Ausstellung so wenig greifbar, dass ich mir gleich eine Biographie kaufen musste. Ich hoffe, Heinz Ohff bringt mir in seinem Buch „Der grüne Fürst“ den Exzentriker und Gartenkünstler näher. Noch mehr hoffe ich, darin etwas über die Frau des Fürsten, Lucie von Hardenberg, zu erfahren, die eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein muss. Im Museum kam sie nur am Rande vor.

Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie:
großartig dank thematischer Beschränkung

Brunnenfigur im Landschaftsgarten Schloss Fantaisie
Brunnenfigur im Landschaftsgarten Schloss Fantaisie

Mir persönlich hat das Gartenkunst-Museum in Schloss Fantaisie bei Bayreuth besser gefallen.

Was diese Ausstellung auszeichnet, ist die bewusste Beschränkung: wenige, dafür klug gewählte Ausstellungsobjekte zeigen, wie in den Gärten gearbeitet und gelebt wurde und wie sich die Gartenmode und die Bedeutung der Gärten im Laufe der Jahrhunderte geändert hat. Das ist trotz aller kurfürstlichen Pracht nah an dem, wie wir heute Gärten erleben.

Genau dieser vertraute Blickwinkel macht das Museumsthema Gartenkunst, dass sich so schlecht in Innenräumen darstellen lässt, begreifbar und erfahrbar.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Gartengeschichte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert und auf diesen Themen:

  • Stilepochen der Gartenkunst vom Mittelalter bis zur Moderne
  • Gestaltungsprinzipien: regelmäßige Gärten und Landschaftsgärten
  • Gestaltungselemente des Gartens: Skulptur, Wasser, Bauwerke
  • Grundlagen der Gartenkunst: Literatur, Personal, Werkzeug
  • Gartenpflanzen: Blumen, Obst und Gemüse, Orangen und Palmen

Es gibt auch in dieser Ausstellung viel zu lesen. Doch die Texte sind gut und locker geschrieben. Diese eine kleine Spitze auf einer Info-Tafel im Museum für Gartenkunst wird mir für immer im Gedächtnis bleiben, denn sie kam überraschend und war gut platziert: Schlechter Geschmack bei Gartenmöblierung und Deko gab es schon vor dem Siegeszug der Baumärkte und Gartencenter. Belegt wurde das mit einem alten Versandhauskatalog.

Gut gegessen haben wir dort auch. „Es ist fast nichts im Haus“. An dieses Zitat aus Asterix bei den Belgiern fühlten wir uns erinnert, als wir uns im Museumscafé aufwärmen wollten. Die sehr nette Bedienung entschuldigte sich, dass sie nicht mit so vielen Gästen heute gerechnet hätte. Deswegen hätte sie kaum Auswahl da: nur vier verschiedene Kuchen. Nun, einer war leckerer als der andere!

Schloss Fantaisie – das ist übrigens kein Tippfehler, das Schloss heißt wirklich so. Schon allein der Landschaftsgarten dazu ist eine Reise wert!


Infos zu den Museen und Ausstellungen:

Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler. Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

Dauerausstellung im Gartenkunst-Museum im Schloss Fantaisie

Noch ein Museums-Tipp von mir: Gärtner Museum in Bamberg


Gärten und Natur erleben: Ausflugsziele und Bücher – meine Empfehlungen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Zwei Bücher, in denen Gartenkunst und Landschaftsgärten eine wichtige Rolle spielen:

Einfach Räuchern – hilft auch gegen Schnaken

Buch Einfach Räuchern von Susanne Berk

Derzeit betreibe ich das Räuchern sehr pragmatisch: mehr Rauch bedeutet weniger Schnaken um mich. Das ist in diesem Jahr in einem Garten, der in der Rheinebene liegt, sehr wichtig. Die vielen Hochwasser boten den Schnaken perfekte Bedingungen und erschwerten der Schnakenbekämpfung KABS die Arbeit.

Das ist wahrscheinlich der einzige Räucheranlass, der in dem Buch von Susanne Berk nicht vorkommt. Räuchern für das eigene Wohlbefinden, für Seelenfrieden, Harmonie und Konzentration und Räuchern, um mit feinstofflichen Kräften in Kontakt zu treten – das sind ihre Themen.

Diese Möglichkeiten erklärt sie auf 112 Seiten sehr schlüssig und informativ, aber doch immer sehr persönlich. Trotz des enormen Detailwissens, das Susanne Berk in ihr Buch gepackt hat, wirkt dieses Büchlein für mich wie eine gute Freundin, die mich im lockeren Gespräch an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lässt.

Ein Räucherstäbchen anzuzünden ist die einfachste Art zu Räuchern und für viele der Einstieg in das Thema. Auch das berücksichtigt Susanne Berk. Ein ganzes Kapitel in dem Buch widmet sich dem Thema Räucherstäbchen und vor allen Dingen der Frage, was ein gutes Räucherstäbchen ausmacht. Bekommt man vom Rauch Kopfschmerzen, dann liegt das meist an synthetischen Stoffen und schlechter Verarbeitung. Oder daran, dass man mal wieder lüften sollte – aber aufpassen, dass keine Schnaken reinkommen!

Hier findet Ihr noch mehr Buch-Tipps zum Thema Räuchern mit Kräutern und Harzen


Angaben zum Buch:

Susanne Berk

Einfach räuchern
Anwendung, Wirkung und Rituale

Koha kompakt

Koha Verlag
ISBN 978-3-86728-201-7


 Apropos Schnaken und Stechmücken: Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten und wie sie weitergehen kann

 

Ein Museum ist eine Insel: Hombroich

Museum Hombroich Blick aus einem Ausstellungsgebäude
Kunst schaut auf Natur; Natur schaut auf Kunst. Und wohin schaut der Betrachter?

Einst war hier nichts als Natur. Dann kam der Mensch und mit ihm die Kunst.

Einst war hier eine Auenlandschaft. Dann kam der Braunkohletagebau und legte die Landschaft trocken.

Einst war hier ein Herrenhaus und eine Parklandschaft. Dann änderten sich die Zeiten und alles verwilderte.

Dann kamen die Kunstliebhaber und Künstler und definierten alles neu. Bauten Häuser mit und ohne Kunst; schufen eine neue Landschaft ohne Park aber mit Wegen und renaturierten eine Auenlandschaft, wo keine mehr sein konnte.

In diese Wildnis, die eine Kulturlandschaft ist, brachte der Mensch sich und seine Visionen, seine Fragestellungen ein.

Wo stehe ich, wo schaue ich hin? Was möchte ich sehen, was kann ich erkennen? Was zeigt mit das Tageslicht heute, was morgen? Wie verändern die Jahreszeiten meinen Blick? In wie weit kann ich die Natur bereichern und in wie weit kann ich mich von ihr beschenken lassen?

Dieses Museum ist kein Park, kein Landschaftsgarten und keine Galerie. Hombroich ist eigentlich auch kein Museum. Es ist renaturierte Natur mit Ausstellungskonzept, aber ohne Plan. Hombroich ist Begegnungsstätte von Mensch, Kunst, Natur und Freiheit.

Hombroich ist eine Insel, wie kein anderes Museum eine Insel ist. Ein Sehnsuchtsort, ein Platz für Freidenker. Eine Ausstellungsfläche, ein Freiraum. Kunst wird hier nicht vermittelt, sie darf wirken.

Es gibt keinen Plan für das Gelände. Wie ich jetzt bemerkt habe, habe ich bei meinem ersten Besuch nicht alles entdeckt. Darüber ärgere ich mich nicht. Das ist vielmehr ein hochwillkommener Anlass für mich, bald wieder hinzufahren.

Informationen zur Museumsinsel Hombroich:

Webseite der Stiftung

Sehr guter Artikel mit Hintergrundinfos in der Bauzeitung:

… das Rot der Ziegelbauten und das üppige Grün der Vegetation im Komplementärkontrast, dazu das silbrig spiegelnde Licht der Wasserflächen. Alle weiteren Farben bleiben der Kunst vorbehalten.
Quelle: IN DIE JAHRE GEKOMMEN
MUSEUM INSEL HOMBROICH
1. Februar 2009 – db deutsche bauzeitung 11|2008
http://www.db-bauzeitung.de/db-themen/db-archiv/museum-insel-hombroich-2/

Wo das Ungeplante wachsen kann – Infos zum gärtnerischen Konzept in der FAZ

Fotos: Instagram-Fotos von meinem Besuch im Juli 2016.


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Lust auf Heimaturlaub? 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Hier meine Rezension:

Hainich – wandern im Noch-Nicht-Urwald

Wandern im Hainich Buchenwald
Buchen im Hainich. Zu groß für ein Instagram-Foto.

Es waren die alten Buchenwälder, die dem Hainich zum Status Unesco Weltnaturerbe verhalfen.

Doch selbst ein alter Buchenwald ist kein Urwald. Das liegt einmal an der Struktur des Waldes: das dichte Laubdach der alten Buchen lässt nur wenig Licht durch, so dass kaum Unterholz wächst. Erst, wenn ein Baum umstürzt, fällt genug Licht auf den Waldboden und das Wachstum beginnt.

Zudem wurden im Hainich bis 1998 noch Bäume gefällt. Die Spuren der Forstwirtschaft verblassen genauso wie die Spuren des Truppenübungsgeländes. Doch Urwald ist der Hainich nicht – eher ein Urwald-Erwartungsgebiet.

Dschungelgefühl kommt daher nur sehr selten auf – das kann man im Nationalpark Bayrischer Wald besser erleben. Aber auch dort sind es nur wenige Waldstücke, die schon seit sehr langer Zeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Nicht, weil man den Wald schützen wollte, sondern weil sie einfach zu unzugänglich und abgelegen waren.

Es ist auch nicht nur der Hainich, der von der Unesco ausgezeichnet und unter Schutz gestellt wurde. Auch wenn auf manchen Informationstafeln dieser Eindruck entsteht. Zu den alten Buchenwäldern, die sich Unesco Weltnaturerbe nennen dürfen, zählen in Deutschland auch

  • Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen
  • Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen
  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg
  • Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern

Das Wahrzeichen des Hainich ist übrigens keine Buche, sondern eine Eiche: die Betteleiche nahe der Wüstung Ihlefeld. Dieser Ort fasst die ganze Geschichte des Hainichs zusammen: alte Handelsstraßen, Klostergründung, Umwandlung zum Gutshaus, Enteignung, Zerstörung und Nutzung als Truppenübungsplatz.

Betteleiche, Wahrzeichen des Hainich: eine alte Eiche mit zwei Stämmen
Betteleiche im Hainich

Wandern im Hainich

Der Hainich bietet eine touristische Infrastruktur, wie ich sie noch in keinem Wandergebiet vorgefunden habe: perfekt ausgezeichnete Wanderwege, Trocken-Toiletten mit Klopapier nicht nur an den Parkplätze, sondern auch dort, wo wichtige Routen sich kreuzen, Wanderwege und Radwege für jede Konditionsstufe und barrierefreie Spaziergänge, die sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Blinde geeignet sind.

Trotzdem waren wir, sobald wir die Spazierwege unter 4 km Länge oder den Weg zum Baumkronenpfad verlassen hatten, alleine im Wald. Im Juli in der Ferienzeit! Die wenigen Menschen, die uns begegneten, haben freundlich gegrüßt oder sogar nach dem woher und wohin gefragt. Das lässt vermuten, dass auch ihnen noch nicht allzu viele Menschen begegnet waren.

Wir sind den Saugraben-Weg entlang gewandert, der mir mit seiner Mischung aus blühenden Wiesen mit unzähligen Schmetterlingen und schönen Waldpassagen am besten gefallen hat.

Beim Bummelkuppenweg hat mich das lange Stück am Anfang entlang einer Schotterstraße gestört. Dieses Wegstück ist historisch bedeutend, da es sich um eine alte Handelsstraße mit Resten von Zollstationen handelt, aber mühsam zu laufen. Deswegen haben wir den Weg etwas variiert und um einen Abstecher zur Betteleiche ergänzt und am Ende des Weges noch einen Schlenker über den Urwaldpfad gemacht. So wurde trotz des Schotters zu Beginn noch eine schöne Wanderung daraus.

Den Naturpfad Thiemsburg haben wir als Abschiedsspaziergang gemacht. Dort waren wir, keinen Kilometer von der Hauptattraktion Baumkronenpfad entfernt, schon wieder von wäldlicher Stille umgeben.

Als Ausgangspunkt hatten wir Bad Langensalza gewählt, was sich als gute Idee herausstellte. Hier gibt es sogar eine Ferienwohnung, die mitten im kleinen botanischen Garten liegt, mit Kneippanlage direkt vor der Haustür! Allerdings sind es von Bad Langensalza bis zu den Wanderparkplätzen des Hainichs meist 45 Minuten Fahrzeit. Das liegt an den schmalen, schlecht ausgebauten Straßen und an der Tatsache, dass es in Thüringen generell an Umgehungsstraßen mangelt.

Wer wie ich die Pfalz vor der Haustür hat, ist schwer von anderen Wandergebieten zu begeistern. Der Hainich hat jedoch mein Herz erobert.


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