Bücher, Zeitschriften, Comics – als Kind habe ich einfach alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Gefühlt war Lesestoff immer Mangelware. Bücher wurden vor allen Dingen ausgeliehen, gekauft eher selten. Doch ab und an gab es wohl im Supermarkt reduzierte Comics – das war wohl eine Quelle. Die andere Quelle waren die Jungs aus der Nachbarschaft: dort habe ich mir vor allem Donald Duck und Asterix ausgeliehen; ab und an auch mal Superhelden.
Meine Mutter musste sich noch verteidigen, dass sie ihrem Kind Comics zu lesen gab – ich bin Jahrgang 1968. Doch selbstbestimmtes Lesen war ihr wichtiger als irgendein literarischer Bildungsauftrag und meine sehr guten Deutsch-Noten nahmen den Kritikern dann eh den Wind aus den Segeln. Sie hatte als Kind auch immer gefühlt zu wenig zu lesen gehabt und war auf die Fortsetzungsromane der Gartenlaube ausgewichen. Geschadet hat ihr das ebenfalls nicht.
Eine Leidenschaft für Comics habe ich damals aber nicht entwickelt. Ich las einfach alles, was ich bekam. Die Wende kam eigentlich erst während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin – also 1989/90.
Hallo Comic-Abteilung – hallo Dagmar!
Comics spielten damals im Buchhandel keine Rolle. Kaum ein Buchhändler hatte welche vorrätig. Es zählte das Totschlag-Argument aller Buchhändler: unsere Kunden wollen das nicht. Das Wort Schund fiel so gerade eben nicht mehr.
Doch dann landete ich in einer Filiale der Buchhandlung, die gegründet wurde, um zu experimentieren. Buch Kober im Stadtgarten lag gegenüber von WOM – World of Music. Wer mit CDs zur Kasse wollte, musste durch die Buchhandlung. Dort gab es die größte Science-Fiction und Fantasy-Abteilung des Rhein-Neckar-Raums, die Noten der angesagten Bands und eben Comics, viele Comics. Ein Nerd-Paradies innerhalb einer normalen Buchhandlung mit Schwerpunkt Taschenbuch. Hell, großräumig, fast nur Frontalpräsentation.
Gelesen habe ich zu dem Zeitpunkt fast nur Cartoons und Comic-Strips: Gary Larson, Hägar und Garfield. Nun stand ich auf einmal vor den Comics und dachte mir: ich kenne euch nicht, aber ich soll euch ab jetzt verkaufen. Also begann ich zu lesen. Lesen hilft immer.
Begonnen habe ich mit Tim und Struppi, die etwas statischeren Bildern und das ruhigere Erzählen kamen mir entgegen. Ich las mich quer durch das Carlsen- und Ehapa Programm und bald auch quer durch alles, was mir in die Finger kam: Marsipulami, Valerian und Veronique, Gaston, Blueberry, Natascha, Modesty Blaise, Manara …
Der Comic-Markt war damals im Umbruch. Weniger Kinder-Comics wie Yakari, mehr Comic-Art. Lauzier, Prado, Moebius und Jodorowsky. Was auch immer kam – ich las. Die nächste Wende wurde durch Akira eingeleitet.
Vorhang auf für Mangas
Akira war der erste Manga, der mir auf dem deutschen Markt begegnete. Großformatig und in europäischer Leserichtung – etwas anderes hatte sich der Verlag nicht getraut. Ich las – und stieg aus. Das war mir zu schnell, ich fand nicht in die Bildsprache hinein, verstand die Emotionen nicht und die hektischen Schnitte machten mich nervös. Nur ein Manga konnte mich fesseln: Battle Angel Alita, ebenfalls in europäischer Leserichtung.
Aber das ich mich mit den Mangas nicht anfreunden konnte machte nichts, denn es gab ja noch die vielen Alben von Verlagen wie Schreiber & Leser oder Splitter. Ständig kamen neue Serien auf den Markt und die Alben wurden immer teurer. Wie gut, dass ich Buchhändlerin war: Ich konnte alles in der Mittagspause lesen und anschließend wieder in das Regal stellen – paradiesisch!
Auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet. Es war blond, hatte große Augen und den Kampfruf „Mondstein flieg und sieg!“. Sailor Moon brachte mein ruhiges, planbares Leben als Buchhändlerin mit Comic-Abteilung durcheinander – und das war gut so!
Manga-bedingte Lesepause
Mit den Mangas wurde alles anders. Statt männlicher Nerds, die alle aussahen als würden sie Maschinenbau studieren, standen auf einmal junge Mädchen im Laden und brachten Leben in die Bude. Die Verlage stellten sich rasch darauf ein. Statt großer, teurer, opulenter Comic-Alben kamen kleine, handliche Mangas in japanischer Leserichtung auf den Markt.
Damit gab es für mich als Comic-Leserin erst mal eine Pause. An Mangas lesen konnte ich mich nie gewöhnen, verkauft habe ich sie immer gerne.
Auf einmal war ich wieder Zielgruppe
Den Comic-Verlagen ist dann wohl irgendwann gedämmert, dass sie eine komplette Zielgruppe, nämlich den klassischen Comic-Leser, ignorieren. Sie begannen, Sammelausgaben der alten Serien auf den Markt zu bringen. Zu stolzen Preisen. Um die Gesamtausgabe von Valerian und Veronique schleiche ich immer noch drum herum.
Seltsam finde ich, dass ich nie so richtig den Zugang zu Graphic Novels, dem anderen großen Hoffnungsträger der Comic-Branche, gefunden habe. Mir war das immer zu kopflastig.
42 Jahre Comics lesen – Was ist geblieben?

Vieles aus meiner Comic-Sammlung hat sich aufgelöst, ist aus dem Leim gegangen und wurde entsorgt. Insbesondere die Alben von Carlsen waren zwischendurch von übler buchbinderischer Qualität.
So ist meine Sammlung erstens sehr klein und zweitens sehr zufällig.
Zwei Lese-Leidenschaften sind geblieben: Comic-Strips und der opulente, künstlerische Comic.
Und ein Idol: Moebius.
Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Ich und die Comics. Wie alles begann.“ Ihr wollt wissen, wie diese Blogparade funktioniert und wer alles teilgenommen hat? Dann schaut bei booknapping vorbei – hier findet Ihr die Zusammenfassung mit allen 18 Beiträgen!




















