Alte Wege. Einfach losgehen? Von wegen.

Wir kamen nicht zusammen, dieses Buch und ich. Dabei ist es in einer schönen klaren, exakten und zugleich poetischen Sprache geschrieben. Zudem handelt es vom Draußen sein, vom Wandern und Gehen. Auch davon, dass alles zusammenhängt – das Gestern mit dem Heute, jeder Mensch mit jedem anderen, die Sprache mit der Welt und einfach alles mit der Natur. Es hätte exakt mein neues Lieblingsbuch aus dem Genre Nature Writing sein können. Doch ich wollte den Erzähler mehr als einmal schütteln. Hätte er nicht wenigstens ein einziges Mal einfach loslaufen können, ohne vorher fast vergessene Dichter und Denker zu zitieren? Einfach nur losgehen, ohne zuerst Wochen in Bibliotheken zu verbringen? Einmal den ersten Schritt machen, ohne vorher noch gälische Verse zu zitieren? Er konnte nicht. Weswegen ich die Lektüre abgebrochen haben. Schade, zumal mir ein anderes Buch von ihm hervorragend gefallen hat: Robert Macfarlane – Karte der Wildnis. Angaben zum Buch: Robert MacfarlaneAlte Wege Übersetzt von…

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Der Deutsche Sprachverein und sein Kampf gegen Fremdwörter

Das Buch beginnt grandios mit der Lebensgeschichte des Generalpostmeisters Heinrich Stephan (1831 bis 1897). Seine Mission war es, eine einheitliche und verständliche Terminologie für das frisch vereinte deutsche Postwesen zu schaffen. Einschreiben statt rekommandiert oder Umschlag statt Couvert sind nur zwei Beispiele dafür. Auch bei der Bahn gab es viel zu tun: Aus dem französischen Billet wurde damals eine deutsche Fahrkarte. Womit auch die Hauptschlagrichtung der Sprachpfleger klar wird: Es galt, französische Begriffe zu vermeiden. Was mehr mit der Haltung gegenüber dem „Erzfeind Frankreich“ als mit der tatsächlichen Verständlichkeit zu tun hatte. Denn „Dame“ war auch damals kein unübliches Wort, wurde aber trotzdem vom „Allgemeinen Deutschen Sprachverein“ bekämpft. Sendungsbewusstsein und Nationalismus: der „Allgemeine Deutsche Sprachverein“ Der Sprachverein war ein Männerbündnis, getragen von Beamten, Lehrern, Dozenten. Bildungsbürger, deren Horizont von Goethe und den alten Griechen bestimmt wurde. Männer, die an das „genuin deutsche Denken und Fühlen“ glaubten. Undiplomatischer ausgedrückt: Patriarchen, Chauvinisten, Nationalisten und Rassisten. Ein ähnlicher…

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Rettet die Berge (vor Menschen wie mir)

Es sind einfach zu viele Menschen, die in die Berge wollen. Wer einmal beim Wandern die Route erwischt hat, die im Zickzack unter dem Skilift auf den Berg führt, weiß, wovon Reinhold Messner in seinem Buch „Rettet die Berge!“ spricht. Im Sommer sind die Abfahrtshänge eine öde Mondlandschaft, im Winter überfüllt. Bergsehnsüchte stillen diese Brachen nicht. Wer Ruhe und Einsamkeit in den Bergen sucht, muss suchen. Wandern in Gruppen, Gipfelbesteigung im Gänsemarsch und Downhill-Fahrten in einem Tempo, dass der Mountainbiker die Landschaft nicht mehr wahrnehmen kann – das ist alpine Normalität. Es gibt also viel zu beklagen, was Messner eloquent und wohlklingend tut. Aber wie sieht es mit den Lösungen aus? Wer braucht Lösungen, wenn er Geschichten haben kann? Der Mensch möge sich bescheiden, der Massentourismus eingedämmt werden und ein Ehrenkodex für Bergsteiger soll es richten. Konkreter wird Messner nicht. Aber das Buch hat ja auch nur 140 Seiten. Die sind schnell gelesen und halten…

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Die Rolle, der Kobold und meine Faszien

Es gibt etwas, was die Faszienrolle von anderen Fitness-Moden unterscheidet: Sie hat sich in meinem Alltag bewährt. Während das Theraband zusammengeknüllt in der Ecke liegt, die Hantelbank vor sich hin staubt, kommt die Faszienrolle immer mal wieder zum Einsatz. Kurz. Zum Auflockern zwischendurch. Insbesondere dann, wenn der obere Rücken Alarm schreit, weil ich zu lange starr am Schreibtisch saß. Aufstehen, rumrollen, dehnen. Das verbessert die Durchblutung, lockert die Muskulatur und macht den Kopf frei. Schön, oder? Wenn da nur nicht dieser Nörgel-Kobold in mir wäre: Die Rolle kann noch viel mehr. Du trainierst nicht richtig. Der Nörgel-Kobold hat nämlich einen Fitness-Ratgeber gelesen. Ok, ich habe das Buch gelesen und er hat dabei gut aufgepasst. „Faszien verstehen“ von Gerd Gradwohl ist das Fachbuch für alle, die nicht nur hin und her rollen wollen. Hier wird gründlich erklärt, warum und wie das Training mit der Faszienrolle wirkt. Immerhin rolle ich seitdem viel öfter. Nicht nur mit der…

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Ein Ritt durch die DDR-Kultur. Mittendrin: wir Leser.

Wie viel Gegenkultur steckte in der Kultur der DDR? Das ist eine Fragestellung, die sich mein westlich geformtes Gehirn nicht gestellt hätte, wenn nicht dreierlei gewesen wäre: Die Begegnung mit Kinderbüchern wie „Ede und Unku“, die in den Paketen meiner Ost-Verwandtschaft steckten, mit denen sie sich für unsere West-Päckchen bedankten. Die ausführliche Reportage im Deutschlandfunk über Punks in der DDR, anlässlich des Erscheinens des Samplers „Too Much Future – Punkrock GDR 1980-1989“. Und das bemerkenswerte Buch von Marko Martin „Die verdrängte Zeit. Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens.“ Staatskunst, Gegenkultur oder einfach nur Lesevergnügen? Marko Martin versucht erst gar nicht, eine Literatur- und Kulturgeschichte der DDR zu schreiben. Er, der in der DDR aufgewachsen ist und sie im Mai 1989 verlassen konnte, geht stets von seinem eigenen Leseerlebnis aus. Er erinnert sich, wie er selbst ein Buch, ein Film, ein Bild wahrgenommen hat. Von dort aus öffnet er den Blick: Wie sieht er…

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Besser als gute Vorsätze: Haikus schreiben.

Mehr schreiben gehört sicherlich nicht zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Ich schreibe so viel wie noch nie in meinem Leben, vor allem über Bücher – nur eben beruflich. Auch „mehr bloggen“ wird es nicht auf die Liste der guten Vorsätze schaffen, denn es gibt Corporate Blogs, die von mir gefüllt werden wollen. Ich werde also sowieso mehr bloggen – nur nicht unbedingt auf meinen eigenen Blogs. Trotzdem drehen sich viele meiner Überlegungen, was ich nächstes Jahr verändern möchte, um das Schreiben. Nicht mehr, sondern anders schreiben. Dabei bin ich sehr zufrieden damit, wie sich meine Rezensionen, die ja keine sind, entwickelt haben. Im Mittelpunkt aller Buchbesprechungen steht bei mir die Frage „Was hat dieses Buch mit mir gemacht?“. Ich möchte mich nicht hinter Stil-Analysen und einer Einordnung des Werkes in den Buchmarkt, wenn nicht sogar in die Literaturgeschichte, verstecken. Mich interessiert das Zusammenspiel von Buch und Leserin. Warum habe ich zu diesem…

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Zeitmanagement weiter denken: Intervalle statt Büro-Arbeitszeiten

Vom klassischen Zeitmanagement zu einem Buch mit dem Untertitel „Arbeitest du noch oder lebst du schon?“: Es wirkt wie ein weiter Weg, den Lothar Seiwert mit seinen Ratgebern zurückgelegt hat. Mit seinen ersten Büchern habe ich gelernt, einen Filofax-Kalender zu führen (und ihn jedes Jahr aufs Neue ungefähr ab April ignoriert.) Mit „Noch mehr Zeit für das Wesentliche. Zeitmanagement neu entdecken.“ näherte er sich schon mehr meiner Art zu denken und zu leben an. Hier schwang die Frage mit, was im Leben mir wie viel Zeit wert ist. Wer planen will, sollte nicht nur seine To-dos, sondern auch seine Werte kennen, um so besser entscheiden zu können, wie viel Zeit er für was aufwenden will. Jetzt geht Seiwert zusammen mit Silvia Sperling noch einen Schritt weiter. Es geht nicht nur darum, wie viel Zeit ich in ein Projekt investieren will, sondern auch wann. Leistungsintervalle – wann mache ich was am besten? Ich weiß, dass ich…

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Die Künstlerinnen. Werke aus fünf Jahrhunderten

Dieses Buch hätte ich gerne schon früher gekannt, denn es ist keine Aufzählung à la „50 Künstlerinnen, die Du kennen solltest“. Susie Hodge möchte mit ihrem Buch viel mehr erreichen. Ihr genügt es nicht, unseren Blick auf Künstlerinnen zu lenken – sie will Zusammenhänge sichtbar machen. Welche Ausbildung stand den Frauen offen? Waren Sie Teil einer Avantgardebewegung oder einer Künstlergruppe? Wie wurden sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen und was haben sie tatsächlich zur Kunstgeschichte beigetragen? Welche Stile, Motive und Themen haben sie aufgegriffen und war es das, was sie wirklich malen wollten? Ob Renaissance, Expressionismus oder Performance-Kunst: Diese Fragen waren für Künstlerinnen viele Jahrhunderte von Bedeutung. Zum Teil sind sie es immer noch. Aber Susie Hodge entwickelt kein Fragenkorsett, in das sie alle Künstlerinnen und ihre Werke presst. Ihre Fragen sind ein Angebot, eine Methodik, sich den Kunstwerken zu nähern und das Besondere daran zu erfassen. Kunstgeschichte statt Einzelbiografien von Künstlerinnen Artemisia Gentileschi, Frida Kahlo,…

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Rassismus verlernen. Eine Anleitung.

Womit soll ich bei dieser Buchbesprechung? Vielleicht mit jenen 30 Sekunden auf dem Fahrrad. Ich war 10 Jahre alt. Ein Kopftuch war für mich ein normales Kleidungsstück. Meine Mutter trug es beim Wandern, meine Oma bei der Hausarbeit und ich, wenn ich Ohrenschmerzen hatte. So wie an jenem Tag, als ein Junge aus meinem Vorort mir „Scheiß Türkin“ hinterher brüllte. Lange Jahre habe ich die Geschichte so erzählt, dass ich an dem Tag erlebt und gelernt habe, was Rassismus bedeutet. Das würde ich heute nicht mehr sagen. Der Schreck mag groß gewesen sein, doch die Gefahr war für mich nach 30 Sekunden vorbei. Menschen, die wirklich von Rassismus bedroht sind, können die Situation im Gegensatz zu mir nicht verlassen. Die Gefahr begleitet sie überall hin. Es sind solche Unterschiede, die uns die Autorinnen des Ratgebers „Dear Discrimination – Ein Mitmachbuch zur antirassistischen Weiterbildung“ nahe bringen wollen. Das tun sie mit gründlicher Strenge, aber stets dem…

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Lernen, mit der Natur zu reden: die Biographie R. Ogilvie Crombies

Wenn heute von der Findhorn-Community die Rede ist, wird meist von einem Ökodorf gesprochen. Vielleicht fällt auch der Begriff Selbstversorger oder Permakultur. Vor 20 Jahren war das noch anders. Damals stand entweder die selbstverwaltete Dorfgemeinschaft oder die spirituelle Lebensgemeinschaft im Mittelpunkt der Berichterstattung. Das ist wohl der Grund, warum „Angenehm aus der Zeit gefallen“ mein erster Gedanke nach der Lektüre von R. Ogilvie Crombies „Der Mann, der mit den Elfen sprach“ war. In diesem Buch geht es um die spirituelle Seite Findhorns – also genau um das, was in Artikeln wie diesen hier noch nicht mal mehr erwähnt wird. Gestrandet im Glück – Frankfurter Rundschau Robert Ogilvie Crombie hat Findhorn entscheiden mitgeprägt. Für ihn war die Natur beseelt. Er lernte, mit ihr zu kommunizieren. Da Kommunikation mit einem gesichtslosen Gegenüber schwierig ist, fanden seine Gespräche mit Naturgeistern wie Elfen und Faune statt. Das ist das Bild, das er dafür wählte – eine vertraute Systematik, auf…

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Kelten, Kulte, Anderswelten: Reiseführer für Schwarzwald, Schwäbische Alb, Oberschwaben und Elsass

Der Menhir von Betenbrunn, eingemauert in einer Kirche. Der Magdalenenberg bei Villingen, der größte keltische Grabhügel Europas. Aber auch Schalensteine, alte Linden oder einfach nur Plätze, um die sich Mythen ranken: für mich sind sie ein guter Grund, eine Autofahrt zu unterbrechen und anzuhalten. Dabei sind mir die kleinen Sehenswürdigkeiten und die stillen Orte meist lieber als die großen Sensationen wie der Odilienberg. Allein – wie von ihnen erfahren? Den meisten Reiseführern sind sie bestenfalls eine Randnotiz wert. Das ist der Grund, warum ich immer neugierig auf Bücher wie „Kelten, Kulte, Anderswelten“ bin. In ihnen finde ich die kleinen Fluchten, die ungewöhnlichen Ziele, die besonderen Orte. Außerdem auch noch Informationen zu Geschichte, lokalen Sagen und Brauchtum. Allerdings habe ich mich vom Untertitel „Kraftplätze in Baden-Württemberg und Elsass“ etwas täuschen lassen. Von den vielen darin empfohlenen Stätten, die mit den Kelten verbunden sind oder verbunden sein könnten, liegt nichts vor meiner Haustür. Der Klappentext benennt die…

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Sich gesund schreiben – ein 12-Wochen-Programm

Schreibend sich selbst erkunden, um so einen Heilungsprozess einzuleiten: Darum geht es in dem Buch „Ich schreibe mich gesund“ von Prof. Dr. med. Silke Heimes. Sie hat ein 12-Wochen-Programm mit Schreibimpulsen für jeden Tag entwickelt. Anhand klarer Fragen wird das eigene Befinden und Empfinden erkundet mit dem klaren Ziel, sich gesund zu schreiben. Dabei wechseln sich sehr konkrete Fragen ab mit offenen Einladungen. So wird mal der Ist-Zustand erkundet, mal ungenutzte Ressourcen erforscht und mal eine Vision von einem gesünderen Ich entwickelt. Sie gehen am Abend ins Bett und über Nacht geschieht ein Wunder, sodass ihre Beschwerden am nächsten Morgen verschwunden sind. Woran merken Sie das? Woran merken es andere? Was wäre anders in ihrem Leben? Sie stehen auf und … Ich schreibe mich gesund – S. 104 Das ist einer der offeneren Schreibimpulse. An den meisten Tagen klingt das eher so: Welche alten, wenig förderlichen Glaubenssätze konnten Sie in der letzten Woche bereits über…

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