Wohltuende Lektüre: Ikigai – japanische Lebenskunst

Lebenskunst ist ein Begriff, bei dem ich sofort aufhorche. Für mich enthält er ein Versprechen: Es ist möglich, ein gutes Leben zu führen – egal, wie die Ausgangsbedingungen sind. Nimm, was Du vorfindest, und mach das Beste daraus. Das Buch „Ikigai – Die japanische Lebenskunst“ hat mich nicht enttäuscht. Ikigai ist ein Konzept, dass sich durch die gesamte Kultur Japans zieht. Ken Mogi erklärt nicht nur diese grundlegende Philosophie, er zeigt auch kenntnisreich auf, wo wir überall die Auswirkungen dieser Lebensweise finden können. Die fünf Säulen des Ikigai lauten: Das ist ebenso schlicht wie komplex und entfaltet beim Lesen einen stillen Zauber, der Staunen lehrt. Ikigai steckt in allem. In der Imbissbude an der Ecke, die das perfekte Nudelgericht zubereitet genauso wie im Verhalten der Sumo-Ringer. Der Gärtner, der genau weiß, wie er der alten Rose vor seiner Tür die schönsten Blüten entlockt, hat die Regeln genauso verinnerlicht wie der Meister einer Teezeremonie. Nicht nur…

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Mannheims verlorene Pracht: die Spuren der Belle Époque

Was wäre aus Mannheim geworden, wenn es keine Weltkriege gegeben hätte? Um 1900 war Mannheim eine Stadt im Aufbruch. Hafen und Bahnhof entstanden. Wasserturm, Rosengarten und die Jugendstilanlage wurden gebaut. Die BASF zog zwar nach Ludwigshafen, doch Mannheim glänzte mit Luftschiffen, dem Benz-Werk und Traktoren von Heinrich Lanz. Die Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg ausgebremst. Der Zweite Weltkrieg zerstörte viel von dem, was in der Gründerzeit entstand. Doch wer weiß, wo er hinschauen muss, findet auch heute noch Spuren der Belle Époque. Das Buch von Andreas Krock hilft bei der Spurensuche. Es ist keine reine Stadtgeschichte, eher ein Kaleidoskop, durch das der Leser verschiedene Facetten jener Epoche erblickt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf denen, die mit ihrem Geld und ihren Investitionen das Bild der Stadt prägten: Familien wie Hirsch, Engelhorn, Bassermann, Schütte, Lanz und Reiß. Ihr Prunk und ihr Wille, die Stadt zu gestalten beeindruckt immer noch, und ihre Häuser, Firmen und Stiftungen haben…

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Jenseits der Lehrmeinung: der Heiler und die Bienen

Es ist ein bisschen so, als würde man mit dem Heiler und Imker Edgar Zimmermann am Küchentisch sitzen und ihm zuhören. Er erzählt, lamentiert, grummelt, schmunzelt und kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Am Ende hat er alles gesagt, was er sagen wollte, doch der Weg dahin ist eigen. Zu erzählen hat er viel. Wie es sich anfühlt, als Kind seine Gabe zu entdecken, und sich dann autodidaktisch zum Heiler auszubilden. Was für ihn Heilen bedeutet und warum der Klient immer mitarbeiten muss. Wie er das Rutengehen und das Pendeln für sich entdeckte. Über den Charakter von Landschaften und sein Interesse an der Geomantie. Doch am meisten fasziniert hat mich in „Der Heiler und die Bienen“ das lange Kapitel über die Imkerei. Jetzt verstehe ich mehr davon, wie ein Bienenschwarm lebt und agiert, und wie sehr ein Imker in ihr Leben eingreift. Im optimalen Fall profitieren beide Seiten davon. In anderen Fällen ähnelt Imkerei der konventionellen…

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Träume deuten – intuitiv und doch systematisch

Ich träume intensiv, kann mich gut an meine Träume erinnern und habe ein für mich funktionierendes System entwickelt, meinen Träumen eine Bedeutung zu entlocken. Trotzdem greife ich alle paar Jahre zu einem Traumdeutungsbuch und schaue, ob es neue Ideen enthält, die ich in meinen Umgang mit Träumen integrieren kann. In „Träume deuten und sich selbst verstehen“ bin ich fündig geworden. Was mir an dem Buch richtig gut gefällt, ist die systematische Herangehensweise. Noch bevor man sich den Bildern des Traums und ihrer Bedeutung zuwendet, schafft man sich mit Hilfe weniger Fragen einen Deutungsrahmen. Wo bin ich im Traum und wer kommt alles darin vor? Wie fühle ich mich – psychisch und körperlich? Was hatte ich in den Tagen vor dem Traum erlebt – gibt es da einen Anknüpfungspunkt? Insbesondere die sich daran anschließende letzte Frage „Können sie den Traum weiterträumen?“ finde ich hilfreich. Ich führe gerne Träume nach dem Aufwachen noch im Halbschlaf zu einem…

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Relativ real: was sehen wir wirklich?

Alles Maya sagten schon die alten Inder: Die Welt ist eine Täuschung. Donald D. Hoffman ist kein alter Inder, sondern Kognitionspsychologe. Er forscht darüber, wie sich unsere Wahrnehmung entwickelt hat. Dafür nutzt er mathematische Modelle und neuropsychologische Experimente, über die er gerne und ausführlich schreibt. Genau das machte das Buch für mich schwierig: Ich bin nicht so sehr an seitenlangen Versuchsbeschreibungen interessiert. Mir würde es genügen, kurz und knackig zu erfahren, was er wissen wollte, und wie er es herausfinden wollte. Auch der Briefwechsel mit Francis Crick, den er als junger Forscher führte, mag zwar für ihn ein Meilenstein seines Wissenschaftlerlebens gewesen sein – der Erkenntnisgewinn für mich als Leserin steht in keinem Verhältnis zur Seitenzahl, auf der er diese Episode ausbreitet. Zum Buch gegriffen habe ich, weil mich fasziniert, wie Tiere die Welt sehen. Zum Beispiel Fliegen: anderes Farbspektrum, andere Blickwinkel, andere Details. Aber welche Welt ist nun wirklich die Welt da draußen –…

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Handbuch des Räucherns: Kräuter, Wurzeln, Rinden und Harze

Von A wie Ahorn bis Z wie Zimt: Räuchern lässt sich fast alles. Das „Handbuch des Räucherns“ ist eine Einladung zum Experimentieren mit frischen und getrockneten Kräuter, Rinden, Harze und Wurzeln. Alles, was wir brauchen, ist eine wirklich minimale Ausrüstung. Eine Schale mit Vogelsand und Räucherkohle. Oder ein Teelicht-Glas mit einem Sieb darüber. Dazu Neugier, Muse und einen offenen Geist. Genau das war die Überraschung an dem Buch von Daniela Dettling: wie viel Raum der Mensch einnimmt. Ihr Buch ist mehr als ein Nachschlagewerk der heimischen Räucherpflanzen. Es ist eine Einladung, die Welt auf mehreren Ebenen zu entdecken. Die handfeste Welt der Aromen und der ätherischen Öle und die feinstoffliche Welt der Wirkungen von Düften, die Wissenschaftler nicht beschreiben können. Unser Alltag, in dem wir versuchen „Me-Time“ und „Selfcare“ einzubauen, und die immer gültigen Abläufen der Natur, die Menschen schon seit Jahrtausenden mit Jahreszeitenfesten begehen. Das, was wir in Worte fassen können, mit dem, von…

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Aromatherapie – pflegen & heilen mit ätherischen Ölen

Alles drin. So könnte ich meinen Eindruck von dem Buch „Aromatherapie für Frauen“ zusammenfassen. Das Standardwerk beginnt mit einer kompetenten, fachlichen Einführung in das Universum der Düfte, Aromen und ätherischen Öle. Dabei geht es immer ganz konkret um die Frage, wie und warum ätherische Öle wirken. Dafür werden durchaus mal Begriffe wie 1-p-Menthen-8-Thiol verwendet, denn das ist der Stoff, der im Grapefruit-Öl die stimmungsaufhellende Wirkung verstärkt. Doch trotzdem ist das Buch kein schwieriges Fachbuch: Trotz aller Ausflüge in die Chemie und Medizin ist es stets gut lesbar. Der eigentliche Schatz sind jedoch die über 250 Rezepte für Heil- und Pflegeprodukte. Wer Naturkosmetik selbst herstellen möchte, findet in diesem Ratgeber erprobte Anleitungen für Cremes, Deos, Shampoo und Zahnpasta. Sogar an ein Mittel zur Glättung von Narben haben die Autorinnen gedacht. Doch ätherische Öle können mehr als nur pflegen – sie sind Begleiter in allen Lebenslagen von Pubertät bis Wechseljahre und Alter. Zudem können sie uns im…

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Im Wald und auf Wanderschaft: zwei Wortwanderungen durch die Natur

Ameise, Fuchs, Wildschwein. Buche, Lichtung, Tanne. Aber auch Hexe, Räuber, Waldgeister. Oder Dunkelheit, Einsamkeit und Stille. Worte, die eng mit dem Wald verknüpft sind. Rita Mielke lädt uns ein, mit ihr durch Wald und Wörter, Kulturgeschichte und Literatur zu streunen. Woher stammt das Wort Brennnessel, was ist seine symbolische Bedeutung und in welchen Gedichten kommt es vor? Wie verbreiten Misteln ihre Samen und wie schlägt sich das im Wort Mistel nieder? Wann wurde der Adler zum König der Vögel? Mit diesem Buch auf kulturhistorische Streifzüge zu gehen macht Spaß und sorgt für Aha-Effekte. Petra vom Blog Elementares Lesen erging es genau wie mir: Über die Herkunft der Wörter, ihre Spuren in Mythen, Märchen und Literatur und über die Eigenschaften, die wir ihnen zuschreiben, informiert die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Rita Mielke auf unterhaltsame Weise. Blog Elementares Lesen – Rita Mielke: Im Wald – Eine Wortwanderung durch die Natur Wobei meine inneren Waldgeister ob meiner Begeisterung…

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Das Prinzip der Mühelosigkeit

Pamela Obermaier, Dr. Marcus Täuber Das Prinzip der Mühelosigkeit Warum manchen alles gelingt und andere immer kämpfen müssen. Sachbuch

Kompetentes Plaudern – so würde ich den besonderen Tonfall dieses Buches beschreiben. „Das Prinzip der Mühelosigkeit“ ist definitiv kein Tschakka-ändere-dein-Leben-in-21-Tagen-Ratgeber, denn dann hätte ich es gar nicht zu Ende gelesen. Es kommt eher wie ein Buch gewordener Podcast daher: frisch, leicht, interessant. Mag ich. Natürlich geht es in dem Buch auch um Spitzenleistungen von Sportlern und Managern. Das ist nicht meine Welt, aber ich konnte diesen Teil problemlos ignorieren. Kreativität entfalten, leichter lernen und ohne tagelanges Grübeln stimmige Entscheidungen treffen – das sind die Themen, die in dem Sachbuch viel mehr Raum einnehmen als die Manager-Attitude. Damit wurde es zu meinem Buch. Natürlich bringen wir alle zu diesen Themen einen Haufen Vorkenntnisse mit. Hier ein Zeitungsartikel, da der Rat eines Freundes, dort ein Ratgeber. Wissen wir nicht schon längst alles? Fehlt es nicht einfach nur an der Umsetzung? Genau das denken die Autoren offensichtlich mit und halten daher gut die Balance zwischen Basis-Wissen, Motivation und…

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Nun zum Sport: Trojanows Olympiade

Hände hoch: bei wem gehört „Mehr Sport machen“ noch zu den klassischen guten Vorsätzen, der dann doch nie zur eigenen Zufriedenheit umgesetzt wird? Ich zumindest habe in letzter Zeit so viel Sport gemacht, wie schon lange nicht mehr. Also im Geiste. Auf der Couch. Lesend. Perfekt – ich kann es nur empfehlen! Schuld daran sind der öffentliche Bücherschrank in Schefflenz und Ilija Trojanow. Im ersten fand ich das Buch und Ilja Trojanow hatte die bewundernswerte Idee, 4 Jahre lang alle 80 Sportarten zu trainieren, zu denen es Einzelwettkämpfe bei der Sommerolympiade gibt – seine ganz persönliche Olympiade. Wer trainiert, sollte sich ein Ziel setzen. Seines lautete: halb so gut abzuschneiden wie der Goldmedaillengewinner. Eines möchte ich klar stellen: Alles an diesem Plan liegt jenseits meines Vorstellungsvermögens. Daher umso besser, dass ich darüber lesen konnte! Im Laufe der vier Jahre lernt Trojanow neue Sportarten lieben – Trampolin und Wildwasser-Kanu. Nur an wenigen wie dem Kanadier rudern…

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Mit Wittgenstein im Wartezimmer – philosophische Alltags-Miniaturen

Philosophisches Sachbuch von Nicolas Dierks - Mit Wittgenstein im Wartezimmer und weitere 11 Philosophen, die uns die Zeit verkürzen

Für die Geschichte „Mit Sokrates in der Buchhandlung“ muss ich dieses Büchlein einfach lieben! Vater und Tochter suchen ein Geschenk. Die Tochter greift zu einem Band über Philosophinnen und der Vater versucht ihr auf vielerlei Art zu erklären, dass das keine passende Wahl sei, da es ja keine guten weiblichen Philosophen gäbe, denn sonst würde er, der belesene Vater, sie ja kennen … Das führt den Autor auf sehr elegante Art und Weise zu Sokrates, der sich der Grenzen seines Wissens deutlich bewusster war. Damit haben die philosophischen Geschichten von Nicolas Dierks für mich im letzten Moment noch die Kurve bekommen, denn eigentlich wäre bis dahin mein Fazit eher ein „Na ja“ gewesen. Die Grundidee des Buches mochte ich von Anfang an: Alltagsbegebenheiten, wie wir sie alle kennen, gehen nahtlos in eine philosophische Geschichte über, in der zentrale Ideen von Montaigne über Wittgenstein bis Hannah Arendt dargestellt werden. Das hat Charme, endet aber in vielen…

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Faul sein als Philosophie

Martin Liebmann FAUL ZU SEIN IST HARTE ARBEIT Eine Ode an den Müßiggang

Dieses Lob der Faulheit wollte ich ja eigentlich noch vor Weihnachten besprechen, als Geschenk-Tipp. Aber anscheinend hatte ich da die Philosophie von Martin Liebmann schon so sehr verinnerlicht, dass ich lieber Variationen von nichts getan habe – und das ganz langsam. Flanieren, Bäume anschauen, Kunst betrachten – aber bitte mit philosophischem Unterbau. Ja genau, Philosophie. Dieses Buch gehört nicht in die rasch wachsende Abteilung mit Selfcare-Ratgebern. Sich selbst etwas Gutes zu tun ist nicht das Ziel der Überlegungen, sondern ein Nebeneffekt. Ich würde diese Haltung mit einer alten Redewendung zusammenfassen: Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Oder auch mit meinem Lieblingssprichwort: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. „Alles wird langsamer und langsam wird es gut.“ Martin Liebmann – Faul zu sein ist harte ArbeitS. 179 Das Buch ist eine Einladung: Weniger Perfektionismus, mehr Müßiggang. Weniger Planung, mehr Raum für Zufälle und glückliche Fügungen. Weniger Hektik, mehr Achtsamkeit. Weniger To-do-Listen, mehr…

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