Sturzprophylaxe? So alt bin ich doch noch nicht!

Warum greift jemand wie ich, noch fit und beweglich, zu einem Buch, das sich mit Gleichgewichtsübungen im Alltag befasst und sich eher an Senioren richtet? Bei mir waren es gleich zwei Gründe – Alltagsbewegung und Sturzprophylaxe – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Geschichten dahinter, die ich beide erzählen möchte. Eines vorneweg: Ich habe „Besser in Balance – Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag“ mit viel Gewinn gelesen. Bequemlichkeit und Bewegungsarmut im Alltag Durch meinen Wechsel vom Einzelhandel in einen Bürojob habe ich gelernt, wie schnell ein Mensch sich in einem neuen, bequemeren Leben einrichten kann. Bewegungen wie in die Hocke gehen, die früher zum Berufsalltag gehörten, waren auf einmal nicht mehr notwendig. Bald knackste das Knie, die Gelenke wurden steif. Unglaublich, wie schnell so etwas passiert! Noch erschreckender fand ich, wie leicht ich das mit einem Schulterzucken abtat – ist halt so, das Alter, ich werde auch nicht jünger. Seit dieser Erkenntnis versuche ich, bereits in meinen…

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Die wahre Geschichte der Popmusik

Für die gut 200 Seiten von „On the wild side – die wahre Geschichte der Popmusik“ habe ich Wochen gebraucht, weil ich ständig unterbrechen musste, um Musik zu hören. Ich glaube, ein größeres Kompliment kann ich Buch und Autor kaum machen. Schon alleine der Anhang ist den Preis des Buches wert: Eine Auswahl stilbildender LPs von 1966 bis 2004, die Martin Büsser jeweils mit einem prägnanten Satz beschreibt. Big Black – Songs about Fucking Provokantes, musikalisch wegweisendes Album des späteren Starproduzenten Steve Albini: sägende Gitarren zu wummernder Drumbox zwischen Post-Punk und Prä-Techno. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Oder das hier: The The – Soul Mining Vielleicht die einzige Band, der es gelang, den Blues im Wave-Kontext auferstehen zu lassen. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Kein Wunder, dass ich ständig seinen Analysen hinterher hören musste! Doch in diesem Buch geht es um mehr als…

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Alles nur Fassade – Architektur deuten lernen

Natürlich ist es schön, sich einfach so durch eine Stadt treiben zu lassen. Laufen, atmen, schauen. Das genügt völlig. Eigentlich. Noch schöner finde ich es aber, sich durch eine Stadt treiben lassen, den Blick zu öffnen und nach Strukturen Ausschau zu halten. In Berlin fasziniert mich zum Beispiel jedes Mal der Rhythmus der Stadtviertel: Wohngebiet, Park, Häuser aus unterschiedlichen Jahrzehnten und dann, wenn es wieder mehr Läden gibt, kann die nächste U-Bahn-Station nicht mehr weit sein. Mit einher gehen Geschichten voller Leben, die sich in den Straßen einer Stadt widerspiegeln. Architektur erzählt ebenfalls Geschichten über die Stadt und die Menschen. Man muss sie nur lesen können. »Alles nur Fassade?« Ist ein Wörterbuch für solche Geschichten. Schau dir die Fenster an – Architektur deuten lernen Die Fassade ist bei Stadtspaziergängen das, was wir auf jeden Fall erblicken können. Wenn wir denn hinschauen. Einem Jugendstilgebäude fällt es leicht, unseren Blick auf sich zu ziehen. Ein Gebäude aus…

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Patti Smith. Godmother – ja. Großmutter? No way!

Ja, es war nur eine Fehlübersetzung, die ich aber mehr als einmal gelesen habe. Aber was für eine! Aus Godmother (Patin) wurde in manch deutschem Artikel Großmutter. Wenn Patti Smith die Großmutter des Punks ist, warum finde ich dann so wenig Spuren dieser mütterlichen Linie im Punk? Weil bereits das Bild der Großmutter, das sicherlich ein Ehrentitel sein soll, falsch ist. Nur weil eine großartige Künstlerin ergraut ist und auf ein reiches Leben zurückschauen kann, ist sie noch lange keine Großmutter. Die Wortwahl verrät mehr darüber, wie wenig Bezeichnungen wir für Frauen jenseits des gebärfähigen Alters haben, als über die Künstlerin selbst. Das ist der eine Grund, warum mich der in der deutschen Presse verwendete Begriff Großmutter des Punks auf die Palme bringt. Es gibt noch zwei weitere Gründe. Punk und ich – warum nur dauerte es so lange, bis ich die Frauen sah? Punk, das war für mich zuerst nur laute, ungestüme Musik. Sie…

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Fein. Ruhig. Wohltuend. Ein Monat auf dem Land.

Ein Monat auf dem Land – der Buchtitel könnte in die Irre führen. Daher eines vorneweg: Das hier ist kein britischer Landhauskitsch. Ganz im Gegenteil. „Ein Monat auf dem Land“ von J.L. Carr ist etwas ganz anderes: Es ist fein. Ruhig. Wohltuend. Es erzählt von der unglaublichen Fähigkeit des Menschen, wieder ganz zu werden. Sich zu heilen. Sogar dann, wenn er die Schrecken der Schützengräben überlebt hat und nur der Körper heil blieb. Alles, was er zur Genesung braucht, ist Ruhe. Eine sinnvolle, schöpferische Tätigkeit mit den Händen. Die Kraft der Natur. Und die Aussicht, das Liebe möglich sein könnte. All das gibt es für den, der bereit ist zu finden, im August auf dem Land reichlich. Doch die Liebe, sie muss nicht Wirklichkeit werden. Das ist nicht nötig. Die Ahnung, dass sie existiert, genügt. Am Ende zieht jeder seiner Wege. Eines Tages, an einem anderen Ort, wird alles zueinander passen. Wenn nicht so, dann…

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Scharnow. Der Rhythmus, bei dem ich mit muss

Bela B. - Scharnow. Roman.

Ist es möglich, über Scharnow von Bela B. Felsenheimer zu schreiben, ohne Querverbindungen zur Band Die Ärzte zu knüpfen? Ich will es versuchen. Schön schräg. Das wäre ein umfassendes Fazit, damit wäre eigentlich alles über den Roman gesagt. Aber selbst für meine Verhältnisse wäre das etwas knapp und kürzer als ein Punk-Song wäre es auch. Gut, dann eben mehr. Was mir an Scharnow richtig gut gefallen hat, war der Blick auf die Menschen. Jede Figur hätte man auch als komplett gescheiterte Existenz zeichnen können. Aber sie dürfen ihre Würde behalten und jeder von ihnen ist zur Veränderung fähig. Deswegen besteht Hoffnung, immer und überall und für jeden in Scharnow. Letztlich kommt es im Leben darauf an, das Herz am rechten Fleck zu haben und dementsprechend zu handeln. Den Liebenden fällt das leichter, die anderen brauchen Schockmomente. Davon gibt es in Scharnow genug. Die wenigsten davon sind subtil. Ich hätte den Splatter nicht gebraucht, überraschend kam…

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Die Kräuter in meinem Garten

Die Kräuter in meinem Garten - 800 Seiten Buch aus dem Freya Verlag

Ich gestehe: Die meisten Kräuter in meinem Garten wurden aus kulinarischen Gründen gepflanzt – Salbei, Lorbeer, Thymian. Manche auch, weil ich statt Vorgarten einen Sandstreifen habe, der sich in der prallen Mittagssonne stark aufheizt. Hier wuchert Rosmarin, der sich offensichtlich wie zuhause fühlt und froh ist, dass er nicht von wilden Ziegen zurück gebissen wird. Ich bin mir der Heilwirkung der Kräuter wohl bewusst. Nichts hilft bei mir so gut gegen Wetterfühligkeits-Kopfschmerz wie ein Mädesüß-Tee. Doch die Blüten in meinem Garten überlasse ich lieber den Hummeln und Bienen und hole mir den Tee in der Apotheke. Ein paar mal habe ich Heilkräuter gesammelt – Lindenblüten zum Beispiel. Wisst ihr, wie klebrig die sind? Das Trocknen wollte nicht so recht klappen und im Endeffekt sind sie dann doch wieder im Garten gelandet, auf dem Kompost. Die einzige Heilpflanze, von der ich immer einen großen Vorrat habe, ist Salbei. Kein Wunder: Wenn ich den nicht zweimal im…

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Ich will den Plot-Plan sehen! Die Glocke von Whitechapel

Es ist wohl eine Folge des Literaturcamp Heidelbergs, dass mich bei einem Roman immer häufiger nicht nur die Geschichte, sondern auch das Handwerk dahinter interessiert. In einigen Sessions dort haben Autoren von ihrer Arbeit erzählt. Das nächste Mal muss ich mir unbedingt einen Vortrag zum Thema plotten anhören. Wie behalten Autoren eigentlich den Überblick über die Handlungsstränge? Daran, dass ich darüber mehr wissen will, ist wiederum Ben Aaronovitch schuld. Seine Serie um Peter Grant, Zauberlehrling und Detective Constable in London, begann fulminant, ging pfiffig weiter und verlor sich dann in Nebenhandlungen, deren Sinn sich mir und anderen Lesern nicht erschloss. Offensichtlich war der Autor nicht mehr so ganz Herr seines eigenen Plots. Mit dem Spin-off »Geister auf der Metropolitan Line« schöpfte ich wieder Hoffnung. Der Kurzroman hatte alles, was mich in der Anfangsphase der Serie begeisterte und war ein guter Grund, zum neuen Band »Die Glocke von Whitechapel« zu greifen. Die Glocke von Whitechapel Und…

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Atlas der ungezähmten Welt.

Es gibt Menschen, die können sich in Landkarten vertiefen wie in Bücher. Ich gehöre da eigentlich nicht dazu – außer, es handelt sich um eine historische Karte von einer Gegend, die ich kenne. Dann wird auch für mich eine Landkarte zu mehr als einem Handwerkszeug, das mir hilft, von A nach B zu kommen. Dann erzählt auch mir eine Karte Geschichten. Es waren also nicht die Karten, die mich zu den beiden Büchern aus dem Brandstätter Verlag haben greifen lassen. Es war die Neugier auf die Welt. Atlas der ungezähmten Welt Beim »Atlas der ungezähmten Welt« stehen für mich die Geschichten im Vordergrund, doch es braucht die Karte, damit ich mir Abgeschiedenheit, Schroffheit, Unwegsamkeit vorstellen kann. Extrem, verwildert, unberührt, isoliert oder rätselhaft sind die Gegenden, über die Chris Fitch schreibt. Ich bezweifel, dass er sie alle selbst bereist hat. Aber darum geht es auch nicht, sondern um die Reisen, die wir nur mit dem Finger…

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Der Hindu-Tempel. Ein Standardwerk, leider untergegangen

Ist es überhaupt sinnvoll, über Bücher zu bloggen, die es nicht mehr gibt? Im Falle von George Michells »Der Hindu-Tempel. Baukunst einer Weltreligion« kann ich nur sagen: Fundiert und umfassend – mehr Informationen über Geschichte, Architektur und Bedeutung der hinduistischen Tempel werdet ihr nirgendwo anders in deutscher Sprache in so kompakter Form finden. Einen Grundkurs in indischer Geschichte bekommt ihr noch dazu. Und nun fröhliches Suchen – das Buch ist vergriffen. Vergriffen heißt: Das Buch wird nicht mehr aufgelegt, der Verlag hat es nicht mehr auf Lager. Am besten Mal in der Bibliothek schauen. Oder vielleicht kann die Fernleihe der Uni-Bibliotheken noch ein Exemplar besorgen? Gerade bei einem Thema wie Kunstgeschichte kann das gut sein. Ungefähr das habe ich jahrelang meinen Kunden in der Buchhandlung erzählt. Heute heißt vergriffen lediglich: Schau mal bei Booklooker, Medimops und Co. Die Chance, dass irgendein Antiquariat in Deutschland noch ein Exemplar vorrätig hat, ist groß. Mit Booklooker wird das…

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Elsass. Gibt es auch jenseits der Weinstraße.

Für die Pfalz gibt es wohlwollend blumige Namen wie Toskana Deutschlands. Von den Pfälzern selbst wird das wenn überhaupt nur gegenüber Außergewärtigen, Touristen, benutzt. Das gilt auch für »Der Norden Frankreichs« oder »Wo Frankreich nahe ist« – zwei Umschreibungen, die ich noch nie verstanden habe, denn demnach wären Pfälzer Fast-Elsässer. Oder umgekehrt. Wenn ich in das nahegelegene Elsass fahre, ist es für mich offensichtlich, das ich in einem anderen Land bin. Die Dörfer sehen anders aus. Die Menschen gehen am Wochenende anderen Hobbys nach – Quadfahren, angeln, picknicken. Zumindest ist das mein Eindruck, wenn ich dort wandere. Die Wälder leiden zudem unter einem eklatanten Mangel an Pfälzer Hütten mit Einkehrmöglichkeiten. Womit die Beweisführung abgeschlossen ist: Trotz Wein, Sandstein und Burgen ähneln sich die Pfalz und das Elsass nicht. Daran, dass die Supermärkte sonntags nicht offen haben, merkt man aber auch deutlich, dass das Elsass nicht Frankreich ist. Genau diese Eigenständigkeit zeigt Petra van Cronenburg in…

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Erzähl mir eine Schauergeschichte: Der magische Wald – Bildkarten

Schauergeschichten erzählen mit Bildkarten: der magische Wald. Diese 20 Bildkarten lassen sich beinahe unendlich miteinander kombinieren. Wie auch immer du sie hinlegst, sie passen wie durch Zauberei stets zueinander, sodass sie zusammenhängende Szenen ergeben und dir unzählige Möglichkeiten bieten, Geschichten zu erfinden. Durchquere eine verzauberte Landschaft, die von feuerspeienden Drachen, magischen Einhörnern und finsteren Gestalten bewohnt wird, und lass deiner Fantasie freien Lauf! Wohin wird dich deine Geschichte führen? Insgesamt gibt es über 2 Trillionen Möglichkeiten, mit den Bildkarten Geschichten zu erzählen. Wenn alle Teile verwendet werden, wird deine Geschichte 1,70 m lang.

Trillionen ist ein Begriff, den ich eher selten verwende. Doch 20 Bildkarten ergeben über 2,4 Trillionen Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen – und wenn wir dafür das Karten-Set »der magische Wald« verwenden, wird jede davon schaurig sein. Wer sich von der Fülle an Möglichkeiten überfordert fühlt, greift zur Spielanleitung. Alle anderen fabulieren von den Karten geführt frei darauf los: Führt der Weg tiefer in den Wald oder heraus? Gehört das Pferd einem Vagabunden, einem Ritter oder einer Kräuterhändlerin? Verwandelt sich der Mann in einen Werwolf oder gerade wieder zurück? Sieht der Oger, worauf er tritt? Und vor allem: Wie wird das enden? Alle Karten können nahtlos an einander gelegt werden – das Bildmotiv passt immer. Allein das fasziniert mich bereits: Wie entwirft ein Grafiker eine solche Bilderfolge? Die Illustrationen fangen die dunklen Seite der Märchen ein. Der magische Wald ist ein düsterer Ort, voller Fabelwesen und Abenteuer, die nur darauf warten, erzählt und überstanden zu…

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