Perfekt, glatt, wirkungslos: Was KI mit unserer Sprache macht.

Das Buch "Perfekt, glatt, wirkungslos: Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren" von Daniel Caroppo liegt auf einer Computertastatur. Auf dem Bildschirm im Hintergrund sieht man leicht verschwommen ein offenes Chatfenster der KI Claude.

Was macht KI mit unserer Sprache? Die Frage ist gut und notwendig. Warum haben so viele Texte auf einmal den gleichen Aufbau, die gleichen Stil-Figuren und die gleichen Emojis? Weil KI imitiert und so formuliert, wie es rein mathematisch am wahrscheinlichsten ist. So entstehen normschöne Sätze, die im Rahmen des Üblichen durchaus brillieren. Originell sind sie nicht, aber sie funktionieren.

Doch warum übernehmen Menschen diese Sätze eins zu eins für ihre ganz persönlichen Beiträge in Social Media? Pressesprecher für ihre Unternehmenskommunikation? Marketing-Manager für ihre Produkttexte? Blogger*innen für ihre Rezensionen? Und was passiert mit unserer Kommunikation, wenn wir sie der KI überlassen?
Das sind für mich die wichtigeren Fragen.

Definitiv kein Prompt-Ratgeber

Daniel Caroppo beschäftigt sich mit genau solchen Fragen. Welche Gedankengänge sie bei ihm auslösen, können wir in seinem Buch „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ beobachten. Aufbau und Schreibstil widersetzen sich der Logik von KI-Texten. Er formuliert nicht zielstrebig auf eine Aussage hin, er lässt Abzweigungen, Wiederholungen und immer wieder neue Fragen zu. Selbst wenn er Lösungen präsentiert, gibt er dem Zweifel Raum. Wir dürfen ihm beim Nachdenken beobachten. Das ist zutiefst menschlich und nahbar – und so weit entfernt von den genial-glatten Sätzen der KI!

Dadurch hat das Buch zwar mitunter Längen. Vielleicht kommen bestimmte Beobachtungen und der Begriff Haltung ein paar Mal zu häufig vor. Aber es tat mir so gut, wieder einmal etwas zu lesen, was anders ist. In den Formulierungen einen Menschen zu entdecken. Weil er bereit ist, sich zu zeigen – und sich nicht hinter den Funktionssätzen eines Large Language Models zu verstecken.

Was nehme ich mit? Meine Zusammenfassung in Buch-Zitaten

Solche Bücher brauchen eine andere Art, darüber zu bloggen. Das Foto zeigt es: „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ hat Post-ist gerade zu verschlungen. Deswegen folgt hier meine Zusammenfassung des Buchs in Zitaten – und das waren noch lange nicht alle, die ich mir angestrichen habe!

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich eine neue Form der Sprachoptimierung beobachte, die mich irritiert. Weil alles besser klingt – aber weniger meint.
Seite 73

Wenn Sprache zu glatt wird, verliert sie Nähe. Dann entsteht Abstand, wo eigentlich Vertrauen wachsen sollte.
Seite 11

Ein Text, der funktioniert, ist noch lange kein Text, der verbindet. KI kann Sätze bauen, aber keine Beziehung.
Seite 24

Das Problem ist nicht, dass KI schreibt. Das Problem ist, dass Menschen aufhören, es zu tun. Wir verlernen das persönliche Sprechen, weil es bequemer ist, Funktionssätze zu erzeugen.
Seite 118

Die Vielfalt der Sprache ist nicht nur ein ästhetisches Gut. Sie ist sozial. Sie ist politisch. Und sie ist verletzlich. Wenn sie digital nicht auftaucht, wird sie real entwertet.
Seite 144

Die KI ist nicht schuld – wir waren vorher schon feige.

Schon lange vor ChatGPT waren wir Meister darin, uns sprachlich abzusichern. … Wie man gleichzeitig etwas sagt und nichts meint. … Die KI hat das nicht eingeführt. Sie hat es nur übernommen. Und verlässlich wieder ausgespielt.
Seite 182

Wer hat der KI gesagt, dass „Wir nehmen ihre Kritik ernst“ ein guter Satz ist? … Wer hat sie mit Worthülsen gefüttert, bis sie selbst eine wurde?
Seite 183

Wer mit KI arbeitet, muss nicht weniger können, sondern mehr. Nicht nur schreiben, sondern einordnen. Nicht nur verbessern, sondern entscheiden, und manchmal: ganz bewusst ablehnen.
Seite 24

Bonus-Track – ein weiteres Zitat für die Marmorplatte:

Ja, Gendern ist anstrengend. Aber vielleicht ist gerade das seine Stärke. Vielleicht ist diese bewusste Auseinandersetzung genau das, was wir brauchen – um Sprache wieder wirksam zu machen.
Seite 199

Das ist meine persönliche Tonspur. In Daniel Caroppos Buch steckt natürlich noch viel mehr. Insbesondere Menschen, die im weitesten Sinne im Bereich Unternehmenskommunikation arbeiten, finden darin wertvolle Denkanstöße zu Strategie, Haltung und Positionierung.

Wie viel KI steckt in meinem Buch-Blog?

Das Nachdenken über „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ möchte ich nutzen, meinen eigenen Einsatz von KI transparent zu machen. Der Buch-Blog Geschichtenagentin ist nicht frei von KI. Der erste Entwurf für einen Artikel oder eine Buchrezension ist immer von mir. Auch der Aufhänger, der Einstieg ist meine Idee. Aber es gibt Text-Passagen, bei denen ich häufig hänge: Zwischenüberschriften und das Fazit. Hier lasse ich mir gerne von Claude Vorschläge machen. Fast immer passiert dann das: die viel zu glatten KI-Formulierungen sorgen für einen Kreativitätsschub bei mir. Das, was vorher stockte, kommt in Bewegung.

Eine typische Frage von mir an die KI lautet: „Wie könnte das Fazit für diesen persönlichen Blog-Beitrag lauten?“ Was wohl die KI auf diesen Prompt antwortet?

„Ich verstehe den Auftrag – und spüre gleichzeitig die Ironie darin. Du bittest mich, Claude, um Vorschläge für ein Fazit zu einem Buch, das genau davor warnt, der KI die Sprache zu überlassen.
Aber gut: Hier sind ein paar Ansätze, die hoffentlich als Kreativitätsschub funktionieren und dich zu deinen Formulierungen bringen:“

Von den Textbausteinen der KI wollte ich für diesen Blog-Beitrag nichts übernehmen. Nicht jede Buchrezension braucht ein normschönes Fazit. Für meinen Buch-Blog gilt: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.


Infos zum Buch:

Daniel Caroppo

Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren.

Haufe Verlag

Rezension in der Zeitschrift c’t


Mehr Sachbuch-Rezensionen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


KI – Grundlagen und Auswirkungen auf die Gesellschaft. Darum geht es in dem sehr gut lesbaren Sachbuch „Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können“. Hier meine Rezension:


Beim Thema KI lohnt sich ein Blick in alte und neue SF-Romane. William Gibson, Aiki Mira und Nils Westerboer seien an dieser Stelle empfohlen. Meine Rezensionen habe ich euch hier verlinkt. Ganz besonders ans Herz lege ich euch eine kleine Erzählung, die schon 1909 erschienen ist: Die Maschine steht still von E.M. Forster.

Wegweiser durch eine Welt im Wandel: Alles überall auf einmal – unser neues Leben mit KI

Buch: Alles überall auf einmal
Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können

Als ich »Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können« im Frühjahr las, war das Sachbuch schon über ein Jahr alt. Da stellt sich sofort die Frage: Lohnt sich das bei einem so aktuellen Thema wie KI? Wurde das Buch nicht längst von neuen Entwicklungen überholt?
Nein, wurde es nicht. Die Lektüre lohnt sich, denn wer KI nicht nur nutzen, sondern auch verstehen will, braucht ein solides Wissensfundament. Genau diese Grundlagen liefern Miriam Meckel und Léa Steinacker – ganz unaufgeregt und sehr fundiert. Allein das war schon eine Wohltat in dem aktuellen Hype voller Get-rich-fast und wir-bauen-uns-eine-neue-Welt und Panik-vor-Tech-Milliardären Vibes.

Miriam Meckel und Léa Steinacker sind fasziniert von KI und treten genau deswegen erst einmal einen Schritt zurück. Denn von dort aus hat man einen besseren Blick! Den lassen sie schweifen und schauen sich wirklich alles an: die Grundlagenforschung, die zu den jetzigen KI-Tools führte. Welche Forschungsprojekte derzeit noch laufen – und welche bereits wieder stagnieren, weil es eben doch nicht so einfach ist, wie die PR-Abteilungen der Software-Unternehmen behaupten. Welche ethischen Probleme gelöst werden müssen, nicht nur bei selbstfahrenden Autos.

Dabei haben sie immer den Menschen im Blick. Wo ist KI nützlich und wo eher ein Spielzeug? Werden wir wirklich jetzt alle arbeitslos und ist menschliche Kreativität nichts mehr wert? Wie wird KI das Miteinander und unsere Kultur verändern. Kapitel für Kapitel wird klar: KI ist ein Werkzeug. Wie wir es einsetzen, ist unsere Entscheidung. Damit wir das entscheiden können, müssen wir zuerst seine Funktionsweise verstehen – und dann, die Möglichkeiten zu erkunden. Genau dabei hilft uns »Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können« – ganz ohne Nerd-Talk, Wissenschaftssprech und Panikmacherei. Sehr zu empfehlen! Mittlerweile ist auch eine aktualisierte Taschenbuchausgabe erschienen.


Bibliographische Angaben:

Miriam Meckel
Léa Steinacker

Alles überall auf einmal
Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können

Rowohlt Verlag


Was gut dazu passt: die SF-Romane von William Gibson, der so vieles vorher geahnt hat

Advanced Selfie – die ganz hohe Kunst des Selbstporträts

Selfie Kurs von Sorelle Amore: Advanced Selfie - die Kunst des Selbstporträts

Eines vorneweg: Dieses Buch ist kein Selfie-Ratgeber, in dem es um schnell aus der Hüfte geschossene Erinnerungsbilder geht. Und schon gar nicht um Selfies, bei denen noch der angeschnittene Arm oder das Handy im Spiegel zu sehen sind. Auch nicht um Schmollmund-Aufnahmen von sich selbst oder Six-Pack-Beweisfotos.

Sorelle Amore macht das, wofür andere ein komplettes Foto-Studio brauchen, ganz alleine. Vor Ort, mit sich selbst als Fotomodell. Obwohl sie immer dachte, dass sie für ein Model viel zu knochig sei.

Deswegen beginnt ihr Selfie-Kurs mit einer Anleitung, wie jede*r seine Schokoladenseite finden kann. Zuerst Aufnahmen vom eigenen Gesicht aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln machen. Danach das Procedere mit allen Körperteilen wiederholen. Aus den besten Ergebnissen eine Pose entwickeln, dann das Setting arrangieren, Bildaufbau bedenken, auf das Licht achten, sparsam mit der Deko umgehen, den Selbstauslöser per Stimme steuern – und zack, nur eine Stunde später haben wir eine Speicherkarte voll Aufnahmen, auf der sich auch das eine, perfekte Selfie befindet. Das Foto, das eine Person zeigt, in die man sich glatt verlieben könnte.

Doch so viel Perfektion führt bei mir nur zu einem: Ich musste einfach ein Selfie machen, das genau so ist, wie Sorelle Amore es nicht empfiehlt.

Kein advanced selfie - That's just me!
Kein advanced selfie – unfrisiert, ungeschminkt, ungeplant und dann auch noch mit einem Color-Pop-Filter!

Infos zum Buch:

Sorelle Amore

Advanced Selfie – Die Kunst des Selbstporträts
So zeigen Sie sich von Ihrer schönsten Seite

Midas Verlag


Was mir mehr Spaß macht: Museumsselfies – zum Beispiel im Hack Museum Ludwigshafen!

Raster richtig einsetzen: Layout Basics

Buch: Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern. Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Fachbücher lesen kam in den letzten Monaten zu kurz. Der Job war fordernd, das Hirn pandemisch gelähmt, die Energie für neue Themen fehlte. Wie schade das ist, merkte ich, als ich dann zu „Layout Basics“ griff.

Ich selbst gestalte zwar keine Websites und auch keine Printprodukte. Aber ich arbeite sehr häufig in Projekten, in denen es darum geht, Websites erfolgreicher und Bücher lesbarer zu machen. Ein guter Grund, die eigenen Fachkenntnisse mal wieder aufzufrischen!

„Layout Basics“ ist eine solide Einführung in die Arbeit mit Gestaltungsrastern und besticht durch die Fülle an Beispielen für gelungenes Design. Das war neben dem beruflichen Bezug auch für mich als private Leserin sehr ergiebig, da so das Zusammenspiel von Überschriften, Textblöcken, Bildern, Infografiken und Farben klarer wird. Wie häufig ist ein Buch nur deswegen schwer lesbar, weil Typographie und Layout zu anstrengend sind!

Wer die Regeln verstanden hat, kann sie auch brechen. Aber bitte genussvoll und wohl überlegt! Die letzten Kapitel des Fachbuchs befassen sich deswegen damit, wie man Gestaltungsregeln aufbrechen kann um Rhythmik, Dynamik und Spannung zu erzeugen. Das ist für mich natürlich eine zutiefst sympathische Herangehensweise!


Infos zum Lehrbuch:

Beth Tondreau

Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern.
Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Stiebner Verlag


Ein Buch, in dem die Layout-Prinzipien umgesetzt wurde: Disruptive Thinking

August Macke – Paradies? Paradies!

August MAcke. Paradies! Paradies? Flyer zur Ausstellung im Museum Wiesbaden vor meinem Computer-Bildschirm, auf dem ein Bild von August Macke als Bildschirmhintergrund zu sehen ist.

Das, was nur außerhalb der vier Wände meiner Wohnung und außerhalb meines Hirn stattfinden kann, fehlt. Die Anregungen, die Beobachtungen, die Begegnungen und alles, was nur im Zusammenspiel entsteht – ich vermisse es.

So sehr, dass ich jetzt doch bereit war, mich auf ein Zoom-Kultur-Event einzulassen. Mein Fazit vorneweg: Es war inspirierend und ich werde lange davon zehren können. Aber es hat mir genauso schmerzlich bewusst gemacht, wie sehr mir das draußen fehlt.

Ich will wieder in Bilder hineinfallen können. Vor ihnen ruhig verweilen. Oder auch auf und ab tigern, um zu beobachten, wie andere Blickwinkel das Bild verändern. Ich will die Struktur des Pinselstrichs sehen können und mir einbilden, die Farbe zu riechen. Ja, ich möchte sogar wieder fremde Museumsbesucher beobachten können, ihre Wortfetzen hören und an ihrem Gesicht ablesen können, ob das Kunstwerk sie berührt.

Die beste Kuratorenführung und das aufmerksamste Zoom-Publikum sind dafür kein Ersatz. Das weiß ich jetzt.

Für das Museum Wiesbaden war es eine Premiere. Eine Video-Führung im Livestream durch das verschlossene Paradies der Ausstellungsräume. Zu sehen: „Paradies! Paradies?“. Bilder von August Macke aus allen Schaffensperioden, ein umfassender Überblick über sein viel zu schmales Werk. Eine Dokumentation der rasanten Entwicklung, die sein Malstil nahm. Ein fast schon intimer Blick auf sein Familienparadies und die Liebe zu seiner Frau Elisabeth. Und natürlich: Farben, Wärme, Licht und das pralle Leben in all seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit.

Es folgte eine Gesprächsrunde mit dem Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger, die mir ermöglichte, wieder die Avantgarde in den vertraut wirkenden, mir heute fast brav erscheinenden Bildern August Mackes zu sehen. Doch gerade beim Zuhören merkte ich, wie sehr mir das wirkliche Betrachten der Kunstwerke gefehlt hat. Während Kulturbürger-Erinnerungen an die liebsten Macke-Gemälde ausgetauscht wurden, konnte ich nicht über die Ausstellung reden, weil ich noch nicht wusste, was ich empfand.

Aus diesem Mangel an Empfindungen rettete mich das, was natürlich keine Bastelstunde war. Das Team des Museums Wiesbadens hatte eine prall gefüllte Materialbox an alle Teilnehmer geschickt, mit der wir unsere Vorstellung vom Paradies ausdrücken konnten. Das wurde ganz wunderbar einfühlsam von Daniel Altzweig moderiert, der es uns leicht machte „ins Material zu gehen“.

Mein Paradies sieht demnach so aus: Ein Weg, der von der Erde und aus dem Chaos heraus in einen stillen Raum führt und von dort aus in den nächsten … immer weiter. Mein Paradies ist ein Weg, auf dem ich mit einem stillen, in sich ruhenden Lächeln unterwegs bin.

Ergebnis der Kreativ-Session zur Ausstellung im Museum Wiesbaden: August Macke - Paradies! Paradies?

Noch etwas für mich Bemerkenswertes passierte an dem Abend. Mikel Bower, der lieber in die Worte als ins Material ging, inspirierte mich mit seinem Gedicht zu eigenen Wort-Basteleien. Und bevor ich es mir wieder anders überlege, stelle ich sie hier online.

Paradies! Ein in sich
ruhendes Lächeln
Blumen erblickend.

Paradies? Ein stiller
Moment am Wegesrand
vorbei gegangen.

Doch eine Frage beschäftigt mich seit diesem Abend: Wie wäre die Veranstaltung verlaufen, wenn nicht mindestens zwei Drittel der Teilnehmer:innen in der Kunst- und Kulturbranche arbeiten würden? Ich mag es gerne herausfinden. Aber noch lieber möchte ich wieder ins Museum gehen.


Infos zur Ausstellung hier beim Museum Wiesbaden. Mehr Eindrücke auf Instagram unter #Commuwity.

Dank an das engagierte, gastfreundliche Team des Museums und an Anke von Heyl alias Kulturtussi, die äußerst lässig durch den Abend führte.

Besser als gute Vorsätze: Haikus schreiben.

Haikus schreiben. Ein Ratgeber.

Mehr schreiben gehört sicherlich nicht zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Ich schreibe so viel wie noch nie in meinem Leben, vor allem über Bücher – nur eben beruflich.

Auch „mehr bloggen“ wird es nicht auf die Liste der guten Vorsätze schaffen, denn es gibt Corporate Blogs, die von mir gefüllt werden wollen. Ich werde also sowieso mehr bloggen – nur nicht unbedingt auf meinen eigenen Blogs.

Trotzdem drehen sich viele meiner Überlegungen, was ich nächstes Jahr verändern möchte, um das Schreiben. Nicht mehr, sondern anders schreiben. Dabei bin ich sehr zufrieden damit, wie sich meine Rezensionen, die ja keine sind, entwickelt haben. Im Mittelpunkt aller Buchbesprechungen steht bei mir die Frage „Was hat dieses Buch mit mir gemacht?“. Ich möchte mich nicht hinter Stil-Analysen und einer Einordnung des Werkes in den Buchmarkt, wenn nicht sogar in die Literaturgeschichte, verstecken. Mich interessiert das Zusammenspiel von Buch und Leserin. Warum habe ich zu diesem Buch gegriffen, was war meine Erwartungshaltung und was ist danach passiert? Wer so über Bücher schreibt wie ich, macht sich selbst sichtbar.

Nicht mehr, sondern anders schreiben: Haikus

Will ich mich noch sichtbarer machen? Eigentlich nein, das Maß passt für mich so, wie es ist. Doch über Bücher schreiben ist für mich mittlerweile Routine. Ich weiß, wie ich das anpacken muss. Wahrscheinlich könnte man mich nachts um 3 wecken und an die Tastatur setzen, es würde ein ordentlicher Blog-Beitrag über ein Buch werden.

Es ist also an der Zeit, Texte zu schreiben, die mir nicht so leicht fallen. Haikus zum Beispiel.

Als Teenager hatte ich eine Lyrik-Phase. Die ist in jeder Hinsicht lange vorbei. Geblieben ist der Spaß an der Sprache und die Faszination, wenn Gefühle durch die Sprache hindurch sichtbar werden. Nicht mit ihr ausgedrückt werden, sondern auf einmal zwischen und über den Zeilen existieren.

Vielleicht bin ich jetzt alt genug, dort wieder anzuknüpfen. Wir werden sehen. Es könnte dann so wie dieser Versuch von mir klingen:

Laufen, einfach laufen
Weg, Feld, Wald
hin zur Wurzel


Auf den Geschmack brachte mich der Ratgeber „Haiku-Tagebuch. Japanische Achtsamkeit im Alltag.“ Dahinter verbirgt sich eine Anleitung zum kreativen Schreiben, die den Fokus auf folgende Punkte legt:

  • Wie ordne ich meine Gedanken?
  • Wie drücke ich etwas aus, für das ich keine passenden Worte finde?
  • Wie kann ich lange Gedankenketten abstrahieren und zusammenfassen?
  • Wie finde ich Schönheit im Alltäglichen?

Letzteres ist für mich kein Problem, aber bei allen anderen Punkten klingelte es bei mir. Also Bleistift gezückt, das schönste Notizbuch aus der Schublade gezogen und losgeschrieben. Tägliches Schreiben ist gar nicht mein Ziel und auch den Teil des Schreibratgebers, der versucht, Gedanken mit Hilfe der Fünf-Elemente-Lehre zu strukturieren, ignoriere ich gekonnt. Doch jede Zeile, die mich wieder vom beruflichen, seo-konformen Schreiben wegführt, ist willkommen. Dieses Buch und ich, wir schaffen das.

Das Blatt voller Wörter
Sturm vor dem Auge
hindurch zur Ruhe


Infos zum Schreibratgeber:

Mila Bubliy
Philipp Herold

Haiku-Tagebuch
Japanische Achtsamkeit im Alltag

Komplett Media


Wem das Buch auch gefiel: Rezension bei Haiku heute
Was gut dazu passt: „Ikigai. Japanische Lebenskunst“ – Rezension auf meinem Blog.
Ein Corporate-Blog, für den ich schreibe: Mir geht’s gut Magazin. Buch-Tipps. Sachbücher & Ratgeber für ein gutes Leben.

50 Werkzeuge für gute Texte

Roy Peter Clark Die 50 Werkzeuge gutes Schreiben Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Wie lernt man, gute Texte zu schreiben? Darüber habe ich in letzter Zeit viel mit meinen Agentur-Kolleginnen diskutiert.

Talent mag die Basis sein, aber meiner Meinung nach ist texten vor allem Handwerk.

Daher passt die Haltung, die ein Buchtitel wie „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten und Texter.“ ausdrückt, für mich perfekt.

Handwerk und Werkzeuggebrauch kann man lernen. Üben, üben und noch einmal üben meint Malcolm Gladwell dazu und nennt einen Aufwand von 10.000 Stunden.

Roy Peter Clarke wird dem sicherlich nicht widersprechen: Er liefert in seinem Buch jede Menge Übungsaufgaben gleich mit.

Die ich, wie das meistens bei mir der Fall ist, weitesgehend ignoriere. Ich gehe mit seinen Tipps lieber gleich in die Praxis und arbeite direkt an meinen Blog-Beiträgen, SEO-Texten, Klappentexten, Pressemeldungen und allem, was ich sonst noch schreibe.

Denn das ist für mich das Tolle an dem Buch: Diese Tipps sind universell einsetzbar – egal ob Roman, Presseartikel oder privates vor sich hin schreiben. Die meisten anderen Büchern beleuchten nur einen bestimmten Aspekt wie Stil, Journalismus oder Romane.

Das hier zum Beispiel könnte direkt aus einer Anleitung für gute Online-Texte stammen – passt aber auch für viele andere Textformen:

Packen Sie das Beste an den Anfang und den Schluss, verbergen Sie weniger Wichtiges in der Mitte!

Aus: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Das A und O, Seite 31

Doch in einem Punkt stellt mich das Buch vor ein Rätsel: Ich habe es gebraucht bei Medimops erstanden. Wer um Himmels willen hat denn dieses Buch verkauft? So etwas gehört in die Handbibliothek!

Infos zum Buch:

Roy Peter Clark

Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter


Autorenhaus Verlag

Mehr Buch-Tipps auf meinem Blog:

Schule des Sehens: gebt dem Zufall eine Chance

Sachbuch: Die Schule des Sehens von Peter Jenny

Wie lernt man schreiben? Ein berühmter SF-Schriftsteller* antwortete mal auf die Frage eines Fans: „Schreibe eine Million Wörter und dann komme wieder zu mir.“

Wie lernt man demnach fotografieren?

Mit jedem Blogbeitrag lerne ich ein wenig mehr über das Schreiben. Mit jedem Smartphone-Foto ein wenig mehr über das Fotografieren.

Veröffentlichen ist dabei Teil des Lernprozesses. Ich mache mein Üben damit sichtbar – und nehme es selbst dadurch ernster.

Die Suche nach neuen Themen und Motiven ist ein zweiter wichtiger Ansporn. Nicht ausruhen auf dem, was man schon kann. Weitergehen, Neues wagen. Neue Fotomotive suchen, neue Blog-Themen.

Über Bücher schreiben kann ich. Außer, es ist ein Buch aus dem Herrmann Schmidt Verlag. Dann wird es knifflig, denn diese Bücher sind anders als die, die ich 25 Jahre lang in der Buchhandlung angepriesen habe.

Die Schule des Sehens – zweite Runde

Der 8. Band aus der Reihe Schule des Sehens von Peter Jenny war für mich ein Durchbruch. Mit Bild sucht Bild – Weitere Ideen aus dem Atelier der Gegensätze entdeckte ich, die sich bisher als Wortmensch bezeichnete, das kreative Potential von Fotos für mich. Schreibblockaden gibt es seit dem für mich nicht mehr. Wenn ich an einer Idee festhänge, wechsel ich das Medium. Darüber hatte ich hier geschrieben.

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit dem 9. Band aus der Reihe. Notizen zur Fotogestaltung – Findet Sie der Zufall?  bezeichnet sich als Einladung zur Fotosafari in den eigenen vier Wänden. Das ist Understatement, denn das Büchlein verführt zu noch so viel mehr.

Der Weg ist das Ziel tönt zwar gut, entspricht aber auch nicht der zielgerichteten Wirklichkeit. Ein Glückspilz zu sein, setzt voraus, abseits des Weges Entdeckungen zu machen.
S. 21

Seit dieser Lektüre kultiviere ich lustvolles Verlaufen in meiner eigenen Wohnung und übe mich darin, zu erblicken, was der Zufall mir beschert. Ich entdecke Schattenspiele, Strukturen und Blickwinkel.

Aufnahme eines Schattenspiels, inspiriert durch Peter Jenney -Schule des Sehens BAnd 9

Dabei bemühe ich mich, nicht zu werten, sondern dem Zufall, dem glücklichen Moment Raum zu geben.

„Nicht zu werten“ heißt für mich auch, auf Instagram Bilder zu veröffentlichen, die mein Üben protokollieren. Dabei bin ich immer wieder erstaunt, wie sich Bilder über Nacht verändern. Was habe ich früher Bilder in die Tonne getreten! Vielen davon würde ich heute eine Chance geben und ich bin mir sicher, dass sich eine kleine Handvoll davon im Nachgang durchsetzen würde.

Abfalltonne für Ideen. Mülleimer fotografiert nach der Lektüre von: Peter Jenny - Schule des Sehens Band 9 Notizen zur Fotogestaltung

 

Ich glaube, als nächstes erkunde ich mit Peter Jenny und seiner Schule des Sehens das Vorher – Nachher.


* „Wenn Du schreiben lernen willst, dann schreibe erst einmal eine Million Wörter“. Leider bin ich mir nicht mehr ganz sicher, von wem das Zitat ist. Es könnte Niven gewesen sein – oder Heinlein. Wisst Ihr es? Falls Ihr es wisst freue ich mich über einen Kommentar. Und Ihr freut Euch vielleicht über das Blogstöckchen #SFvongestern


Informationen zu den Büchern:

Peter Jenny

Die Schule des Sehens

Band 8
Bild sucht Bild
Weitere Ideen aus dem Atelier der Gegensätze

Band 9
Notizen zur Fotogestaltung
Findet Sie der Zufall?

Verlag Hermann Schmidt


Auch in diesem Kunstbuch geht es darum, das Sehen zu üben: Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch. Hier meine Rezension dazu:

Leichte Sprache, einfache Sprache, Online-Sprache

Buchcover: Ratgeber Leichte Sprache aus dem Duden Verlag

„Du verbindest hier mit einem ‚und‘ – schau doch mal, ob Du zwei Sätze daraus machen kannst.“ Dieser Schreibtipp war für mich der Auslöser, mich mit Leichter Sprache zu beschäftigen.*

Doch solche Vereinfachungen, die die Lesbarkeit von Online-Texten deutlich erhöhen, sind eigentlich gar nicht das Thema bei Leichter Sprache. Hier geht es um Inklusion von Menschen mit Sprachverständnis-Schwierigkeiten und um Barriere-Freiheit.

Was bringt es mir also für meine Arbeit als Online-Texterin und für mein Hobby Bloggen, mich mit Leichter Sprache zu befassen? Eine Menge. Beginnen wir am Anfang, mit der Definition.

Was ist Leichte Sprache?

Ein schönes Beispiel findet Ihr auf der Webseite Hurraki, dem Wörterbuch für Leichte Sprache:

Hurraki ist ein Wörterbuch für Leichte Sprache

Viele Menschen reden umständlich. Nicht jeder versteht das.

Die Wörter bei Hurraki soll jeder verstehen können.

Niemand soll ausgegrenzt werden.

Quelle: https://hurraki.de/wiki/Hauptseite

Genau so funktioniert Leichte Sprache: kurze Sätze, eine Information pro Satz, allgemein bekannte Wörter. Dabei folgt die Sprache einem klaren Regelwerk. Leichte Sprache ist immer grammatikalisch korrekte Sprache. Sätze wie „Du gehen Bahnhof“ sind keine leichte Sprache, sondern ein Hindernis. Durch solche Sätze gewöhnen sich Menschen mit Lernschwierigkeiten erst ein falsches Deutsch an, um dann später mühsam die Fehler wieder zu verlernen. Für die meisten Leser ist Leichte Sprache nämlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur nächst komplizierteren Stufe, der Einfachen Sprache. Wenn alles klappt kommen sie irgendwann am Ziel an: Standard-Deutsch.

Korrekte Leichte Sprache ist also nicht, was man so eben mal aus dem Bauch heraus formuliert – es ist eine Übersetzungsleistung. Und was für eine! Wer einmal Übersetzungen von juristischen Fachtexten gelesen hat, wird verstehen, was ich meine.

Regeln der Leichten Sprache

Alle Regeln der leichten Sprache kann man nachlesen. Vieles wird online erläutert. Ich habe zum Buch gegriffen – ganz traditionell zum Duden:

Duden Ratgeber Leichte Sprache
Die wichtigsten Regeln und Empfehlungen für die Praxis

von Ursula Bredel und Christine Maaß

Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin und stehe immer ein wenig fasziniert vor solchen Ausführungen. Wenn ich lese, welche Regeln und Konzepte es alles gibt, dann bin ich jedesmal erstaunt, das wir uns überhaupt verständigen können.

Was bringt es mir?

Erst einmal ein Grundverständnis dafür, was sich alles vereinfachen lässt. Das ist für mich nützliches Handwerkszeug. Vieles war bekannt, gerät aber doch leicht in Vergessenheit. Nach den gründlichen Erklärungen und den vielen Beispielen ist mir jetzt wieder klarer, worauf ich achten muss. Nicht nur Füllwörter streichen, sondern generell kürzere Sätze bilden. Nicht nur auf das „man“ verzichten, sondern von vornherein aktiv formulieren. Weil jetzt die beiden letzten Sätze in diesem Beitrag mit einem „Nicht“ beginnen, fällt mir auch siedend heiß wieder ein, dass Verneinungen generell schwieriger zu verstehen sind. Der Leser stellt sich erst das vor, was beschrieben wird, um es dann zu negieren. Das ist kompliziert und stört den Lesefluss.

Auch eigentlich banale Grundlagen sind bei mir jetzt wieder präsenter. Nicht einfach drauf los schreiben, sondern erst für mich die Aussage des Textes klären. Klingt wirklich banal, oder? Doch jeder kennt Texte, bei denen das offensichtlich nicht beherzigt wurde.

Nun denn, beim Bloggen werde ich das sicherlich nicht immer beherzigen. Manchmal wollen Texte einfach auf eine andere Art hinaus in die Online-Welt. Doch um sich das zu erlauben ist es gut, zu wissen, wie ich es einfacher formulieren könnte. Dann kann ich mich immer noch bewusst für eine andere Version entscheiden.


Informationen zur Leichten Sprache findet Ihr zum Beispiel hier:

Absolut lesenswert finde ich Nachrichten in leichter Sprache wie zum Beispiel bei Nachrichten leicht. Da bekommt man einen guten Eindruck von der Übersetzungsleistung, die für solche Texte nötig ist, und fragt sich, warum wir alle uns nicht viel häufiger leichter ausdrücken.


*Es gibt noch ein weiteres ‚und‘, das mir viel zu häufig begegnet. Meine ebenfalls bloggende Kollegin und ich nennen es schon das „Blogger-Und“: Hauptsätze, die mit ‚Und‘ beginnen. Korrekt ist das nur selten. Dafür aber nah an der gesprochenen Sprache. Von dort findet es seinen Weg erst in viele Blog-Artikel, dann in Online-Texte. In letzteres gehört es auf keinen Fall.


Bücher, für Jugendliche und Erwachsene, die sich mit dem Lesen schwer tun, stelle ich in diesem Blog-Beitrag vor: Lesen ist Teilhabe: Anne Frank in einfacher Sprache und super lesbare Bücher

Jede Buchmesse ist anders schön. Wie war diese?

Jede Buchmesse ist anders schön, jede hat eine andere Grundstimmung, jede fühlt sich anders an.

In mir diskutiert gerade die Leserin mit der Bloggerin mit der Buchhändlerin mit der Online Marketing Managerin, was denn nun diese Buchmesse auszeichnet. Ich versuche, das mal zu sortieren.

Die Leserin sagt, dass die ganz großen Themen, die anscheinend jeder Verlag machen MUSS, diesmal fehlten, und fand das sehr wohltuend. Wie schön wäre eine Buchwelt, in der weniger Bücher erscheinen, aber dafür mehr Bücher, die unbedingt hinaus in die Welt wollen. Bücher, die eine Herzensangelegenheit sind.

Für die Buchbloggerin war die Welt erst einmal in Ordnung. Bücher, Blogger*innen und Wertschätzung für Blogs überall. Sie freute sich an Sätzen von Verlagsmitarbeitern wie „Ja, wir schauen uns die Blogs erst mal an.“ und „Klar verfolgen wir, ob wir auch die Beleglinks erhalten!“. Noch mehr freute sie sich über Anekdoten, dass Blogger von Verlagsmitarbeitern erkannt wurden, obwohl sie noch nie etwas miteinander zu tun hatten.

Klassentreffen für alle

Auch für uns Blogger ist die Buchmesse mittlerweile ein erweitertes Klassentreffen. Wieder habe ich inspirierende Frauen zum ersten Mal „in echt“ getroffen, deren Social-Media-Aktivitäten ich gerne verfolge oder mit denen ich schon online tolle Aktionen gemacht hatte. Solche Offline-Treffen sind dann sofort von Nähe, Wertschätzung, Respekt, Humor und tiefen Themen geprägt. Wohltuend!

Awards – nicht für alle

Bloggende Männer habe ich auch getroffen. Genau zwei. Das wäre mir so gar nicht aufgefallen, wenn es da nicht diesen Moment beim ersten Buchblogger-Award gegeben hätte. Fast alle Buchblogs werden von Frauen geschrieben. Auf der Bühne standen Gewinner, keine Gewinnerinnen. Nicht nur ich dachte mir in diesem Moment „Das ist mehr als nur bemerkenswert“.

Dazu kommt ein zweiter Aspekt. Gewonnen haben zwei großartige Literaturbotschafter. Nicht gewonnen haben großartige Leserbotschafter – die, die das lesen, was ich als Buchhändlerin am meisten verkauft habe.

Nicht alle Bücher überall

Womit ich zum Blick der Buchhändlerin komme. Die hat mehr als einmal gestutzt, wie sehr der Buchhandel derzeit als Nadelöhr wahr genommen wird. Das reicht von „Unsere Backlist findet im Buchhandel nicht mehr statt.“ über „Unsere Themen finden im Buchhandel nicht statt.“ bis hin zum harten „Unsere Bücher finden im Buchhandel nicht statt.“.

Nicht gehört habe ich solche Aussagen von den Lesern. Die finden ihre Bücher – immer und überall.

Metadaten für alle

Die Online Marketing Managerin stieß immer wieder auf das Thema Metadaten. Die Technik ist jetzt da und muss nun mit Inhalt gefüllt werden. Was genau gehört in die Metadaten? Wer schreibt die Texte, wer ermittelt die Keywords und wie?

Übrigens freuen sich alle in mir – Leserin, Bloggerin und Buchhändlerin – auf bessere Metadaten. Konkret: bessere Verschlagwortung, mehr Leseproben, aussagekräftige Probeseiten, klar benannten Mehrwert eines Buches und Online-Texte, die sich wirklich an den Leser richten. (Und nicht nebenbei auch noch an die Presse, den Buchhändler, die Bibliothekare und die Nebenmärkte.)

Mehr Herzensbücher bitte!

Das alles bitte für Bücher, die Herzensangelegenheiten aller Beteiligten sind. Hach, das wäre schön. Ich gehe jetzt noch ein wenig träumen. Von der Buchmesse, von inspirierenden Büchern, zufriedenen Buchhändlern, glücklichen Verlegern, leidenschaftlichen Buchbloggern und begeisterten Lesern.


 Übrigens: das beste Schuhwerk für die Messe und andere Wahrheiten findet ihr hier im Buchmessen-ABC.

 

 

Der erste Buchblog-Award. Sind wir jetzt angekommen?

Blog GeschichtenAgentin beim ersten Buchblog-Award

Braucht es diesen Buchblog-Award? Ja, denn er macht die Vielfalt der Buchblogs sichtbar. Rund 400 Blogs nehmen teil, das dürfte knapp ein Drittel der aktiven Buchblogger sein. Nicht schlecht für die erste Runde und die Longlist zeigt, dass wirklich aus jedem Dorf ein Hund, aus jedem Bücherregal ein Wurm, aus jedem Lese-Universum ein Vertreter dabei ist.

Warum bin ich beim Buchblog-Award dabei? Die einfache Antwort ist, dass ich mit meinem Blog dazu beitragen möchte, eben genau diese Vielfalt an Lesern, Bloggern und Büchern sichtbar zu machen. So einen Blog wie diesen gibt es kein zweites Mal auf der Liste. Circa 399 andere Blogs können das ebenso von sich behaupten.

Nochmal – warum bin ich dabei? OK, die etwas längere Antwort lautet ungefähr so: Als wir damals Blogger schenken Lesefreude starteten, wollten wir mehr als nur den Welttag des Buches feiern. Wir wollten zeigen, dass wir Buchblogger Teil der Buchwelt sind – und ein verdammt lebendiger noch dazu. Das betrachte ich als erreicht, es muss nur noch gefestigt werden.

Außerdem hatten wir noch gehofft, dass wir eines Tages auch Teil der Buchbranche sein werden … dem nähern wir uns an. Ein Preis, der auf der Frankfurter Buchmesse überreicht wird, ist ein wichtiger Schritt dorthin.

Hat der Preis die optimale Form? Keine Ahnung. Lasst es uns einmal versuchen und danach diskutieren, ob es ausreichend Kategorien sind und ob die Form der Longlist, für die sich jeder selbst vorschlagen kann und über die dann abgestimmt wird, um zu einer Shortlist zu kommen, der richtige Weg ist. Aber zerredet den Preis nicht schon im Vorfeld, ja? Danke schön.

Wer wird gewinnen? Auf jeden Fall ein Blog, dessen Betreiber Bücher liebt und mit Leidenschaft über sie redet. Einer, der liest und so darüber schreibt, das andere denken „Oh! Das will ich auch lesen!“. Natürlich kann nur ein Blog gewinnen, der gut vernetzt ist und auf mehr als einem Online-Kanal aktiv ist. Wie sollte er auch sonst Leser erreichen?

Es wird ein Blog sein, der seine Technik grundlegend im Griff hat und der auch auf dem Smartphone gut aussieht. Nicht zuletzt bin ich mir sicher, dass nur ein Blog gewinnen kann, der ein gültiges Impressum hat.

So oder so, für mich steht ein Gewinner fest. Wollt ihr wissen, wer? Das Lesen.

Und jetzt schaut Euch bitte die Blogs an und vergebt ein paar Däumchen.

(Website zum Award ist nicht mehr online)


Mein Buch-Blog, meine Party – aber natürlich wird eine Party erst durch Gäste richtig gut! Wie kann ich mich mit Leser*innen, Blogger*innen und Bookfluencer*innen vernetzen? Warum blogge ich überhaupt? Was wünsche ich mir von Verlagen, Autor*innen und anderen Akteur*innen der Buchbranche? Und vor allem: Was kann ich als Blogger*in tun, um Lesen und Bücher sichtbarer machen? Meine Gedanken und Artikel dazu hier auf meinem Buch-Blog!


 

Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.
Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder?

Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal.

Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben.

Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen?

Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung

Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die Besteigung eines Dreitausenders. Kommt vor, sollte aber anders werden. Was tun?

Aufstehen, bis 5 zählen, und, wenn möglich und einem selbst angenehm, „Ich stehe!“ rufen. Dann wieder zurück auf die Couch. Das ist ok. Vielleicht kann man aber auch, wenn man schon mal steht, Bonuspunkte sammeln und einmal um den Tisch laufen?

Jane MacGonigal liefert nicht nur äußerst kreative Beispiele, was man in solchen lähmenden Situationen alles konkret machen könnte – sie begründet auch mit Beispielen aus dem Leben und aus der Forschung, warum solche Mini-Aktionen bereits einen Unterschied machen. Wir gewinnen Handlungshoheit zurück, wir überraschen Gehirn und Nervensystem mit einer neue Verhaltensvariante, die positive neurophysiologische Folgen haben wird.

Für mich klingt das machbarer als To-Do-Listen, Verpflichtungserklärungen und Motivationskärtchen am Spiegel. Doch was mich endgültig überzeugt hat, ist das Gesamtkonzept, in das diese Mini-Lösungen eingebunden werden: Power-Ups, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheime Identität und epische Siege.

Boss-Gegner Steuererklärung

Gamification Grundsätze: Sie sind stärker als sie glauben. Sie sind von potenziellen Verbündeten umgeben. Sie sind der Held ihrer eigenen Geschichte.
Ich bin stärker als ich glaube. Ich bin von potenziellen Verbündeten umgeben. Ich bin die Heldin meiner eigenen Geschichte.

Bloß nicht davonrennen vor diesem Gegner! Beim Computerspiel gehen wir ja auch nicht davon aus, dass wir das letzte Level auf Anhieb lösen werden. Nein, wir scheitern und versuchen es erneut. Wie kann es uns gelingen, diesen Spielgeist auf das Alltagsleben zu übertragen?

In dem wir das Leben aufschlüsseln wie ein Spiel. Zuerst sammeln wir Power-Ups. Bei Super Mario sind das Münzen, im wahren Leben sind das Kleinigkeiten, die uns gut tun. Ich dachte ja, ich hätte das längst. Aber Jane MacGonigal würde 15 Minuten Gymnastik, was ich beispielsweise bisher dafür verwendet haben, eher in den Bereich der Quest legen. Viel zu kompliziert, viel zu fordernd. Ein Power-Up ist jetzt zum Beispiel bei mir aufstehen, ans Fenster gehen, in die Ferne schauen. Entspannt Augen und Geist, sorgt für Bewegung und ist so gut wie immer umsetzbar.

Ein Power-Up ist eine positive Aktivität, die Sie leicht unternehmen können und die einen kurzen Moment der Freude, der Stärke, des Muts oder der Verbindung schafft.
Gamify your Life – S. 202

Wer den Boss-Gegner Steuererklärung angeht, der sollte sich vorher viele Power-Ups bereit gelegt haben.

Der Bösewicht ist in dem Fall schnell benannt: Dark Lord Steuererklärung. Er bringt aber Verbündete mit wie Angst vor der Deadline, Mount Ablage, Formular-Phobie oder das Ich-kann-das-nicht-Gespenst. Welche Power-Ups würden bei welchem Bösewicht helfen?

Das große Ziel, das uns den epischen Sieg bringen wird, ist klar: fristgerechte Abgabe der Steuererklärung. Das zerlegen wir jetzt in Mini-Ziele und Kleinst-Herausforderungen, die sogenannten Quests. Bei mir wäre das traditionell gewesen, dass ich zuerst meine Ablage in Ordnung bringe. Ihr ahnt es: in Gamify your Life empfiehlt Jane MacGonigal deutlich kleinere Herausforderungen. Quests sind für sie „einfache, tägliche Projekte, die Ihnen helfen, Ihre größeren Ziele zu erreichen.“

Das ist, was für mich das Gamification-Konzept zu etwas ganz Besonderem macht! Anstatt ehrfürchtig an den Marathon zu denken freue ich mich lieber daran, meine Laufschuhe zu schnüren und bringe durch solche Mini-Aktionen und Kleinst-Siege Veränderungen in meinem Leben voran. Das funktioniert, weil es gute Laune macht und sich Gehirn und Gewohnheiten automatisch mit der Zeit daran ausrichten.

Was ist Dein Spiel?

Gut, um den Marathon geht es bei mir nicht. Zu den vielen kleinen und großen Baustellen in meinem Leben gehört aber zum Beispiel der Bösewicht namens Bewegungsarmut. 25 Jahre lang bin ich durch den Laden gerannt, bin in die Hocke, um ein Buch aus dem untersten Handlager nachzulegen, um mich kurz darauf zu strecken, um einem Kind etwas aus dem obersten Regal zu geben. Ich habe mich verrenkt, um die überformatigen Kalender als Geschenk zu verpacken und habe Kisten geschleppt. Kurz: jetzt im Büro-Alltag mangelt es mir nicht nur an Bewegung an sich sondern auch an Abwechslung in der Bewegung. Dazu hatte ich auch schon im Beitrag Sitzen gefährdet die Gesundheit geschrieben.

Gamification: die Prinzipien.: Fordern sie sich, sammeln sie PowerUps, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheimidentität, epischer Sieg
Gamification – der 7-Punkte-Plan.

Mehr Bewegung ins Leben bringen ist eine Aufgabenstellung, die perfekt für eine Runde Gamify your Life geeignet ist!

Heute habe ich schon ein neues Power-Up entdeckt in Form einer Katzenfigur, die einen sehr gelenkigen Buckel macht. Quests habe ich auch absolviert: den Wäschekorb über den Kopf gestemmt, ans Fenster gelaufen, um zu schauen ob der Baum noch da ist und im Stehen die Schuhe gebunden. Während bisher bei so etwas mein innerer Kritiker nur zynisch gelacht hat, gelingt es mir jetzt von Mal zu Mal besser, diese Kleinigkeiten als Erfolg zu bewerten. Womit ich einen neuen Bösewicht benannt hätte. Ein Verbündeter begleitet mich mit seinem Rollator bei Mini-Spaziergängen – ja, Verbündete kann man überall finden!

Mal sehen, was morgen an Fähigkeiten und Quests dazu kommt! Schließlich habe ich keine Lust, immer wieder das gleiche Level zu spielen. Mit den Prinzipien von Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben wird mir das auch garantiert nicht passieren!


Angaben zum Buch:

Sachbuch Gamify your Life (eBook (EPUB)) Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Jane McGonigal

Gamify your Life 
Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Herder Verlag
ISBN: 978-3-451-30494-1

Leseprobe beim Verlag

TedTalks mit Jane McGonnical


 SuperBetter – das Spiel zum Buch

Aus den Theorien, Ideen und Beobachten von Jane MacGonical heraus ist ein Spiel entstanden, sozusagen das Gamification-Game: SuperBetter. Die App ist für mich eine gute Möglichkeit, das gesamte Gamification-Konzept umzusetzen und mich nicht nur auf das zu beschränken, was mir leicht fällt!


Auch hiermit kann man prima spielen: Selbstwert-Generator