Achtsam durch den Tag – 53 Übungen

Achtsam durch den Tag - Ratgeber mit 53 Übungen

Warum liest Du eigentlich schon wieder ein Buch zum Thema Achtsamkeit? war die durchaus berechtigte Frage einer lieben Freundin. Drauf gibt es zwei Antworten. Erstens bedeutet Achtsamkeit lebenslanges Üben. Da ist es von Vorteil, sein Wissen immer mal wieder aufzufrischen und sich neue Anregungen und Impulse zu besorgen.

Zweitens ist dieses Buch anders, ganz anders als alle Achtsamkeitsratgeber, die ich bisher gelesen habe.

Wie bringe ich, jetzt, da ich weiß wie ich auf meinen Atem und meine Körperwahrnehmungen achten kann, Achtsamkeit in meinen Alltag? Wann ist der passende Moment, meinen Atem zu beobachten? Und vor allen Dingen: was habe ich davon?

Genau hier setzt das Buch „Achtsam durch den Tag“ an. Die Übungen bestehen meist aus minimalen Verhaltensänderungen, die eine kleine Irritation auslösen. Dieser kleine Moment genügt. Etwas im gewohnten Ablauf ist anders und schon achte ich mehr als sonst auf das, was ich tue. Möglichkeiten dafür bietet unser Alltag reichlich: nicht gleich ans Telefon gehen, sondern erst drei tiefe Atemzüge nehmen, einen Tag lang die nicht-dominante Hand benutzen oder ganz bewusst den Moment auf der Türschwelle wahrnehmen, wenn ich von einem Raum in den anderen wechsle.

Solche Vorschläge findet man auch in anderen Ratgebern, wenn auch bei weitem nicht so viele wie in „Achtsam durch den Tag“. Das Besondere liegt in den Kapiteln verborgen, die die Autorin als Vertiefungen bezeichnet. Hier berichtet sie ganz offen, was sie selbst und was ihre Schüler mit diesen Übungen erlebt haben. Ganz besonderen Wert legt sie auf das, was erst wie ein Misserfolg wirkt und dann doch zu Erkenntnisgewinn geführt hat. Das ist erfrischend und tröstlich zu gleich.

Übrigens ist auch dieses Buch für mich ein typisches Windpferd-Buch, also eines, das ganz schlicht daher kommt und mich lange, sehr lange beschäftigen wird.


Informationen zum Buch:

Jan Chozen Bays

Achtsam durch den Tag
53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit

Windpferd Verlag
ISBN  978-3-86410-024-6

Wie es mir mit dem Buch und insbesondere mit einer konkreten Achtsamkeitsübung ergangen ist, darüber schreibe ich hier: Die Dinge besser hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe.


Bilderbücher für Erwachsene oder vom Vorteil, zwei Blogs zu betreiben

Buchtipps vom Buchkind

Manchmal begegnen mir, wenn ich in meiner Blog-Identität als Buchkind unterwegs bin, Bilderbücher, die nicht so recht auf den Kinderbuch-Blog wollen. Das sind meist sehr schön illustrierte Bücher, bei denen mir aber die Geschichte zu wenig im kindlichen Erleben verwurzelt ist.

Doch manche dieser Bilderbuch-Schätzchen gehen mir trotzdem nicht aus dem Kopf, denn sie besitzen einen Zauber, eine magische Verbindung von Illustration und Geschichte.

Sie verdienen also auf jeden Fall eine Rezension – aber lieber unter einer Rubrik namens „Bilderbücher für Erwachsene„.

Grundsätzlich ist mein Vertrauen in die Fähigkeit von Kindern, sich auf Geschichten aller Art einzulassen und sie für sich passend zu adaptieren, sehr groß. Es liegt also nicht an den Kindern – denn es liegt nie an den Kindern – das ich bei diesen Bilderbüchern unsicher bin, wie ich sie besprechen soll. Ich kann mir bei diesen Bilderbuch-Schätzchen nicht so recht vorstellen, auf welchen Wegen sich Kinder dem Buch nähern. Ich kann es nur aus meiner Erwachsenen-Sicht beurteilen.

Ich, Kater Robinson“ ist für mich solch ein Bilderbuch für Erwachsene; „Wie der König seinen Feind verlor“ von Jorge Bucay ebenfalls. Noch mehr Empfehlungen findet Ihr am Ende des Beitrags in der Linkliste. Doch jetzt möchte ich erst einmal einen genaueren Blick auf zwei Bilderbücher werfen, bei denen ich glaube, dass Erwachsene mehr Spaß damit haben als Kinder.

Bilderbücher für Erwachsene – zwei Beispiele

Bilderbuch Frühling

Und dann ist Frühling von Julie Fogliano und Erin E. Stead passt auch in diese Reihe. Mir spricht das Bilderbuch zutiefst aus meiner Gärtnerseele. Der Schnee ist weg, die Welt ist braun. Es gibt viele Variationen von Braun im Frühjahr, wenn die Welt noch nicht grün ist. Der kleine Junge hat Samenkörner in diese braune Erde gelegt. Woche für Woche vergeht, doch alles bleibt braun-braun, nirgendswo auch nur eine zarte Andeutung von Grün. Er macht sich Sorgen um die Samenkörner – ob ihnen etwas passiert ist? Doch eines Tages legt er sein Ohr an die Erde und

… und das Braun,
das immer noch braun ist,
hat ein grünliches Summen.

Dann braucht es noch einen sonnigen Tag nach einem Regentag und alles ist Grün. Ja, so ergeht es mir jedes Frühjahr aufs Neue. Doch für ein Kind dürfte sich der Wechsel der Jahreszeiten anders anfühlen, da es das pralle Grün des Frühlings noch nicht so verinnerlicht hat und daher noch nicht so sehnsüchtig darauf wartet.

Bilderbuch für Erwachsene: eine mondlose Nacht

Mit dem wunderschön illustrierten Bilderbuch Eine mondlose Nacht von Geffen, Keret und Polonsky ergeht es mir ähnlich. Die Bilder besitzen einen blassen Schimmer, der gleichzeitig strahlt – genauso wie das Mondlicht in schönen Vollmondnächten.

Doch die Geschichte um den glatzköpfigen Mann, der so alleine ist, dass er sich den Mond zur Gesellschaft vom Himmel holt, und um das Mädchen Zohar, dass ohne Mond nicht schlafen kann und sich deswegen mutig auf die Suche begibt, erscheint mir doch sehr erwachsen konstruiert.

Bilderbücher für Erwachsene – wie sind Eure Erfahrungen damit? Sind das für Euch bibliophile Schmuckstücke, die Ihr in besonderen Momenten hervorholt? Oder kommen Sie doch im Kinderzimmer zum Einsatz?

Bilderbücher für Erwachsene – meine Empfehlungen

Eine kleine Auswahl an Bilderbüchern, an denen auch Erwachsene ihren Spaß haben. Diese Titel habe ich auf meinem Buchkind-Blog besprochen:

Bilderbuch-Empfehlungen anderer Blogger

Tipps von Lesern

Vor allem über Facebook erreichten mich weitere Tipps für Bilderbücher, die Erwachsenen gut gefallen:

Aber es müssen ja nicht unbedingt Bilderbücher für Erwachsene sein – es gibt jede Menge Gründe, gute Gründe, auch als Erwachsener einfach so zu Bilderbüchern und Kinderbüchern zu greifen: 7 gute Gründe, als Erwachsener Kinderbücher zu lesen

Amakuna-Saga: „Tochter des Drachenbaums“ und „Das Panama-Erbe“

Amakuna-Saga Band 1 - Tochter des DRachenbaums - Roman

Tochter des Drachenbaums – Amakuna-Saga Band 1

Eindeutig: das Wetter beeinflusst meine Auswahl an Lektüre. Schwergewichtige Sachbücher bleiben jetzt erst einmal liegen, denn Sommerzeit ist bei mir Schmökerzeit. „Tochter des Drachenbaums“ passt für mich perfekt zu diesen Temperaturen und zu meinem Urlaub im Süden.

Die Insel La Palma und das alte Volk der Guanchen spielen eine wichtige Rolle in Susanne Aerneckes Schmöker. Die Ureinwohner der Kanaren kannten einen psychoaktiven, heilkräftigen Pilz, den sie aus gutem Grund geheim hielten. Die spanischen Eroberer wären für dessen Wirkung noch nicht reif gewesen, denn zu sehr bestimmte Machtstreben und Gier ihr Handeln. Doch wie würde das heute aussehen?

Wer den Pilz einmal eingenommen hat, dessen Seele ist für immer mit allen verbunden, die die gleiche Erfahrung machen durften. So springt die Geschichte aus der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück und jede neue Figur ist zugleich ein alter Bekannter. Werden sich die Protagonisten diesmal anders entscheiden als in einem früheren Leben oder wird sich die Geschichte wiederholen? Dann würde das Profitdenken der Pharmaindustrie gewinnen so wie damals die Eroberer und die Inquisition gewannen.

Eine abenteuerliche Geschichte hat sich Susanne Aernecke ausgedacht und ich bin mir jetzt schon sicher, dass sie die Spannung auch für die geplanten Fortsetzungen aufrecht halten kann.

Das Panama-Erbe – Amakuna-Saga Band 2

Amakuna Saga von Susanne Aernecke Band 2 Das Panama Erbe

Es ist wieder passiert. Es wurde Sommer. Mein Leseverhalten ändert sich. Die Bücher, die ich lese, werden gleichzeitig dicker und leichter. Ein Trick, den nur Bücher beherrschen.

Im Sommer 2015 habe ich den ersten Band der Amakuna-Saga von Susanne Aernecke gelesen. Über die Tochter des Drachenbaums habe ich hier geschrieben. Dann kam die Saga, die eigentlich dieses Jahr hätte beendet werden sollen, ins Stocken. Nun aber liegt mit Das Panama-Erbe endlich Band 2 vor, der mir sogar besser gefällt als der erste. Die Geschichte ist dichter und praller geworden, gleichzeitig aber auch straffer erzählt.

Ich mag Genre-Grenzgänger sehr. Ein reiner Krimi oder eine Familiengeschichte interessiert mich nicht. Aber dieser Mix aus Familien-Saga, Thriller, Fantasy, historischen Roman, Zeitreise, Liebesgeschichte, Mystik und Spiritualität liegt mir. Ein Sommerbuch, dass man am besten draußen in der Natur liest, so dass man zwischendurch den Wolken nachschauen kann und dem Rascheln des Laubs an den Bäumen zuhören kann. Noch besser wäre ein Strand, denn das Meer spielt eine große Rolle in dem Buch.

Jetzt bin ich gespannt, zu welchem Schluss Susanne Aernecke ihre Saga um Amakuna, den Pilz, der Heilungswunder vollbringen kann, bringen wird. Ist die Menschheit in ihren Augen reif, ein solches Mittel zum Wohle aller einzusetzen? Oder werden ihre Protagonisten versuchen, Profit und Machtgewinn zu erreichen? Oder findet die Autorin einen ganz anderen Ausweg? Ich habe da so eine Ahnung und bin neugierig, ob ich richtig liege.

Bleibt die Frage, in welchem Sommer ich den Abschlussband lesen werde – 2018 oder 2019?


Mehr Informationen zur Amakuna-Saga:

Susanne Aernecke

Tochter des Drachenbaums
Amakuna-Saga Band 1

Rezensionen beim Lesenden Katzenpersonal und beim Buchherz-Blog

Das Panama-Erbe
Amakuna-Saga Band 2

Beide Bücher sind noch als E-Book erhältlich.

Ein dritter Band ist meines Wissens nach nie erschienen

Alyna Verlag
Verlag wurde eingestellt


Rezensionen zu Romanen auf meinem Buch-Blog


Ein Abenteuerroman, der gut dazu passt: Kondorkinder

Der Gesang des Windes – Rezension

Gesang des Windes - spiritueller Roman

Ein kluger alter Mann und ein leidenschaftlicher Jungspund gemeinsam auf der Suche nach den verborgenen Geheimnissen des Lebens und der Liebe, angesiedelt in einer unbestimmt orientalischen Atmosphäre, vollgespickt mit schönen und schlauen Sätzen, die hängenbleiben – so könnte ich „Der Gesang des Windes“ von Jill A. Moebius umschreiben.

Jill A. Moebius schreibt über das, was allen spirituellen Pfaden gemeinsam ist. Diese Stärke des Buches war für mich jedoch auch gleichzeitig seine Schwäche.

Ihr Roman spielt in einer Welt, die von allen religiösen und spirituellen Traditionen Farbe und Atmosphäre erhalten hat. Der Hirte Omar gehört zu einem nomadisch lebenden Wüstenvolk, kennt aber auch Städte und Dörfer und streift durch die Berge und bewaldete Flußtäler. Die Übungen und Meditationen, die sein Meister lehrt, enthalten genauso Sufi-Elemente wie Spuren von Yoga und anderen Traditionen.

Durch dieses Mosaik bekommt die Lehre zwar einen universellen Charakter, bleibt aber für mich an manchen Stellen etwas diffus. Mein Leserherz hätte sich manchmal eine eindeutigere Verwurzelung und griffigere Caharaktere gewünscht.

Die Lektüre war für mich ein Vergnügen, das häppchenweise genossen werden wollte. Gut drei Monate habe ich mit den 210 Seiten und Omar, dem jungen Hirten mit der leidenschaftlichen Sehnsucht im Herzen, verbracht. Eine angenehme (Lese)Zeit.

Folge der Stimme deines Herzens, erfahre die Stille und lebe im Einklang mit der Natur – das sind zeitlose Wahrheiten, die in schöner Atmosphäre präsentiert werden.

Liebe alles, was auf deinem Weg liegt – die Erde, die Felsen, die Blumen, die Bäume, das Brot in deiner Hand, den Menschen, der an dir vorbeigeht. Erlaube deinem Herzen, überzufließen und deine Liebe an alle zu verströmen. Das wird dir wahre Glückseligkeit und Frieden bringen.
Der Gesang des Windes – S. 195

#bookstagram Gesang des Windes

Bibliographische Informationen:

Jill A. Moebius

Der Gesang des Windes
Eine Parabel vom Leben und der Liebe

Via Nova Verlag



Was zu diesem Buchschatz passt? Dieser spirituelle Roman: Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden. Hier meine Rezension:

Neophyten – unternehmungslustige Pflanzen erobern die Welt

Neophyten Sachbuch

“Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer” von Wolf-Dieter Storl hat mich gleich auf den ersten Seiten fasziniert. Neophyten, das sind, vereinfacht gesagt, Pflanzen, die eigentlich nicht hier her gehören. So wie der Riesenbärenklau, die kanadsiche Goldrute und das indische Springkraut.

Als agressiv und gemeingefährlich gelten sie. Mindestens unter Beobachtung stellen muss man diese Pflanzen, noch besser bekämpfen und ausrotten. Oder?

Wolf Dieter Storl, Weltreisender und Ethnobotaniker, lässt sein Buch in Südafrika beginnen. Mit zwei sehr sympathischen Biologen erkundet er die Umgebung der Hauptstadt. Dort findet er lauter alte Bekannte aus allen Teilen der Welt, auch aus Europa: den Portulak, die Akazie, das Wandelröschen, die Seekiefer …

Mit Erstaunen hört er die Biologen voller Enthusiasmus und mit Herzblut davon reden, dass all das ausgerottet werden müsse. Weil es nicht nach Südafrika gehöre. Weil es agressiv sei. Weil es die einheimischen Pflanzen verdrängen würde.

Zugegeben: ein Buch so beginnen zu lassen hat etwas von einem erzählerischen Taschenspieler-Trick. Macht nichts. Storl ist ein begnadeter Erzähler, der sein Handwerk versteht. Und ich lasse mich immer wieder gerne von ihm begeistern.

Wolf-Dieter Storl denkt in größeren Zusammenhängen. Er erzählt von Pflanzen, die vor der Eiszeit bei uns einheimisch waren, den Klimawandel nicht überlebt haben und jetzt als Zierpflanze wieder zu uns kommen. Andere Pflanzen wie der Apfelbaum kamen erst mit den Römern zu uns. Auch die Walnuß war zuerst nicht bei uns heimisch.

Warum auch sollte eine Pflanzen hinter der Gartenmauer bleiben?

Ein großer Einwanderungsschub begann in den Klostergärten des Mittelalters. Viele der dort angepflanzten Kräuter blieben nicht lange hinter den Klostermauern, sondern wilderten sich selbst aus. Das Schöllkraut ist ein Beispiel dafür.

Der botanische Garten Kew Gardens in London war ein weiterer Ausgangspunkt für eine ganz große Eroberungswelle. Pflanzen, die sich dort unter geschützten Bedingungen eingelebt hatten, verbreiteten sich über ganz England. So kommt es, das England die größte Zahl an Neophyten in Europa aufweist. Das Franzosenkraut und das drüsige Springkraut verbreiteten sich von dort weiter aufs Festland.

In einer Mauer in einer dunklen Ecke meines Gartens wächst das Mauerzimbelkraut und blüht wunderschön. Auch diese Pflanze ist ein Neophyt. Im laufe der Jahre hat sich das Mauerzimbelkraut in so ziemlich jede Kübelpflanzen ausgewildert. So machen das die Pflanzen nun mal – sie wandern und erobern sich neue Lebensräume.

Der typische Zyklus lautet Einfuhr -> Etablierung und Anpassung -> Invasion -> Sättigung und biologische Einbindung. In der letzten Phase ist der Neophyt kein agressiver Neophyt mehr – er tritt in normaler Häufigkeit auf, weil sich Fraß-Feinde und Krankheiten gefunden haben, die ihn im Schach halten.

Daher empfiehlt Storl, den Neophyten mit Gelassenheit zu begegnen – und in der Zwischenzeit sich einfach an den schönen Pflanzen zu erfreuen und ihr Heilpotential zu erkunden. Wie man das Heilpotential einer Pflanze ohne Laborversuche erkunden kann, darüber erzählt Wolf-Dieter Storl in seinen anderen Büchern.


Angaben zum Buch:

Wolf-Dieter Storl
Frank Brunke

Neophyten, die stillen Eroberer – Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen

AT Verlag

Die Neuauflage trägt jetzt den Titel: Wesen und Geheimnisse der Neophyten
Heilpflanzen, Nahrungspflanzen, Nutzpflanzen • Goldrute, Springkraut und Staudenknöterich mit anderen Augen sehen


Diese Rezension von mir erschien zuerst im Hugendubel-Blog, der leider eingestellt wurde. Hier findet ihr meine Rezensionen zum Thema Garten und Natur auf diesem Blog.


Auch unter den Stadtwildpflanzen befinden sich einige Neophyten – und ohne sie wäre unsere urbane Natur ärmer:

Weihnachten und der Fliegenpilz. Vielleicht eine wahre Geschichte.

Weihnachten Schamane Fliegenpilz Sachbuch

Eigentlich ist der Weihnachtsmann ein Fliegenpilz. Rote Jacke und die Schneeflocken als weiße Punkte – eindeutig ein Fliegenpilz. Oder?

Fliegenpilze wiederum sind eng mit den Schamanen verbunden. Also ist Weihnachten ein altes heidnisches Fest. Eindeutig.

„Abgründige Weihnachten – Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes“ von Christian Rätsch wirkt ein wenig, als hätte das Buch eigentlich viel länger sein sollen. Manche der logischen Herführungen muten arg verkürzt an und es wäre ein leichtes, sich in dieser Rezension über diese Lücken auszulassen.

Mache ich aber nicht, denn ich schätze das kreuz und quer denken von Christian Rätsch sehr. Wahrscheinlich sind die logischen Verkürzungen hauptsächlich der Art und Weise geschuldet, wie heute Bücher entstehen.

Der Weihnachtsbaum als Ygdrasil, die Weltenesche, ist ein durch und durch schamanischer Baum. Die Kerzen beschwören die Rückkehr der Sonne. Der Duft aus dem Räuchermännchen segnet und weiht den Baum. Äpfel, Nüsse und Lebkuchen sind Opfergaben und Fruchtbarkeitssymbole. Hinter der Maske des Weihnachtsmann schaut Wotan hervor. Die wilde Jagd in den Rauhnächten war ursprünglich segensreich, nicht furchteinflößend, und brachte Geschenke mit – genau wie der Weihnachtsmann, der eigentlich Wotan ist und die Wilde Jagd anführt. Der Fliegenpilz wurde zum Glückssymbol, weil er den Schamanen, also dem Weihnachtsmann, zu einer glücklichen Reise in die Anderswelt befähigte.

Weihnachtsbräuche und Überlieferungen gegen den Strich gebürstet – das macht Spaß zu lesen. Manches am Weihnachtsfest wird für mich dadurch auch greifbarer, nachvollziehbarer und vor allen Dingen: lebendiger.

Aber warum musste Christian Rätsch seine Überlegungen ausgerechnet am Fliegenpilz festmachen? In meinen Erinnerungen an die Weihnachten meiner Kindheit kommen keine Fliegenpilze vor.

Wie war das bei Euch?


Informationen zum Buch:

Christian Rätsch

Abgründige Weihnachten
Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes

Riemann Verlag


Mehr Informationen zu Christian Rätsch:
Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – meine Rezension 

Ich finde es wichtig, dass klar ist, dass die Christen uns Weihnachten versaut haben.“ Christian Rätsch im Interview auf Youtube.


Odin und die wilde Jagd, Orakel, Räuchern und Geister vertreiben:
die Rauhnächte hier auf meinem Blog.

Somatische Intelligenz: Mein Körper weiß, warum ich keine Tomaten mag

Somatische Intelligenz - Sachbuch Rezension

Ich mag keine Tomaten. Schon immer*. Wobei die pauschale Aussage, dass ich keine Tomaten mag, so nicht richtig ist. Tomatensuppe und Tomatensauce, die lange gekocht wurde, mag ich. Doch je roher die Tomate desto größer meine Abneigung.

Thomas Frankenbach rät mir mit seinem Buch „Somatische Intelligenz“ dazu, das zu akzeptieren. Tomaten enthalten fantastische Nährstoffe und sind gesund – aber eben nicht für jeden.

Wie alle Pflanzen enthalten Tomaten auch Stoffe, mit denen sie sich vor Fraßfeinden und Pilzkrankheiten schützen. Diese Inhaltsstoffe werden von Menschen vor allen Dingen roh unterschiedlich gut vertragen. Mir wird von Tomate schlecht.

Abscheu vor Tomaten – bei mir ein Warnsignal

Abscheu ist also nichts, was man überwinden soll. Viel klüger ist es, auf dieses Körpersignal zu hören und seiner somatischen Intelligenz zu vertrauen. Doch häufig geht das zarte Stimmchen der somatischen Intelligenz im Alltagstrubel unter oder kann sich gegen lautstark geäußerte Ernährungsweisheiten nicht durchsetzen. Rohkost, Vollkorn, selbst das berühmte „mindestens ein Apfel am Tag“: das kann, muss aber nicht gesund sein – zumindest nicht für jeden.

Widerwillen vor eine Speise ist jedoch nicht das einzige Warnsignal, das uns der Körper sendet. Auch beim oder nach dem Essen gibt es subtile Anzeichen, dass wir eine Speise schlecht vertragen. Wer lernt, (wieder) auf diese Zeichen zu hören, lebt gesünder. Und immunisiert sich zugleich gegen die Reden und Parolen von Ernährungspäpsten, Gesundheits-Gurus und Diät-Anbietern.

Auf den Körper hören – kann man das lernen?

Hören, was der Körper braucht und was ihm gut tut – wie kann man das schulen? Thomas Frankenbach bietet in seinem Buch „Somatische Intelligenz“ relativ wenige, dafür sehr gezielt ausgesuchte praktische Übungen an, von denen die meisten aus dem Bereich der Achtsamkeitspraxis stammen.

Die Stärke des Buches liegt in der Art und Weise, wie der Autor Zusammenhänge aufzeigt. Dabei vereinfacht er sicherlich manches, arbeitet dafür aber sehr gut heraus, was man selbst tun kann, um das zarte Stimmchen der eigenen somatischen Intelligenz in Zukunft besser wahrnehmen zu können. Erlernte Ernährungsweisheiten über Bord werfen, der eigenen Körperweisheit vertrauen und trotzdem wissen, wann es Zeit ist, zum Arzt zu gehen – das ist der angestrebte Idealzustand.

* „Kind, iss Spinat, dann bekommst Du Muskeln wie Popeye!“ Bestimmt hat jeder in seiner Kindheit Ratschläge zum Thema Essen gehört – insbesondere dann, wenn man etwas nicht essen wollte. Die Tomate dient mir hier als Beispiel, weil damit ein ganz besonderer Spruch aus meiner Kindheit verknüpft ist: „Wenn Du keine Tomaten isst, wird Dir nie ein Busen wachsen“. Danke Papa, dass Du meinen Widerspruchsgeist geschult hast 😉


Informationen zum Buch:

Thomas Frankenbach
Somatische Intelligenz
Hören, was der Körper braucht

Koha Verlag
ISBN 9783867282499


Bewusstes Leben – hier findet Ihr meine Buchtipps und Rezensionen.


Achtsame Ernährung – ein Buch-Tipp:

Zum Glück kein Heimatroman: Die letze Nacht des Matze Blitz

Matze Blitz. Schwetzingen in den 90ern

Eigentlich befinde ich mich seit ein paar Jahren in einer Roman-lese-Flaute, die mich allerdings nicht sonderlich stört. Meine Neugier treibt mich zu Sachbüchern und wenn ich mal Lust auf eine gute Geschichte habe, greife ich zum Kinderbuch.

„Die letzte Nacht des Matze Blitz“ hat sich ganz hinterhältig auf der Regional-Schiene angeschlichen und bevor meine innere Bücherhüter-Stimme „nur Sachbücher“ aussprechen konnte, hatte ich schon ja zu diesem Buch gesagt.

Zum Glück – mir wäre sonst viel Spaß entgangen!

Matze wächst in den 90er Jahren in Schwetzingen auf. Schwetzingen schätze ich aus zwei Gründen sehr: für den Schlossgarten und für seine schönen Biergärten, die sich für mich in nicht-sportlicher Fahrradnähe befinden. Aber ich bin mit Matze völlig einer Meinung: aufwachsen möchte ich dort nicht. Schwetzingen ist für Jugendliche nicht das passende Biotop. Zu viel Barock, zu viel Idylle und die nächsten echten Städte – Mannheim und Heidelberg – gerade eben ein Stück zu weit weg.

Der Zug wurde mit quietschenden Bremsen langsamer und hielt schnaufend an einem der Gleise des Mannheimer Hauptbahnhofes. Wir hatten unser Ziel erreicht: Die Stadt. Und mit ihr all das, was Schwetzingen nicht war.
S.215

Schwetzingen bietet Matze und seinen Freunden keine Heimat. Das wiegt doppelt schwer, da es ihnen auch sonst an einem Bezugspunkt mangelt. Matze und seine Freunde, das sind ein Pole, ein Russe, ein Teilzeit-Neonazi, ein Türke und ein Halb-Thai. Schon allein aus diesem Grund ist „Die letze Nacht des Matze Blitz“ kein Heimatroman und braucht die klare Verwurzelung der Geschichte in Schwetzingen um so mehr.

Matze und seine Freunde sind zudem auch schwer pubertierende Hauptschüler, die außer Unsinn vor allen Dingen Scheiß und Mädchen im Kopf haben. Das sorgt nicht nur bei der gesprengten Unterrichtseinheit über das Paarungsverhalten der Stockenten für jede Menge Gelächter, das gibt der Geschichte insgesamt einen erfrischenden Schwung und ermöglicht einen aberwitzigen Showdown.

Den biographischen Hintergrund seiner Helden enthüllt der Autor Aleks Wiercinski sehr geschickt erst so nach und nach. Genauso wenig wie „Die letzte Nacht des Matze Blitz“ ein Regional-Roman ist, genauso wenig ist das Buch ein Thriller mit Migrationshintergund. Vor allen Dingen ist „Die letzte Nacht des Matze Blitz“ die Geschichte von Außenseitern, die erst durch die Idylle Schwetzingens zu Freunden gemacht wurden und die sich nun dem Abenteuer namens „Erwachsenwerden“ stellen müssen.

Die letzte gemeinsame Silvesternacht der Jungs enthält so gut wie alles, was zum Erwachsenwerden dazugehört: zuviel Alkohol und Schlägereien, hilfreiche und weniger hilfreiche Freunde, Vaterfiguren und stolze Mütter, zwielichtige Bars und sexuelle Irritationen. Bei so viel Verwirrungen, Missverständnissen und Dingen, die besser nicht ausgesprochen worden wären, hilft es wieder ungemein, dass auch der Showdown klar in der Borelli-Grotte verortet ist. So gibt wenigstens der Ort Halt in turbulenten Zeiten.

Neben jeder Menge Lesespaß verdanke ich dem Buch noch etwas: eine Erwähnung meines Vorortes in einem Roman. Ich bezweifel, dass es so etwas schon mal gab – und hoffe trotzdem darauf, dass mich jemand eines Besseren belehrt.

Rheinau sah aus dem Zugfenster aus, als hätte jemand einen Teil Schwetzingens nach Mannheim verfrachtet. Keinen der schönen Teile wohlbemerkt. Eine Melange aus Beige und hellem Braun huschte am Fenster vorbei, als wollte ein Maler mit lustlosen Strichen ein Bild vom Durchschnitt malen.
S. 214

Infos zum Buch:

Aleks Wiercinski
Die letzte Nacht des Matze Blitz

Sammlung Zauberberg

Zauberberg Verlag
ISBN 978-3-945662-02-1

 

Letzte Nacht des Malte Blitz: über polnisches Essen
Matze erzählt über polnisches Essen. Ich trinke dabei Schorle. #bookstagram

Rezensionen zu Büchern aus und über Mannheim findet ihr hier auf meinem Buch-Blog. Auch zum Schlossgarten Schwetzingen habe ich einen passenden Blog-Beitrag:

Fan war ich eigentlich nicht: Kim Gordon und Sonic Youth

Kim Gordon Girl in a band Autobiographie Sonic Youth

Rock’n’Roll war das nicht: Sonic Youth waren mir damals zu künstlerisch wertvoll. Zu wenig Unterleib. Anerkannt gute Songs, aber insgesamt zu kopflastig.

Aber da stand Kim Gordon. Sie blieb mir im Gedächtnis. Ohne, das ich allzu viel über sie wusste, war sie für mich ein Role Model – eine Frau, wie ich mir Frauen vorstellte. Dafür brauchte es keinen feministischen Diskurs, dafür brauchte es eine Frau, die tat, was sie tat, inmitten von Männern und dabei sehr zufrieden aussah.

Sie war für mich ein Vorbild – einfach dadurch, dass sie so auf der Bühne stand, wie sie da stand und einfach dadurch, dass sie ihre Version von Musik machte. Cool war sie für mich – aber wie ich jetzt nach der Lektüre von „Girl in a band“ weiß, sah sie das anders. Coolness war für sie ein weiteres künstlerisches Konzept.

Den feministischen Diskurs würde ich heute nach der Lektüre liebend gerne mit ihr führen. Wahlweise würde ich gerne mit ihr über Kunst reden und über den Wunsch, sich damit auszudrücken. Sie hätte viel zu sagen, über das Leben an sich und über das Leben in der Kunst.

Ich wollte nie etwas anderes sein als das, was ich war

Dafür, dass ich kein Sonic Youth Fan bin, habe ich das Buch doch sehr schnell verschlungen. Musik kommt auch darin vor. Das brachte mich dazu, viele der Songs noch einmal neu zu hören. Jetzt, so viele Jahre später, gefallen sie mir eher besser als damals, in meiner Sturm- und Drang-Zeit. Doch Rock’n’Roll ist es für mich immer noch nicht. Aber das war eigentlich auch nicht Kim Gordons Zielrichtung. Sie wollte Kunst machen, sie hat Kunst gemacht. Dass die Kunst aus Musik bestand – oder dass dieser Teil ihrer Kunst am bekanntesten wurde – hat sich eher so ergeben.

Die schlichte Wahrheit ist, ich wollte nie Hausfrau sein. Ich wollte nie etwas anderes sein als das, was ich war. S. 290

So allmählich, während des Lesens, begann ich auch zu fassen, was mich an Kim Gordons Bühnenpräsenz fasziniert hat: da steht eine Frau, ganz bei sich, ganz Frau, und macht genau das, was sie tun möchte – für sich. Nicht für die Jungs, auch wenn die Teil des Gesamtkonzepts waren – ihres Konzepts.

Wenn eine Frau tut, was früher ein Mann tat, drängt sich mir einfach die Frage auf, ob wir uns damit nicht im Kreis bewegen.
S. 194

Kim Gordon hält in ihrer Autobiographie wunderbar die erzählerische Balance zwischen Musik, Kunst, Politik, Anekdoten und sehr persönlichen Momenten. Inspirierende Lektüre – auch wenn man Sonic Youth so wie ich eher als Phänomen denn als Herzensband erlebt hat.


Weitere Angaben zum Buch:

Kim Gordon
Girl in a band

Autobiographie

Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger

Kiepenheuer & Witsch


Das Buch hatte zur Folge, dass ich mir viele, sehr viele Songs von Kim Gordon und Sonic Youth wieder angehört habe. Ein paar No-Wave-Helden. Und viel von Pussy Galore und Bikini Kills – ihren Freundinnen. Von Lydia Lunch, von der sie sich abgrenzt.

;it Kim Gordon im Garten

Im Garten lesend hatte ich dann diesen Song im Ohr – und da sitzt er immer noch!


Auch in diesem Musikbuch spielt Kim Gordon eine Rolle: meine Rezension zu Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik


Meine Mikroben und ich – ein Holobiont

Die Herrscher der Welt: Mikroben - Sachbuch

Holobiont. Wichtiges Wort. Vor der Lektüre von Bernhard Kegels neuem Buch „Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen.“ kannte ich das Wort Holobiont (Definition folgt am Ende der Buch-Rezension) noch nicht. Jetzt werde ich es sicherlich nicht mehr vergessen.

Holobiont – ich bin viele und nur miteinander können wir überleben. Was wäre ich ohne meine Darm-Mikroben? Unterernährt ist eine durchaus zutreffende Antwort, denn die Mikroben spalten für sich und für mich Nahrungsmittel auf. Ich könnte diese speziellen Nährstoffe sonst nur schlecht verwerten.

Und was wären meine Darm-Mikroben ohne mich? Auf jeden Fall heimatlos und hektisch darum bemüht, irgendwo anders für sich diese Nährstoffe zu finden, die es in meinen Eingeweiden im Überfluss gibt. Wir profitieren voneinander – zumindest so lange, wie sich alles im Gleichgewicht befindet. So viel sei schon mal verraten: weder einseitige Ernährung noch Antibiotika fördern das Gleichgewicht.

Er fragte sie (die Forscher), was sie selbst in ihrem Leben verändert hätten, seitdem sie an diesen Themen arbeiteten.

Ihre Antwort: Zurückhaltung mit Antibiotika, besonders bei den Kindern, daheim keine übertriebene Sauberkeit und die Aufforderung an die lieben Kleinen, draußen und mit Tieren zu spielen, sowie eine Ernährung, die weitgehend auf industrielle Fertigprodukte verzichtet.

Klingt eigentlich nicht so, als seien für diese Erkenntnisse zehn Jahre intensiver Mikrobiomforschung nötig gewesen. S. 241

Diese Herausforderung, das Gleichgewicht zu halten, besteht selbstverständlich nicht nur beim Menschen und seinen Darm. Der Mensch steht in Bernhard Kegels neuem Buch nicht im Mittelpunkt. Mikroben finden sich überall und sie sind anscheinend in der Lage, mit jedem Lebewesen eine nutzbringende Beziehung einzugehen. Eigentlich haben sie das Leben erst möglich gemacht und möglicherweise bestimmen sie unser Leben und unser Verhalten viel mehr, als wir das wahrhaben wollen.

Sachbuch mit Spannungsaufbau

Natürlich ist noch nicht alles erforscht und natürlich ist in Wahrheit alles viel komplizierter. Ohne Bernhard Kegel hätte ich kaum eine Chance, die komplexen und hochinteressanten Symbiosen zwischen Mikroben und ihren Wirten zu verstehen. Doch bei diesem Thema musste ich diesmal deutlich konzentrierter lesen als bei seinen anderen Büchern „Tiere in der Stadt“ und „Die Ameise als Tramp“. Nicht, weil der Autor in der Zwischenzeit das Erzählen verlernt hätte – das Gegenteil ist der Fall.

Sachbuch mit Spannungsaufbau – Bernhard Kegel kann das und noch viel mehr. Auch diesmal führte mich der Autor mit sicherer Hand durch mir doch sehr unbekanntes Terrain und unterhielt mich aufs Vergnüglichste mit lehrreichen Geschichten.

Das ich sein neues Buch nicht ganz so locker weglesen konnte wie seine Vorgänger, lag nur daran, dass mir die Materie wesentlich weniger vertraut war als das bei seinen letzten Büchern der Fall war. Bedingt durch Lesepausen fiel es mir schwer, die ganzen Mikroben, dieses ganze einzellige Gewusel, auseinander zuhalten.

Meine vielen Bewohner habe ich mir nicht gemerkt. Aber das die Mikroben und ich genau wie alle anderen Lebewesen ein Holobiont sind (und das ist gut so) – das bleibt im Gedächtnis. Individuen gibt es nicht.

Mein nächstes Buch von Bernhard Kegel liegt übrigens schon auf meinem „Das alles möchte ich bald lesen“-Stapel: „Epigenetik. Wie Erfahrungen vererbt werden“.

Dann habe ich alle Bücher von ihm gelesen – ein größeres Kompliment kann man einem Autor wohl kaum machen!

Fast ausgelesen: Die Herrscher der Welt  - Mirkoben
Da war es fast ausgelesen: Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen. Auf der Lesebrille leben bestimmt auch welche.

Was ist ein Holobiont? Hier die Definition:

Ein Holobiont ist ein biologisches Konzept, das einen Wirtsorganismus zusammen mit allen Mikroorganismen beschreibt, die dauerhaft mit ihm in enger Gemeinschaft leben. Sie bilden eine fuktionelle Einheit.

Ein Mensch ist demnach ein Holobiont, denn er besteht aus den menschlichen Zellen plus allen Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen, die auf und in ihm leben – etwa im Darm, auf der Haut oder in anderen Körperregionen. Diese Mikrobengemeinschaft wird auch als Mikrobiom bezeichnet.

Die Holobiont-Theorie geht davon aus, dass:

  • Wirt und Mikroorganismen sich gemeinsam entwickelt haben
  • Sie voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen
  • Die Mikroorganismen wichtige Funktionen für den Wirt übernehmen (z.B. Verdauung, Immunsystem, Stoffwechsel)
  • Der Gesamtorganismus als evolutionäre Einheit betrachtet werden kann

Beispiele für Holobionte finden sich sowohl im Tier- als im Pflanzenreich: Menschen und Darmbakterien, Bäume mit Wurzelbakterien, Korallen mit ihren Zooxanthellen und viele andere Organismen. Das Konzept zeigt, wie komplex und vernetzt biologische Systeme sind.


Weitere Angaben zum Sachbuch:

Bernhard Kegel

Die Herrscher der Welt
Wie Mikroben unser Leben bestimmen.

Dumont Verlag


Hier auf meinem Buch-Blog könnt Ihr noch mehr Rezensionen zu Büchern von Bernhard Kegel entdecken:

Yoga XL – wenn ich das kann, kannst Du das auch

Yoga XL

Yoga XL – Yoga für Menschen mit Kleidergröße XL und mehr. Nein, eigenes Übergewicht ist nicht der Grund für mich gewesen, das Buch von Birgit Feliz Carrasco zu lesen.

Ich war auf einen ganz bestimmten Aspekt neugierig.

Das Wort Yoga löst Bilder aus. Yoga – das ist doch nur etwas für flexible, dünne Menschen, die aus dem Stand mit den Händen auf den Boden kommen und die sich mit dem großen Zeh hinter dem Ohr kratzen können. Oder etwas in der Art, meistens gefolgt von einem: das kann ich nicht und daher ist Yoga nichts für mich.

Ich weiß nicht, wie häufig mir diese Haltung schon in Gesprächen begegnet ist, insbesondere – aber nicht nur – bei Menschen, die eine gewisse Bewegungssparsamkeit kultivieren.

Wie will nun Birgit Feliz Carrasco genau solche Menschen motivieren, die zudem meist mit den Themen Sport und Bewegung schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Ihr wichtigstes Argument ist sie selbst. Sie lebt Yoga XL. Schaut her, wenn ich das kann, dann könnt ihr das auch. Schaut her, sich bewegen macht Spaß. Schaut her, wie Yoga mein Leben bereichert.

Yoga ist eine Idee, eine Idee, etwas anders zu machen, sich neu zu entdecken und zu bewegen und einfach mal auszuprobieren, dann zu beobachten, was passiert, wie Yoga wirkt und was es mit uns über einen längeren Zeitraum macht.

Einfach mal ausprobieren, Anfängergeist kultivieren. Um das zu erleichtern, konzentriert sie sich auf Yoga-Übungen, die so gar nicht akrobatisch wirken und bietet diese auch noch in verschiedenen Schwierigkeitsgraden an. Die sonnensatten Fotos, die an einem Malediven-Strand aufgenommen wurden, tun ein Übriges.

Ich finde ihre Herangehensweise sehr authentisch und liebenswert. Das erste große Geschenk, das Yoga mir gemacht hat, war ein Wiederentdecken einer kindlichen Bewegungsfreude. Und das blieb nicht das letzte Geschenk. Die Yoga XL Geschichte, die Birgit Feliz Carrasco in ihrem Buch erzählt, klingt auch für mich vertraut.


Informationen zum Buch:

Birgit Feliz Carrasco

Yoga X-Large
Auch Dicke können Yoga machen!

Yoga- und Bewusstheitsübungen für Menschen mit Plus-Size-Körpern

Systemed Verlag
ISBN 978-3-942772-77-8

Der Systemed Verlag wurde eingestellt und ein Großteil des Buchprogramms vom Riva Verlag übernommen. Dieses Yogabuch leider nicht. Eine E-Book-Ausgabe ist noch lieferbar


Hier findet ihr mehr Rezensionen zu Yoga-Büchern auf meinem Buch-Blog

Küchenwissenschaft, lecker und lesbar: On food and cooking

Kochbuch: On food and cooking - Küchenwissenschaft

Die Banderole „Der Klassiker endlich auf Deutsch!“ in Kombination mit dem englischen Titel ist für mich bei diesem Wälzer genauso wenig relevant wie der Hinweis, dass dieses Standardwerk der Küchenwissenschaft den Weg zur Molekularküche ebnete.

Wenn dem wirklich so war, freut mich das für das Kochbuch. Für mich ist das jedoch kein Grund, zum Buch zu greifen. Denn die Molekularküche ist mir in meinem persönlichen Küchen-Bermuda-Dreieck zwischen Omas Anrichte, stets zu kleinem Kühlschrank und Gasherd, der mit einer Gasflasche betrieben wird, noch nicht begegnet.

Allerdings habe auch ich mir schon in der Hoffnung auf ein perfektes Risotto fast eine Sehnenscheidenentzündung gerührt.

Jetzt, nach der Lektüre des sehr langen, sehr informativen und durchaus vergnüglich zu lesenden Kapitels über Reis und Risotto, verstehe ich auch, warum Risotto klebrig wird. Oder auch nicht. Oder auch zu klebrig. Erstens kommt es darauf an und zweitens gibt es eine chemische Formel dafür, die neben Stärke auch Physik enthält. Küchenwissenschaft eben.

Auf jeden Fall kann Harold McGee das alles erklären und zwar so, dass das Lesen Spaß macht und die Informationen im Gedächtnis bleibt.

Die Sache mit dem Ei

Dass man ein rohes Ei nur in eine Schüssel Wasser geben muss, um zu erkennen, wie frisch es noch ist, hatte ich schon häufiger gelesen. Schwimmt es oben, ist es verdorben. Gebraucht habe ich den Frische-Test noch nie, aber jetzt weiß ich, warum er in alten Kochbüchern immer beschrieben wird. Der Trick stammt aus alten Zeiten, als die Hühner noch über den Hof rannten und man, wenn man irgendwo unter dem Gebüsch ein Ei fand, wirklich nicht wusste, wann es gelegt wurde. Harold McGee erklärt nicht nur den Test an sich und warum er funktioniert, sondern auch den geschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Hintergrund. Faszinierend.

1008 Seiten Küchenwissenschaft lese auch ich nicht mal eben so. Um genau zu sein: ich lese nun schon mehrere Monate in „On food an cooking“. Ich habe keine Eile. Heute mal das Kapitel über grünen Tee, weil meiner schon wieder bitter war. Morgen die Erläuterungen zur guten Butter. Danach dann die Ausführungen zu gutem Kochgeschirr. Dazwischen Biologie, Physik, Chemie, Ernährungswissenschaften und Hauswirtschaftslehre. Und immer wieder gutes Essen aus hochwertigen Zutaten. Küchenwissenschaft – ein Studium, das mir sehr zusagt!


Weitere Angaben zum Buch:

Harold McGee

On food and cooking
Das Standardwerk der Küchenwissenschaft

1008 Seiten

Matthaes Verlag

Leider auf Deutsch nicht mehr lieferbar. Der Kochbuch-Verlag wurde 2020 in der alten Form eingestellt und jetzt von Dorling Kindersley Deutschland weitergeführt.


Noch ein Kochbuch aus dem Matthaes Verlag, das mich begeistert hat: