Wegweiser durch eine Welt im Wandel: Alles überall auf einmal – unser neues Leben mit KI

Buch: Alles überall auf einmal
Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können

Als ich »Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können« im Frühjahr las, war das Sachbuch schon über ein Jahr alt. Da stellt sich sofort die Frage: Lohnt sich das bei einem so aktuellen Thema wie KI? Wurde das Buch nicht längst von neuen Entwicklungen überholt?
Nein, wurde es nicht. Die Lektüre lohnt sich, denn wer KI nicht nur nutzen, sondern auch verstehen will, braucht ein solides Wissensfundament. Genau diese Grundlagen liefern Miriam Meckel und Léa Steinacker – ganz unaufgeregt und sehr fundiert. Allein das war schon eine Wohltat in dem aktuellen Hype voller Get-rich-fast und wir-bauen-uns-eine-neue-Welt und Panik-vor-Tech-Milliardären Vibes.

Miriam Meckel und Léa Steinacker sind fasziniert von KI und treten genau deswegen erst einmal einen Schritt zurück. Denn von dort aus hat man einen besseren Blick! Den lassen sie schweifen und schauen sich wirklich alles an: die Grundlagenforschung, die zu den jetzigen KI-Tools führte. Welche Forschungsprojekte derzeit noch laufen – und welche bereits wieder stagnieren, weil es eben doch nicht so einfach ist, wie die PR-Abteilungen der Software-Unternehmen behaupten. Welche ethischen Probleme gelöst werden müssen, nicht nur bei selbstfahrenden Autos.

Dabei haben sie immer den Menschen im Blick. Wo ist KI nützlich und wo eher ein Spielzeug? Werden wir wirklich jetzt alle arbeitslos und ist menschliche Kreativität nichts mehr wert? Wie wird KI das Miteinander und unsere Kultur verändern. Kapitel für Kapitel wird klar: KI ist ein Werkzeug. Wie wir es einsetzen, ist unsere Entscheidung. Damit wir das entscheiden können, müssen wir zuerst seine Funktionsweise verstehen – und dann, die Möglichkeiten zu erkunden. Genau dabei hilft uns »Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können« – ganz ohne Nerd-Talk, Wissenschaftssprech und Panikmacherei. Sehr zu empfehlen! Mittlerweile ist auch eine aktualisierte Taschenbuchausgabe erschienen.


Bibliographische Angaben:

Miriam Meckel
Léa Steinacker

Alles überall auf einmal
Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können

Rowohlt Verlag


Was gut dazu passt: die SF-Romane von William Gibson, der so vieles vorher geahnt hat

»Wir müssen reden« – wie Sprache heilt oder verletzt. Und wie Wortmedizin uns allen hilft

Wortmedizin. Buch von Lisa Holtmeier

Wir müssen reden. Dieser Satz kann ganz neutral gemeint sein. Doch in den meisten Fällen sorgt er für Kopfkino. Grübeln darüber, was das Gesprächsthema sein könnte. Eine leichte Nervosität, weil etwas Unangenehmes kommen könnte. Oder sogar Panik, weil der Adressat schlechte Erfahrungen mit Gesprächen gemacht hat, die so angekündigt wurden.

Das ist eines der vielen praxisnahen Beispiele, die Lisa Holtmeier in ihrem sehr hilfreichen Buch »Wortmedizin. Ungesunde Kommunikationsmuster durchbrechen und die mentale Gesundheit stärken« präsentiert. Von People Pleasing (ja statt nein sagen) bis toxische Positivität (hab schon Schlimmeres gesehen) erklärt sie typische Kommunikationsmuster, die uns im Alltag häufig begegnen.

Dafür steigt sie immer mit einem ausführlichen und gut gewählten Beispiel ein. Dann erläutert sie, was dahinter steckt und was dieses Sprachmuster in den Zuhörer*innen auslöst. Denn schlechte Kommunikation hallt lange nach. Sie bleibt im Menschen. Sie beschäftigt ihn und bindet Energie – selbst dann, wenn sie in dem Moment nicht als verletzend, sondern nur als seltsam oder störend empfunden wird.

Wie Worte wirken – Ein Plädoyer für bewusste Kommunikation

Holtmeier zeigt: Das können wir besser. Einmal, in dem wir von vornherein achtsamer formulieren. Aber auch, in dem wir häufiger in uns hineinhören und die eigenen Bedürfnisse achten. Möchte ich so angesprochen werden? Habe ich alle Informationen, die ich brauche? Das sind berechtigte Fragen, die uns zudem aus einem Reaktionsreflex herausholen.

Zugleich sollten wir anerkennen, dass nicht immer alles glatt laufen kann. Missverständnisse sind zutiefst menschlich. Dann helfen Empathie und Nachfragen. Beides können wir üben. Dafür liefert uns Lisa Holtmeier Strategien und konkrete Formulierungshilfen. Die Beispielsätze sind mir in einigen Fällen zu förmlich. Doch die Auswahl ist so groß, dass immer etwas zum eigenen Sprachgebrauch passt.

Ich habe schon lange keinen so wohltuenden und wertschätzenden Ratgeber wie »Wortmedizin« gelesen. Das Buch bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in die Kommunikationspsychologie. Auf Grund der Alltagsnähe und der klug gewählten Gesprächssituationen ist es auch für Leser*innen geeignet, die sich noch nicht mit psychologischen Themen auseinandergesetzt haben. Aber auch alte Häsinnen finden hier jede Menge Inspiration und Input – ich garantiere, jede*r zuckt mindestens einmal zusammen und denkt sich „Ups, das könnte ich sein“!


Infos zum Buch:

Lisa Holtmeier
Wordseed – Worte säen, Gesundheit ernten

Wortmedizin
Ungesunde Kommunikationsmuster durchbrechen und die mentale Gesundheit stärken

Beltz Verlag


Wortmedizin ist auch ein wichtiger Baustein in diesem Themenkomplex: Empathische Führung

Nehmt den ganzen Menschen wahr: »Empathische Führung« von Lunia Hara

Buch von Lunia Hara: Empathische Führung

Dass ich noch einmal einen Management-Ratgeber lese, war so nicht geplant. Meine Karriereplanung ist genauso abgeschlossen wie meine Familienplanung. Es waren die Begriffe »empathisch« und »Mitgefühl« die mich bei Lunia Haras Buch elektrisierten. Sollte es jetzt wirklich in den Führungsetagen angekommen sein, dass da nicht eine Ressource am Schreibtisch sitzt – sondern ein Mensch, mit allem, was zum Menschsein gehört?

Die Antwort ist ein Jein. Ja, es gibt mittlerweile mehr Führungskräfte wie Lunia Hara, die immer den ganzen Menschen mitdenken. Aber wenn ich lese, wie viele Seiten sie dafür verwendet, zu beweisen, dass alle von einem dem Menschen zugewandten Führungsstil profitieren – auch die Bilanzen, der ROI und die Manager*innen selbst – dann weiß ich: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Das Seelenleben bleibt nicht zuhause – Gedanken zu Lunia Haras »Empathische Führung«

Wie begann das eigentlich bei mir? Warum interessiere ich mich für Mitgefühl und Empathie in der Arbeitswelt? Das liegt an den Chefs und Chefinnen, die ich hatte. Da gab es den Personalchef, der zurecht bemerkte, dass die Stimmung schlecht sei. Im Einzelhandel ist das ein Umsatzkiller. Seine Lösung: ein Spiegel an der Tür vom Pausenraum in dem Laden. Darauf die Aufschrift: Lächeln!

Oder die Inhaberfamilie, deren Eheprobleme in der Firma ausgetragen wurden. Die daraus entstandenen Intrigen und Verwicklungen hätten für eine Staffel Denver Clan gereicht. Chefinnen, die dem Team eine klare Rolle zuwiesen: befördert meine Karriere und seid ansonsten ruhig. Chefs, die sich nur einen Weg aus der Überforderung vorstellen konnte: mittags einen Jägermeister am Kiosk holen, weil man ja Probleme mit dem Magen habe. Inhaber, die einen aufforderten, das Herz bei ihnen auszuschütten – nur um dann Munition für Disziplinarmaßnahmen zu haben. Vorgesetzte, die der Meinung waren, man könne ja nicht den ganzen Betrieb um „Befindlichkeiten“ drumherum organisieren.

Lunia Hara sagt: Doch, kann man. Sollte man sogar. Nehmt den ganzen Menschen wahr. Denn nur, wenn sich Mitarbeitende gesehen fühlen und Wertschätzung erfahren, entfalten sie ihr Potenzial. Wer die volle Leistung und das ganze Talent will, der muss seine Angestellten in ihrer Ganzheit annehmen.

Eigentlich logisch, oder? Schließlich lässt niemand sein Seelenleben, seine familiären Prägungen und privaten Herausforderungen zuhause, nur weil jetzt Arbeit angesagt ist. Weder die Chef*innen, noch die Mitarbeiter*innen. Wir tragen sie mit uns herum. Genauso wie das, was uns stark, kreativ und einzigartig macht.

Aber auch umgekehrt gilt: Schlechte Führung bleibt nicht im Büro, sie bleibt im Menschen. Wir nehmen üble Erlebnisse mit nach Hause und mit in uns hinein. Den Spiegel mit »Lächeln« habe ich im zweiten Ausbildungsjahr erlebt. Ich sehe mein Gesicht darin bis heute.

Klarheit, Respekt, Wertschätzung: Was es wirklich braucht für eine bessere Arbeitswelt

Über viele Seiten hinweg spricht Lunia Hara mir aus der Seele. Für meine Verhältnisse habe ich unüblich viele Stellen im Buch markiert. So wie diese:

Das meiste Leid entsteht nicht unbedingt dadurch, dass Wünsche und Bedürfnisse nicht erfüllt werden können, sondern weil Menschen nicht ausreichend informiert, eingebunden und wertgeschätzt werden. Transparenz, Unterstützung und Respekt können dazu beitragen, Spannungen abzubauen …
S. 55

»Empathische Führung. Wie wir die Arbeitswelt mit Mitgefühl revolutionieren« hat mir viel Klarheit im Rückblick geschenkt. Und das, obwohl ich nie in dieser Konzernwelt gearbeitet habe, in der Lunia Hara zuhause ist. Ich kenne keine Zielvereinbarungsgespräche, keine Entwicklungspläne und schon gar keine festen Gehaltsrunden.

Was ich aber kenne, ist dieses dringende Bedürfnis, den Arbeitsplatz und das Miteinander gestalten zu wollen. Das Staunen über die Talente meiner Kolleg*innen und die Freude an ihren Erfolgen. Das Gefühl, sich am Ende des Urlaubs auf die Arbeit zu freuen. Den Wunsch, an einem guten Ort zu arbeiten und Sinn zu erleben. Und schon allein durch das kollegiale Miteinander die Welt ein klein wenig besser zu machen. Lunia Hara beschreibt in ihrem Buch »Empathische Führung. Wie wir die Arbeitswelt mit Mitgefühl revolutionieren« was es dafür braucht!


Infos zum Buch:

Lunia Hara

Empathische Führung
Wie wir die Arbeitswelt mit Mitgefühl revolutionieren
Mit glücklichen Mitarbeitenden zu nachhaltigem Erfolg

DVA


Management-Ratgeber und ich – warum wir so häufig nicht zusammen finden

Weil ich nie in Konzernstrukturen gearbeitet habe, finde ich nur wenige Ratgeber, die zu meiner beruflichen Realität passen. Darüber habe ich hier geschrieben: Ziele setzen. Das Werkzeug ist da, aber …

Anleitung zum Unkreativsein

Anleitung zum Unkreativsein.
Auf anderen Wegen zu neuen Ideen. Das Buch von Dirk von Gehlen steht im Bücherregal vor dem Buch "Fast pefrekt"

Kreativität im Keim zu ersticken und Veränderungen ins Leere laufen zu lassen ist einfach. Entscheidungsprozesse aufbauschen, Kompetenzen anzweifeln und im richtigen Moment Killerphrasen verwenden – schon verdorrt der kleine Keimling, der eine große, gute Idee werden möchte, noch bevor er das Sonnenlichts des Erfolgs erblicken konnte.

Wer kreative Arbeit wertschätzt, sollte die Techniken des Unkreativseins genauso verstehen wie das Handwerkszeug der Kreativen. Daher ist der Ratgeber von Dirk von Gehlen gar nicht so ironisch, wie er den Anschein weckt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt der Autor er erst einmal, wie sich gute Ideen in dieser Phase verhindern lassen. Damit wendet er eine sehr wirksame Kreativitätstechnik an, die er im Buch auch immer wieder aufgreift: den Perspektivwechsel.

Überhaupt ist seine Herangehensweise sehr praxisnah. So, wie er es beschreibt, lässt sich arbeiten. Egal, ob es dabei um Produkte, Workflows, Visuals oder Texte geht. Im Team, in Organisationen, in Firmen. Der Weg von dem klitzekleinen Geistesblitz über die Idee zum belastbaren Konzept und hin zu etwas, dass wirklich ein Problem löst und von der Zielgruppe angenommen wird, ist lang. Stolpersteine und Kreativitätsverhinderer lauern überall.

Genau das hat mich an dem Ratgeber fasziniert: Er ist keine Anleitung für »So haben sie 10 brillante Ideen in 5 Minuten«. Die Idee ist nur der Anfang – danach folgt die Arbeit. Ausarbeiten, testen, anpassen, verbessern. Wenn alles klappt, steht am Ende eine wirklich gute Lösung. Wenn nicht, hat man seinen Erfahrungsschatz vergrößert.

Aber funktionieren diese Kreativitätsprozesse auch für mich, alleine mit mir, meinen Ideen und all den Kreativitätspartikeln, die mich umschwirren? Mit meiner inneren Kritikerin, die sehr effektiv Ideen abtöten kann? Mit den »ist doch nur ein Hobby«-Gedanken und den anderen Selbstzweifeln?

Da bin ich mir Stand heute noch nicht so sicher. Ich werde sehen, ob ich mir selbst die Team-Kolleg*innen ersetzen kann, die in Dirk Gehlens Beispielen den kreativen Prozess begleiten.

Trotzdem: Seit ich dieses Buch gelesen habe, freue ich mich um so mehr über jede Idee, die es schafft, das Licht der Welt zu erblicken, lebendig zu bleiben, zu wachsen – sei es im Beruf, bei meinen Kund*innen oder hier bei mir!


Bibliographische Angaben:

Dirk von Gehlen

Anleitung zum Unkreativsein
Auf anderen Wegen zu neuen Ideen

Rheinwerk Verlag


Unkreativsein – was mag dazu passen? Ich habe dazu den fast pefrekten Buchtipp!

Zeitmanagement weiter denken: Intervalle statt Büro-Arbeitszeiten

Zeitmanagement weiter denken mit diesem Buch: Lothar Seiwert & Silvia Sperling

Die Intervall-Woche
Arbeitest du noch oder lebst du schon?
Der einfachste Weg zu New Work

Vom klassischen Zeitmanagement zu einem Buch mit dem Untertitel „Arbeitest du noch oder lebst du schon?“: Es wirkt wie ein weiter Weg, den Lothar Seiwert mit seinen Ratgebern zurückgelegt hat.

Mit seinen ersten Büchern habe ich gelernt, einen Filofax-Kalender zu führen (und ihn jedes Jahr aufs neue Ungefähr ab April ignoriert.) Mit „Noch mehr Zeit für das Wesentliche. Zeitmanagement neu entdecken.“ näherte er sich schon mehr meiner Art zu denken und zu leben an. Hier schwang die Frage mit, was im Leben mir wie viel Zeit wert ist. Wer planen will, sollte nicht nur seine To-dos, sondern auch seine Werte kennen, um so besser entscheiden zu können, wie viel Zeit er für was aufwenden will.

Jetzt geht Seiwert zusammen mit Silvia Sperling noch einen Schritt weiter. Es geht nicht nur darum, wie viel Zeit ich in ein Projekt investieren will, sondern auch wann.

Leistungsintervalle – wann mache ich was am besten?

Ich weiß, dass ich schreiben kann, bevor ich reden kann. Kreative Arbeiten wie bloggen und Texte schreiben lege ich mir daher am liebsten auf den frühen Morgen. Würde ich das nach 15 Uhr erledigen wollen, würde ich deutlich länger dafür brauchen. Das ist dann wiederum die Zeit, um konzentriert Routine-Tätigkeiten wie Rechnungen schreiben abzuarbeiten.

Lothar Seiwert und Silvia Sperling packen diese Beobachtungen in ein System und haben ein Konzept mit vielen Psycho-Tests und Checklisten entwickelt, mit dem jeder seine Leistungsintervalle erforschen kann. Entstanden ist so eine praktische Erweiterung zum klassischen Zeitmanagement, die die Ideen von New Work und Remote Work integriert. Gearbeitet wird dann, wenn es am besten passt, und nicht dann, wenn der Gong die Kernarbeitszeit einläutet.

Hoheit über die eigene Zeit: ein Privileg

„Wer radikal auf den eigenen Biorhythmus umstellt, ist gesünder, arbeitet produktiver, lebt länger und ist glücklicher.“

Klappentext des Buches

Womit wir bei den Knackpunkten angekommen sind: Diese Methoden funktionieren nur bei Menschen, die halbwegs die Hoheit über ihre eigene Zeit haben. Verkäufer:innen und Führungskräfte im Einzelhandel, Ärzt:innen im Krankenhaus und Arbeiter:innen im Schichtdienst, Eltern von kleinen Kindern und Alleinerziehende – für all die wurde dieses Buch nicht geschrieben.

Für alle anderen gibt es gute Tipps, wie man seinen Chef oder Chefin überzeugen kann, mehr Hoheit über die eigene Arbeitszeit zu bekommen, um eben auch mal außerhalb der klassischen Büro-Zeiten arbeiten zu können.

Der zweite Knackpunkt ist das, woran ich mich bei Seiwerts Methoden schon immer gerieben habe. Letztlich geht es vor allem darum, eine gute, leistungsstarke Arbeitskraft zu sein. Ein entspannteres Privatleben ist eher ein Bonus-Effekt. Da hilft nur eines: sich aus seinem Werkzeugkasten zum Zeitmanagement auch ganz gezielt das herauszunehmen, was das private Leben bereichert. Nicht, um am Montag wieder fit am Schreibtisch zu sitzen, sondern um sich Zeit zum Nichtstun freizuschaufeln. Oder eben zum Bloggen, so wie heute, an einem Sonntag um 8:30.

Bibliographische Angaben:

Lothar Seiwert & Silvia Sperling

Die Intervall-Woche
Arbeitest du noch oder lebst du schon?
Der einfachste Weg zu New Work

Intervall-Test und Infos zum Buch bei Droemer Knaur

Zeitmanagement weiter denken mit diesem Buch: Lothar Seiwert & Silvia Sperling

Die Intervall-Woche
Arbeitest du noch oder lebst du schon?
Der einfachste Weg zu New Work

Bücher, die gut dazu passen:

Ziele setzen. Das Werkzeug ist da, aber …

Ziele setzen und erreichen. Ratgeber von Claudia Hupprich: Success Journey. Die Erfolgsreise zu ihren Zielen.

Vielleicht wäre manches in meinem Leben anders gelaufen, wenn mein jüngeres Ich schon ein solches Buch und die zugrunde liegende Methodik gekannt hätte.

Ziele setzen, das ist nichts, was mir in die Wiege gelegt wurde. Ich bin die, die immer vom Schwebebalken gefallen ist, sich geschüttelt hat und weitergemacht hat – ohne sich das Ziel zu setzen, besser zu werden. Mich hat das Runterfallen einfach nicht gestört. In der Schule war mein Ziel, gute Noten zu schreiben – ohne jemals zu definieren, ab wann eine Note gut ist. Später im Beruf bin ich wenigstens mal darüber gestolpert, dass Ziele SMART sein sollen. Messbar war dabei immer der Dreh- und Angelpunkt – also Umsatzsteigerungen und Lagerdrehzahl festlegen. Aber was ist privat ein gutes, messbares Ziel?

Lieber smart als SMART?

Vielleicht wäre deswegen auch nichts anders verlaufen, wenn ich dieses Buch eher gelesen hätte. Auch wenn sich bei der Methodik viel getan hat und ich noch nie einen solch detaillierten Werkzeugkasten zur Zielerreichung in der Hand hatte wie das Buch „Success Journey“ von Claudia Hupprich, ist doch eines gleich geblieben: Ziele müssen messbar sein. Aber woran misst man Glück? Und was machen Coaches mit Menschen wie mir: Mein Ziel ist es, mir aus dem, was ich vorfinde, ein gutes Leben zu erschaffen. Das ist möglicherweise smart, passt aber nicht in die SMART-Regel.

Ziele definieren, aber Planänderungen mitdenken

Nichtsdestotrotz habe ich einiges aus dem Buch mitgenommen – mehr, als aus anderen Büchern zu dem Thema. Das liegt einmal daran, dass Claudia Hupprich einen unglaublich umfangreichen Fundus an Tools und Lösungsansätzen für alle Widrigkeiten des (Beruf)Lebens zusammengestellt hat. Aber vor allem liegt es daran, dass sie im Gegensatz zu früheren Coaches nicht davon ausgeht, dass der Weg zum Ziel ein geradliniger sein wird. Wo andere Modelle nur eine tiefgehende Krise auf dem Weg zum Ziel einplanen, geht sie von Schlingern, Stolpern und sogar von Zieländerungen aus. Damit ist sie deutlich näher an meinem Leben als andere Coaches und Autoren.

Gibt es auch Ziele ohne Karrierewünsche?

Nur ihre Idee vom Berufsleben passt sogar nicht zu meiner Lebenserfahrung. Die Menschen in ihren Praxisbeispielen sind Projektmanagerinnen und Unternehmer. Konflikte werden in Meetings ausgetragen. Ich habe mein Berufsleben weitestgehend in Firmen mit weniger als 15 Mitarbeitern verbracht. Es gab keine Meetings, dafür hätten wir nämlich den Laden schließen müssen. Auch die Karrierestufen waren überschaubar – es gab genau zwei. Daher vermisse ich in den Praxisbeispielen Menschen, mit denen ich mich identifizieren könnte. Und ich vermisse private Ziele – die sind mir wichtiger als berufliche Fortschritte.

Nur ein kleiner Dreh – aber hochwirksam!

Doch das Buch „Success Journey – Die Erfolgsreise zu Ihren Zielen“ hat gewirkt. Zum Beispiel gehe ich meine To-do-Liste anders an. Ich notiere mir nicht mehr, was ich heute erledigen will. Ich lege fest, was ich heute Abend gemacht haben will. Ein kleiner Dreh, der viel bei mir ausgelöst hat – probiert es aus, das Buch ist voll von solchen Tipps!

Weitere Angaben zum Buch:

Claudia Hupprich
Success Journey
Die Erfolgsreise zu ihren Zielen

Haufe Verlag

Rezensionen aus der Bubble, in der sich das Buch bewegt: Bank-Blog

Das Foto zum Blog-Beitrag ist ein sehr rares Unboxing-Foto von mir. Mache ich normalerweise nicht. Aber das Paket, dass die Autorin gepackt hatte, war zu hübsch. Und jetzt gehe ich die Schokolade essen – ich hatte mir das Ziel gesetzt, sie erst dann zu essen, wenn ich die Rezension geschrieben habe. Diese Success Journey wurde hiermit erfolgreich abgeschlossen!

Mehr Buchtipps zu Sachbücher & Ratgeber findet ihr hier auf meinem Blog. Wie wäre es mit Disruptive thinking – oder lieber Zeit für Neues?

Setzt die Segel und sucht euren Horizont: Mut braucht eine Stimme

Sachbuch: Peter Holzer - Mut braucht eine Stimme

Dieses Buch erschafft sich sein Genre selbst. Mut braucht eine Stimme ist ein persönliches Buch, aber keine Biographie. Für einen Ratgeber kommt es mit erstaunlich wenigen Ratschlägen aus. Solche Genre-Grenzgänger haben es mir ja grundsätzlich angetan – ich mag diese Freigeister unter den Büchern.

Drei große Themenfelder bearbeitet der Autor, die er mit Stumm sein – Laut werden – Gehör finden benennt. Im ersten Teil beschreibt er, wie zuviel Input, Aktionismus und unser zu hohes Lebenstempo uns zum Verstummen bringt – und unsere innere Stimme gleich mit.

Der zweite Teil bringt die innere Stimme wieder zum Klingen. Wichtigstes Werkzeug ist das Ausrichten der Lebensreise an einem eigenen Werte-Horizont.

Im letzten Abschnitt wird beides im eigenen Leben verankert, so dass das Handeln im Einklang mit der inneren Stimme seine Wirkung entfalten kann.

Das ist ein sehr sympathisches und tragfähiges Lebenskonzept, dass dazu führt, das Menschen einander wieder wertschätzend und auf Augenhöhe begegnen können.

Ein Lieblingszitat bescherte mir das Buch auch:

Zeitmanagement macht einen sinnlosen Weg nicht sinnvoller.
Peter Holzer, Mut braucht eine Stimme S. 39

Also alles bestens? Nein, nicht ganz.

Lebenswelten und eine enge Vorstellung von Karriere

Geärgert habe ich mich auch. Dieses Zitat zum Thema Frauenquote in der Wirtschaft war der Auslöser: „Als Frau würde ich das auch gar nicht wollen!“ Als Frau hätte Peter Holzer ein ganz anderes Leben geführt und dadurch ganz andere Einsichten und Ansichten gewonnen. Er kann daher meines Erachtens gar nicht wissen, was er als Frau wollen würde!

Würde ich in den gleichen Kategorien denken, würde ich sein Buch als ein sehr männliches Buch beschreiben. Seine Vorstellung von Karriere ist die eines Alpha-Tieres. Es wird gekämpft, man durchsteht ein tiefes Tal der Tränen durch Hartnäckigkeit, Ausdauer und Willenskraft und setzt sich schließlich durch. Andere Modelle von Karriere kommen in dem Buch nicht vor. Das mag an der Lebenserfahrung des Autors liegen oder an der Branche, aus der er stammt. Ich weiß es nicht. Fakt ist aber, dass das dazu führte, das der berufsbezogene Teil des Buches für mich ein Blick in eine andere Welt war. Hochinteressant, wie Menschen dort leben – aber mein Horizont hat mich von Anfang an woanders hingeführt.

Womit wir bei dem sind, was mir von Mut braucht eine Stimme im Gedächtnis bleiben wird. Zu allererst ein sehr interessanter Blick in eine Lebenswelt, die nicht meine ist. Genau dafür sind Bücher ja auch da! Aber noch wertvoller ist für mich die Idee des Werte-Horizonts, an dem jeder seine eigene Lebensreise ausrichtet. Es ist an der Zeit, meine Seekarten mal wieder etwas detaillierter auszugestalten.

Ein weiteres Buch von Peter Holzer würde ich durchaus lesen. Ich wäre neugierig, wie seine Lebensreise von nun an verläuft und wie sich sein Horizont erweitert. Er hat gelernt, seine innere Stimme zu hören und ihr zu folgen. Mich würde interessieren, ob er sie in ein paar Jahren immer noch nüchtern als innere Stimme bezeichnet oder ob er noch andere Nuancen heraushören und benennen wird – vielleicht nennt er es dann Herz, vielleicht Universum oder auch Gott. Auch dazu braucht es Mut.


Infos zum Buch:

Peter Holzer

Mut braucht eine Stimme
Wie sie ihrem Leben Wirkung geben

Gabal Verlag
ISBN 978-3-86936-797-2


Business-Bücher und Ratgeber, die ich empfehlen kann: meine Buchvorstellungen und Rezensionen hier auf meinem Blog GeschichtenAgentin


Übrigens: wie sich in einem kurzen Mailwechsel mit dem Autor herausstellte, sind wir beide von einem Buch begeistert, das ich auf meinem Blog schon besprochen habe: Dr. Kristina Brode – Angst als Chance. Diagnose Krebs: Brücken zur Selbstheilung und zu einem neuen Lebensgefühl

Schnelleinstieg Storytelling

Ausschnitt aus dem Buch-Cover: "Storytelling. Geschichten für das Marketing und die PR-Arbeit entwickeln" von Edgar von Cossart

Da ist es auf einmal, das Buch, das ich mir vor zwei Jahren gewünscht hätte. Damals suchte ich einen Einstieg in das Thema Storytelling und fand kein Buch, das mir so richtig meine Fragen beantwortete.

Seltsam, oder? Das ich damals nichts fand, lag an meinem etwas undefinierbaren Standort als Leserin.

Wie immer befand ich mich zwischen allen Stühlen und war mit meiner Position im Zielgruppen-Denken der Verlage so nicht vorgesehen.

Ich interessiere mich für Storytelling,

  • weil ich als Leserin wissen möchte, wie der Autor das gemacht hat
  • weil ich als Buchbloggerin selbst gerne Geschichten in meinen Rezensionen erzähle
  • weil ich als Social Media Consultant Inhalte für Facebook, Instagram und für Corporate Blogs entwickel und schreibe

In den meisten Büchern, die ich damals fand, ging es um Storytelling in der Markenkommunikation oder in der Werbung. Beides passt für mich nicht – genauso wenig wie die kommunikationswissenschaftlichen Bücher, die als Lehrbücher für die Uni gedacht sind.

Edgar von Cossart hat jetzt mit seiner kurzen, knappen Einführung in die Grundlagen und Regeln des Storytellings das für mich passende Buch geschrieben. Dabei schreibt er eigentlich über ein für mich völlig unpassendes Thema: Storytelling im Film, was nun mal so gar nicht mein Medium ist.

Doch die Wege der Leser sind unergründlich und passen häufig so gar nicht zum Zielgruppen-Denken der Verlage. Gerade weil Film nicht mein Medium ist, konnte ich diesmal viel besser den Erklärungen folgen. Da hat mich nichts abgelenkt, ich war damit beschäftigt, den Transfer auf meine eigene Arbeit zu leisten. Siehe da: Thema, Buch und ich, wir fanden diesmal zusammen.

Storytelling. Geschichten für das Marketing und die PR-Arbeit entwickeln konzentriert sich, bis auf wenige Abschweifungen über die Erfolge des Autors, auf das Wesentliche. Wie entwickel ich Ideen für eine Geschichte, wie schreibe ich die Geschichte oder das Drehbuch, wie fasse ich die Geschichte zusammen, um sie erfolgreich an einen Auftraggeber zu verkaufen? Was ist ein Plot, was ein Protagonist, was ist der Unterschied zwischen Hauptkonflikt und Thema? Warum braucht eine Geschichte eine Aufteilung in Akte und wieviel Wendepunkte sind nötig?

Auf den 112 gut genutzten Seiten erklärt der Autor das Handwerkszeug des Storytellings und warum man erst einmal Regeln lernen, verstehen und anwenden können muss, bevor man sie brechen kann.

Damit ist Storytelling. Geschichten für das Marketing und die PR-Arbeit entwickeln ein Buch, das in meine Handbibliothek wandern wird. Den nächsten Fantasy-Schmöker werde ich nun garantiert mit anderen Augen lesen!


Angaben zum Buch:

Edgar von Cossart

Storytelling
Geschichten für das Marketing und die PR-Arbeit entwickeln

Vahlen Verlag
ISBN 978-3-8006-5412-3

Rezension im PR-Journal

 


Andere Bücher, die sich in meiner Handbibliothek befinden:


Fachbücher, die das berufliche Wissen erweitern: meine Buchtipps und Rezensionen hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Disruptive thinking. Machen Menschen den Unterschied?

Disruptive thinking im Buchregal
Disruptive Thinking im Buchregal. Das Lexikon im Hintergrund hat die Disruption nicht überstanden.

Manchmal denke ich mir, dass gerade wir Buchhändlerinnen perfekt auf das digitale Zeitalter vorbereitet sind. Schließlich konnten wir schon in Stichwörtern und Schlagwörtern denken, bevor es Begriffe wie Keywords und SEO gab.

Wenn ich dann in dem Buch Disruptive Thinking lese, dass Nichtwissen aushalten eine Schlüsselqualifikation für das Disruptive Zeitalter sei, denke ich mir schon wieder, dass ich als Buchhändlerin darauf perfekt vorbereitet bin.

Wir lernen schon im allerersten Lehrjahr, dass wir nicht auf alle Kundenfragen sofort eine Antwort haben. Mit etwas Ausdauer und Talent haben wir dann schon nur wenige Jahre später Strategien entwickelt, wie wir mit unserem Nichtwissen umgehen und es in Verkaufserfolge umwandeln können.

Doch ich schweife ab und das schon bevor wir zum Buch „Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist“ kommen.

Das kann ja heiter werden.

Disruption. Schon erlebt.

Ich hatte schon seit einiger Zeit kein Wirtschaftssachbuch mehr gelesen. Die letzten Hypes und Buzzwords berührten mich nicht. Industrie 4.0 ist für mich bis heute eine nicht greifbare Worthülse.

Das Buzzword Disruptive Thinking hingegen schlug bei mir in unmittelbarer Nähe auf. Meist im Zusammenhang mit „dieser Digitalisierung“ und „denen eBooks da“. Das ist jedoch viel zu kurz gedacht. Auch die Erweiterung der Diskussion auf schicke Panel-Themen wie „Die Zukunft des Lesens“ beschreibt nur ein Bruchteil von dem, was Bernhard von Mutius als Disruptive Thinking beschreibt. Gut so.

Es geht also um mindestens alles incl. Gesellschaftswandel, einem neuen Denken und der Zukunft der Menschheit. Prima, denn ab hier wurde es für mich spannend.

„Eine disruptive Technologie (englisch to disrupt „unterbrechen“) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt.“ sagt Wikipedia. Disruptives Denken ist demnach das, was vor der Entwicklung geschieht. Oder danach – wenn man zur verdrängten Konkurrenz, zu den aussortierten Mitarbeitern gehört und sich überlegt, wie man aus der Misere wieder heraus kommt.

Disruptive Thinking für alle Jobs. Ok, für fast alle.

Die Analyse des aktuellen Geschehens im ersten Drittel des Buches war für mich erst mal sehr wichtig, um wieder Anschluss zu bekommen. Dabei hat mich fasziniert, wie geschickt der Autor wirklich jeden in seinem beruflichen Umfeld abholt. Verwaltungsfachmann oder Techniker, kreativer Kopf oder Stratege – für jeden gibt es das passende Beispiel, was Disruptive Thinking für ihn bedeuten kann und welche Chancen, aber auch Gefahren enthalten sind. OK – für fast jeden: die kleine Einzelhändlerin kommt auch hier wieder nicht vor. Ihr Filialbetreuer schon eher. Sortimentsanalysen können auch von intelligenten Systemen durchgeführt werden. Was ist dann sein Job? Ist diese Veränderung schon eine Disruption? Oder erst der Beginn? Beantworten kann man das erst im Rückblick.

Am Ende des Buches gibt es dann auch eine Umschreibung des Phänomens, die uns Buchmenschen glücklich machen könnte:

Man muss in der Lage sein, das Cluetrain-Manifest und die Charta der digitalen Grundrechte, Roger Willemsen Schrift Wer wir waren und Michel Serres Büchlein Erfindet euch neu nebeneinander zu lesen, nebeneinander stehen zu lassen, zusammenzudenken – und daraus vielleicht noch etwas Neues, Anderes zu machen, damit wir nicht zerrissen werden. Ohne vorher zu wissen, wie das geht. Das ist Disruptive Thinking.
S. 193

Lasst uns also noch mal kurz in dem Gefühl schwelgen, dass das Buch doch noch ein Leitmedium sein könnte. Bis uns die Disruption dann endgültig einholt.

Zwischenspiel: Design Thinking

Doch was passiert zwischendrin in dem Buch, zwischen der Analyse und den Handlungsempfehlungen für die Zukunft? Da gibt es ein für mich viel zu langes Kapitel über Design Thinking. Danach weiß ich zwar, das diese Technik wohl entscheidend wichtig in Zeiten wie diesen ist, und ich weiß auch, was nötig ist, damit die Technik angewendet werden kann. Aber was diese Design Thinker denn nun eigentlich den ganzen Tag lang tun – das weiß ich immer noch nicht.

Aber das ist nicht das, was mir von der Lektüre im Gedächtnis bleiben wird.

disruptive thinking. was nun? Doppelseite aus dem Buch.
Disruptive #bookstagram. Ein Fachbuch ins Fremde stellen und mit einer Kuscheldecke auf Instagram posten.

 

Disruptive Thinking. Machen Menschen den Unterschied?

Schon lange hatte ich kein Wirtschaftsbuch mehr gelesen, dass den Menschen so in den Mittelpunkt gestellt hat wie dieses. Das ist einerseits hoch erfreulich. Andererseits ist es auf Grund des Anlasses schon fast makaber: wenn uns die Technik immer mehr Arbeit und Aufwand abnimmt, ist es allerhöchste Zeit, uns auf das zu besinnen, was das Menschsein ausmacht.

Doch was könnte das sein? Kreativität und die Fähigkeit, Fragen zu stellen, auf die es noch keine Antworten gibt. Unsicherheiten aushalten und gleichzeitig anderen Menschen Sicherheit geben. Das Miteinander weiterentwickeln, in dem wir die Teilhabe stärken. Je stärker wir uns vernetzen desto wichtiger wird der Einzelne mit seinen Talenten und seiner Bereitschaft, sich einzubringen und zu lernen.

In solchen Momenten habe ich das Buch fast staunend zur Seite gelegt. Revolution! Liebe! Utopie! Doch im nächsten Satz ging es dann schon wieder um Firmengewinne und die Weiterentwicklung von Konzernen.

Aber auch das gehört zum Disruptive Thinking: aufhören, in Gegensätzen zu denken.

Na, dann mal los. Ich fühle mich jetzt deutlich besser gerüstet. Meinen Platz in der schönen neuen Welt beginne ich zu erahnen. Ob er mir gefällt? Das werde ich dann erst im Rückblick beantworten.


BERNHARD VON MUTIUS Disruptive Thinking. Gabal Verlag.

Angaben zum Buch:
Bernhard von Mutius

Disruptive Thinking
Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist

Gabal Verlag
ISBN 978-3-86936-790-3

 

 

Anderer Blickwinkel, gleiche Baustelle: 
How soon is now? Ohne Krise keine Veränderung von Daniel Pinchbeck.

Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren

Das Buch der Ideen. Sachbuch Rezension

Fliegen einem gute Ideen zu oder sind sie das Ergebnis harter Arbeit? Kevin Duncan meint letzteres. In seinem Büchlein „Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren“ ist nicht umsonst von Produktion die Rede.

Dafür gibt er uns 50 Techniken und Übungen an die Hand. So entsteht ein Trainingslager, ein Ideen-Bootcamp. Auch wenn die meisten Übungen für Teams und Gruppen gedacht sind, können sich auch Einzelkämpfer viel daraus ableiten.

Mit nur wenig Textblöcken zwischen den Übungen schafft es Kevin Duncan, zu erklären, wie Ideen entstehen und wie man sie bewerten kann. Hier gibt es keine langen Ausflüge in die neuesten Forschungen der Psychologie. Kurz und prägnant das Wichtigste auf den Punkt gebracht – schließlich wollen wir ja effizient weiter Ideen entwickeln.

Er ist übrigens ein großer Fan des Denkens IN Schubladen. Von wildem, unkontrollierten Brainstorming hält er nicht viel:

Die meisten Unternehmen haben säckeweise exzentrische, irrelevante und manchmal geradezu blöde Ideen, die sie nicht benutzen können, weil sie wirtschaftlich unmöglich, unangemessen und einfach abseitig sind. Die meisten sind in schlecht durchgeführten Brainstormings entstanden.
Das Buch der Ideen; S. 38

 

Wo finde ich solche Bücher? Auf der Leipziger Buchmesse!

Entdeckt habe ich Das Buch der Ideen auf der Leipziger Buchmesse. Wo sonst? In den Buchhandlungen finde ich fast nur das, was ich schon kennen, und außerdem viel zu viel Romane.

Für mich bietet die Leipziger Buchmesse das, was ich in den Buchhandlungen schon lange nicht mehr finde: die Möglichkeit, Bücher zu entdecken, von denen ich noch nie gehört habe. Das ist nach so vielen Jahren in der Buchbranche nicht ganz einfach. Aber in Leipzig finde ich jedesmal viele Bücher, die mich interessieren, und von deren Existenz ich bis dahin noch nichts wusste.

Eine der wenigen Buchhandlungen, die mich noch inspirieren kann, ist Thalia in Nürnberg. Andere Großbuchhandlungen sind mir meist zu stromlinienförmig. Kleine unabhängige Buchhandlungen sind für meinen Lesegeschmack zu Roman-lastig. Meine Lieblingsbuchhandlung suche ich noch immer. Habt Ihr eine Idee für mich?


Infos zum Buch:

Kevin Duncan

Das Buch der Ideen
50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren
Midas Smart Guides

Midas Verlag
ISBN 9783907100622

Nicht mehr lieferbar


Kaum jemand kommt an seinem Arbeitsort auf anständige Ideen. Und wenn er es zuhause macht, arbeitet er zuviel.
Das Buch der Ideen; S. 19


Noch zwei Lese-Tipps von mir:

Und natürlich dieses Standardwerk:

Fast pefrekt: warum die Suche nach Perfektion Langeweile auslöst

Sachbuch Perfektionismus: Fast pefrekt

Fast pefrekt. Kein Tippfehler, sondern eine Lebenseinstellung. Wobei damit etwas anderes als „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ gemeint ist.

Fast pefrekt lädt zum lustvollen Scheitern ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur aus Misserfolgen wirklich Kreatives entstehen kann. Irgendwann. Nach vielen missglückten Anläufen. Nur, wer nimmt sich die Zeit für diese Umwege?

Wer Perfektion anstrebt neigt dazu, nachzuahmen, was schon existiert. Eine bestehende Meßlatte wird übertragen. Wie soll da Neues entstehen? Und wo bleibt der Spaß, der Spieltrieb, das lustvolle Ausprobieren?

Ausprobieren beinhaltet nun mal Scheitern. Das muss man aushalten können. Eric Kessels motiviert, in dem er den Blick auf das Unerwartete, das Schöne, das Geniale lenkt, das nur durch Ausprobieren und den Maßstäben nicht genügen entstehen kann – zB. wenn beim Fotografieren der Finger vor der Linse war.

Hätte ich raten sollen, welcher Verlag Fast pefrekt veröffentlicht hat, hätte ich sofort Hermann Schmitt geantwortet. Es ist aber Dumont. Das macht mich neugierig: planen die noch mehr in dieser Art?

Aber warum sind die Schwarz-Weiß-Fotos so pixelig? Gehört das so und ist Teil des Konzepts, den Leser zum Unperfekten zu ermutigen?

Ich sehe: fast pefrekt als Konzept lässt sich auch als Leser nicht von heute auf morgen umsetzen! Ich werde üben. Und das Buch einfach noch einmal lesen. Beim ersten Mal hatte ich nämlich keinen Stift für Anstreichungen zur Hand. Wie unperfekt von mir! Dabei ist es voll von Lieblingszitaten wie diesem hier:

Wenn Sie sich nicht mindestens einmal täglich wie ein Idiot fühlen, sollten Sie weniger arbeiten und mehr spielen.
Fast pefrekt – S. 129

Fast pefrekt Info
Fast pefrekt – Cover und Klappentext sind beim Buch vertauscht. Wieviele Menschen wohl das Buch deswegen umtauschen wollten?

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Angaben zum Sachbuch:

Erik Kessels

Übersetzt von Sofia Blind

FAST PEFREKT
Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.

Dumont Verlag


Das Perfekte ist der Feind des Guten. Befreien Sie sich von der Tyrannei der Perfektion!
S. 88


Perfekt unperfekte Sachbuch-Rezensionen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Auch dieses Buch zeigt, dass perfekt nicht immer die beste Lösung ist: Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren.
Hier meine Rezension:

Ich mach was mit Kreativität – Psychologie für Designer

Sachbuch Kreativität aushalten - Psychologie für Designer

Mit „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist Frank Berzbach ein sehr kompaktes Handbuch gelungen, das den kompletten Arbeitsalltag einer Werbeagentur oder eines Freelancers abdeckt.

Welche Rahmenbedingungen braucht Kreativität? Wie funktioniert die Kommunikation mit den Kollegen am besten und wie die mit den Kunden? Wie organisiere ich mich selbst?

Auf all diese Fragen gibt Frank Berzbach kurze, prägnante Antworten und ergänzt diese mit Denkanstößen.

Mit dieser Kombination erhält er dem Leser die Freiheit, seinen ganz persönlichen Weg zu kreativen Höchstleistungen zu gestalten, ohne dabei über die Steine zu stolpern, die schon seine Kollegen und Vorgänger zum Straucheln brachten.

„Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist ein Mentor in Buchform, der den jungen Kollegen an die Hand nimmt und den erfahrenen Kollegen an die Basics erinnert, die er im Arbeitsalltag vielleicht schon wieder aus den Augen verloren hat.

Ja, aber – das ist doch gar nicht meine Welt

Ich bin Quereinsteigerin. Was will ich also mit diesem Buch, das sich so ganz und gar auf die Werbebranche bezieht?

Das Buch bietet mir die Möglichkeit, die ganz normalen Arbeitsabläufe und Herausforderungen in einer Online- oder Werbeagentur besser kennenzulernen – sozusagen der Blick über die Schulter meiner neuen Kollegen. Dabei schildert der Autor viele Lösungen für Probleme, die ich gar nicht kenne.

So wurde mir bei der Lektüre klar, wie sehr meine Jahre als Buchhändlerin im Laden meine Arbeitsweise geprägt haben. Bestes Beispiel ist für mich der Umgang mit Arbeitsunterbrechungen. Als Buchhändlerin bin ich es gewohnt, ständig unterbrochen zu werden. Kaum beginnt man, einen Präsentationstisch neu zu gestalten, versammeln sich dort Kunden. Also arbeitet man als nächstes die Benachrichtigungsliste ab, wobei man selbstverständlich wieder unterbrochen wird. Eine Buchhändlerin hat daher ständig vier, fünf angefangene Arbeiten auf ihrem Schreibtisch liegen hat. Dazu kommt, dass es den Schreibtisch als Ort so gar nicht gibt – sich merken, was alles noch zu beenden ist, ist die Kunst. So musste ich nach meinem Wechsel in die Kreativbranche vor allen Dingen erst einmal lernen, eine Arbeit am Stück konzentriert zu Ende zu bringen.

Pause macht man im Einzelhandel auch nicht dann, wenn man sie braucht, sondern dann, wenn der Besetzungsplan eine vorsieht. Frank Berzbach betont in „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ die Wichtigkeit von Pausen, denn sie erhalten die kreative Schaffenskraft. Zum passenden Zeitpunkt richtig Pause zu machen war etwas, das ich erstmal lernen musste. Letztlich hat mich meine Wirbelsäule dazu erzogen, denn dauerhaftes Sitzen gefährdet die Gesundheit.

Insgesamt sehr viel Inhalt für noch nicht mal 200 Seiten – was mich dann auch mit dem Preis wieder versöhnt hat.


Angaben zum Buch:

Frank Berzbach

Kreativität aushalten
Psychologie für Designer

Verlag Hermann Schmidt Mainz
fadengeheftetes Flexcover aus Skivertex mit runden Ecken und Lesebändchen

(spielt für die Rezension hier auf meinem Buch-Blog keine Rolle, aber ein Booknerd wie ich kann diesen schönen Wörtern nicht widerstehen!)

Hermann Schmidt Verlag Printed in Germany with love

Kreativ oder unkreativ? Ich empfehle, gleich weiter zu diesem Buch-Tipp zu springen: