• GeschichtenAgentin - Buch-Blog und Lese-Tagebuch. Sachbücher und Ratgeber, Fantasy und Romane, Backlist und Neuerscheinungen – ich lese immer viele Bücher gleichzeitig. Dazu schreibe ich keine klassischen Rezensionen, sondern erzähle, was Bücher mit mir machen: persönlich und ehrlich, aus Leserinnen-Sicht und mit einem Blick auf die Buchbranche. Denn ich war Buchhändlerin und bin es tief im Herzen geblieben. Wenn ich nicht gerade lese oder blogge, bin ich in Museen unterwegs oder in der Pfalz und draußen im Wald – auch darüber schreibe ich. Stöber durch meine Rezensionen und Buchtipps, denn vielleicht ist dein nächstes Lieblingsbuch dabei!

Raster richtig einsetzen: Layout Basics

Fachbücher lesen kam in den letzten Monaten zu kurz. Der Job war fordernd, das Hirn pandemisch gelähmt, die Energie für neue Themen fehlte. Wie schade das ist, merkte ich, als ich dann zu „Layout Basics“ griff. Ich selbst gestalte zwar keine Websites und auch keine Printprodukte. Aber ich arbeite sehr häufig in Projekten, in denen es darum geht, Websites erfolgreicher und Bücher lesbarer zu machen. Ein guter Grund, die eigenen Fachkenntnisse mal wieder aufzufrischen! „Layout Basics“ ist eine solide Einführung in die Arbeit mit Gestaltungsrastern und besticht durch die Fülle an Beispielen für gelungenes Design. Das war neben dem beruflichen Bezug auch für mich als private Leserin sehr ergiebig, da so das Zusammenspiel von Überschriften, Textblöcken, Bildern, Infografiken und Farben klarer wird. Wie häufig ist ein Buch nur deswegen schwer lesbar, weil Typographie und Layout zu anstrengend sind! Wer die Regeln verstanden hat, kann sie auch brechen. Aber bitte genussvoll und wohl überlegt! Die letzten…

weiterlesen

Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten

Natürlich sind die elektronenmikroskopischen Aufnahmen von Insektenlarven und Insekten beeindruckend. Und doch werden es nicht die 90 großformatigen Fotos sein, die mir nach der Lektüre des Sachbuchs „Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten und wie sie weitergehen kann“ im Gedächtnis bleiben werden. Dieses Buch hat mich zum Staunen gebracht und mir gezeigt, wie wenig ich von der Natur um mich herum verstehe. Was ist ein Insekt? Die Erklärung aus den Biologie-Büchern enthält Merkmale wie wirbellos, sechs Beine und einem dreigeteilten Körper. Die Antwort meines Alltags-Ichs wäre, das kennzeichnend für ein Insekt ist, das es vor allem im Sommer um mich drumherum fliegt oder weg krabbelt. Doch in beiden Fällen wird ausgeblendet, dass diese Umschreibung nur für einen kleinen Teil des Insektenlebens zutriffst – und meist auch nur für den kürzeren. Hirschkäfer leben fünf bis acht Jahre als Larve. Hirschkäfer-Männchen existieren in der Form, die wir umgangssprachlich als Käfer bezeichnen, nur wenige Wochen. Auch die Weibchen…

weiterlesen

Nachtflug. Die faszinierende Welt der Fledermäuse

Lanzennase, Hammerkopf und Kammzahnvampir – schon die Namen der Fledermausarten sind ein Ereignis. Und ihre Lebensweise erst recht! Sie sind raffinierte Jäger mit ausgeklügelten Jagdtechniken, ihre Flugkünste sind beeindruckend und ihr Sozialverhalten lässt so manch menschliches Verhalten arm erscheinen. Es gibt Fledermausarten, die ihre Kollegen mit weniger Jagderfolg mit Beute versorgen. Und es gibt Fledermauskolonien, in denen die trächtigen Weibchen aus der Höhle ausziehen und eine eigene Kolonie gründen. Sie machen das, damit der Nachwuchs besser vor Krankheiten geschützt ist. Denn das ist der Nachteil, den das Zusammenleben mit einer beachtlichen Anzahl an Artgenossen auf engstem Raum mit sich bringt: Kaum ein Tier weist so viele Parasiten und Viren auf wie Fledermäuse. Je länger ich in dem Buch „Nachtflug“ von Klaus Richarz gelesen habe, desto mehr fiel mir auf, wie wenig ich bisher über die Lebensweise von Fledermäusen wusste. Meine erste Fledermaus habe ich in der Hochhaussiedlung Betzenberg in Kaiserslautern gesehen. Sie hing außen am…

weiterlesen

Verlagswesen – wie Comics wirklich entstehen

Ich arbeite seit 1987 in der Buchbranche und bemerke erst jetzt die Doppeldeutigkeit von Verlagswesen! Schon allein dafür hat es sich gelohnt, den Comic zu lesen, den sich Annette Köhn zum zehnjährigen Jubiläum ihres JaJa-Verlags gegönnt hat. Ihre Verlagswesen sind imaginäre Figuren, die ein wenig wie Strichmännchen-Marshmallows auf zwei Beinen aussehen. Sie begleiten uns durch den ganz normalen Verlagsalltag: Bestellungen abarbeiten, Rechnungen ablegen, Versandtaschen bestellen und Kaffeepausen machen. Klingt wenig glamourös, oder? Kann das funktionieren – ein Comic, der über weite Strecken nur Routinearbeiten aus dem Büroalltag zeigt? In dem das Top-Ereignis das Eintreffen des Paketboten ist und in dem wir die Verlegerin auf die Toilette begleiten? Es funktioniert wirklich! Und das liegt eben an den Verlagswesen, die die Abläufe im Verlag ganz genau verstanden haben. Sie wissen, wie die Bürogemeinschaft, die in den Räumen des Comic-Verlags lebt und arbeitet, tickt. Zudem kennen sie ihre Chefin genau und lassen ihr das beruhigende, erdende Gefühl, das…

weiterlesen

Mehr Lyrik lesen? Vielleicht sogar mehr Frauen | Lyrik?

Gute Vorsätze, was das Lesen angeht? Da bin ich zurückhaltend. Aber zwei blitzen dann doch immer wieder auf. Mehr Kinderbuch-Klassiker lesen. Mehr Lyrik lesen. Dem bin ich letztes Jahr so nahegekommen, wie schon lange nicht mehr. Nur der Tagesabreiss-Kalender mit Gedichten war erfolgreicher. Aber der wird nicht mehr aufgelegt. Stattdessen liegt nun „Frauen | Lyrik“ aus dem Reclam Verlag auf meinem Nachttisch. Manchmal sogar ganz oben auf dem Bücherstapel. Der Plan war: jeden Abend vor dem Einschlafen ein Gedicht lesen. Schöner Plan, nicht wahr? Ich lebe jetzt 53 Jahre mit mir zusammen und mache immer noch Pläne, die Regelmäßigkeit voraussetzen. Frau Doktor, gibt es da was von Ratiopharm? Aber: Ich habe wirklich mehr Lyrik gelesen als im Jahr zuvor. Können wir das jetzt einfach als Erfolg zählen und uns über die Anzahl der tatsächlich gelesenen Gedichte ausschweigen? Darf ich vorstellen: der Lyrik-Band, Stammgast auf meinem Nachttisch Als Ausrede könnte ich anführen, dass „Frauen | Lyrik“…

weiterlesen

Krach von Tijan Sila: Punk, Provinz und echtes Leben

Punk in der pfälzischen Provinz – natürlich bleibe ich bei meiner Suche nach neuer Lektüre an so einem Buch hängen. Und doch wollte ich „Krach“ von Tijan Sila zunächst nicht lesen. Denn weder mit Punks noch mit Männern, die über ihr Erwachsenwerden schreiben, hatte ich gute (Lese)Erfahrungen gemacht. Ihr Blick auf Frauen brachte mich regelmäßig auf die Palme und was das Macho-Gehabe gewisser Männer in der Punk-Szene angeht … lest einfach die klugen Beiträge von Diana Ringelsiep wie Sexismus geh sterben und verfolgt #punktoo Dass es das Buch dann doch auf meine Leseliste geschafft hat, habe ich zweierlei zu verdanken. Einmal dem Leuchten in den Augen von Florian Valerius, dem Literarischen Nerd, als er Tijan Sila interviewte. Und Bri vom Blog Feiner reiner Buchstoff, deren Blick auf Bücher von Männern meinem ähneln dürfte, und die „Krach“ begeistert anpries. Die zwei haben sich nicht geirrt. „Krach“ von Tijan Sila ist großartig und zählt für mich zu…

weiterlesen

Zarter Schmelz – Ralf Königs Hommage an Lucky Luke

Du weißt, du bist in Frankreich, wenn eine Stadt in der Provinz mehr Comic-Läden hat als die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar. Gerade im letzten Herbst in Arles erlebt. Und du weißt, dass ein deutscher Comiczeichner etwas ganz, ganz Besonderes ist, wenn sein neues Werk im Stapel in der FNAC ausliegt, direkt neben Isnogud. Und der absolute Ritterschlag ist es wohl, wenn ein deutscher Zeichner eine Folge eines Comic-Klassikers übertragen bekommt – so wie Flix mit Spirou in Berlin und Ralf König mit seiner Hommage Lucky Luke – Zarter Schmelz. Vielleicht war das der Moment, in dem ich begriff, dass Ralf König mehr ist als der Comic-Künstler, mit dem ich wie so viele in meiner Generation lernte, Schwule zu verstehen. Und auch mehr als „der wohl berühmteste Schwulencomiczeichner der Welt“, wie ihn die SZ titulierte. Sie wurden mit seinem Comic nicht recht warm (ja, ich zahl schon in die Schlechte-Wortwitz-Kasse ein). Ich hingegen habe einen vergnüglichen Abend…

weiterlesen

Nicht im System vorgesehen: Katholisch und Queer

Manchmal braucht es nur einen kleinen Zufall, um mit einem Thema in Berührung zu kommen. Ich, die bis dahin nur evangelische Gottesdienste kannte, saß in einem katholischen Trauergottesdienst. Die mir völlig fremde Liturgie überforderte mich. Aufstehen, beten, hinsetzen, singen – wann bitte sollte ich was tun? Ich orientierte mich daher an meinem Banknachbarn, einem schwulen katholischen Freund. Nur deswegen fiel mir auf, dass er beim Glaubensbekenntnis die Zeile „ich glaube an die katholische Kirche“ nicht mitsprach. „Was dir alles auffällt“ war sein Kommentar, als ich ihn Tage später danach fragte. Ein gutes Gespräch begann. Darüber, wie es sich anfühlt, sich im Glauben, aber nicht in der Kirche zuhause zu fühlen. Wie es ist, Angst vor Kündigung durch einen kirchlichen Arbeitgeber zu haben, weil die eigene Art zu lieben und zu leben missfällt. An dem Tag erfuhr ich auch, warum er sich nicht mehr in der Jugendarbeit engagierte. Es lag nicht am Zeitmangel, wie er immer…

weiterlesen

Radikale Selbstfürsorge

Manchmal bedeutet radikale Selbstfürsorge, sich ins Bett zurückzuziehen und ein Buch zu lesen, das einem einfach nur gut tut. Einen Ratgeber, der nicht zur Selbstoptimierung, sondern zu Nachsicht rät. Der uns daran erinnert, viel häufiger nett zu uns zu sein. Nicht, weil wir es verdient haben, sondern weil es egal ist, ob wir es verdient haben. (Nebenbei bemerkt: Wer sich gut um sich selbst kümmert, kann sich auch besser um andere kümmern. Nützlicher Nebeneffekt, aber nicht der Hauptgrund, warum wir Selbstfürsorge ernst nehmen sollten.) Wir brauchen Pausen nicht erst dann, wenn wir überarbeitet, müde und ausgelaugt sind. Erholungsphasen sind ein Menschenrecht. Was radikale Selbstfürsorge nicht ist … Genau in einer solchen Phase könnten wir statt zu einem teuren Wellness-Drink zu einem Buch wie „Radikale Selbstfürsorge. Jetzt!“ von Svenja Gräfen greifen. Einfach so, ohne eine Duftkerze anzumachen. Oder was auch immer der bunte kapitalistische Warenmarkt für solche Momente anpreist. Wir könnten uns einkuscheln und lesen. Häppchenweise,…

weiterlesen

Das Geheimnis des Atmens – eine Einführung in Pranayama

Wie sehr mir die letzten zwei Jahre die Luft abgeschnürt haben, habe ich erst gemerkt, als ich das schmale Büchlein „Das Geheimnis des Atems“ von Sriram gelesen habe. Darin erklärt er die Grundzüge des Pranayama, einem wichtigem Bestandteil des Yoga. Früher wurde das gerne mit Atemkontrolle übersetzt. Aber Vertiefung des Atems durch Achtsamkeit trifft es besser. Wichtige Werkzeuge sind dabei die Atembeobachtung, längeres Ausatmen und das Verweilen in der Atemstille, dem Wendepunkt zwischen Ein- und Ausatmen. Da all das für mich nicht neu ist, fand ich es eine gute Idee, gleich mit der Wechselatmung zu beginnen. Diese Atemübung ist mir aus früheren Yogastunden vertraut. Das sollte klappen. Nun, es wurde eine Übung im lehrreichen Scheitern. Auch willkommen. Also zurück zu den Anfängen. Was mir in diesen bedrückenden Tagen am besten hilft, ist mich auf meine Nasenspitze zu konzentrieren und zu beobachten, wie der Atem dort einströmt. Wenn ich dann die Reise meines Atems durch den…

weiterlesen

Das Buch über das Älterwerden

Keine Lektüre hat mich in diesem Jahr so berührt wie Lucy Pollocks Sachbuch über das Älterwerden. Gerade weil es mir im positiven Sinne so nahe ginge, fühlte ich mich lange Zeit nicht in der Lage, darüber zu bloggen. Jetzt will ich es versuchen, denn es ist ein Buch, dem ich so viele Leserinnen und Leser wünsche, wie nur möglich. Dr. Lucy Pollock ist Fachärztin für Geriatrie. Kenntnisreich vermittelt sie den neuesten Stand der Forschung. Dabei verliert sie nie den Kontakt zum ganz normalen Alltag der Senior:innen und den Sorgen der Angehörigen. Doch das ist es nicht, weswegen mich ihr Buch so begeistert. Auch nicht die Tatsache, dass sie begnadet gut und abwechslungsreich erzählt. Was das Buch auszeichnet, ist die Haltung der Autorin zu ihrem Thema. Lucy Pollock ist jemand, der die alten Menschen ins Herz geschlossen hat und sie so annimmt, wie sie sind. Gebrechlich und willensstark, schusselig und voller Erfahrung, kämpferisch und ängstlich, lebensklug…

weiterlesen

Sänger müssen zweimal sterben

Ob ganz Indien mit seinen Menschenmassen, Rikschas Motorrädern, Tempeln, Affen und was noch alles zur Geräuschkulisse beiträgt, wirklich Musik ist, wie der Klappentext behauptet? Ich wage es zu bezweifeln. Aber dass Indien einen eigenen intensiven Klang hat, bekommt sogar eine Touristin wie ich mit. Peter Pannke hat das Land deutlich intensiver erlebt, als mir das damals in drei Wochen Urlaub gelingen konnte. Er hat lange mit der Sängerfamilie Mallik gelebt, die über 200 Jahre dem Maharadscha von Darbhanga als Hofmusiker gedient hatte. An diese Zeit und an alles, was daraus entstand, erinnert er sich, als er anlässlich einer Beerdigung versucht, in das von schweren Regenfällen überflutete Nordindien zu gelangen. „Sänger müssen zweimal sterben“ ist ein wunderbar intensives Buch. Eines, das gar nicht erst versucht, Indien zu erklären. Stattdessen lässt uns Peter Pannke teilhaben an seinen Erfahrungen und erlaubt uns damit ein sehr direktes, sinnliches Erleben. Entdeckt habe ich das Buch, das nicht mehr aufgelegt wird,…

weiterlesen