Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren

Das Buch der Ideen. Sachbuch Rezension

Fliegen einem gute Ideen zu oder sind sie das Ergebnis harter Arbeit? Kevin Duncan meint letzteres. In seinem Büchlein „Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren“ ist nicht umsonst von Produktion die Rede.

Dafür gibt er uns 50 Techniken und Übungen an die Hand. So entsteht ein Trainingslager, ein Ideen-Bootcamp. Auch wenn die meisten Übungen für Teams und Gruppen gedacht sind, können sich auch Einzelkämpfer viel daraus ableiten.

Mit nur wenig Textblöcken zwischen den Übungen schafft es Kevin Duncan, zu erklären, wie Ideen entstehen und wie man sie bewerten kann. Hier gibt es keine langen Ausflüge in die neuesten Forschungen der Psychologie. Kurz und prägnant das Wichtigste auf den Punkt gebracht – schließlich wollen wir ja effizient weiter Ideen entwickeln.

Er ist übrigens ein großer Fan des Denkens IN Schubladen. Von wildem, unkontrollierten Brainstorming hält er nicht viel:

Die meisten Unternehmen haben säckeweise exzentrische, irrelevante und manchmal geradezu blöde Ideen, die sie nicht benutzen können, weil sie wirtschaftlich unmöglich, unangemessen und einfach abseitig sind. Die meisten sind in schlecht durchgeführten Brainstormings entstanden.
Das Buch der Ideen; S. 38

 

Wo finde ich solche Bücher? Auf der Leipziger Buchmesse!

Entdeckt habe ich Das Buch der Ideen auf der Leipziger Buchmesse. Wo sonst? In den Buchhandlungen finde ich fast nur das, was ich schon kennen, und außerdem viel zu viel Romane.

Für mich bietet die Leipziger Buchmesse das, was ich in den Buchhandlungen schon lange nicht mehr finde: die Möglichkeit, Bücher zu entdecken, von denen ich noch nie gehört habe. Das ist nach so vielen Jahren in der Buchbranche nicht ganz einfach. Aber in Leipzig finde ich jedesmal viele Bücher, die mich interessieren, und von deren Existenz ich bis dahin noch nichts wusste.

Eine der wenigen Buchhandlungen, die mich noch inspirieren kann, ist Thalia in Nürnberg. Andere Großbuchhandlungen sind mir meist zu stromlinienförmig. Kleine unabhängige Buchhandlungen sind für meinen Lesegeschmack zu Roman-lastig. Meine Lieblingsbuchhandlung suche ich noch immer. Habt Ihr eine Idee für mich?


Infos zum Buch:

Kevin Duncan

Das Buch der Ideen
50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren
Midas Smart Guides

Midas Verlag
ISBN 9783907100622

Nicht mehr lieferbar


Kaum jemand kommt an seinem Arbeitsort auf anständige Ideen. Und wenn er es zuhause macht, arbeitet er zuviel.
Das Buch der Ideen; S. 19


Noch zwei Lese-Tipps von mir:

Und natürlich dieses Standardwerk:

Welt retten für Einsteiger

Und jetzt retten wir die Welt - Sachbuch

Einfach irgendwo anfangen und dann nicht mit dem weitermachen aufhören: Welt retten beginnt mit dem ersten Schritt, egal wie klein dieser einem erscheinen mag.

Die Auswahl an kleinen Schritten ist groß in diesem Buch und die Autoren vermitteln einem das gute Gefühl, dass kleine Schritte völlig ok sind.

Jedes Kapitel widmet sich einem Lebensbereich: innere Haltung, Körper, Essen, Klamotten, Nachbarn, Mobilität, Arbeit, Konsum, Politik, Geld, Kultur – da findet jeder etwas, wo er selbst für sich ansetzen kann.

Zwischendurch werden immer wieder Menschen vorgestellt, die Vorbild sein können. Darunter mehr Alltagshelden als große Helden. Jeder von Ihnen hat irgendwann mal einfach irgendwo angefangen. Dann kam eines zum anderen und die Projekte wurden größer. So geht Veränderung.

Veränderung kann Angst machen. Veränderung kann als zu groß, als nicht machbar erscheinen. Deswegen gibt es zu jedem Thema Vorschläge, wie man mit allerkleinsten, einfach umsetzbaren Schritten beginnen kann. Damit die Veränderung weitergeht, wird auch gleich aufgezeigt, wie man von diesem Schritt aus weitermachen kann. Stillstand ist nicht.

Sympathisches Konzept, gelungenes Buch.

Aber alles in allem erweckt das Buch Und jetzt retten wir die Welt! den Eindruck, für deutlich jüngere Leser geschrieben worden zu sein als ich es bin. Das beginnt schon bei der kleinen Schrift und dem fehlendem Abstand zwischen den Absätzen, die das Lesen für müde Augen wie meine mühsam macht. Doch die Tipps und Anregungen funktionieren für jedes Alter, wenn auch einige davon nur für Großstädter geeignet sind.

Wie überhaupt Welt retten ein hippes und urbanes Thema zu sein scheint: für mich ist das Buch die praxisnahe Ergänzung zum Handbuch der urbanen Spiritualität. Aber das ist wiederum mein ganz eigener Blick auf die Welt.


Angaben zum Buch:

Ilona Koglin und Marek Rohde

Und jetzt retten wir die Welt
Wie du die Veränderung wirst, die du dir wünschst

Kosmos Verlag
Webseite zum Buch mit Blog und Ideenbörse

Rezension zu „Und jetzt retten wir die Welt“ bei Wortakzente.


Mehr Rezensionen zu Ratgebern und Sachbochern hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Bücher, die helfen, die Welt zu retten – drei Empfehlungen von mir:

So klappt’s mit dem Welt retten: enkeltauglich leben

Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

In 80 Jahren eine neue Welt. Zukunftsbericht einer klimafreundlichen Beispielfamilie

Über Lieblingsautoren zu bloggen ist nicht einfach: Wolf-Dieter Storl

Bücher von Storl die ich gelesen habe

Eigentlich erstaunlich, dass ich seit 2012 – so lange blogge ich hier schon – nur einen einzigen Beitrag zu Wolf-Dieter Storl und seinen Büchern veröffentlicht habe. Er zählt zu meinen Lieblingsautoren, einfach weil er ein begnadeter Erzähler und ein lustvoller Kreuz-und-Querdenker ist. Das macht Spaß zu lesen, erweitert meinen Horizont und sorgt für Aha- Momente.

Andererseits erstaunt mich das auch wiederum nicht, denn ich kenne das von mir: je besser mir ein Buch gefällt desto schwerer fällt es mir, darüber zu reden.

Das ging mir schon als Buchhändlerin so. Es erschien mir als fast unmöglich, die Fülle an Gedanken zu einem Lieblingsbuch in zwei, drei knackige Sätze für das Verkaufsgespräch zu packen.

Damals habe ich begonnen, mir vor dem Weihnachtsgeschäft Knacksätze zu Büchern zu notieren, so dass ich sie bei Beratungen besser im Hirn verankert hatte. Es hat funktioniert und vielleicht war das ja die Keimzelle für mein heutiges Bloggen?

Zurück zu Storl, von dem ich längst noch nicht alles gelesen habe. „Wanderung zur Quelle. Geschichten von Shiva und Parvati“ fehlt mir zum Beispiel noch. Warum eigentlich? Wahrscheinlich nur, weil Storl schon so viel Interessantes veröffentlicht hat. Wie soll ich das in einem einzigen Leserleben schaffen?

Würde ich noch einmal von vorne beginnen, seine Bücher zu lesen, dann würde ich unbedingt mit seiner Autobiographie beginnen: Ich bin ein Teil des Waldes. Den Untertitel Der Schamane aus dem Allgäu erzählt ignoriert man am besten. Er wird ihm und seinem enormen Wissen genauso wenig gerecht wie den vielen kleinen und großen Abenteuer, über die er ihm Buch erzählt. Das beginnt bei den Mutproben, die er als Junge in den amerikanischen Wäldern bestanden hat, führt nach Indien und in die Schweiz, an die Universität und zu den Indianern. Storl ist vielseitig – ein Untertitel kann ihm nicht genügen.

Doch was könnte das zweite Buch von Storl sein, das man liest? Das wiederum hängt von den eigenen Interessen ab. Vielleicht Bekannte und vergessene Gemüse oder auch Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor. Beide sind im AT Verlag erschienen, einen Verlag, den ich sehr schätze. Schön gemachte Bücher zu interessanten Themen in feinster Ausstattung – da schlägt mein Bücherherz schneller!

Danach könnte sich ein Ausflug in die Geschichte lohnen – vielleicht mit Pflanzen der Kelten
Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender ? Oder bei den Pflanzen bleiben: Mit Pflanzen verbunden
Meine Erlebnisse mit Heilkräutern und Zauberpflanzen.

Ganz ehrlich: mich hat noch kein Buch von Storl enttäuscht. Auch wenn ich nicht immer mit ihm einer Meinung bin. Insbesondere bei den Herleitungen von Wortbedeutungen würde ich gerne die zweite Meinung eines Sprachwissenschaftlers hören. Aber das macht nichts, denn Storls Bücher sind prall von Geschichten und Inspirationen. Sie verführen dazu, Wald, Garten und Feld mit anderen Augen zu betrachten und versorgen den Lesern mit Fakten zur Kulturgeschichte, zur Botanik und zur Heilkunde. Und die Götter kommen auch nicht zu kurz.

Mehr Infos über Storl findet Ihr auf seiner (etwas in die Jahre gekommenen mittlerweile sehr schicken) Webseite. Einen guten Eindruck von seiner Art zu erzählen bekommt Ihr auch in den Videos von Mystica.tv. Meine Rezension zu “Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer” findet Ihr hier auf meinem Blog. Viel Spaß beim Entdecken!


Dringend nötiges Update: es gibt mehr Beiträge zu den Büchern von Wolf Dieter Storl auf meinem Buchblog: Wolfsmedizin und Wanderung zur Quelle

 

Autismus erklärt von einem Autisten

Buch Autismus mal anders: ein Autist erklärt den Autismus. Sachbuch Rezension

Autismus erklärt von einem Autisten, aber dennoch kein autobiographischer Bericht: das ist der Ansatz von Aleksander Knauerhases Sachbuch „Autismus mal anders: einfach, authentisch, autistisch“. Gleich mein Fazit vorneweg: ein überzeugender Ansatz und ein lohnendes Buch.

Aleksander Knauerhase sitzt nicht verschwiegen und vor sich hinschaukelnd in der Ecke; er ist ein „Autist zum Anfassen“*.

Womit ich schon die erste große Baustelle beschrieben habe, die er in seinem Buch bearbeitet: er räumt Vorurteile aus. Eine seiner ersten Aufforderung an den Leser lautet, bitte alles zu vergessen, was er je in Filmen an autistischem Verhalten gesehen hat. Am besten auch die Autobiographien von Autisten kurzzeitig aus dem Lesergedächtnis verbannen, um sie nach der Lektüre neu zu bedenken.

Jeder Autist ist anders. Das arbeitet der Autor genauso gut heraus wie das, was allen Autisten gemeinsam ist: Autismus ist eine andere Art, Umweltreize zu verarbeiten. Autisten können Reize nur sehr schlicht filtern. Jedes Geräusch, jeder Geruch, jede Berührung, jeder visuelle Eindruck, jegliche Kommunikation kommen bei Ihnen ungefiltert im Gehirn an. Das ist mehr, als man verkraften kann. Zudem kann diese Reizüberflutung zu einem Shutdown des Gehirns führen, einer Art Notabschaltung, die sich zum Beispiel im still in der Ecke sitzen und vor sich hin schaukeln äußern kann.

Aleksander Knauerhase erklärt diese innere Grundstruktur des Autismus sehr gründlich. Jeder Sinnesreiz und die daraus resultierende Probleme werden genau analysiert. Gleichzeitig berichtet der Autor sehr offen von seinen eigenen Lösungen und Workarounds und gibt deutliche Hinweise, wie die Gesellschaft Autisten besser integrieren könnte. Mehr Faktenwissen über den Autismus steht dabei an allererster Stelle, gefolgt von „nicht über die Autisten sondern mit den Autisten reden“.

Dieser klar strukturierte erste Teil des Buches ist der stärkste. Dem zweiten Teil des Buches fehlt für meinen Geschmack der innere Zusammenhalt. Die Aufsätze, Blogbeiträge und Gedanken zu Autismus und Schule, zum Welttag des Autismus, zu therapeutischen Ansätzen, zum Behinderten-Staus und darüber, wie man als Autist ein Studium erfolgreich absolvieren kann, sind zwar allesamt lesenswert, doch eine Sammlung von Beiträgen ergibt noch kein Buch. Dafür ist sein Blog Quergedachtes besser geeignet.

Eines ist klar: die Bezeichnung „der ist doch autistisch“ für einen Menschen mit wenig einfühlsamen Verhalten werde ich nach der Lektüre endgültig aus meinem Wortschatz streichen. Denn das, was wir manchmal so lässig dahin sagen, hat mit der Realität der Autisten überhaupt nichts zu tun.

*Ich habe ihn auf dem Literaturcamp 2016 in Heidelberg kennengelernt und kurz darauf auf dem Barcamp Rhein-Neckar wieder getroffen. Wer die Möglichkeit hat, einen Vortrag von ihm zu hören: hingehen! Und wer einen überzeugenden, humorvollen und authentischen Referenten sucht: bucht diesen Mann!


Angaben zum Buch:

Aleksander Knauerhase

Autismus mal anders
Einfach, authentisch, autistisch

Books on demand


 Rezensionen zu Sachbüchern und Ratgebern auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Zuerst denken, dann klicken: die Fake-Jäger

Zuerst denken dann klicken. Mimikama Fake Jäger Buch. Rezension

Am Anfang ging es hauptsächlich um schlechte Scherze wie die angeblichen Tierfänger, wahlweise Organjäger, im weißen Bulli. Das war in einer Zeit, als auf Facebook noch hauptsächlich Privates gepostet wurde. Doch jemand kannte jemanden, dessen Freund eine Schwester hatte, der genau das passiert war … Die Fake-Jäger nahmen sich dieser Scherze an und klärten auf.

Dann entdeckten die Firmen das Netzwerk, Facebook wurde kommerzieller und die schlechten Scherze änderten sich entsprechend. Gewinne das neue I-Phone oder einen 500€ Gutschein von wem auch immer, wenn – ja wenn Du Dich nur zum Narren machst und diesen Beitrag teilst: so lautete der klassische Hoax in dieser Phase.

Die Fake-Jäger blieben dran, prüften und veröffentlichten sachlich und von Beweisen gestützt, was an diesen Geschichten und Verschwörungstheorien dran ist: nichts. Absolut gar nichts.

Wofür ich sie immer bewundert habe ist, dass sie auch bei den abstrusesten Storys wie Essig gegen Chemtrails neutral blieben und die, die daran geglaubt hatten, nicht lächerlich gemacht haben.

Genau dieser Tonfall prägt auch das Buch und genau deswegen liest es sich einfach großartig! Die geheimen Superkräfte der Fake-Jäger lauten Recherche und Humor. Beides setzen sie im Dienste der Aufklärung ein – für die Menschen, für ein menschliches Internet.

Doch was bietet das Buch, was nicht schon auf der Webseite stand?

Tatsächlich entdeckte ich ein paar Fakes, die ich noch nicht kannte. Doch warum sich dieses Buch auch für die Leser lohnt, die schon regelmäßig die Webseite Zuerst denken, dann klicken (Mimikama) besuchen oder der Facebook-Seite Zddk folgen, ist etwas ganz anderes.

Im Gegensatz zu den tagesaktuellen Beiträgen auf der Webseite können im Buch ganz anders Zusammenhänge und Querverbindungen aufgezeigt werden. Die Autoren nutzen das, um darzustellen, wie es kam, dass Facebook „auf einmal“ politisch wurde. Für die Fake-Jäger hängt das eng damit zusammen, dass deutsche Politiker der bürgerlichen Mitte 2013 das soziale Miteinander im Internet noch als #neuland bezeichneten:

Gerade durch diese Fehleinschätzung von höchsten Stellen und durch die daraus resultierende Vernachlässigung durch die Mitte der Gesellschaft haben die extremen Stimmen ein extrem wirkungsvolles Feld quasi kampflos überlassen bekommen.
Die Fake-Jäger S. 143

Auch einige der frühen Fakes enthielten Rassismus: der weiße VW-Bulli wurde angeblich von „Südländern“ gefahren, nachdem es zuvor Zigeuner waren, die dann später zu Rumänen wurden. Das war schon übel genug. Doch wie der Rassismus sich dann auf Facebook breit machte und für politische Manipulationen genutzt wurde, darauf waren wir nicht vorbereitet.

Über die sozialen Netzwerke hatten diese extremen Kräfte gleich Zugang zum intimsten Bereich ihrer bereits vorhandenen, aber auch der potenziellen Zielgruppen: dem privaten PC-Bildschirm in deren zuhause.
Dadurch erreichen Themen, die im Grunde kaum salonfähig sind, auf einmal Menschen …
Aus Mangel an Gegenargumenten und ohne Stimmen, die zur Besonnenheit mahnen, wirkt hier jede noch so krasse Theorie oder Behauptung plausibel.
Die Fake-Jäger S. 143/144

Doch die Fake-Jäger blieben auch jetzt, als es hässlich wurde und sie persönlich angefeindet wurden, dran. Danke dafür!

Warum ist das wichtig – auch für die, die Facebook nicht oder selten nutzen?

Wir können und dürfen nicht mehr zwischen „realer“ und „virtueller“ Welt unterscheiden … Die Realität diktiert das Virtuelle, das Virtuelle wirkt auf die Realität. Es ist quasi eins geworden. Aber das ist in den Köpfen vieler noch nicht angekommen.
S. 253

fake-jaeger-vorwort

Infos zum Buch: 

Tom Wannenmacher
Andre Wolf

Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann
ISBN: 978-3-8312-0441-0
Komplett Media

Nicht mehr lieferbar – aber die Arbeit wird auf der Website MIMIKAMA fortgeführt.


Die Fake-Jäger empfehlen das Buch „Hass im Netz“ von Ingrid Brodnig, das auch auf meiner Leseliste steht. Hier ein Interview mit der Autorin.


 Gleiche Baustelle, anderer Ansatz: Handbuch für gute Manieren im Netz. Hier meine Rezension:

Fürst Pückler – Bestseller-Autor zu Kaisers Zeiten

Biographie Fürst Pückler

Im Museum gewesen: „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“. Gleich danach im Museumsshop eine Biographie gekauft, weil mir der Mensch, um den es in der Ausstellung ging, fremd geblieben ist. Beim Lesen köstlich amüsiert, obwohl ich die Ausstellung ich als sehr theorielastig empfunden hatte. Doch das Museum ist unschuldig: es liegt am Menschen Fürst Pückler, der sich so gar nicht in eine Schublade zwängen lässt – und erst recht nicht in eine einzige Ausstellung.

Fürst Pückler war ein bunter Hund. Ein Adliger, der bis Mittags schläft, sich danach im Garten die Hände schmutzig macht, abends in orientalischer Kleidung tafelt und anschließend viele Briefe an Frauen jeglichen Alters schreibt. Wäre er Brite gewesen, hätte man ihn als Exzentriker bezeichnet.

Auch politisch saß er zwischen allen Stühlen und fühlte sich dort wohl. Dem jungen Deutschland stand er genauso nahe wie dem Kaiser und Bismarck. Regelmäßiger Gast in den Klatschspalten der Presse und Bestseller-Autor war er zudem auch noch.

Wie schreibt man zu Kaisers Zeiten einen Bestseller?

Wie hat man damals, zu Kaisers Zeiten Bestseller gemacht? Genau wie heute. Man nehme einen Autor, der entweder schon prominent ist oder einen Lebenswandel hat, über den sich gut in den Zeitungen schreiben lässt. Fürst Pückler hatte beides.

Schnell muss man sein. Das Buch muss erscheinen, solange noch über das Thema gesprochen wird. Fürst Pückler und sein Team haben zum Teil nur ein halbes Jahr gebraucht, um ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.

Natürlich muss ein Bestseller-Autor auch etwas zu erzählen haben und inspirieren können. An beidem bestand bei Fürst Pückler kein Mangel.

Ein Bestseller-Autor schreibt nicht alleine. Fürst Pückler wusste ein gutes Team hinter sich, die sich um mehr als nur das Lektorat gekümmert haben. Lucie, seine geschiedene Frau, die doch immer seine Lebensgefährtin blieb, hat alles schlüpfrige geglättet. Varnhagen strich alles allzu politische raus. Sein Verleger Hallberger sorgte dafür, dass das Buch schnell erschien.

Kalkulieren muss man können. Nur an einem Buch hat Fürst Pückler nichts verdient, da es viel zu opulent ausgestattet war. Mit den anderen Büchern hat er immer Schulden ausgleichen können, die durch seine Leidenschaft für Landschaftsgärten und seinen Lebenswandel entstanden sind.

Der grüne Fürst – eine gelungene Biographie

Heinz Ohff hat mit seinem Buch das geschafft, was der Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ nicht gelingen konnte: er hat mir den Menschen Fürst Pückler und seinen Charakter nahe gebracht. Amüsante und informative Lektüre, die ich gerne weiter empfehle.

Nur über Lucie, die trotz Scheidung ein Leben lang an Pücklers Seite blieb, würde ich zu gerne immer noch mehr wissen.

Weitere Angaben zur Biographie:

Heinz Ohff

Der grüne Fürst
Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau

Piper Verlag


Meine Eindrücke zur Ausstellung  „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ findet Ihr hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


Noch ein Exzentriker mit einer Leidenschaft für Landschaftsgärten: Lord Findlater

Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Marcus, Greil: Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Das Anliegen von Greil Marcus ist klar: es ist der Song, der zählt.

Nicht die Musikgeschichte, nicht die Wirkungsgeschichte und der Chart-Erfolg schon mal gar nicht. Hat der Song mehr als dieses gewisse Etwas? Hat er den richtigen Wumms? Führt er ein Eigenleben durch die Jahrzehnte hindurch?

Dann könnte es sich um einen jener Rock’n’Roll Songs handeln, die ein eigenes Energiezentrum darstellen. Songs, die nicht vom Künstler erschaffen wurden, sondern die sich einen Künstler gesucht haben, um hinaus in die Welt zu kommen. Transmission von Joy Divison ist ein solcher Song (mehr Gedanken zur Band Joy Division hier auf meinem Blog).

Doch dafür, dass der Song wichtiger ist als die Musikgeschichte, findet sich in dem Buch „Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs“ sehr viel zur Musikgeschichte. Für meinen Geschmack zuviel, zu wild und zu intuitiv verknüpft.

Weil es über die Band einen Musikfilm gibt und der Hauptdarsteller in einem anderen Film mitgespielt hat, in dem die Schlüsselszene von einem Song unterlegt wird, der sich auf ein Buch bezieht, das eine ähnliche Stimmung hat wie der größte Hit der Vorläuferband des Sängers …

Lektüre abgebrochen. Greil Marcus weiß alles über den einzelnen Song und seinen Kontext, aber er scheint sich wenig Gedanken über seine Leser und die Vorbildung, die diese mitbringen könnten, zu machen.


Bibliographische Angaben:

Greil Marcus

Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Übersetzt von Fritz Schneider

Reclam Verlag

ISBN: 978-3-15-011015-7 


Musikbücher, die mir besser gefallen haben, findet ihr in dieser Rubrik auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin: Musik – Gelesenes und Gehörtes


Hat mir deutlich mehr Spaß gemacht: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik von Martin Büsser. Hier meine Rezension:

Psychologie der Kunst: Wodurch Bilder wirken

Psychologie der Kunst - Sachbuch

Was will uns das Lächeln der Mona Lisa sagen und lächelt sie überhaupt? Ich hatte geahnt, dass sich darüber schon viele Menschen Gedanken gemacht hatten und hatte das bisher einfach ignoriert. Wie ich anscheinend überhaupt in den über 40 Jahren, die ich mir nun schon bewusst Kunst anschaue, vieles ignoriert habe.

Psychologie der Kunst? Dieses Themengebiet war mir neu.

Ob die Mona Lisa nun lächelt wird auch dieses Mal nicht endgültig geklärt. Doch den Exkurs über das Lächeln in der Kunstgeschichte – tendenziell eine Erfindung der Neuzeit – fand ich hochinteressant. Auf Bildern gelächelt haben früher fast nur Madonnen. Warum das so ist und was ein Lächeln beim Betrachter auslöst – das zu erkunden, lädt das Buch ein.

Es ist ein Studienbuch, ein Sich-Gedanken-mach-Buch. Eines, das Anregungen gibt, Querverbindungen herstellt und den Stand der Forschung zusammenfasst. Jedes Kapitel endet mit der Aufforderung zu praktischen Übungen.

Was empfinden wir überhaupt als schön? Muster, Farbigkeit, Rhythmus und Wiederholung spielen hier eine große Rolle. Das wiederum erklärt, warum auch Menschen, die keine moderne Kunst mögen, sich eher mit Mondrian als mit Pollock anfreunden können.

Wie verhalten sich Besucher in Ausstellungen? Männer anders als Frauen. Wie lange schauen sie sich Bilder an? Erschreckend kurz. Auch dazu gibt es Forschungen und auch das ist ein Teilgebiet der Kunstpsychologie.

Warum sammeln Menschen Kunst? Statussymbol, Glücksgefühle – was ist wirklich entscheidend? Kunst von Geisteskranken oder zustandsgebundene Kunst – welcher Ausdruck ist nun passender? Und kann Kunst eine Therapie ersetzen? Wenn ja – für den Künstler oder für den Betrachter?

Ich mag die Herangehensweise des Buches. Viele Fragen, viele Anregungen, viele Querverbindungen und viel Raum zum eigenen Erkunden.


Weitere Angaben zum Buch:

Martin Schuster
Manfred Koch-Hillebrecht

Wodurch Bilder wirken
Psychologie der Kunst

Neuauflage 2016

Dumont Buchverlag
ISBN 978-3-8321-6345-7

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Weitere Buchempfehlungen auf meinem Blog:

Übungen, sich Kunst mit wirklich offenem Geist anzuschauen, findet ihr in diesem Buch:

Fast pefrekt: warum die Suche nach Perfektion Langeweile auslöst

Sachbuch Perfektionismus: Fast pefrekt

Fast pefrekt. Kein Tippfehler, sondern eine Lebenseinstellung. Wobei damit etwas anderes als „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ gemeint ist.

Fast pefrekt lädt zum lustvollen Scheitern ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur aus Misserfolgen wirklich Kreatives entstehen kann. Irgendwann. Nach vielen missglückten Anläufen. Nur, wer nimmt sich die Zeit für diese Umwege?

Wer Perfektion anstrebt neigt dazu, nachzuahmen, was schon existiert. Eine bestehende Meßlatte wird übertragen. Wie soll da Neues entstehen? Und wo bleibt der Spaß, der Spieltrieb, das lustvolle Ausprobieren?

Ausprobieren beinhaltet nun mal Scheitern. Das muss man aushalten können. Eric Kessels motiviert, in dem er den Blick auf das Unerwartete, das Schöne, das Geniale lenkt, das nur durch Ausprobieren und den Maßstäben nicht genügen entstehen kann – zB. wenn beim Fotografieren der Finger vor der Linse war.

Hätte ich raten sollen, welcher Verlag Fast pefrekt veröffentlicht hat, hätte ich sofort Hermann Schmitt geantwortet. Es ist aber Dumont. Das macht mich neugierig: planen die noch mehr in dieser Art?

Aber warum sind die Schwarz-Weiß-Fotos so pixelig? Gehört das so und ist Teil des Konzepts, den Leser zum Unperfekten zu ermutigen?

Ich sehe: fast pefrekt als Konzept lässt sich auch als Leser nicht von heute auf morgen umsetzen! Ich werde üben. Und das Buch einfach noch einmal lesen. Beim ersten Mal hatte ich nämlich keinen Stift für Anstreichungen zur Hand. Wie unperfekt von mir! Dabei ist es voll von Lieblingszitaten wie diesem hier:

Wenn Sie sich nicht mindestens einmal täglich wie ein Idiot fühlen, sollten Sie weniger arbeiten und mehr spielen.
Fast pefrekt – S. 129

Fast pefrekt Info
Fast pefrekt – Cover und Klappentext sind beim Buch vertauscht. Wieviele Menschen wohl das Buch deswegen umtauschen wollten?

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Angaben zum Sachbuch:

Erik Kessels

Übersetzt von Sofia Blind

FAST PEFREKT
Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.

Dumont Verlag


Das Perfekte ist der Feind des Guten. Befreien Sie sich von der Tyrannei der Perfektion!
S. 88


Perfekt unperfekte Sachbuch-Rezensionen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Auch dieses Buch zeigt, dass perfekt nicht immer die beste Lösung ist: Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren.
Hier meine Rezension:

Schöner wandern in Franken mit Graupelschauern

Fotos von den Wanderungen in Franken
Wandern in Franken im April 2016

Graupelschauer. Für diese Form des Niederschlag habe ich im Franken-Urlaub im winterlichen Frühling 2016 eine besondere Vorliebe entwickelt.

Graupelschauer prallen von der Regenjacke ab. Dabei wird man nicht nass. Einfach weiterlaufen bis zum nächsten Gasthof und dort wieder aufwärmen.

Geplant war ein Wander- und Biergartenurlaub; es wurde ein Wander-und Bierurlaub. Doch dank der Graupelschauer konnten wir trotz des unerwarteten Kälteeinbruch sehr viel wandern.

Bei der Urlaubsplanung und beim Finden der Wanderrouten geholfen haben diesmal diese Reiseführer aus dem fränkischen Ars Vivendi Verlag:

  • Fundort Sagen und Legenden in Franken. 30 Freizeittouren für Entdecker
  • Der Städte-Verführer Metropolregion Nürnberg

Pünktlich nach meinem Franken-Urlaub war dann auch der Bierführer lieferbar:

Wandern in Franken:
bergauf, bergab und wieder hinauf und wieder hinab

Ars Vivendi ist kein Reiseführer Verlag, verlegt aber Regionalia, nach denen man reisen kann. Diese Unterscheidung musste ich als Leserin stets im Hinterkopf behalten. „Fundort Sagen und Legenden in Franken“ enthält wenig Kartenmaterial, aber viel Geschichten, Anekdoten, Sagen und Wissenswertes zur Landschaft und zur Geschichte Frankens.

In diesem Buch habe ich mir die Anregungen und Inspirationen für wunderschöne Wandertouren gesucht. Danach habe ich mir eine Landkarte daneben gelegt und versucht, herauszubekommen, wie die Route verläuft. Oder ich habe gleich bei Outdooractive geschaut, ob es dort eine Wandertour gibt, die genau die beschriebenen Sehenswürdigkeiten beinhaltet.

Dabei sollte man die Angaben zu den Höhenmetern gut im Blick haben. Auch wenn die Berge in Franken nicht hoch sind, kommt im Laufe einer Wanderung doch einiges an Höhenmetern zusammen. Hinauf auf die Burg, hinab ins Tal und wieder bergauf zu den Felsformationen und wieder bergab zum Brauereigasthof – das ist eine typische fränkische Wanderroute.

Auf jeden Fall habe ich dank des Reiseführers „Fundort Sagen und Legenden in Franken“ wunderschöne Täler, Felsformationen und Burgen entdeckt und dabei jede Menge Schauergeschichten gelesen. Mein Traum wäre jedoch genau so ein Buch mit den GPS-Daten zur Tour zum Herunterladen.

Metropolregion Nürnberg:
Groß denken und die Kleinstädte nicht vergessen

Ich spotte gerne über den inflationären Gebrauch des Begriffs Metropolregion Rhein Neckar. Kaum eine amtliche Verlautbarung oder Pressemeldung, in der nicht auf diese großartige und innovative Region hingewiesen wird. In Zukunft werde ich weniger spotten, denn die Ausdehnung der Metropolregion Nürnberg reicht bis nach Sonneberg in Thüringen. Das nenne ich mal groß gedacht beim Thema Kleinstädte!

Damit umfasst der Reiseführer „Metropolregion Nürnberg“ ein Gebiet, das kaum jemand in einem Urlaub komplett bereisen wird.

Schön finde ich an diesem Buch, das hier auch über die kleinen Städte geschrieben wird, die in den klassischen Reiseführern immer zu kurz kommen. Das Tropfhaus Museum bei Hirschaid zum Beispiel hätte ich sonst nie entdeckt.

Dieser Reiseführer ist ideal, um zu entscheiden, ob es sich lohnt, die Stadt am Wegesrand zu besuchen. Aber auch hier wäre etwas mehr Kartenmaterial von Vorteil.

Ganz Franken ein einziger Brauereigasthof

Vor einiger Zeit habe ich Craft Beer für mich entdeckt. Würde ich in Franken leben, wäre mir das nicht passiert. Ganz ehrlich: ein Franke braucht kein Craft Beer. Das ist nur was für arme Großstadt-Kinder wie mich, die sonst nie an vernünftiges Bier mit Eigengeschmack kämen.

Gefühlt hat jedes fränkische Dorf noch seinen eigenen Gasthof mit Brauerei. Jedes Bier schmeckt anders, keines davon wie eines aus einer Großbrauerei und fast jedes Bier ist nur vor Ort zu bekommen. Ein Paradies!

33 Biere. Eine Reise durch Franken“ stellt genau solche Brauereigasthöfe vor. Sehr vergnüglich liest sich dieses Buch, das mehr ein Bier-Tagebuch als ein informativ-sachlicher Reiseführer ist. Ich werde es bei meinem nächsten Urlaub in Franken garantiert dabei haben, denn noch kenne ich nicht alle Brauereien.

Allerdings wäre es mir recht, wenn ich das nächste Mal nicht die Kachelöfen der Gasthöfe bewundern würde, sondern die Biergärten. Lieber fränkischer Wettergott, wäre das möglich?

Mehr Infos zu den Büchern und weitere Regionaltitel Franken beim Ars Vivendi Verlag


 Gibt es eigentlich ein Definition für Wandern? Dieses Buch hat die Antwort: Wandern. 100 Seiten

Limo, Fassbrause und Brausepulver selbstgemacht

Kochbuch Limo Spritz und Brause selbstmachen

So beginnt eines der Rezepte aus dem Buch „Limo, Spritz & Brause“: Für die Limetten-Minze-Limonade nehme man 1,1 Liter Wasser und 700 g hellen Rohrohrzucker …

An diesem Satz bin ich aus zweierlei Gründen hängen geblieben. Einmal, weil es eine Weile gedauert hat, bis ich die Buchstaben in Rohrohrzucker richtig sortiert hatte: Roh-Rohrzucker.

Der zweite Grund war die schiere Menge an Zucker: 700 Gramm für 1,5 Liter Sirup. Ein Wellness-Aromawasser ist das nicht. Limonade ist hier eine ernste Angelegenheit.

Doch es gibt auch eine Kräuterlimonade, die mit 2 EL Honig und 250 ml Apfelsaft auskommt. Oder eine Johannisbeer-Melonen-Limo, für die 3 EL Agavendicksaft verwendet werden. Klar, all das ist auch Zucker. Doch vielleicht sollte ich erst einmal mit diesen Rezepten starten, denn diese Mengen sorgen nicht für ganz so viel Unruhe unter meinen inneren Ernährungsberatern.

Dabei ist das Prinzip ganz klar: zum Durstlöschen ist Wasser immer besser geeignet. Diese selbstgemachten Limos sind Genussmittel, hergestellt aus frischen, saisonalen Zutaten ohne Konservierungsstoffe. Sie sind nicht dafür gedacht, literweise hinuntergestürzt zu werden. So betrachtet passt für mich die Zuckermenge auch wieder.

Ob Limo, Spritz oder Fassbrause: Basis aller Rezepte ist immer ein selbst hergestellter Sirup, der dann mit Wasser oder Mineralwasser, Sekt, Prosecco oder alkoholfreiem Bier aufgegossen wird. Für einige Rezepte wurde sogar ein Brausepulver selbst hergestellt. Dass das möglich ist, wusste ich noch nicht. Die geheime Zutat hierfür heißt Natron. Da bekommt die Ahoi-Brause, die ich als Erwachsene immer noch liebe, glatt Konkurrenz.

Alle Getränke sind so schön fotografiert, dass ich jetzt sofort raus in meinen Garten will, um dort ein Glas selbstgemachte Limo zu genießen. Allein, es regnet gerade. Irgendwas ist halt immer!


Angaben zum Kochbuch:

Hildegard Möller

Limo, Spritz & Brause
Prickelnde Getränke zum Selbermachen


Rezension bei Janetts Meinung

Thorbecke Verlag
ISBN: 978-3-7995-1025-7 (nicht mehr lieferbar)

Derzeit nur als E-Book erhältlich


Ich bin eine leidenschaftliche Kochbuch-Leserin. Nicht unbedingt eine Rezepte-aus-Kochbüchern-Nachkocherin. Das solltet Ihr bei den Kochbuch-Rezensionen auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin bedenken!


Mein Kampf gegen rechts – Sachbuch-Empfehlung

Sachbuch Mein Kampf gegen rechts Interviews

Vor allen Dingen bin ich froh, dass meine Oma nicht mehr mitbekommt, dass ich das Buch „Mein Kampf gegen rechts“ lese; dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der ich es für nötig halte, ein solches Buch zu lesen.

Genau wie das Ergebnis der Landtagswahl 2016, bei der die AfD ein Direktmandat im Mannheimer Norden holte, hätte sie meine Lektüre mit einem energischen Kopfschütteln kommentiert und sich gefragt, ob die Menschen wirklich so dumm sind, dass sich Geschichte wiederholen könnte.

Manche der Aktivisten, die in dem Buch „Mein Kampf gegen rechts“ vorgestellt werden, fragen sich das auch. Andere denken sich nur „Das kann man so nicht lassen“ und wieder andere sind einfach in diese Diskussionen, Grabenkämpfe und Unaushaltbarkeiten hineingeraten.

Allen gemeinsam ist, dass sie sich Gedanken machen, Stellung beziehen, sich sichtbar machen und aktiv werden: Schulklassen nach Polen in die KZs begleiten, mit Jugendlichen diskutieren, die mit den Neonazis liebäugeln, Gegendemos organisieren, Flüchtlingen helfen oder rechtsradikale Aufkleber und Schmierereien entfernen. Es gibt viel zu tun; jeder macht das, was er kann. Einfach so, weil er oder sie es für nötig hält.

Hätte ich nicht einfach irgendwann aufgehört, mir Sätze anzustreichen, wäre es ein Buch mit sehr, sehr vielen Markierungen geworden. Bemerkenswerte Aussagen, die lange nachwirken, gibt es viele in diesem Interview-Band. Die Aussagen wirken, weil sie direkt, ungeschliffen und unintellektuell daher kommen und weil sie die persönliche Betroffenheit in einer größeren Kontext stellen.

So wie der Journalist Hernán D. Caro, der von den vielen kleinen und etwas größeren Ausgrenzungen erzählt, die er als Kolumbianer mit leicht dunklerer Haut erlebt:

Alle, die sich je aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder irgendwelcher anderer kultureller Eigenschaften reduziert gefühlt haben, wissen, von welcher Erfahrung ich spreche. Nicht nur Ausländer werden als „fremd“ wahrgenommen.
S. 27 – Mein Kampf gegen rechts

Gerade er kann wunderbar berichten, was für Auswirkungen diese Ausgrenzung hat:

Die Gefahr und die destruktive Kraft der Ausgrenzung, sei diese verhalten oder gewalttätig, ist groß: Derjenige, der zum Fremden erklärt wird, definiert sich womöglich selbst früher oder später genauso. Er zieht sich freiwillig in eine Parallelwelt zurück.
S. 31

Wenn das passiert, scheitert die weltoffene, tolerante Gesellschaft, in der ich leben möchte.

Doch warum dieser martialische Titel „Mein Kampf gegen rechts“? Das fasst Sascha Lobo in seinem Vorwort sehr treffend zusammen:

… Mein Kampf (ist) eine alte Erzählung, die nie wieder aufleben darf. Diese Erzählung muss deshalb immer wieder gebrochen werden, sie muss gebrochen bleiben. Das lässt sich auch mit dem Versuch bewerkstelligen, dem ursprünglichen Autor die Deutungshoheit über den Titel streitig zu machen: mit einer neuen Erzählung.
S. 18

„Mein Kampf gegen rechts“ ist jedoch mehr als nur ein Versuch. Es ist eine sehr gelungene, überzeugende Zusammenstellung von Interviews, die Menschen sichtbar macht, die aktiv geworden sind. Ein Buch, dass sich durchaus als Schullektüre eignet und ein Buch, das mir persönlich die Hoffnung zurück gibt, dass jede kleine Handlung hilft, und dass wir verhindern können, dass sich Geschichte wiederholt.

Denn sollte ich meine Oma eines Tages wiedersehen, möchte ich ihr sagen können: Diesmal haben wir es verhindert, denn die Menschen haben doch aus der Geschichte gelernt.


Angaben zum Buch:

Herausgeber: Gesicht zeigen!
Für ein weltoffenes Deutschland e.V.

Mein Kampf gegen rechts

Europa Verlag


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