Sich gesund schreiben – ein 12-Wochen-Programm

Sich gesund schreiben - ein Ratgeber. Anhand von klaren und motivierenden täglichen Schreibimpulsen lernen wir, die Warnsignale unseres Körpers wieder als solche wahrzunehmen, einen guten Umgang mit körperlichen und psychischen Beschwerden zu finden und zugleich zu erkennen, was uns gesund und ausgeglichen macht.

Schreibend sich selbst erkunden, um so einen Heilungsprozess einzuleiten: Darum geht es in dem Buch „Ich schreibe mich gesund“ von Prof. Dr. med. Silke Heimes. Sie hat ein 12-Wochen-Programm mit Schreibimpulsen für jeden Tag entwickelt. Anhand klarer Fragen wird das eigene Befinden und Empfinden erkundet mit dem klaren Ziel, sich gesund zu schreiben. Dabei wechseln sich sehr konkrete Fragen ab mit offenen Einladungen. So wird mal der Ist-Zustand erkundet, mal ungenutzte Ressourcen erforscht und mal eine Vision von einem gesünderen Ich entwickelt.

Sie gehen am Abend ins Bett und über Nacht geschieht ein Wunder, sodass ihre Beschwerden am nächsten Morgen verschwunden sind. Woran merken Sie das? Woran merken es andere? Was wäre anders in ihrem Leben? Sie stehen auf und …

Ich schreibe mich gesund – S. 104

Das ist einer der offeneren Schreibimpulse. An den meisten Tagen klingt das eher so:

Welche alten, wenig förderlichen Glaubenssätze konnten Sie in der letzten Woche bereits über Bord werfen?

Ich schreibe mich gesund – S. 149

Das ist klug konzipiert, engt mich persönlich aber zu sehr ein. Mir liegt das intuitive Schreiben, wie es France Gauthier in ihrem Ratgeber vorstellt, doch mehr.

Infos zum Buch:

Prof. Dr. med. Silke Heimes

Ich schreibe mich gesund
Mit dem 12-Wochen-Programm zu Gesundheit und Ausgeglichenheit


DTV Verlag

Wirte und Stammtischler, Brauer und Köche: in fränkischen Wirtshäusern

In fränkischen Wirtshäusern
19 ausgewählte Wirtshäuser in Ober-, Mittel- und Unterfranken. Buch mit Lebensgeschichten von Wirten und Wirtinnen

Wer das Buch „In fränkischen Wirtshäusern“ liest, muss sich auf lange Dialekt-Passagen einstellen und damit etwas mitbringen, was den Wirten allesamt wichtig zu sein scheint: Zeit. Man mag Gäste, aber nicht jeden Gast.

Reingehen, essen, ein Bier trinken und weiter – das geht gegen die Ehre eines fränkischen Wirts. Dafür macht er den Job nicht. Wahrscheinlich würde er seine Tätigkeit auch nicht als Job bezeichnen. Wirt, Wirtin – das IST man. Sonst funktioniert es nicht.

Natürlich gab es auch in Franken ein Wirtshaus-Sterben. Für mich als Urlauberin fühlte es sich nicht so an, denn es ist immer noch eine beeindruckende Vielfalt an Brauereien und Gaststätten übrig.

Tommie Goerz nahm die harte Recherche-Arbeit auf sich und hat eine Auswahl an typisch fränkischen Wirtshäusern zusammengestellt. Es klingt, als hatte er Spaß dabei. Sein Buch ist jedoch kein Reiseführer für Franken-Urlauber. Er stellt die Lebensgeschichte der Wirte und Wirtinnen in den Mittelpunkt. Wenn sie es denn zulassen. Nicht jeder von ihnen ist es gewohnt, über sich selbst zu reden. Aber Tommie Goerz hat Geduld, Spaß an großen Essens-Portionen und ist bereit, im Rahmen seiner Recherche mehr als ein Bier zu trinken – kurz: Er kennt den Weg in das Herz der Wirtsleute.

Die Geschichte hinter den Wirtshausgeschichten

Dass es in Franken einst in jedem Dorf mindestens eine Wirtschaft gab, ist einer Zeit geschuldet, in der Familien mehr als ein wirtschaftliches Standbein brauchten, um durchzukommen. Das klingt in den Erzählungen, die mal mehr oder weniger launisch daher kommen, immer durch. Ein anderes wiederkehrendes Muster ist „Ich bin ja schon in der Wirtschaft groß geworden, also bin ich Wirt geworden.“

In einigen Wirtshäusern steht schon längst nicht mehr die Mutter am Herd, sondern der Sohn, der bei Sterneköchen gelernt. Nachdem er die weite Welt kannte, hat er sich bewusst entschieden, wieder zuhause im Wirtshaus zu arbeiten. Als Gast können wir uns also sehr sicher sein: Egal wo wir in Franken einkehren, Wirt und Wirtin haben immer eine interessante Lebensgeschichte, die es zu erzählen wert wäre. Wenn sie denn mal über sich reden würden, denn:

„Wemmir in soam Buch senn, ner kumme bloß die Leud.“

Aus dem Vorwort – Tommie Goerz, In fränkischen Wirtshäusern

Infos zum Buch:

Tommie Goerz

In fränkischen Wirtshäusern
19 ausgewählte Wirtshäuser in Ober-, Mittel- und Unterfranken


Mit Fotografien von Walther Appelt

Ars Vivendi Verlag

Passt bestens dazu: In 33 Bieren durch Franken


Was wäre, wenn die Architektur ein Geheimnis verbirgt?

Graphic Novel von Lucas Harari über die Therme von Vals von Peter Zumthor

Wenn ich jetzt schreibe, dass die Graphic Novel „Der Magnet“ von Lucas Harari ein Thriller ist, verrate ich schon fast zu viel. Andererseits hilft diese Schubladisierung dem Leser auch nicht weiter, da sie das Geheimnis der Geschichte nicht umfassend beschreibt. Also kann ich das erstens hier stehen lassen und zweitens einen neuen Ansatz suchen.

„Der Magnet“ von Lucas Harari ist eine genauso minimalistische wie atmosphärisch dichte Graphic Novel für Menschen, die bereit sind, sich ganz und gar auf einen Ort einzulassen. Die wissen, dass der Boden, auf dem ihr Haus steht, eine Geschichte hat. Die sich fragen, was Mauern schon alles erlebt haben, und die bereit sind, ihnen zuzuhören.

Also was nun? Mystery-Thriller oder spirituell-sinnliches Erlebnis? Beides. Auf jeden Fall mehr als nur eine Hommage an die beeindruckende Architektur der Therme von Vals, entworfen von Peter Zumthor. Ich wollte da mal hin. Alleine die Schweizer Preise ….

Aber jetzt weiß ich nicht mehr so genau, ob ich bereit wäre, einen Tag in der Therme zu verbringen. Es wird eine Weile dauern, bis ich diese Geschichte losgelassen habe. Was wäre, wenn sich auch bei mir die Mauern bewegen würden? Sind die 100 Jahre schon wieder um? Würde ich den Schlund des Berges spüren? Will ich es wirklich wissen?

Ich glaube, nein. Statt in das Wasser der Therme von Vals tauche ich lieber noch einmal in diese Graphic Novel ein. Und noch einmal. Und …

Und wann wird schon mal ein Comic auf einem Architektur-Blog besprochen?

Infos zum Comic:

Lucas Harari

Der Magnet
aus dem Französischen von Christoph Schuler
handgelettert von Michael Hau

Edition Moderne

Mehr Comic-Tipps auf meinem Blog.

Ein gut getarntes Lehrbuch der Hauswirtschaft – lässig und nützlich

Fast ein Lehrbuch der Hauswirtschaft: Und FERTIG!
Zeit, Geld und Nerven sparen im Haushalt – Das Willicks-Prinzip

Dieses Buch teilt das Schicksal vieler Ratgeber: Es wird häufiger gelesen als darüber gesprochen und geschrieben wird. Ob Fußpilz, Haushaltsführung oder versterbende Zimmerpflanzen: Einen Ratgeber liest man, weil man ein Defizit verspürt. Wenn es sich dabei um ein schickes Thema wie Female Empowerment oder Anti-Rassismus handelt, zeigt man noch gerne: Ich empfinde einen Mangel und ich möchte ihn beheben. Doch wer mag schon Nachholbedarf bei grundlegenden Hauswirtschafts-Themen wie Putzen oder Wäsche waschen zugeben?

Ich bin jetzt über 50 und gestehe, dass es immer noch genug Arbeiten im Haushalt gibt, die ich schneller, besser oder einfach nur geschickter erledigen könnte. Dazu kam, dass ich während der Corona-Krise mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbrachte und mir Stellen auffielen, die ich sonst übersehen habe. Spinnweben im Treppenhaus, ehemals weiße Fugen in der Dusche und Konserven, die ich einem Museum spenden könnte – in der Phase habe ich sie alle gefunden.

„Und fertig! Zeit, Geld und Nerven sparen im Haushalt“ von Yvonne Willicks kam also für mich genau richtig. Im Prinzip ist es ein gut getarntes Schulbuch, ein lässig daher kommendes Lehrbuch der Hauswirtschaft. Leichter putzen und Wäsche waschen, Ordnung halten, geplant Einkaufen und Vorräte anlegen aber auch einfache Handarbeiten wie Löcher stopfen und kleine Reparaturarbeiten im Haushalt – das sind die Themen. Dabei geht sie auch auf Fragen des Umweltschutzes ein und gibt Tipps für eine nachhaltigere Haushaltsführung.

Ein Grundlagenwerk, das ich gerne damals schon, als ich in meine erste eigene Wohnung zog, gehabt hätte. Aber Tipps für Erleichterungen und Vereinfachungen nehme ich auch heute noch gerne an!

Infos zum Ratgeber:

Yvonne Willicks

Und fertig!
Zeit, Geld und Nerven sparen im Haushalt

Becker Joest Volk Verlag

„Nichts führt schneller zum Ziel, als es gleich richtig zu machen“ ist das Motto des Ratgebers. Und das hier mein Lieblingsbild:

Boden wischen und sich dabei nicht verlaufen!

Und auch bei der Hausarbeit gilt: einatmen – ausatmen nicht vergessen!

Mehr Tipps zu Sachbüchern & Ratgebern findet ihr in dieser Facebook-Gruppe!

Was wäre, wenn eine Welt drei Sonnen hätte?

Nein, ich werde erst gar nicht versuchen, eine Rezension zu Cixin Lius „Die drei Sonnen“ zu schreiben – ich würde mich eh nur verheben. Um dieses Werk einzuordnen, kenne ich mich einfach zu wenig mit Science Fiction aus. Der Vergleich mit Arthur C. Clarke erscheint mir schlüssig und ich kann mir gut vorstellen, dass es sich um einen Meilenstein der Science-Fiction-Geschichte handelt. Mich hat das Buch auf jeden Fall beeindruckt!

Was mich aber fast noch mehr fasziniert ist ein Leseerlebnis, das ich offensichtlich mit vielen anderen teile. Nach 100 Seiten sollte man doch eigentlich wissen, ob einem ein Buch gefällt, oder? Ich wusste es nicht. Und war damit offensichtlich nicht allein – andere Buchbloggerinnen berichteten ähnliches.

Aber eines wusste ich nach 100 Seiten auf jeden Fall: Ich will weiterlesen! Jeden Abend dachte ich mir: Und mit welcher Wendung überrascht er mich dieses Mal? Grundsätzlich kam es anders, als ich dachte. Doch jedes Mal war ich fasziniert von der neuen Facette, die der Autor damit seiner Geschichte hinzufügte. Selbst wenn man ihm nicht bei allen physikalischen Spitzfindigkeiten folgen mag oder kann, funktioniert sein Plot bestens. Ein Lesevergnügen und nein, ich werde mir die geplante Verfilmung nicht anschauen. Wozu auch – „Die drei Sonnen“ ist Kopfkino pur!

Und wer jetzt doch noch eine Rezension zu „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu lesen will und vielleicht auch wissen will, was wäre, wenn eine Welt drei Sonnen hätte – bitte hier entlang:

Vom Reiz einer richtig guten Bausünde

Architektur-Bildband: Die Kunst der Bausünde von Turit Fröbe

„Die klassische deutsche Bausünde ist besser als ihr Ruf!“ Das ist noch einer der harmloseren Sätze aus dem großartigen Bildband von Turit Fröbe, der mich nicht nur wegen der exquisiten Auswahl an unglaublich seltsamen Gebäuden, sondern auch wegen seiner scharfzüngigen Architektur-Analysen begeistert.

Turit Fröbe hat offensichtlich ein großes Herz für Häuser, die unseren Blick stören. Für Anbauten, die sich nicht einfügen. Für Fassaden, bei denen sich manch ein Betrachter nach alten Fachwerk-Zeiten zurücksehnt. Sie nicht, denn

„Eine gut gemachte, originelle Bausünde zeichnet sich durch Mut, Einfallsreichtum und eine beherzte Entschlossenheit aus. Sie verfügt über eine herausragende Bildqualität und hebt sich souverän aus dem Meer der gesichtslosen, allgegenwärtigen Banalitäten ab, da sie einen guten Wiedererkennungswert garantiert und bei genauerer Betrachtung sogar eine gewisse Schönheit und einen ureigenen Charme besitzt.“

Turit Fröbe – die Kunst der Bausünde
Aus der Einleitung, S. 8

Ich mag ihren Blick auf unsere Städte sehr. Ja, bei vielen der in dem Buch versammelten Scheußlichkeiten schüttelt es mich – aber sie sind mir immer noch lieber als die charakterlosen weißen Würfel, die unter dem Begriff „Stadtvilla“ gebaut werden. Oder die Büro-Architektur mit monumentalen Fassaden und Schießscharten-Fenster. Ganz zu schweigen von dem pseudo-postmodernen Nachbargebäude, das angeblich zu den Gründerzeit-Villen in meiner Straße passen soll, und dass man drei Schritte weiter schon wieder vergessen hat. Da gleitet das Auge ab – an einer guten Bausünde hingegen bleibt es hängen und der Blick wird geschärft. Und vielleicht führt ja der geschärfte Blick eines Tages zu einer anderen Art des Städtebaus?

Bis dahin lese ich weiter die Bücher von Turit Fröbe. „Alles Fassade? Das Bestimmungsbuch für moderne Architektur“ kann ich sehr empfehlen – ich habe es hier besprochen. Und ihr Abrisskalender ist ein besonderes Vergnügen – alle, die sich mit den Bausünden beim besten Willen nicht anfreunden können, dürfen hier Tag für Tag eine abreißen!

Infos zum Buch:

Turit Fröbe
Die Kunst der Bausünde

Dumont


Interview mit Turit Fröbe beim Deutschlandfunk: „Der Architektur wird nichts mehr zugetraut“

Für das Buch-Foto musste ich gar nicht weit laufen, denn genau wie Turit Fröbe sagt:


„Den größten Reichtum an Bausünden bieten Einfamilienhaussiedlungen. Sie sind nicht von der übergeordneten Bausündenpolitik abhängig, sondern allein vom individuellen Gestaltungswillen der einzelnen Bewohner.“

Turit Fröbe – Die Kunst der Bausünde
S. 131

Heimaturlaub: 101 deutsche Orte

101 deutsche Orte die man gesehen haben muss. Sachbuch und Reiseführer.

101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss – ein solcher Titel löst wohl automatisch reflexartiges Zählen aus.

An wie vielen Orten war ich schon? Wohin haben mich meine Eltern geschleppt, offensichtlich gegen meinen Willen, wie Familienfotos beweisen? Was davon steht immer noch auf meiner Reise-Wunschliste?

Aber halt, Reflexen muss man nicht gleich folgen. Vor dem Zählen sollte man prüfen, ob die Auswahl überhaupt für einen passt. Ist das überhaupt mein Buch über Deutschland?

Es ist. Für mich ist die Auswahl an Sehenswürdigkeiten, Städten und Naturdenkmälern sehr stimmig, denn es geht in diesem Buch um Orte, die eng mit der deutschen Geschichte verbunden sind. Oder um solche, die typisch deutsch sind. Um Orte, zu denen man die Austauschstudentin mitnehmen würde. Oder um Sehenswürdigkeiten, an denen Deutschland … zu spüren ist.

Jeder Ort bekommt eine Doppelseite. Das ist nicht viel. Und doch gelingt es Bernd Imgrund mit gerade einer Seite Text und zwei, drei Fotos das Typische eines Ortes herauszuarbeiten, die Atmosphäre einzufangen und die kulturhistorische Bedeutung zu vermitteln.

Und wie viele von den 101 deutschen Orten, die man seiner Meinung nach gesehen haben muss, habe ich nun wirklich gesehen? 66.

Die erstaunlich hohe Quote habe ich einerseits meinem Vater zu verdanken, dem Auslandsreisen eher suspekt waren. Wozu in die Ferne schweifen, wenn man noch nicht alles in Deutschland gesehen hat? Diesen Forschergeist habe ich mir bewahrt. Meine Reiserouten durch Deutschland ähneln dem Netz einer Spinne auf LSD, die versucht, deutsche Orte zu verknüpfen. Derzeit suche ich eine Route nach Kiel, die Städte und Sehenswürdigkeiten enthält, die ich noch nicht kenne. Hat jemand Vorschläge?

Infos zum Buch:

Bernd Imgrund
101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss

WBG
– Wissenschaftliche Buchgesellschaft


Die Reiserouten einer Spinne auf LSD habe ich hier schon einmal beschrieben:
1000 Places to see before you die – Deutschland, Österreich, Schweiz

Aber warum fahren Menschen überhaupt in Urlaub? Das erklärt dieses Buch:

So klappt’s mit dem Welt retten: enkeltauglich leben

Ratgeber enkeltauglich leben

Enkeltauglich leben – das war die Formulierung in der Klima-Debatte, bei der ich Hoffnung schöpfte. Mit diesem emotionalen und nach vorne gewandten Begriff muss doch jeder verstehen, worum es geht!

Ganz so kam es dann doch nicht. Aber „enkeltauglich Leben“ ist immer noch ein Begriff, der Menschen in ihren Bemühungen vereint. Gleichzeitig ist „Enkeltauglich Leben“ eine Initiative, die im Graswurzel-Stil versucht, die Welt zu retten. Jede kleine Aktion hilft – und dieses Handbuch zur Initiative ist voll von kleinen Aktionen, die sich leicht umsetzen lassen!

Das ist die Stärke des Büchlein „So klappt’s mit dem Welt-Retten“ von Antje Haider-Waller und ihrer Tochter Mona Haider: Es ist eine kompakte Zusammenfassung von Lebensstil-Veränderungen, die dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dabei geht es eben nicht nur um die Natur und das Klima, sondern eben auch um den Menschen und seine Enkel, die ein Teil von allem sind.

Das zeigt sich in den Themen, die in dem Kompaktratgeber behandelt werden. Natürlich gibt es viele konkrete Tipps zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit in den Bereichen Kochen und Essen, Wohnen, Mobilität und Finanzen. Aber es geht eben auch um Menschenwürde, Solidarität, Mitbestimmung und Demokratie. Enkeltauglich leben ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Lebensstil-Veränderung – kompakt, knackig, motivierend!

Infos zum Ratgeber:

Antje Haider-Waller und Mona Haider

So klappt’s mit dem Welt-Retten
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Mankau Verlag

(Natürlich auf Recyclingpapier gedruckt)

Rezension bei Vigeno.

Übrigens ist dieses Buch nicht nur ein Ratgeber, sondern auch ein Spielleiter-Handbuch, das alles enthält, um eine Ortsgruppe der Initiative „Enkeltauglich Leben“ zu gründen und zu führen!

Zum Abschluss zwei Buch-Tipps von mir – für Welt-Retter und Querdenker:

Gutmensch, Frühsexualisierung, Tag X: Rechte Wörter.

Rechte Wörter
VON „ABENDLAND“ BIS „ZIGEUNERSCHNITZEL“ . Sachbuch.

Ich hatte lange gehofft, dass ich mich nicht intensiver mit rechter Ideologie und rechter Sprache auseinandersetzen muss. Dass die Lektüre von Zeitungsartikeln und Blog-Beiträgen genügt, um zu verstehen, was in unserem Land passiert. Dass ich auch so jederzeit fundiert argumentieren kann, warum ich nicht nur bestimmte Wörter aus meinem Sprachschatz habe verschwinden lassen, sondern mich auch aktiv um einen Sprachwandel bemühe.

Mittlerweile habe ich eingesehen, dass mein eigenes Sprachempfinden keine ausreichende Basis ist, um in Diskussionen zu überzeugen. Augenöffner war einmal, dass ich Menschen begegnet bin, bei denen ich nicht erwartet hätte, dass sie einem Sprachwandel nichts abgewinnen können. Und natürlich Bücher wie „Eine Frage der Moral“ und „Richtig gendern“.

Jetzt also „Rechte Wörter – von Abendland bis Zigeunerschnitzel“ , der nächste Schritt, mich tiefer in die Thematik einzuarbeiten.

Mir tat die Lektüre weh. Es schmerzt, zu erkennen, wie weit rechte Wörter in den alltäglichen Sprachgebrauch gesickert sind. Wie manche Wörter vom positiven Begriff zum Schimpfwort wurden – Asylant und Gutmensch sind zwei Beispiele. Wie sehr sich die Rechten bemühen, sich Begriffe wie Faschismus anzueignen und ihnen mit enormer Hartnäckigkeit eine neue, völlig verdrehte Bedeutung zu geben. Wie wenig ich einen Begriff wie Abendland hinterfragt habe, der für mich einfach das Gegenstück zu Morgenland war. Ist er nicht: Er kam wohl erst mit dem Buch „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler im alltäglichen Sprachgebrauch an, einem antisemitischen und anti-demokratischen Werk.

Unfassbar an wie vielen, zum Teil winzigen Stellschrauben die Rechten drehen, um durch Sprache Verunsicherung und Präsenz für ihre Themen zu erzeugen. Sprache ist eines ihrer Werkzeuge, um ständige Krisenstimmung zu verbreiten. Nur, wenn Menschen extrem verunsichert sind, nur wenn sie sich bedroht fühlen, rufen sie nach einem starken Führer. Hoffentlich nur dann.

Nicht überrascht hingegen hat mich, wie viele der rechten Wörter auch im Sprachgebrauch konservativer Politiker:innen zu finden sind, die sich selbst als alles andere als rechts betrachten. Sind sie nicht. Punkt.

Angaben zum Buch:

Andreas Graf von Bernstorff

Rechte Wörter
Von Abendland bis Zigeunerschnitzel

Carl Auer Verlag

Eine Auswahl der rechten Wörter samt Erklärungen.

Über alte Wege

Sachbuch. Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas. Mathijs Deen.

Dieses Buch und ich, wir kamen dann doch nicht zusammen. Dabei beginnt „Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas.“ von Mathijs Deen grandios. Er erinnert sich an Reisen seiner Kindheit, Fahrten, die ihn über die alte Europastraße, die damals noch keine Autobahn war, führten. Ausgehend von diesen Kindheitserinnerungen an Landstraßen, die wirklich noch über Land führten, erkundet er zunächst die Geschichte der Europastraßen, die angelegt wurden, um Völker im Frieden zu verbinden, die zuvor miteinander Krieg geführt hatten. Doch auch diese Straßen verlaufen entlang älterer Routen. Mathijs Deen steigt tiefer in die Geschichte Europas ein und arbeitet sich dann von der Steinzeit beginnend wieder zur Neuzeit durch.

Menschen waren schon immer unterwegs. Manchmal suchten sie bessere Jagdgebiete, manchmal lukrative Handelsplätze. Zu anderen Gelegenheiten brachten sie Krieg, viel häufiger jedoch wurden sie heimisch. Mathijs Deen folgt ihren Routen und versucht, ihre Beweggründe zu erspüren. Sein Handlungsfaden beginnt jedoch schon bald zu mäandern. Das mag ich. Doch der Autor wird mit jeder neuen Kurve, die seine Protagonisten nehmen, weitschweifiger. Diese Art zu reisen fand ich ermüdend.

Dazu kommt, dass ich seinen Blick auf Frauen für – lasst es mich wohlwollend ausdrücken – für konservativ halte. Frauen sind Wegbegleiter, mehr nicht. Selbst dann, wenn sie wie im Falle der Pilgerin, eigenständig Reisen unternehmen, werden sie durch die Männer definiert.

Ich begann querzulesen. Zum Glück, denn das letzte Kapitel, in dem der Wahrheitsgehalt der Kindheitserinnerungen überprüft wird, ist noch einmal großartig. Aber so ist das wohl mit den Reisen. Zumindest dann, wenn es keine Autobahnen gibt. Man macht sich auf den Weg, schweift ab, mäandert durch die Welt und kann sich am Ende noch nicht mal mehr auf seine eigenen Erinnerungen verlassen.

Weitere Angaben zum Buch:

Mathijs Deen
Über alte Wege
Eine Reise durch die Geschichte Europas

Dumont Verlag

Begeisterte Rezension beim Kaffeehaussitzer. Das graue Sofa hingegen betrachtet „Über alte Wege“ ähnlich wie ich.

Reiselust geweckt? Hier findet ihr mehr Buchtipps und mehr über meine liebsten Reiseziele!

Einatmen, ausatmen? Da geht noch mehr: Atemtechniken

Buch und Kartenset: Atemtechniken
Zahlreiche einfache Atemübungen zur Selbstheilung, Verjüngung und Harmonisierung
Markus Schirner Atemtechniken
Zahlreiche einfache Atemübungen zur Selbstheilung, Verjüngung und Harmonisierung
Markus Schirner

Einatmen, ausatmen. Klappt doch. Warum sollte ich dafür ein Buch benötigen? Das entsprach in etwa meinem Denken und meinem Wissensstand, bevor ich mit Yoga anfing und bevor ich Markus Schirners Buch „Atemtechniken“ für mich entdeckte. Von Atempausen oder der Tatsache, dass man auch in die Schulterblätter atmen kann, hatte ich damals noch nichts gehört. Noch schlimmer: Ich hatte es auch noch nie erfahren.

Das, was so trocken im Yoga-Unterricht als „vollständige Yoga-Atmung“ beschrieben wurde, war der erste Augenöffner. So viel Raum im Körper! So viel Beweglichkeit, die dem Atem folgt! Meine Neugier war geweckt und ich griff zum Buch.

130 Seiten später dachte ich: Ich muss nie wieder ein Buch über Atemtechniken lesen – in diesem kleinen Taschenbuch ist alles enthalten.

Atemtechniken – das Kartenset. Ein spielerischer Weg für mehr Praxis.

Das war 2006. Jetzt sind Karten zum Buch erschienen. Die musste ich natürlich haben. Die erste Karte, die ich zog, war die Bauchatmung. Und wie das beim spielerischen Umgang mit Orakelkarten so ist, war es genau die richtige Karte für mich in diesem Moment. Sie steht jetzt so, dass ich sie täglich vor Augen habe und mich daran erinnere, wie es ist, wirklich fließend, geschmeidig und tief in den Bauch zu atmen. Das ist nämlich im wahrsten Sinne zu kurz gekommen, seit ich einen Schreibtisch-Job habe.

Natürlich muss man mit den Karten nicht herum-orakeln. Sie lassen sich auch ganz praktisch als Übungskarten verwenden – zum Beispiel als Atemübung innerhalb einer Yoga-Stunde. Oder auch einfach so: Ich tue mir schnell etwas Gutes und konzentriere mich auf meinem Atem. Kann ich nur empfehlen!

Weitere Infos zu Buch und Kartenset:

Markus Schirner
Atemtechniken
Zahlreiche einfache Atemübungen zur Selbstheilung, Verjüngung und Harmonisierung

Schirner Verlag

Taschenbuch
Kartenset


Was gut dazu passt: Mini-Pausen mit Tai Chi

Oder dieses Thema: Interozeption

Goodbye New York – der Abschluss der Brooklyn-Trilogie

Stephanie Hanel - Brooklyn-Trilogie:
100 Tage hier & 100 Tage dort - Band 1
50 Tage - 50 days in Brooklyn - Band 2
Good bye New York - Abschied von der neuen Heimat - Band 3100 Tage hier & 100 Tage dort - Band 1
50 Tage - 50 days in Brooklyn - Band 2
Good bye New York - Abschied von der neuen Heimat - Band 3

Jetzt sind sie also wieder hier in Deutschland. Zu sagen, sie wären zurück, käme mir unpassend vor. Denn das, was wie die Heimkehr einer Familie nach 2 Jahren in New York aussieht, ist genauso ein Neuanfang wie ein Anknüpfen.

Wieder lässt uns Stephanie Hanel in tagebuchartigen Einträgen an ihren Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen teilhaben. Als klar wird, dass die Tage der Familie in Brooklyn gezählt sind, taucht sie noch einmal richtig in das Leben New York ein und nimmt uns mit. Hier ein Museumsbesuch, dort ein Flohmarkt, danach einen Ausflug – bloß nichts verpassen, wer weiß, ob es noch einmal eine Chance dafür gibt. Gleichzeitig gibt sie offen zu, wie sehr die Hektik und der Lärm der Großstadt überfordern kann. Da wird schon eine Parkbank unter einem Baum zur Flucht in die Natur. So bewegt sich ihre Geschichte diesmal in einem Spannungsfeld zwischen Trubel und Sehnsucht nach Stille, Aktion(ismus) und Innehalten, zwischen Abschied zelebrieren und Rückkehr vorbereiten.

Je berührender das Buch, desto schwerer die Rezension. Aber warum?

Ich dachte mir beim Lesen: Auch das Buch ist ihr wieder gelungen. Jetzt liest Du schnell deine Rezensionen zu den letzten beiden Büchern noch einmal und dann schreibst du deinen Blog-Beitrag. Der wird sich ja quasi von selbst schreiben, Stoff und Begeisterung für das Buch sind genug vorhanden.

Es kam anders. In meinen Rezensionen zu den anderen beiden Bänden der Brooklyn-Trilogie 100 Tage hier & 100 Tage dort und 50 Tage – 50 days in Brooklyn – Band 2 entdeckte ich ein Staunen und Berührt-sein, dass mich selbst im Nachhinein verblüffte. Prompt fühlte ich mich nicht in der Lage, daran adäquat anzuknüpfen. Eine Sackgasse, aus der mir selbst meine große Schreibroutine nicht heraus half.

Offensichtlich war diesmal in der intimen Beziehung, die grundsätzlich zwischen Leserin und Buch entsteht, etwas anders als sonst. Aber was?

Beim Lesen von Büchern interessieren mich die Autor*innen nicht sonderlich. Mich interessiert lediglich die Geschichte und wie sie sich zu meiner Welt verhält, basta. Genau diese Haltung hat Stephanie Hanel mit ihrer Brooklyn-Triologie durchbrochen. Ihre Geschichte ist persönlich, so persönlich, dass mir auf einmal die Distanz fehlte, aus der heraus ich sonst lese und blogge. Eine spannende Lese-Erfahrung, die mich noch eine Weile beschäftigen wird!

Weitere Infos zur Brooklyn-Trilogie:

Stephanie Hanel

100 Tage hier & 100 Tage dort – Band 1
50 Tage – 50 days in Brooklyn – Band 2
Goodbye New York – Abschied von der neuen Heimat – Band 3

Edition Bilderbusch

Im Buchhandel erhältlich – zum Beispiel in der Buchhandlung Bücherglück in der Heidelberger Bahnstadt.

Jetzt auch als Gesamtausgabe mit Bonus-Material erhältlich:

Nachdem ich am Montag den Kindermund-Wochenkalender vorstellen durfte, gibt es heute schon das nächste fertige Projekt…

Gepostet von Christine Kern am Donnerstag, 3. September 2020