Faul sein als Philosophie

Martin Liebmann FAUL ZU SEIN IST HARTE ARBEIT Eine Ode an den Müßiggang

Dieses Lob der Faulheit wollte ich ja eigentlich noch vor Weihnachten besprechen, als Geschenk-Tipp. Aber anscheinend hatte ich da die Philosophie von Martin Liebmann schon so sehr verinnerlicht, dass ich lieber Variationen von nichts getan habe – und das ganz langsam. Flanieren, Bäume anschauen, Kunst betrachten – aber bitte mit philosophischem Unterbau. Ja genau, Philosophie. Dieses Buch gehört nicht in die rasch wachsende Abteilung mit Selfcare-Ratgebern. Sich selbst etwas Gutes zu tun ist nicht das Ziel der Überlegungen, sondern ein Nebeneffekt. Ich würde diese Haltung mit einer alten Redewendung zusammenfassen: Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Oder auch mit meinem Lieblingssprichwort: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. „Alles wird langsamer und langsam wird es gut.“ Martin Liebmann – Faul zu sein ist harte ArbeitS. 179 Das Buch ist eine Einladung: Weniger Perfektionismus, mehr Müßiggang. Weniger Planung, mehr Raum für Zufälle und glückliche Fügungen. Weniger Hektik, mehr Achtsamkeit. Weniger To-do-Listen, mehr…

weiterlesen

Inspiriertes Schreiben: einfach loslegen!

Diesmal ist alles anders. „Inspiriertes Schreiben“ ist kein Schreibratgeber für bessere Texte und auch keine Anleitung, endlich den Roman zu schreiben, der schon so lange angefangen in der Schublade liegt. Inspiriertes Schreiben knüpft dort an, wo ich mit meinen Tagebüchern vor Jahrzehnten aufgehört habe: Einfach drauf los schreiben und fest darauf vertrauen, dass sich zwischen den Zeilen Sinn verbergen wird. Der Clou: Mit Sinn ist hier kein künstlerischer Sinn gemeint, sondern Antworten auf Lebensfragen. Damit bewegt sich diese Schreibtechnik irgendwo zwischen automatischem Schreiben, Morning Pages, Tagebuch, Dialog mit dem Unbewussten und Channeling. Wegen Letzterem rate ich skeptischen Lesern, dem Rat der Autorin zu folgen und das Buch nicht in der Reihenfolge der Kapitel zu lesen. Besser mittendrin einsteigen und sich anschauen, wie sie vorgeht. Dann ausprobieren, was passiert, wenn man selbst ihrer Systematik folgt: Frage stellen, Kopf so frei wie möglich machen, los schreiben. Dann schrieb ich alles auf, was kam, ohne zu urteilen oder…

weiterlesen

Frohes Fest: Heidnische Weihnachten

Heidnische Weihnachten. Sachbuch.

Eigentlich ist Weihnachten ein heidnisch-spätantikes-altorientalisches Fest mit christlich-liturgischem Glitzer. Wer genau hinschaut, findet auch heute noch die Spuren vergangener Feste: Wintersonnenwende und die Wiedergeburt der Sonne, Raunächte und Jahreswechsel. Wer noch genauer hinschaut, findet in den christlich anmutenden Weihnachtsbräuchen Spuren des Schamanismus aus aller Welt. Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling sind solche Spurensucher und erzählen mit viel Spaß von heimischen und exotischen Pflanzen, von Gewürzen aus dem Orient und von Räucherwerk aus dem Norden Europas und aus Übersee. Das Besondere an dem Buch ist, dass sie sich dabei nicht auf europäische Weihnachtstraditionen beschränken. So führt uns die Reise vom schamanischen Weltenbaum zum Weihnachtsbaum auch über Kleinasien, wo die Tanne der Fruchtbarkeitsgöttin Kybele geweiht war. In typisch deutschen Weihnachtstraditionen entdecken wir so die weite Welt und in der weiten Welt die Spuren der Auswanderer aus Europa. Die große Klammer dabei: der Schamanismus, dessen Grundstruktur sich überall erstaunlich ähnelt. Wo auch immer und wie auch immer wir…

weiterlesen

Selbstwert-Generator

Der Selbstwert-Generator im Einsatz Im Handumdrehen zu einem starken Selbstwert mit selbst erstellten Affirmationen.

Natürlich steckt hinter dem Selbstwert-Generator fundiertes, psychologisches Fachwissen – schließlich kommt er aus dem Carl Auer Fachverlag und wurde von Michael Bohne, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Sabine Ebersberger, Coach, Sozialwissenschaftlerin und Kunsttherapeutin entwickelt. Aber dem Spielkind in mir ist das jetzt schon mehrere Wochen schnurz. Wir bilden munter Sätze und haben Spaß mit dem, was dabei entsteht: Hundertprozentig begreife auch ich, dass ich meine Grenzen deutlich setze. Ganz spontan macht sich der Gedanke breit, dass es immer eine Alternative gibt. Höchstwahrscheinlich ist es nicht nur Kür, sondern auch meine Pflicht anzuerkennen, dass mir Erfolg und Souveränität gut stehen. Was auf diese spielerische Art entsteht, sind Affirmationen, kraftvolle Glaubenssätze aus den Bereichen positive Selbstbeziehung, Abgrenzung & Autonomie, Perfektionismus & Sicherheit sowie Erfolg. Immer drei Klappkarten bilden einen Satz, 216.000 Kombinationen sind möglich. Diese kann man einsetzen, um schwächenden Glaubenssätzen und negativen Kernüberzeugungen Paroli zu bieten und diese durch frische, wohltuendere Varianten zu ersetzen. Bei…

weiterlesen

Beweg dich und dein Gehirn sagt danke!

Beweg dich und dein Gehirn sagt danke! Sachbuch.

Manchmal frage ich mich, ob ich mit dieser Art Sachbuch-Lektüre eine verborgene masochistische Ader pflege. Oder warum lese ich mehr Bücher über Bewegung, als ich mich tatsächlich bewege? Andererseits war die Lektüre alles andere als eine Qual. Gehirnforschung anschaulich dargestellt, locker erzählt und hervorragend illustriert – dieses Buch macht schlicht und einfach Spaß! Die Kernbotschaft ist schnell zusammengefasst: Bewegung hält unser Gehirn gesund. Die frohe Botschaft dabei: Damit ist nicht unbedingt Sport gemeint! Das, was unser Gehirn gesund hält, ist Ausdauerbewegung. Wie viel es davon braucht, hängt wohl eher von der persönlichen Fitness ab. Bei Senioren ist es der tägliche Spaziergang, bei jüngeren Menschen die große Runde mit dem Fahrrad. Die schlechte Nachricht dabei: Regelmäßigkeit ist wichtig. Die ganze Woche im Büro sitzen und am Wochenende Höhenmeter machen mag zwar besser als gar keine Bewegung sein, aber dieser Rhythmus ist nicht das, was unser Gehirn gerne hätte. Das bevorzugt die tägliche Dosis Ausdauersport. Liebe Neurowissenschaftler,…

weiterlesen

Der Wäschekorb, die Treppe und ich: So sorge ich für mehr Bewegung im Alltag.

Wäsche aufhängen - eine gute Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen!

10.000 Schritte! schallt es mir entgegen. Pilates! ertönt es aus der anderen Richtung. Krafttraining! Mein innerer Schweinehund packt bei solchen Rufen die Ohrenstöpsel aus und stellt sich quer. Doch heimlich still und leise, ohne dass der Schweinehund anschlägt, habe ich einen anderen Weg gefunden, mehr Bewegung in meinen Alltag zu bringen. Dafür habe ich mich von zwei gut gemeinten Ratschlägen aus meiner Kindheit verabschiedet: Planung ist die halbe Arbeit und Hampel nicht rum. Planung ist die halbe Arbeit – aber leider auch die halbe Bewegung Von meiner Mutter und meiner Oma habe ich gelernt, Handgriffe bei der Hausarbeit überlegt anzugehen. Geschirr, dass ich täglich brauche, befindet sich in Griffhöhe und nicht im untersten Schrankfach. Planvolles Vorgehen minimiert die Hausarbeit. Doch viele der Ratschläge stammen aus einer Zeit, in der Hausarbeit wirklich anstrengend war. Heute, in einem Haushalt wie meinem, ist das anders. Gerade die Hausarbeit bietet in einem bewegungsarmen Alltag viele Möglichkeiten, um sich zu…

weiterlesen

Wolfsmedizin – eine Reise mit Wolf Dieter Storl in die Mongolei

Wolfsmedizin: Wolf Dieter Storl bereist die Mongolei und Sibirien und besucht Schamanen, Heiler und Wölfe.

Natürlich habe ich das neue Buch von Wolf Dieter Storl gelesen. Lieblingsautor in einem Lieblingsverlag. Was soll da schon schief gehen? Nichts. Es ist ein Storl, es ist ein wunderschön und wohl überlegt gestaltetes Buch. Und doch ist diesmal einiges anders. Der Ton hat sich geändert. Vielleicht sogar der Blick des Autors auf die Welt. Oder liegt es nur daran, dass er diesmal mit einer Reisegruppe unterwegs war? Auf jeden Fall gibt es Zwischentöne, die ich früher nicht herauslesen konnte. Er, der meinungsstarke Autor, schenkt anderen Ansichten Raum. Gleichzeitig reflektiert er sich selbst mehr und gibt auch schon mal zu, dass er nicht der pflegeleichteste Reisegefährte ist. Gewohnt begeistert erzählt er, wie toll es ist, barfuss durch die Steppe zu laufen, nur um ein Kapitel weiter zu erwähnen, dass er sich dabei verletzt hat. Mehrere Absätze widmet er unterschiedlichen Löwenzahnarten und erklärt kurz darauf, dass die mongolischen Heiler diese Unterscheidungen wahrscheinlich gar nicht treffen. Doch…

weiterlesen

Warum Waldbaden für Pälzer Krischer eine gute Idee wäre

Waldbaden: Kraft und Energie durch Bäume. Sachbuch aus dem Freya Verlag

Endlich sagt es mal einer! Das war mein spontaner Gedanke, als ich zum ersten Mal vom Begriff Waldbaden gehört habe. Bis dahin war vom Wald als grüne Lunge die Rede gewesen, als Wasserschutzgebiet und Feinstaubfilter, als Naherholungsgebiet, Spielplatz für Kindergartenkinder und als Sportgerät. Wer ohne Rucksack, Mountainbike, Hund und Kind im Pfälzer Wald unterwegs war, keine Pilze sammelte, weder Langstrecken laufen wollte noch den Premium-Wanderwegen folgte, dabei auch noch still vor sich hin lief und einfach nur atmete, schaute, lächelte – der wirkte fehl am Platz. Zumindest kam ich mir manchmal so vor. Nun also die Trendwende. Sie kam aus Japan, hatte eine lange Tradition und wirkte zugleich urdeutsch und exotisch: shinrin yoku, waldbaden. Geh in den Wald, nimm ihn in Ruhe mit allen Sinnen wahr und kehre als glücklicher, gesunder Mensch in die Stadt zurück. Wo ein Trend, da auch Bücher. Sie alle hatten eines gemeinsam: sie sprachen mich, die Waldliebhaberin, nicht an. Ich…

weiterlesen

Jack Kornfield – Wahre Freiheit

Buch-Cover: Wahre Freiheit von Jack Kornfield

Ich werde jetzt nicht mehr weiterlesen. Manchmal ist es einfach so: das neue Buch von Jack Kornfield ist gut, sehr gut sogar, und trotzdem kommen wir beide seit Monaten nicht so richtig zusammen. Also das richtige Buch zum falschen Zeitpunkt. Aber nein, so möchte ich das eigentlich nicht sehen. Für mich fühlt es sich eher so an, dass dieser Zeitpunkt so durch und durch richtig ist, dass ich dieses Buch im Moment nicht brauche. Ich werde also „Wahre Freiheit. Der buddhistische Weg, in jedem Augenblick glücklich und geborgen zu sein“ zu den gelesenen Büchern von Jack Kornfield ins Regal stellen und hoffen, dass mein Zeitpunkt noch lange so richtig bleibt, dass ich den Trost und die Wertschätzung, die aus Jack Kornfields Zeilen spricht, nicht benötige. Aber natürlich sorgt das anlesen, das durchblättern und an Absätzen hängenbleiben dafür, dass der eine oder Gedanke nachwirkt. Zum Beispiel, dass ausgerechnet „Freiheit“ diesmal der Schlüsselbegriff im Buchtitel ist –…

weiterlesen

Thich Nhat Hanh – Mein Leben ist meine Lehre

THICH NHAT HANH Mein Leben ist meine Lehre Autobiographische Geschichten und Weisheiten eines Mönchs

Autobiographische Geschichten von Thich Nhat Hanh verspricht das Buch. Da hatte ich vor allem Spirituelles erwartet und war verblüfft, wie viel Politik das Buch enthält. Daran habe ich gemerkt, dass ich Thich Nhat Hanh erst spät für mich entdeckt hatte. Von seinem Einsatz für Frieden in Vietnam und seiner Arbeit für eine aktiven, die Gesellschaft mitgestalteten Buddhismus wusste ich nichts. Ich kannte ihn eigentlich nur als Achtsamkeitslehrer. Gehmeditation, achtsames Atmen und Kontemplation kommen in dem Buch definitiv nicht zu kurz, denn Achtsamkeit ist die Basis für alles im Leben Thich Nhat Hanhs. Aber für mich gab es so viel mehr zu entdecken! Buddhistische Weisheitsgeschichten Ich mag diese Art zu erzählen sehr: Weisheitsgeschichten, bei denen nicht am Ende fett »Fazit, Moral und das haben Sie, werter Leser, nun zu tun«. Stille Geschichten, die wie ein Samenkorn Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Bei uns werden solche Bücher gerne als buddhistische Weisheitsgeschichten bezeichnet und ich habe…

weiterlesen

Setzt die Segel und sucht euren Horizont: Mut braucht eine Stimme

Sachbuch: Peter Holzer - Mut braucht eine Stimme

Dieses Buch erschafft sich sein Genre selbst. Mut braucht eine Stimme ist ein persönliches Buch, aber keine Biographie. Für einen Ratgeber kommt es mit erstaunlich wenigen Ratschlägen aus. Solche Genre-Grenzgänger haben es mir ja grundsätzlich angetan – ich mag diese Freigeister unter den Büchern. Drei große Themenfelder bearbeitet der Autor, die er mit Stumm sein – Laut werden – Gehör finden benennt. Im ersten Teil beschreibt er, wie zuviel Input, Aktionismus und unser zu hohes Lebenstempo uns zum Verstummen bringt – und unsere innere Stimme gleich mit. Der zweite Teil bringt die innere Stimme wieder zum Klingen. Wichtigstes Werkzeug ist das Ausrichten der Lebensreise an einem eigenen Werte-Horizont. Im letzten Abschnitt wird beides im eigenen Leben verankert, so dass das Handeln im Einklang mit der inneren Stimme seine Wirkung entfalten kann. Das ist ein sehr sympathisches und tragfähiges Lebenskonzept, dass dazu führt, das Menschen einander wieder wertschätzend und auf Augenhöhe begegnen können. Ein Lieblingszitat bescherte…

weiterlesen

Rauhnächte. Träumen, sich besinnen, räuchern.

Rauhnächte. Buch Cover

Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Nein, natürlich nicht. Bis zur Wintersonnenwende und den Rauhnächten gehen noch ein paar Wochen ins Land. Es ist gerade mal Herbst. Doch mit den Herbst kommt die Stille. Mein Blick auf die Welt ändert sich. Ich werde ruhiger und nachdenklicher. Fragen, die zum Jahreswechsel passen, kommen jetzt schon auf und ich habe tatsächlich jetzt schon das kleine Buch Rauhnächte von Gerhard Merz gelesen. Eigentlich wollte ich ja nur kurz reinlesen. Prüfen, ob es für mich passt, ob das mein Begleiter für dieses Jahr sein könnte. Es passt. Und wie – ich habe die 127 Seiten dann mal gleich ganz gelesen. Jetzt schon, im Oktober – und ich freue mich darauf, das Buch zur Wintersonnenwende wieder zu lesen. Es war die Art, wie Gerhard Merz über Odins wilde Jagd und die alten Mythen erzählt. Das hat mich gepackt, daran bin ich hängengeblieben. Er hat die alten Sagen gelesen und gibt…

weiterlesen