Ein Buch ohne Fehler gibt es nicht? 55 Buchmakel

Buchmakel. Das Buch steht vor einer nicht makellosen Kellerwand mit dramatischem Schlagschatten.

Mein Exemplar von „Buchmakel“ ist makellos. Dabei gibt es, wie ich jetzt nach der Lektüre weiß, unendliche viele Möglichkeiten für Herstellungsfehler in der Buchproduktion. Sei es beim Satz (Löchriger Satz, Bleiwüste, Augenpulver), bei der Druckvorstufe (Moiré, Punktzuwachs), beim Umgang mit Papier (Wolkigkeit, Tellerbildung), beim Druck (Durchscheinen, Passerungenauigkeit, Abliegen) oder beim letzten Arbeitsschritt, der Bindung (Rückenbruch, Schnabeln).

All diese Begriffe werden in „Buchmakel. 55 typische Fehler in der Buchproduktion und wie man sie vermeidet“ von Monika Wintjes wunderbar leichtfüßig und doch auf den Punkt erklärt. Geballtes Fachwissen also – und trotzdem ertappte ich mich immer wieder dabei, dass ich vor allem in einem Wortrausch schwelgte. Blitzer, Schusterjunge, Hurenkind, Mönch, Läusedarm, Butzen, Fliegenschiss, Schimmelbogen.

So viele schöne Handwerksbegriffe, mit denen ich auf der Julius Springer Schule in Heidelberg meinen Lehrer in Herstellungskunde hätte beeindrucken können! Habe ich aber nicht, denn der Funken für das Thema sprang damals nicht über. Bücher lesen und verkaufen war mir wichtiger als die Frage, wie sie hergestellt werden.

Der Tag, an dem ich begann, Drucktechnik zu begreifen

Meine Liebe zu traditioneller Druck- und Satztechnik habe ich tatsächlich erst im Technoseum in Mannheim entdeckt. In diesem Museum werden Drucktechniken vorgeführt. Was das Besondere an der Linotype-Setzmaschine, diesem Meilenstein in der Satzherstellung im Hochdruck ist, habe ich nicht auf der Berufsschule, sondern erst dort begriffen. Und so manches andere auch.

Ich glaube, wir wären eher zusammengekommen, die Faszination für die Produktion von Büchern und ich, wenn ich „Buchmakel“ als Schulbuch gehabt hätte. Egal, der Umweg über das Technik-Museum war es wert – und einfach nur Lesen, ohne sich Gedanken um Satz, Druck, Papier und Bindung zu machen, ist auch toll!


Bibliographische Angaben:

Monika Wintjes
Illustriert von Lu säuberlich

Buchmakel
55 typische Fehler in der Buchproduktion und wie man sie vermeidet

Verlag avedition


So viele tolle Ausstellungen gab es schon im Technoseum Mannheim.
Zum Beispiel diese hier: Bier

Solidarisch Bücher kaufen: Aber ich kann sie doch nicht alle retten!

Mein Stapel der ungelesenen Bücher. Obenauf: ein Buch aus meiner Solidaritätsbestellung der Edition Nautilus.

Heute kam meine Buchbestellung vom Nautilus Verlag, der vor ein paar Wochen einen Aufruf gestartet hatte. Bitte bestellt Bücher oder wir kommen nicht über den Sommer. Kurz vorher hatte ich E-Books beim Hirnkost Verlag geordert. Auch dort hatte sich die Schieflage unerwartet verschlimmert. Außerdem braucht das Missy Magazin Abos. Eine Blogger-Freundin hat ein Kinderbuch-Website mit Online-Shop gestartet. Und die Buchhandlung meiner Ex-Kollegin in der Nachbarstadt freut sich auch über Einkäufe von mir. Genau wie yourbook.shop – alles wird Buch. Oder der Shop der Autorenwelt, die mehr Geld an Autoren weitergeben als andere Shops.

Und meine Haushaltskasse so: Erstens hast du einen Bücherei-Ausweis und zweitens befriedigen auch gebrauchte Bücher Lesegelüste.

Bücher kaufen war schon immer eine emotionale Angelegenheit für mich. Aber so kompliziert wie im Sommer 2024 war es noch nie. Die Liste der unterstützenswerten Projekte von Buchmenschen ist länger denn je – und sie brauchen die Unterstützung mehr denn je.

Nicht nur Edition Nautilus, Hirnkost Verlag oder jetzt auch der Sujet Verlag: Viel zu viele Indie-Verlage stehen auf der Kippe. Doch Deutschland braucht einen vielfältigen Buchmarkt, denn auch das ist Teil der so dringend nötigen Demokratiebildung. Bücher ermöglichen uns, uns in das Leben anderer Menschen hineinzudenken und zu fühlen. Das ist die Basis für ein gutes Miteinander. Dafür braucht es wiederum ganz unterschiedliche Bücher, die möglichst viele Lebensentwürfe sichtbar machen. Genau solche Bücher erscheinen in Indie-Verlagen.

Ich kann mit meinen Buchkäufen nicht alle Verlage und Herzensprojekte retten – aber was würde helfen?

Es gibt viele Ideen. Strukturelle Verlagsförderung ist das Schlagwort, was ich in letzter Zeit am häufigsten vernahm – also einen Verlag schon alleine dafür fördern, dass er seine Arbeit macht. Eben weil diese Arbeit für unsere Gesellschaft genauso wichtig ist wie freier Journalismus, Museen und Schulbildung. Klingt gut – aber was für Bücher würden so entstehen? Und wer würde sie lesen?

Mir begegnen immer wieder Bilderbücher aus Österreich, die eine staatliche Förderung erhalten. Etwas Vergleichbares kenne ich aus Deutschland nicht. Diese Kinderbücher sind häufig so künstlerisch wertvoll, dass es eine Kunstvermittlerin braucht, damit Kinder sich mit ihnen beschäftigen. Versteht mich nicht falsch – auch solche Bücher sind relevant, auch das ist ein Bildungsangebot, dass eine lebendige Gesellschaft benötigt. Aber wieviele davon brauchen wir?

Nüchtern betrachtet: Angebot und Nachfrage passen nicht mehr. Wir produzieren zu viele Bücher, mehr als wir Kaufbudget, Leser*innen und Lesezeit haben.

Und ich, ich kaufe zu viele Bücher. Das Bild zeigt mein Regal der ungelesenen Bücher. Weswegen ich jetzt lesen gehe. Könnte jemand in der Zwischenzeit meine kleine, heile Buchwelt retten? Ich hänge an ihr, wirklich!


Gute Nachrichten gab es vom Hirnkost Verlag: die Insolvenz sei (erst einmal) abgewendet. Wer sich jetzt überlegt, bei der Edition Nautilus zu bestellen, sei dieser Titel ans Herz gelegt:

Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution

Was tun mit solchen Büchern? „Hypatia“ von Arnulf Zitelmann

Hypatia von Arnulf Zitelmann. HArdcover-Ausgabe von 1988. Cover im damals typischen Orange des Beltz Verlags.

Was mache ich jetzt mit diesem Buch? An dem Tag, an dem ich erfuhr, dass Arnulf Zitelmann ein Täter war, stand es wie immer bei mir im Regal. Ich habe nur wenige Bücher aus meiner Kindheit und Jugend aufgehoben. Mit jedem einzelnen verbinde ich eine Geschichte. »Hypatia« von Arnulf Zitelmann war ein Geschenk. Wir waren eine »Bücher holt man in der Bücherei«-Familie. Ein Buch geschenkt zu bekommen war daher immer etwas Besonderes. Doch das alleine wäre kein Grund, dieses Jugendbuch viele Umzüge später noch im Regal stehen zu haben.

Für mich war das Buch ein Aha-Erlebnis. Es ist ein spannender Abenteuerroman, in dem man viel über das Leben der Menschen damals lernt. Also genau das, was ein neugieriges Mädchen wie ich verschlingt. Doch das war es nicht, was mir im Gedächtnis blieb. Von Hypatia von Alexandria hatte ich noch nie gehört. Mathematikerin, Astronomin und Philosophin – ach, das gab es? Warum kommen solche Frauen dann nur so selten in meinen Büchern vor? Doch neben der Erkenntnis, dass Feminismus keine Erfindung der Neuzeit ist, blieb mit noch etwas anderes im Gedächtnis.

In dem Buch wird eine Liebesgeschichte erzählt. Ich nahm das zur Kenntnis und dachte mir: Warum? Die Liebesszenen wirkten auf mich nicht stimmig, einfach deplatziert. Sie hinterließen ein ungutes Gefühl. Mittlerweile kenne ich ein Wort für dieses Empfinden: cringe.

Heute weiß ich: Meinem Instinkt konnte ich vertrauen. Meine Alarmglocke schrillte zu Recht. Arnulf Zitelmann mag das Richtige, nämliche eigenständige Mädchenfiguren, geschrieben haben – aber aus falschen Beweggründen. Sein Interesse an Mädchen war wohl ein anderes.

Was tue ich also jetzt mit dem Buch? Sowohl der Beltz Verlag als auch der Verlag Katholisches Bibelwerk haben Zitelmanns Bücher gleich nach den Missbrauchs-Enthüllungen komplett aus dem Programm genommen. Doch bei mir steht dieses eine noch hier. Als Teil meiner Leserinnen-Biografie und als Erinnerung daran, dass auf meinen Instinkt Verlass war. Ob es da bleiben wird? Ich bezweifel es.



Fast alle meine Blog-Beiträge enden mit einem Hinweis auf weitere, passende Buchempfehlungen. Die bleiben mir dieses Mal im Halse stecken.

Grenzwelten: zwei Hainish-Erzählungen von Ursula le Guin

Ursula le Guin - Grenzwelten. Taschenbuch im Baum. Schließlich ist in dem Sammelband die wunderbare Erzählung "Das Wort für Welt ist Wald" enthalten.

Meine erste Begegnung mit den Büchern von Ursula le Guin verlief etwas eigen. Anfang der 90er hatte ich eine sehr große Abteilung für Fantasy und Science Fiction übernommen. Ein SF-Sortiment zusammenzustellen war damals recht einfach. Man brauchte die silbernen Perry Rhodan Bänder von Pabel Moewig, ein bisschen was aus dem Goldmann Taschenbuch Verlag und vor allem viel von Heyne Science Fiction. Das Bestellformular war ein dickes Heft mit perforierten Seiten, die sich heraustrennen und faxen ließen. Auf dem Formular waren bestimmte Titel besonders hervorgehoben: Novis, Bestseller und Meilensteine der SF-Literatur wie die Hainish-Romane von Ursula le Guin.

Ich hatte ihre Bücher daher im Regal stehen. Sie standen. Die Nerds und Maschinenbau-Studenten, die bei mir Science-Fiction kauften, ignorierten ihre Werke. Sie interessierten sich für Technik und für die Zukunft der Menschheit, aber nicht für Ökologie und Feminismus. So kam es, dass ich die Bücher von Ursula le Guin zuerst als Remittende kennenlernte – also Bücher, die wegen Unverkäuflichkeit an den Verlag zurück gingen.

Und heute? Keine Ahnung, was meine Kunden von damals mittlerweile lesen. Ich vermute, sie sind Perry Rhodan treu geblieben, greifen ansonsten zu Büchern wie »Die drei Sonnen« oder „Amalthea“ und meiden den Feminismus weiterhin. Ich habe damals Shadowrun und William Gibson gelesen und war trotzdem Feministin. Was wahrscheinlich direkt dazu führt, dass ich derzeit große Lust habe, mich quer durch die Gewinnerinnen des Hugo Awards zu lesen und Ursula le Guin jetzt endlich für mich entdeckt habe.

Weniger mit dem Erdsee-Zyklus als viel mehr mit diesem Sammelband. »Grenzwelten« enthält zwei Romane aus dem Hainish-Zyklus. Beide wurden ganz wunderbar übersetzt von Karen Nölle. In »Das Wort für Welt ist Wald« zerstört le Guin mal eben den kompletten Themenkomplex toxische Männlichkeit, Kolonialismus, Rassismus und Ressourcenvernichtung. Das ist heute fast noch aktueller als damals. Die zweite Erzählung »Die Überlieferung« ist ein fein komponiertes Werk über die Bedeutung kultureller Werte und über die Schäden, die Kolonialisten anrichten.

Kein Wunder, dass ich die Bücher von Ursula le Guin damals remittieren musste. Ein großer Glücksfall, dass sie die Jahrzehnte überdauert haben und jetzt von mir neu entdeckt werden können.


Infos zum Taschenbuch:

Ursula le Guin
Grenzwelten

Der Sammelband enthält:
Das Wort für Welt ist Wald
Die Überlieferung

Übersetzt von Karen Nölle

Fischer Tor Verlag


Mehr von Ursula le Guin auf meinem Buchblog:

Raster richtig einsetzen: Layout Basics

Buch: Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern. Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Fachbücher lesen kam in den letzten Monaten zu kurz. Der Job war fordernd, das Hirn pandemisch gelähmt, die Energie für neue Themen fehlte. Wie schade das ist, merkte ich, als ich dann zu „Layout Basics“ griff.

Ich selbst gestalte zwar keine Websites und auch keine Printprodukte. Aber ich arbeite sehr häufig in Projekten, in denen es darum geht, Websites erfolgreicher und Bücher lesbarer zu machen. Ein guter Grund, die eigenen Fachkenntnisse mal wieder aufzufrischen!

„Layout Basics“ ist eine solide Einführung in die Arbeit mit Gestaltungsrastern und besticht durch die Fülle an Beispielen für gelungenes Design. Das war neben dem beruflichen Bezug auch für mich als private Leserin sehr ergiebig, da so das Zusammenspiel von Überschriften, Textblöcken, Bildern, Infografiken und Farben klarer wird. Wie häufig ist ein Buch nur deswegen schwer lesbar, weil Typographie und Layout zu anstrengend sind!

Wer die Regeln verstanden hat, kann sie auch brechen. Aber bitte genussvoll und wohl überlegt! Die letzten Kapitel des Fachbuchs befassen sich deswegen damit, wie man Gestaltungsregeln aufbrechen kann um Rhythmik, Dynamik und Spannung zu erzeugen. Das ist für mich natürlich eine zutiefst sympathische Herangehensweise!


Infos zum Lehrbuch:

Beth Tondreau

Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern.
Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Stiebner Verlag


Ein Buch, in dem die Layout-Prinzipien umgesetzt wurde: Disruptive Thinking

Verlagswesen – wie Comics wirklich entstehen

Cover des Comics Verlagswesen von Annette Köhn.

Ich arbeite seit 1987 in der Buchbranche und bemerke erst jetzt die Doppeldeutigkeit von Verlagswesen!

Schon allein dafür hat es sich gelohnt, den Comic zu lesen, den sich Annette Köhn zum zehnjährigen Jubiläum ihres JaJa-Verlags gegönnt hat. Ihre Verlagswesen sind imaginäre Figuren, die ein wenig wie Strichmännchen-Marshmallows auf zwei Beinen aussehen. Sie begleiten uns durch den ganz normalen Verlagsalltag: Bestellungen abarbeiten, Rechnungen ablegen, Versandtaschen bestellen und Kaffeepausen machen.

Klingt wenig glamourös, oder? Kann das funktionieren – ein Comic, der über weite Strecken nur Routinearbeiten aus dem Büroalltag zeigt? In dem das Top-Ereignis das Eintreffen des Paketboten ist und in dem wir die Verlegerin auf die Toilette begleiten?

Es funktioniert wirklich!

Und das liegt eben an den Verlagswesen, die die Abläufe im Verlag ganz genau verstanden haben. Sie wissen, wie die Bürogemeinschaft, die in den Räumen des Comic-Verlags lebt und arbeitet, tickt. Zudem kennen sie ihre Chefin genau und lassen ihr das beruhigende, erdende Gefühl, das von Routinetätigkeiten ausgeht und sie direkt in Tagträumereien führt, aus denen dann wiederum neue Projekte entstehen.

Der Blick der Verlagswesen auf das Geschehen prägt den Comic, der kreative Prozesse sichtbar werden lässt und dabei spektakulär unspektakulär ist. Das macht Lust, sich tiefer mit dem Programm des JaJa-Verlags zu beschäftigen!


Infos zum Comic:

Annette Köhn

Verlagswesen

Jaja Verlag

Besprechungen im tip Berlin und bei Deutschlandfunk Kultur


Mehr Comic-Tipps auf meinem Blog

Kochen mit Kafka. Cartoons für Booknerds von Tom Gauld.

Kochen mit Kafka. von Tom Gauld. Cartoons für Booknerds, Leser, Autoren, Buchmenschen, Leser.

Einstimmen auf die Buchmesse: Schuhe putzen, Blasenpflaster bereitlegen. Visitenkarten zählen, Müsliriegel horten. Namensgedächtnis reaktivieren. Nochmal überlegen, wie lange man von Halle 3.1 nach 4.2 braucht.

Und mal wieder die Cartoons aus Kochen mit Kafka von Tom Gauld lesen. Niemand sonst charakterisiert diese liebenswert verschrobene, die Rituale pflegende, Totholz und Science Fiction gleichzeitig liebende Buchbranche so liebevoll und spitz wie er. Sei es der mechanische Rabe, der Bücher vorliest, oder der Aufkleber für Romane „Ein wenig wie ihr Lieblingsbuch“ – ständig denke ich „Ja, so, genau so, ist es. So sind wir. Und deswegen fühle ich mich in dieser Branche so wohl.“

Sehen wir uns in Frankfurt?


Angaben zum Buch, dass Ihr unbedingt auf der Fahrt zur Buchmesse lesen solltet. Oder zur Leipziger – je nachdem welche Fahrt für euch länger dauert!

Tom Gauld

Kochen mit Kafka

Aus dem Englischen von Christoph Schuler
Handgelettert von Michael Hau

Edition Moderne

Hier findet Ihr eine Auswahl seiner Cartoons.


Was es sonst noch zur Buchmesse zu sagen gibt: 
Von A wie antizyklisch durch die Hallen bis Z – mein Buchmessen-ABC

Oder taucht ein in das Leben einer Buchhändlerin: Papiergeflüster

Dagmar sucht das Glück und findet nur ein personalisiertes Buch

Kinderbuch personalisiert: Dagmar sucht das Glück. Hier könnte auch dein Name stehen.

In den 90er Jahren boten wir in der Buchhandlung bereits personalisierte Kinderbücher an. Der Name des Kindes erschien auf dem Cover und auf einigen Seiten im Buch – das war es. Wenn ich mich recht erinnere, lag dem Ganzen ein Franchise-Modell zugrunde. Wir bekamen die Maschinen für Druck und Bindung und die Rohlinge geliefert, für den Vertrieb mussten wir selbst sorgen.

Unser Einsatz für den Verkauf der Bücher hielt sich jedoch in Grenzen. Wir waren alle miteinander Buchhändler geworden, weil wir gute Geschichten liebten. Die Geschichten, die in den personalisierten Kinderbüchern erzählt wurden, entfachten unsere Leidenschaft nicht.

Zudem sahen wir mit unserem erwachsenen Blick genau, wo der Name des Kindes in das bereits bestehende Buch hineingedruckt wurde. Für mich hatten diese Bücher keinen Zauber.

Das war damals – wie wird heute personalisiert?

Heute würde ich den Büchern ihren Herstellungsprozess nicht mehr ansehen – dank Digitaldruck. Wir „dengelten“ die Kinderbüchern mit Namen damals in der Buchhandlung in einem Nebenraum zusammen – das wäre mittlerweile anders. Auch lässt sich heute viel mehr als nur Bücher personalisieren: so kann man zum Beispiel hoch professionell bei MyMüsli direkt im Laden personalisierte Verpackungen erstellen. So wird aus einer Müsli-Dose ein persönliches Geschenk.

Klar, dass es jetzt auch mehr personalisierte Kinderbücher gibt. 143.000 Suchergebnisse spuckt Google mir dazu aus und für meinen Kinderbuch-Blog erreichen mich immer wieder Anfragen, ob ich nicht einen Werbeartikel oder eine Rezension dazu schreiben möchte. Möchte ich nicht, denn ich bin skeptisch, was die Geschichten angeht.

Hätte mich der SmartGenius Verlag vorher gefragt, ob ich das Buch von Felix Brosius Dagmar sucht das Glück lesen und besprechen möchte, hätte ich abgelehnt. Aber es kam unverlangt.

Ich habe es trotzdem gelesen. Ausstattung, Layout und Druckqualität überzeugen. Die Moral, dass Glück für jeden Menschen etwas anderes ist, ist schön. Doch der Weg dorthin ist der Weg eines Erwachsenen – das Buch ist kein Kinderbuch. Ganz deutlich wird das an der Doppelseite, die uns auf eine politische Demonstration führt – die Menschen dort empfinden angeblich Hoffnung, was glücklich macht. Auf ihren Gesichtern ist aber Wut zu sehen. Auch die anderen Ansätze, die zum Glück führen können wie Demut, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Abenteuer und Mut bleiben recht abstrakt. So bleibt der Reiz des eigenen Namens, der in einer Geschichte erscheint, die sich eher als Geschenk für Erwachsene an runden Geburtstagen denn als Kinderbuch eignet.

Vielleicht kommen die personalisierten Bücher und ich in 10 Jahren zusammen, vielleicht stehen dann nicht mehr die faszinierende Drucktechnik und der Vertrieb, sondern die Geschichten im Mittelpunkt. Denn darum sollte es meiner Meinung nach beim Bücher machen gehen, egal wie sie gedruckt werden: gute Geschichten zu erzählen, die das Leben bereichern.


Link-Tipps:

  • Einer der bekanntesten Anbieter für personalisierte Bilderbücher dürfte Framily sein, da es hier Bücher mit berühmten Kinderbuchhelden gibt. Das Kind wird also nicht nur im Buch genannt, es erlebt gleichzeitig sein Abenteuer mit Promis wie Benjamin Blümchen, Conni, Ritter Trenk und Bibi Blocksberg. Ihr ahnt es: ich bin skeptisch.
  • HurraHelden personalisieren nicht nur, sie trennen auch ordentlich nach rosa und hellblau. Was ich davon halte … darüber blogge ich ein andermal. Interessant bei HurraHelden ist, dass hier auch Augenfarbe und Frisur personalisiert werden.
  • Das im Beitrag erwähnte personalisierte Kinderbuch … sucht das Glück bekommt ihr bei SmartGenius.

Zum Ausgleich ein paar Katzen, die machen mich deutlich glücklicher:

Jede Buchmesse ist anders schön. Wie war diese?

Jede Buchmesse ist anders schön, jede hat eine andere Grundstimmung, jede fühlt sich anders an.

In mir diskutiert gerade die Leserin mit der Bloggerin mit der Buchhändlerin mit der Online Marketing Managerin, was denn nun diese Buchmesse auszeichnet. Ich versuche, das mal zu sortieren.

Die Leserin sagt, dass die ganz großen Themen, die anscheinend jeder Verlag machen MUSS, diesmal fehlten, und fand das sehr wohltuend. Wie schön wäre eine Buchwelt, in der weniger Bücher erscheinen, aber dafür mehr Bücher, die unbedingt hinaus in die Welt wollen. Bücher, die eine Herzensangelegenheit sind.

Für die Buchbloggerin war die Welt erst einmal in Ordnung. Bücher, Blogger*innen und Wertschätzung für Blogs überall. Sie freute sich an Sätzen von Verlagsmitarbeitern wie „Ja, wir schauen uns die Blogs erst mal an.“ und „Klar verfolgen wir, ob wir auch die Beleglinks erhalten!“. Noch mehr freute sie sich über Anekdoten, dass Blogger von Verlagsmitarbeitern erkannt wurden, obwohl sie noch nie etwas miteinander zu tun hatten.

Klassentreffen für alle

Auch für uns Blogger ist die Buchmesse mittlerweile ein erweitertes Klassentreffen. Wieder habe ich inspirierende Frauen zum ersten Mal „in echt“ getroffen, deren Social-Media-Aktivitäten ich gerne verfolge oder mit denen ich schon online tolle Aktionen gemacht hatte. Solche Offline-Treffen sind dann sofort von Nähe, Wertschätzung, Respekt, Humor und tiefen Themen geprägt. Wohltuend!

Awards – nicht für alle

Bloggende Männer habe ich auch getroffen. Genau zwei. Das wäre mir so gar nicht aufgefallen, wenn es da nicht diesen Moment beim ersten Buchblogger-Award gegeben hätte. Fast alle Buchblogs werden von Frauen geschrieben. Auf der Bühne standen Gewinner, keine Gewinnerinnen. Nicht nur ich dachte mir in diesem Moment „Das ist mehr als nur bemerkenswert“.

Dazu kommt ein zweiter Aspekt. Gewonnen haben zwei großartige Literaturbotschafter. Nicht gewonnen haben großartige Leserbotschafter – die, die das lesen, was ich als Buchhändlerin am meisten verkauft habe.

Nicht alle Bücher überall

Womit ich zum Blick der Buchhändlerin komme. Die hat mehr als einmal gestutzt, wie sehr der Buchhandel derzeit als Nadelöhr wahr genommen wird. Das reicht von „Unsere Backlist findet im Buchhandel nicht mehr statt.“ über „Unsere Themen finden im Buchhandel nicht statt.“ bis hin zum harten „Unsere Bücher finden im Buchhandel nicht statt.“.

Nicht gehört habe ich solche Aussagen von den Lesern. Die finden ihre Bücher – immer und überall.

Metadaten für alle

Die Online Marketing Managerin stieß immer wieder auf das Thema Metadaten. Die Technik ist jetzt da und muss nun mit Inhalt gefüllt werden. Was genau gehört in die Metadaten? Wer schreibt die Texte, wer ermittelt die Keywords und wie?

Übrigens freuen sich alle in mir – Leserin, Bloggerin und Buchhändlerin – auf bessere Metadaten. Konkret: bessere Verschlagwortung, mehr Leseproben, aussagekräftige Probeseiten, klar benannten Mehrwert eines Buches und Online-Texte, die sich wirklich an den Leser richten. (Und nicht nebenbei auch noch an die Presse, den Buchhändler, die Bibliothekare und die Nebenmärkte.)

Mehr Herzensbücher bitte!

Das alles bitte für Bücher, die Herzensangelegenheiten aller Beteiligten sind. Hach, das wäre schön. Ich gehe jetzt noch ein wenig träumen. Von der Buchmesse, von inspirierenden Büchern, zufriedenen Buchhändlern, glücklichen Verlegern, leidenschaftlichen Buchbloggern und begeisterten Lesern.


 Übrigens: das beste Schuhwerk für die Messe und andere Wahrheiten findet ihr hier im Buchmessen-ABC.

 

 

Der erste Buchblog-Award. Sind wir jetzt angekommen?

Blog GeschichtenAgentin beim ersten Buchblog-Award

Braucht es diesen Buchblog-Award? Ja, denn er macht die Vielfalt der Buchblogs sichtbar. Rund 400 Blogs nehmen teil, das dürfte knapp ein Drittel der aktiven Buchblogger sein. Nicht schlecht für die erste Runde und die Longlist zeigt, dass wirklich aus jedem Dorf ein Hund, aus jedem Bücherregal ein Wurm, aus jedem Lese-Universum ein Vertreter dabei ist.

Warum bin ich beim Buchblog-Award dabei? Die einfache Antwort ist, dass ich mit meinem Blog dazu beitragen möchte, eben genau diese Vielfalt an Lesern, Bloggern und Büchern sichtbar zu machen. So einen Blog wie diesen gibt es kein zweites Mal auf der Liste. Circa 399 andere Blogs können das ebenso von sich behaupten.

Nochmal – warum bin ich dabei? OK, die etwas längere Antwort lautet ungefähr so: Als wir damals Blogger schenken Lesefreude starteten, wollten wir mehr als nur den Welttag des Buches feiern. Wir wollten zeigen, dass wir Buchblogger Teil der Buchwelt sind – und ein verdammt lebendiger noch dazu. Das betrachte ich als erreicht, es muss nur noch gefestigt werden.

Außerdem hatten wir noch gehofft, dass wir eines Tages auch Teil der Buchbranche sein werden … dem nähern wir uns an. Ein Preis, der auf der Frankfurter Buchmesse überreicht wird, ist ein wichtiger Schritt dorthin.

Hat der Preis die optimale Form? Keine Ahnung. Lasst es uns einmal versuchen und danach diskutieren, ob es ausreichend Kategorien sind und ob die Form der Longlist, für die sich jeder selbst vorschlagen kann und über die dann abgestimmt wird, um zu einer Shortlist zu kommen, der richtige Weg ist. Aber zerredet den Preis nicht schon im Vorfeld, ja? Danke schön.

Wer wird gewinnen? Auf jeden Fall ein Blog, dessen Betreiber Bücher liebt und mit Leidenschaft über sie redet. Einer, der liest und so darüber schreibt, das andere denken „Oh! Das will ich auch lesen!“. Natürlich kann nur ein Blog gewinnen, der gut vernetzt ist und auf mehr als einem Online-Kanal aktiv ist. Wie sollte er auch sonst Leser erreichen?

Es wird ein Blog sein, der seine Technik grundlegend im Griff hat und der auch auf dem Smartphone gut aussieht. Nicht zuletzt bin ich mir sicher, dass nur ein Blog gewinnen kann, der ein gültiges Impressum hat.

So oder so, für mich steht ein Gewinner fest. Wollt ihr wissen, wer? Das Lesen.

Und jetzt schaut Euch bitte die Blogs an und vergebt ein paar Däumchen.

(Website zum Award ist nicht mehr online)


Mein Buch-Blog, meine Party – aber natürlich wird eine Party erst durch Gäste richtig gut! Wie kann ich mich mit Leser*innen, Blogger*innen und Bookfluencer*innen vernetzen? Warum blogge ich überhaupt? Was wünsche ich mir von Verlagen, Autor*innen und anderen Akteur*innen der Buchbranche? Und vor allem: Was kann ich als Blogger*in tun, um Lesen und Bücher sichtbarer machen? Meine Gedanken und Artikel dazu hier auf meinem Buch-Blog!


 

Unkonferenz – das Literaturcamp Heidelberg

Das Literaturcamp Heidelcamp ist ein offenes Barcamp, eine Unkonferenz rund ums Buch, die Literatur, das Schreiben und Veröffentlichen. Es machte seinen Namen diesmal alle Ehre – noch unkonferenziger als das, was ich in den zwei Tagen erlebte, geht kaum.

Das begann mit dem Anfang: extra eine halbe Stunde früher starten als letztes Jahr um dann eine halbe Stunde mit der Technik rumschraddeln, bis endlich alles läuft. Das hätte man durchaus auch vorher proben können. Auch ein kleines Skript, was es alles zu sagen gibt, könnte helfen. Über die Hälfte der Anwesenden war noch nie auf einem Barcamp – da muss man auch ein wenig erklären, dass alles in Selbstorganisation abläuft. Dann müsste man auch am zweiten morgen nicht so schimpfen, dass Müll wegräumen und leere Flaschen in die Kästen zurückstellen nicht geklappt hat.

Egal, ich hab Euch trotzdem lieb.

Unkonferenz – jede Session ist unerwartet und anders

Der Herausgeber der Literaturzeitschrift Richtungsding stellt sein Projekt auf dem Literaturcamp Heidelberg vor
In welche Richtung wollte eigentlich das Richtungsding?

Meine erste Session war gleich Unkonferenz pur.

„Mein Name ist Paul und ich habe ein teures Hobby: ich gebe eine Literaturzeitschrift heraus.“

Das Publisher-Paradoxon nannte er seine Session und wollte seine These ergründen, dass es mehr Menschen gibt, die in einer Literaturzeitschrift veröffentlichen wollen, als solche, die diese Zeitschrift kaufen würden.

Belegen wollte er es mit seinem eigenen Projekt Richtungsding.

Doch schon nach 10 Minuten begann das Publikum daran zu zweifeln, dass seine Zeitschrift als Beispiel geeignet sei und begann, sehr klug und direkt, Marketing und Vertrieb zu hinterfragen.

Mir gab die Session viel, denn ich nahm nicht nur einen Haufen intelligente Fragen mit, sondern auch das beste Foto, dass ich auf dem Literaturcamp 17 gemacht habe. Danke Paul – seit deiner Session denke ich darüber nach, wie veröffentlichen ohne Zielgruppe funktionieren könnte. Daher betrachte ich diese Session als ein gutes Beispiel, was Unkonferenzen leisten können. Wer jedoch erwartet hatte, in dieser Session eine Art Schulung zu bekommen, war enttäuscht.

Anna von Ink of Books referiert über: Lebe deinen Blog
Lebe deinen Blog – Anna macht es vor.

Eine unerwartet gute Schulung bot hingegen Lebe Deinen Blog von Anna alias Ink of Books. Sehr souverän, sehr kompakt und mit viel mehr Informationen, als ich dachte, dass man in 45 Minuten packen könnte. Ein Blog ist ein Gesamtpaket und besteht aus Bildsprache, Tonalität und persönlicher Erzählstimme. Ein Blog ist aber auch eine Reise hin zu der Persönlichkeit, die man auf dem Blog sein möchte. Diese Blogpersönlichkeit ist nicht deckungsgleich mit der Privatperson hinter dem Blog. Übrigens könnte ich meinen Blog nicht so einfach mit drei Hashtags charakterisieren, wie Anna das vorschlägt. Ich werde weiter darüber nachdenken und bedanke mich für die kluge Session!

Auf jedem Barcamp sollte man sich mindestens eine Session anhören, von deren Thema man nichts versteht. Zu gerne hätte ich den Vortrag von Ingeborg von der EBookerei zum Thema barrierefreie EBooks gehört. Allein die Göttin des Zeitplans war mir nicht hold. Nun, es liefen auch immer 8 Sessions parallel. Wir haben also alle gefühlt mehr verpasst als gehört. Auch das gehört zu einer Unkonferenz dazu.

Alternativ habe ich mir dann „Schreiben fürs Hören“ herausgesucht, denn von Podcast oder Radio-Journalismus verstehe ich wenig. Was für eine muntere und bereichernde Session von Nora alias Die Anachronistin und Kati alias Kati quatscht. Auch dieser Vortrag war ein gutes Beispiel dafür, was Unkonferenzen leisten können – improvisiert, erfrischend und frei Schnauze. Auf einmal verstand ich dann doch was vom Thema: Schreiben fürs Hören ist näher am Online schreiben als am Print schreiben.

Klaus N. Frick, seit sehr langer Zeit Perry-Rhodan-Redakteur, könnte ich stundenlang zuhören. Er bot in seiner Session einen Werkstattbericht: Wie entsteht die Serie, welche Formate können die alten Heftchen ersetzen, was haben Karl May und Perry Rhodan gemeinsam und wie um Himmels Willen bekommen wir mehr weibliche Protagonisten … Großartig. Und hiermit äußere ich meinen ersten Wunsch für das #litcamp18: Klaus, mach doch mal was zu Punk und Literatur!

Was ist ein Barsortiment und was hat Amazon damit zu tun: Heiko und Michael vom Barsortiment Umbreit boten einen Einblick in die Welt eines Dienstleisters, der außerhalb des Buchhandels kaum wahr genommen wird. Was mir hier im Gedächtnis bleibt ist: Kunde bestellt ein Buch bei Amazon, Amazon bestellt beim Barsortiment, denn das große A hat weniger Bücher vorrätig als ein Barsortiment. Die liefern das Buch nach Polen und von dort liefert Amazon das Buch wieder nach Deutschland. Da fehlen mir die Worte, um einen solchen Wahnsinn zu beschreiben.

Meine Neugier führte mich auch in die Session des Astikos Verlags, da mich interessierte, wie sie ihr dezentrales Team organisieren. Aus der Session wurde schnell im Zusammenspiel mit Kollegen des Carl Auer Verlags ein Erfahrungsaustausch – danke dafür!

Einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen wollte ich bei dieser Session bekommen: Mojoreads, ehemals log.os, tritt an um die Plattform für alle Belange des buchischen Lebensstils zu werden. Spannendes Projekt, definitiv. Ich werde es weiter verfolgen!

Aber was wünsche ich mir für das #litcamp18?

Diese Zwischenüberschrift besagt schon mal zweierlei: ich habe in meiner eigenen Session, SEO für Menschen, die lieber schreiben als sich um Technik zu kümmern, gut aufgepasst und ich möchte 2018 wieder dabei sein, denn ich habe diese Unkonferenz ins Herz geschlossen.

Wünsche habe ich einige.

  • Ich wünsche mir ein Publikum, dass seine Erwartungshaltung ablegt und nicht davon ausgeht, Kurz-Schulungen zu bekommen, die sich mindestens auf VHS-Niveau bewegen.
  • Ich wünsche mir eine stärkere Durchmischung der Sparten. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es parallel ein Barcamp für Autoren, eines für Blogger und eines für Verlagsmitarbeiter gab.
  • Ich wünsche mir mehr Out-of-the-Box Themen; Sessions, bei denen der Zusammenhang zum Buch erst auf den zweiten Blick klar wird. Zum Beispiel eine Punksession.
  • Ich wünsche mir noch mehr Kinder auf dem Literaturcamp – die Kinderbetreuung macht das möglich – sowie Sessions zu Kinderbüchern.
  • Ich wünsche mir, dass die Orga in der Einführung nicht nur darauf hinweist, dass jeder eine Session anbieten sollte, sondern auch darauf, dass jeder mindestens eine Session besucht, die ein für ihn absolut unbekanntes Thema behandelt.

Und was wünscht Ihr Euch für das #litcamp18?

Ein Besucher der Unkonferenz: Sehr müder Hund auf dem #litcamp17
Ermüdeter Teilnehmer auf dem #litcamp17. Was er wohl über die Unkonferenz denkt?

Session verpasst? Hier gibt es manches zum Anschauen.

Rückblick auf das Literaturcamp Heidelberg 2016:

Ich und die Comics. Und wie uns die Mangas in die Quere kamen.

Blogparade: Ich und die Comics. So wurde ich zum Comic Leser.Bücher, Zeitschriften, Comics – als Kind habe ich einfach alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Gefühlt war Lesestoff immer Mangelware. Bücher wurden vor allen Dingen ausgeliehen, gekauft eher selten. Doch ab und an gab es wohl im Supermarkt reduzierte Comics – das war wohl eine Quelle. Die andere Quelle waren die Jungs aus der Nachbarschaft: dort habe ich mir vor allem Donald Duck und Asterix ausgeliehen; ab und an auch mal Superhelden.

Meine Mutter musste sich noch verteidigen, dass sie ihrem Kind Comics zu lesen gab – ich bin Jahrgang 1968. Doch selbstbestimmtes Lesen war ihr wichtiger als irgendein literarischer Bildungsauftrag und meine sehr guten Deutsch-Noten nahmen den Kritikern dann eh den Wind aus den Segeln. Sie hatte als Kind auch immer gefühlt zu wenig zu lesen gehabt und war auf die Fortsetzungsromane der Gartenlaube ausgewichen. Geschadet hat ihr das ebenfalls nicht.

Eine Leidenschaft für Comics habe ich damals aber nicht entwickelt. Ich las einfach alles, was ich bekam. Die Wende kam eigentlich erst während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin – also 1989/90.

Hallo Comic-Abteilung – hallo Dagmar!

Aus meiner Comic SammlungComics spielten damals im Buchhandel keine Rolle. Kaum ein Buchhändler hatte welche vorrätig. Es zählte das Totschlag-Argument aller Buchhändler: unsere Kunden wollen das nicht. Das Wort Schund fiel so gerade eben nicht mehr.

Doch dann landete ich in einer Filiale der Buchhandlung, die gegründet wurde, um zu experimentieren. Buch Kober im Stadtgarten lag gegenüber von WOM – World of Music. Wer mit CDs zur Kasse wollte, musste durch die Buchhandlung. Dort gab es die größte Science-Fiction und Fantasy-Abteilung des Rhein-Neckar-Raums, die Noten der angesagten Bands und eben Comics, viele Comics. Ein Nerd-Paradies innerhalb einer normalen Buchhandlung mit Schwerpunkt Taschenbuch. Hell, großräumig, fast nur Frontalpräsentation.

Gelesen habe ich zu dem Zeitpunkt fast nur Cartoons und Comic-Strips: Gary Larson, Hägar und Garfield. Nun stand ich auf einmal vor den Comics und dachte mir: ich kenne euch nicht, aber ich soll euch ab jetzt verkaufen. Also begann ich zu lesen. Lesen hilft immer.

Begonnen habe ich mit Tim und Struppi, die etwas statischeren Bildern und das ruhigere Erzählen kamen mir entgegen. Ich las mich quer durch das Carlsen- und Ehapa Programm und bald auch quer durch alles, was mir in die Finger kam: Marsipulami, Valerian und Veronique, Gaston, Blueberry, Natascha, Modesty Blaise, Manara …

Der Comic-Markt war damals im Umbruch. Weniger Kinder-Comics wie Yakari, mehr Comic-Art. Lauzier, Prado, Moebius und Jodorowsky. Was auch immer kam – ich las. Die nächste Wende wurde durch Akira eingeleitet.

Vorhang auf für Mangas

Akira war der erste Manga, der mir auf dem deutschen Markt begegnete. Großformatig und in europäischer Leserichtung – etwas anderes hatte sich der Verlag nicht getraut. Ich las – und stieg aus. Das war mir zu schnell, ich fand nicht in die Bildsprache hinein, verstand die Emotionen nicht und die hektischen Schnitte machten mich nervös. Nur ein Manga konnte mich fesseln: Battle Angel Alita, ebenfalls in europäischer Leserichtung.

Aber das ich mich mit den Mangas nicht anfreunden konnte machte nichts, denn es gab ja noch die vielen Alben von Verlagen wie Schreiber & Leser oder Splitter. Ständig kamen neue Serien auf den Markt und die Alben wurden immer teurer. Wie gut, dass ich Buchhändlerin war: Ich konnte alles in der Mittagspause lesen und anschließend wieder in das Regal stellen – paradiesisch!

Auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet. Es war blond, hatte große Augen und den Kampfruf „Mondstein flieg und sieg!“. Sailor Moon brachte mein ruhiges, planbares Leben als Buchhändlerin mit Comic-Abteilung durcheinander – und das war gut so!

Manga-bedingte Lesepause

Mit den Mangas wurde alles anders. Statt männlicher Nerds, die alle aussahen als würden sie Maschinenbau studieren, standen auf einmal junge Mädchen im Laden und brachten Leben in die Bude. Die Verlage stellten sich rasch darauf ein. Statt großer, teurer, opulenter Comic-Alben kamen kleine, handliche Mangas in japanischer Leserichtung auf den Markt.

Damit gab es für mich als Comic-Leserin erst mal eine Pause. An Mangas lesen konnte ich mich nie gewöhnen, verkauft habe ich sie immer gerne.

Auf einmal war ich wieder Zielgruppe

Den Comic-Verlagen ist dann wohl irgendwann gedämmert, dass sie eine komplette Zielgruppe, nämlich den klassischen Comic-Leser, ignorieren. Sie begannen, Sammelausgaben der alten Serien auf den Markt zu bringen. Zu stolzen Preisen. Um die Gesamtausgabe von Valerian und Veronique schleiche ich immer noch drum herum.

Seltsam finde ich, dass ich nie so richtig den Zugang zu Graphic Novels, dem anderen großen Hoffnungsträger der Comic-Branche, gefunden habe. Mir war das immer zu kopflastig.

42 Jahre Comics lesen – Was ist geblieben?

Moebius Comics

Vieles aus meiner Comic-Sammlung hat sich aufgelöst, ist aus dem Leim gegangen und wurde entsorgt. Insbesondere die Alben von Carlsen waren zwischendurch von übler buchbinderischer Qualität.

So ist meine Sammlung erstens sehr klein und zweitens sehr zufällig.

Zwei Lese-Leidenschaften sind geblieben: Comic-Strips und der opulente, künstlerische Comic.

Und ein Idol: Moebius.

 

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Ich und die Comics. Wie alles begann.“ Ihr wollt wissen, wie diese Blogparade funktioniert und wer alles teilgenommen hat? Dann schaut bei booknapping vorbei – hier findet Ihr die Zusammenfassung mit allen 18 Beiträgen!