Disruptive thinking. Machen Menschen den Unterschied?

Disruptive thinking im Buchregal
Disruptive Thinking im Buchregal. Das Lexikon im Hintergrund hat die Disruption nicht überstanden.

Manchmal denke ich mir, dass gerade wir Buchhändlerinnen perfekt auf das digitale Zeitalter vorbereitet sind. Schließlich konnten wir schon in Stichwörtern und Schlagwörtern denken, bevor es Begriffe wie Keywords und SEO gab.

Wenn ich dann in dem Buch Disruptive Thinking lese, dass Nichtwissen aushalten eine Schlüsselqualifikation für das Disruptive Zeitalter sei, denke ich mir schon wieder, dass ich als Buchhändlerin darauf perfekt vorbereitet bin.

Wir lernen schon im allerersten Lehrjahr, dass wir nicht auf alle Kundenfragen sofort eine Antwort haben. Mit etwas Ausdauer und Talent haben wir dann schon nur wenige Jahre später Strategien entwickelt, wie wir mit unserem Nichtwissen umgehen und es in Verkaufserfolge umwandeln können.

Doch ich schweife ab und das schon bevor wir zum Buch „Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist“ kommen.

Das kann ja heiter werden.

Disruption. Schon erlebt.

Ich hatte schon seit einiger Zeit kein Wirtschaftssachbuch mehr gelesen. Die letzten Hypes und Buzzwords berührten mich nicht. Industrie 4.0 ist für mich bis heute eine nicht greifbare Worthülse.

Das Buzzword Disruptive Thinking hingegen schlug bei mir in unmittelbarer Nähe auf. Meist im Zusammenhang mit „dieser Digitalisierung“ und „denen eBooks da“. Das ist jedoch viel zu kurz gedacht. Auch die Erweiterung der Diskussion auf schicke Panel-Themen wie „Die Zukunft des Lesens“ beschreibt nur ein Bruchteil von dem, was Bernhard von Mutius als Disruptive Thinking beschreibt. Gut so.

Es geht also um mindestens alles incl. Gesellschaftswandel, einem neuen Denken und der Zukunft der Menschheit. Prima, denn ab hier wurde es für mich spannend.

„Eine disruptive Technologie (englisch to disrupt „unterbrechen“) ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt.“ sagt Wikipedia. Disruptives Denken ist demnach das, was vor der Entwicklung geschieht. Oder danach – wenn man zur verdrängten Konkurrenz, zu den aussortierten Mitarbeitern gehört und sich überlegt, wie man aus der Misere wieder heraus kommt.

Disruptive Thinking für alle Jobs. Ok, für fast alle.

Die Analyse des aktuellen Geschehens im ersten Drittel des Buches war für mich erst mal sehr wichtig, um wieder Anschluss zu bekommen. Dabei hat mich fasziniert, wie geschickt der Autor wirklich jeden in seinem beruflichen Umfeld abholt. Verwaltungsfachmann oder Techniker, kreativer Kopf oder Stratege – für jeden gibt es das passende Beispiel, was Disruptive Thinking für ihn bedeuten kann und welche Chancen, aber auch Gefahren enthalten sind. OK – für fast jeden: die kleine Einzelhändlerin kommt auch hier wieder nicht vor. Ihr Filialbetreuer schon eher. Sortimentsanalysen können auch von intelligenten Systemen durchgeführt werden. Was ist dann sein Job? Ist diese Veränderung schon eine Disruption? Oder erst der Beginn? Beantworten kann man das erst im Rückblick.

Am Ende des Buches gibt es dann auch eine Umschreibung des Phänomens, die uns Buchmenschen glücklich machen könnte:

Man muss in der Lage sein, das Cluetrain-Manifest und die Charta der digitalen Grundrechte, Roger Willemsen Schrift Wer wir waren und Michel Serres Büchlein Erfindet euch neu nebeneinander zu lesen, nebeneinander stehen zu lassen, zusammenzudenken – und daraus vielleicht noch etwas Neues, Anderes zu machen, damit wir nicht zerrissen werden. Ohne vorher zu wissen, wie das geht. Das ist Disruptive Thinking.
S. 193

Lasst uns also noch mal kurz in dem Gefühl schwelgen, dass das Buch doch noch ein Leitmedium sein könnte. Bis uns die Disruption dann endgültig einholt.

Zwischenspiel: Design Thinking

Doch was passiert zwischendrin in dem Buch, zwischen der Analyse und den Handlungsempfehlungen für die Zukunft? Da gibt es ein für mich viel zu langes Kapitel über Design Thinking. Danach weiß ich zwar, das diese Technik wohl entscheidend wichtig in Zeiten wie diesen ist, und ich weiß auch, was nötig ist, damit die Technik angewendet werden kann. Aber was diese Design Thinker denn nun eigentlich den ganzen Tag lang tun – das weiß ich immer noch nicht.

Aber das ist nicht das, was mir von der Lektüre im Gedächtnis bleiben wird.

disruptive thinking. was nun? Doppelseite aus dem Buch.
Disruptive #bookstagram. Ein Fachbuch ins Fremde stellen und mit einer Kuscheldecke auf Instagram posten.

 

Disruptive Thinking. Machen Menschen den Unterschied?

Schon lange hatte ich kein Wirtschaftsbuch mehr gelesen, dass den Menschen so in den Mittelpunkt gestellt hat wie dieses. Das ist einerseits hoch erfreulich. Andererseits ist es auf Grund des Anlasses schon fast makaber: wenn uns die Technik immer mehr Arbeit und Aufwand abnimmt, ist es allerhöchste Zeit, uns auf das zu besinnen, was das Menschsein ausmacht.

Doch was könnte das sein? Kreativität und die Fähigkeit, Fragen zu stellen, auf die es noch keine Antworten gibt. Unsicherheiten aushalten und gleichzeitig anderen Menschen Sicherheit geben. Das Miteinander weiterentwickeln, in dem wir die Teilhabe stärken. Je stärker wir uns vernetzen desto wichtiger wird der Einzelne mit seinen Talenten und seiner Bereitschaft, sich einzubringen und zu lernen.

In solchen Momenten habe ich das Buch fast staunend zur Seite gelegt. Revolution! Liebe! Utopie! Doch im nächsten Satz ging es dann schon wieder um Firmengewinne und die Weiterentwicklung von Konzernen.

Aber auch das gehört zum Disruptive Thinking: aufhören, in Gegensätzen zu denken.

Na, dann mal los. Ich fühle mich jetzt deutlich besser gerüstet. Meinen Platz in der schönen neuen Welt beginne ich zu erahnen. Ob er mir gefällt? Das werde ich dann erst im Rückblick beantworten.


BERNHARD VON MUTIUS Disruptive Thinking. Gabal Verlag.

Angaben zum Buch:
Bernhard von Mutius

Disruptive Thinking
Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist

Gabal Verlag
ISBN 978-3-86936-790-3

 

 

Anderer Blickwinkel, gleiche Baustelle: 
How soon is now? Ohne Krise keine Veränderung von Daniel Pinchbeck.

Blumen für Algernon

Blumen für Algernon. Einer der erfolgreichsten Klassiker der Science-fiction
Was wäre, wenn eine Labormaus sich schneller in einem Labyrinth zurecht findet als Du? So ergeht es Charlie am Anfang.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Das gilt nicht nur für den Helden des Buches Blumen für Algernon, der hartnäckig an seinem Traum „intelgent“ zu werden, festhält. Das gilt auch für Simone vom Blog Papiergeflüster, die hartnäckig seit 2014 diesen Klassiker der wissenschaftlichen Science Fiction empfiehlt und so nach und nach alle von der Qualität des Buches überzeugt.

Nun also auch mich.

Was fasziniert so an der 1966 erschienen Geschichte um den geistig zurück gebliebenen Charlie Gordon, der durch ein wissenschaftliches Experiment innerhalb weniger Wochen hochintelligent wird?

Ganz einfach: dieser Science Fiction berührt zutiefst menschliche Fragen. Was macht das Menschsein aus? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Wie ist der Zusammenhang von Sprache und Bewusstsein? Hilft Intelligenz alleine schon, ein guter Mensch zu sein? Wie kann man Intelligenz, Seelenleben und Affekte ausbalancieren? Sollen Wissenschaftler alles umsetzen, was sie können könnten? Auf diese Fragen haben wir 2017 immer noch keine umfassenden Antworten gefunden.

Müsste ein Science Fiction, der 1966 erschien, nicht schon längst von der Realität eingeholt worden sein? Tatsächlich sind es jedoch nur ganz wenige Stellen, an denen der Roman leicht altmodisch wirkt.

Das Flirt-Verhalten zum Beispiel ist so ein Punkt. Charlies IQ hat sich zwar in ungeahnte Höhen geschraubt, aber ob er eine Frau zum Abschied vor der Haustür küssen soll, wo er doch am liebsten mit ihr hoch gehen würde – auf diese Fragen weiß er keine Antwort.

Mir fiel auch auf, dass es die Art Aushilfsjobs, die Charlie zuerst in der Bäckerei erledigt und die ihm ein halbwegs in die Gesellschaft integriertes Leben ermöglichen, so nicht mehr gibt. Doch die Fragen sind die gleichen geblieben. Heute nennt man es Inklusion und Charlies Kollegen in der Bäckerei zeigen deutlich, was für eine Herausforderung die Integration eines Menschen mit einem IQ von 60 für die normal begabten Kollegen bedeutet. Sie scheitern, nicht er.

Auch im wissenschaftlichen Leben scheint sich seit 1966 nicht allzu viel verändert haben. Was treibt Wissenschaftler an? Die Gier nach Ruhm, wissenschaftlicher Ehrgeiz oder die Hoffnung auf eine bessere Welt? Forschung muss finanziert werden – ist sie dann noch unabhängig?

Blumen für Algernon fasziniert auf vielen Ebenen. Eine solche Dichte an psychologischen, ethischen und wissenschaftlichen Fragen, die zudem in eine so menschliche Geschichte gepackt wurden, habe ich schon lange nicht mehr in einem Buch gefunden. Damit wird es lange in meinem Gedächtnis bleiben.


Angaben zum Buch:

Daniel Keyes

Blumen für Algernon

Übersetzt aus dem Amerikanischen von Eva-Maria Burgerer

Klett-Cotta
Hobbit Presse
ISBN: 978-3-608-96029-7


 Unendliche Weiten – sind nicht das einzige, was Science Fiction zu bieten hat. Hier findet ihr mehr Buchtipps und Rezensionen zu SF-Romanen auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


Climate Fiction mit Wow-Effekt: Exit this city von Lisa Marie Reuter

Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

LAURENT GOUNELLE Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden. Roman.

Allzu viel hat Alice, die erfolgreiche Marketing- und Kommunikations-Beraterin, noch nie über Gott nachgedacht. Mann mit weißem Bart auf einer Wolke? Lächerlich. Zeitverschwendung, ihr Leben beschäftigt sie voll auf. Vermisst hat sie nichts.

Ihrem Jugendfreund Jérémie, der in ihrer Heimatstadt Cluny Priester ist und vor einer fast leeren Kirche predigt, fehlt aber offensichtlich etwas ganz Wichtiges: eine gescheite Marketing- und PR-Strategie!

Sie beschließt, ihm zu helfen.

Sie geht es gründlich an, mit genau den Methoden, die ihr im Job zum Erfolg verhelfen. Quellenstudien – sie liest die Bibel. Mehrfach. Fühlt sich aber wohler damit, sie in einem neutralen Buchumschlag zu verstecken. Was würden die Leute sonst denken?

Sie fragt sich, was die Gläubigen suchen. Schließlich muss man die Zielgruppe kennen. Sie feilt am Auftritt des Priesters. Sie verändert die Show, pardon, den Gottesdienst … und das, was für sie als Job begann, verändert sie.

Schuld daran ist ihre Reise durch die Welt des Glaubens und der Spiritualität. Daoismus, Hinduismus, Buddhismus und Astrophysik, amerikanische Selbsthilfe-Gurus und Marketing-Theorien. Alice prüft alles: wie funktioniert es, wie unterscheidet es sich vom christlichen Glauben und könnte man nicht vielleicht doch Bruchstücke davon nutzen, um die Kirche in Cluny wieder voll zu bekommen?

Ja, das könnte auch ein Drehbuch sein. Aber Laurent Gounelle erschafft sympathische Figuren, denen man verzeiht, dass sie vor allen Dingen die Erkenntnis vorantreiben sollen, und fügt geschickt etwas französischen Charme hinzu. Das liest sich sehr, sehr schön und der Schluss ist großes Kino mit Tempo-Taschentuch als Sponsor.

Von kleinen und großen Buch-Schätzen

Tiefe Botschaften, universelle Wahrheiten. Wenn ich so etwas über ein Buch lese, hilft mir nur eines: Einatmen, ausatmen. Der spirituell-philosophische Roman und ich, wir haben eigentlich ein etwas angespanntes Verhältnis. Ich kann ihm einfach nicht unvoreingenommen begegnen! Trotzdem greife ich immer wieder gerne zu Büchern aus diesem Genre. Wenn ich meine Lektüre klug wähle, finde ich einen großen Schatz. Wenn ich daneben greife, begegnen mir Delfine oder ein Coelho.

Diesmal habe ich gut gewählt und einen kleinen Schatz erwischt. Zum großen Schatz fehlt nur eine Kleinigkeit. Um alle Blickwinkel auf Gott, das Universum und alles unterzubringen, musste Laurent Gounelle tief in die Trickkiste greifen. Hier noch ein Telefonat mit einem Astrophysiker, dort noch eine Begegnung mit einem Fachmann für östliche Lehren, der seinen Weinkeller mehr liebt als die Menschen. Das sorgt für eine allumfassende Betrachtung des Themas, wirkt aber manchmal ein wenig konstruiert. Doch das hat mein Lesevergnügen nur minimal geschmälert.


Buch Cover: LAURENT GOUNELLE Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Infos zum Buch:

Laurent Gounelle

Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

O.W. Barth im Droemer Knaur Verlag
ISBN: 978-3-426-29278-5

 


Auch wenn der  spirituell-philosophische Roman und ich ein angespanntes Verhältnis haben, gibt es doch noch viel mehr Bücher aus diesem Genre, die mir gefallen haben. Hier eine kleine Auswahl:

Welche Bücher kannst Du mir dazu empfehlen?


 Was ich wirklich sehr empfehlen kann: Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams von Mouhanad Khorchide. Hier findet ihr meine Rezension:


Charme, Erotik, Provokation: ein Blick auf Bücher aus Frankreich

Zitronentörtchen aus Frankreich
Zitronentörtchen, frisch vom Konditor. Dann bin ich mir sicher, dass ich in Frankreich bin. Französische Bücher sind genauso eigen und lecker.

Alle lasen Bukowski, also las ich Anais Nin, damals im Gymnasium. Verstanden habe ich sie erst mal nicht. Dazu fehlte mir noch vielerlei Erfahrung. Aber das störte mich nicht: Die Faszination war groß und das genügte mir vollkommen.

Aber hoppla,  was sucht Anis Nin in diesem  Beitrag? Nun, dass ihre Bücher zwar in Paris entstanden sind und wohl auch nur dort entstehen konnten, sie aber gar keine Französin ist, fiel mir erst später auf.

Dieser erste Kontakt mit französischer Literatur oder mit dem, was ich für französische Literatur hielt, enthielt also schon alles, was mich in meinem weiteren Leserinnen-Leben begleiten würde. Frankreich, das war Lust, Charme, Erotik, Grenzgänger, freieres Denken, Kunst, eigensinnige Frauen. Zudem zeigt dieser Erstkontakt auch, dass immer mein Bild von Frankreich meinen Blick auf die Bücher überlagert hat.

So war Literatur aus Frankreich vor allen Dingen immer eines: das, was deutsche oder angelsächsische Literatur nicht hatte. Zur französischen Literatur griff ich stets dann, wenn mir alles andere fad und langweilig erschien.

Französische Bücher und ich – der Anfang

Anais Nin „Delta der Venus“ habe ich wohl 1985 zum ersten Mal gelesen. Zum Glück später dann noch mal. Mehr Reife auf Leserinnenseite tut ihren Büchern gut. Die nächsten französischen Bücher, die dann wirklich von französischen Autoren stammten, folgten bald. Als Auszubildende im Buchhandel saß ich ja an der Quelle und war umgeben von Menschen, die froh waren, wenn sie Bücher entdecken und empfehlen konnten.

So kam „Die schöne Hortense“ von Jacques Roubaud zu mir. Ein Liebesroman, ein Katzenroman und ein echter Kriminalroman – was waren wir entzückt von diesem Verwirrspiel! Natürlich spielte auch in diesem Buch Erotik eine wichtige Rolle, mais oui, so muss das doch sein bei einem französischen Buch, oder? Mein Versuch, das Buch heute wieder zu lesen, scheiterte jedoch. Ja, es hat Charme, aber für mich ist es heute zu geschwätzig.

Frankreich, das war für uns damals auch Kunst, Illustration und Film, Autorenfilm. Bücher wie „Tee im Harem des Archimedes“ oder „Betty Blue“ kamen so zu mir. Aber wie das bei mir so ist: Entweder mag ich den Film oder das Buch. Selten beides und in diesen beiden Fällen ziehe ich den Film vor.

Alle Frauen lasen damals „Der Kuss: Kunst und Leben der Camille Claudel“. Ich auch. Dieses Buch war sicherlich ein Grundstein für meine Museumsliebe und sorgte dafür, dass ich im Museum auch immer auf das achte, was nicht ausgestellt wird: Kunst von Frauen.

Comics kamen für mich damals aus Belgien oder Frankreich. Marsupilami, Franquin, Valerian und Veronique – ich habe sie alle verschlungen. Aber ein Künstler ließ mich nicht mehr los: Moebius. Kleine Anekdote am Rande: FIU – diese Abkürzung ist ein Running Gag bei mir. Steht für „Franzose im Urlaub“ und stammt aus dem Universum um Major Grubert.

Kunst, Charme und Erotik waren Aspekte, die mir als Leserin im Zusammenhang mit französischen Büchern immer wieder begegneten. Doch viel mehr im Gedächtnis blieb mir etwas anderes: die Lust an der Provokation.

Es wird provokanter: Darrieussecq, Despentes, Houellebecq

Kann man als Frau und Feministin Houellebecq lesen? Ich konnte es nicht. Zu weit weg von meiner Realität, von meinem eigenen Leben. Das gleiche gilt für Beigbeders Skandalbuch 39,90. Ich fand es gut gemacht, aber die Lust auf mehr weckte es nicht.

Virginie Despentes ist da für mich ein ganz anderes Kaliber. Ihr Roadmovie „Wölfe fangen“ war einfach … whäm. Die Frau traut sich was und ich folge ihr gerne. Ihr neues Buch „Das Leben des Vernon Subutex“ steht auf meiner Wunschliste.

Auf ganz andere Art traut sich auch Marie Darrieussecq etwas. „Schweinerei“ ist sinnlich, anstößig und spielt perfekt mit den Erwartungshaltungen an erotische Literatur von Frauen. Ein Grenzgänger, eine Perle, ein Fest!

Sehnsucht, sehnsüchtiger, Südfrankreich

Sonne in Südfrankreich
Sehnsuchtsort Südfrankreich. Kann man darüber lesen. Noch besser: hinfahren!

Peter Mayle habe ich natürlich als Buchhändlerin im Stapel verkauft. Nach Südfrankreich in Urlaub gefahren bin ich trotzdem gerne.

Selbst dann noch, als dort als Folge der Bücher von Mayle sehr, sehr viele Briten anzutreffen waren.

Im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch ein ganz anderer Südfrankreich-Roman, ein literarischer Krimi. „Das ermordete Haus“ von Pierre Magnan hat mich mit seiner kargen, archaischen Wucht beeindruckt und hat mir zum ersten Mal eine Vorstellung davon gegeben, wie sich das Leben in den südfranzösischen Bergen anfühlen könnte.

Sehr spät griff ich zu dem Klassiker von Marcel Pagnol „Die Wasser der Hügel“. Falls ihr diesen Roman noch nicht kennt: Zögert bitte nicht so lange, wie ich es getan habe! Mehr Südfrankreich, mehr Traum vom einfachen Leben, mehr Charme und Witz geht kaum.

Gebrauchsanweisungen und französische Toiletten

An meiner eigenen Leserbiographie sehe ich sehr deutlich, dass ich immer meinem Bild von Frankreich hinterher lese, das geprägt ist von meinen Sehnsüchten und meiner Neugier auf andere Lebensentwürfe. Das ergibt ein ungefähr so realistisches Frankreich-Bild wie ein Asterix-Comic.

Selbst wenn ich versuche, mich dem Alltag in Frankreich anzunähern, geschieht das doch wieder durch eine sehr deutsche Brille. „Ein Jahr an der Côte d’Azur“ ist ein Beispiel dafür: Einerseits Alltagsgeschichten, andererseits feinste Expat-Romantik.

Absolut lesenswert finde ich Birgit Vanderbekes „Gebrauchsanweisung für Südfrankreich„. Da finden wir einmal solch wunderbare Geschichten wie die vom Bohneneintopf Cassoulet, der im Winter auf vielerlei Art die schlecht funktionierende Heizung ersetzt. Vanderbeke spielt aber auch ganz wunderbar mit den Blickwinkeln auf ihren Alltag in Südfrankreich, der doch kein südfranzösischer Alltag ist.

Meine persönliche Revue französischer Bücher wäre nicht komplett ohne den kleinen Reiseführer „Pissing in Paris“. Ja, es geht um Toiletten in Bistros und an öffentlichen Orten, die auf vielerlei Art eine Herausforderung darstellen können. Dagmar Fedderke, die wohl aus erotischen Gründen nach Paris gezogen ist, hat ihn geschrieben.

Dieses kleine Büchlein vereint alles, was ich hier vor Euch an Lektüre und Lese-Erfahrungen ausgebreitet habe: Provokation, Charme und Erotik – eben das, was meinen sicherlich sehr subjektiven Blick auf Frankreich und seine Bücher prägt!

Bleibt die Frage: Ist das ein typisch deutscher Blick auf Bücher aus Frankreich oder bin ich ein Opfer des Buchmarketings der deutschen Verlage? Wahrscheinlich ja. Aber muss mich das stören? Wie seht Ihr das? Und was habe ich an Büchern verpasst?

Die Bücher in der Reihenfolge ihrer Nennung im Beitrag:

Anais Nin – Das Delta der Venus

Jacques Roubaud – Schöne Hortense

Mehdi Charef – Tee im Harem des Archimedes

Philippe Djian – Betty Blue

Anne Delbée, Der Kuss. Kunst und Leben der Camille Claudel.

Moebius – Comics

Frederic Beigbeder – 39,90

Virginie Despentes – Wölfe fangen

Marie Darrieussecq – Schweinerei

Pierre Magnan – Das ermordete Haus

Marcel Pagnol – Die Wasser der Hügel

Annika Joeres – Ein Jahr an der Côte d’Azur

Birgit Vanderbeke – Gebrauchsanweisung für Südfrankreich

Dagmar Fedderke – Pissing in Paris


Dieser Beitrag gehört zur Blog-Aktion „Eine Reise nach Frankreich – #littripFR17“. Mehr Infos zur Aktion findet ihr bei Kielfeder und El Tragalibros, die diese virtuelle Reise organisieren.
Am 23. September findet unter dem Hashtag #littripFR17 eine Lesenacht auf Twitter statt – schaut vorbei, macht mit!

Logo der Blog-Aktion zur Buchmesse "Eine Reise nach Frankreich - #littripFR17"

Bücher aus und über Frankreich: Rezensionen und Beiträge auf meinem Blog

Nick Cave – Graphic Novel von Reinhard Kleist

Die Graphic Novel über Nick Cave und mein Knie auf der Couch. Erotischer wird es heute nicht mehr.

Als ich mit der Graphic Novel „Nick Cave – Mercy on me“ von Reinhard Kleist auf der Couch lag gingen mir drei Gedanken durch den Kopf:

Eine Graphic Novel liest sich also auch nicht schneller als ein Buch.

Verdammt, ich habe kein Vokabular um angemessen über die Illustrationen zu schreiben.

Wie um Himmels Willen konnte ich Anita Lane bisher übersehen?

Verdammnis, der Himmel und die Frage nach der Zeit – daraus könnte Nick Cave gleich einen richtig guten Song machen.

Ich gehe es ein paar Nummern kleiner an und versuche mich an einer ordentlichen Rezension im Stil der GeschichtenAgentin: was habe ich mit der Graphic Novel erlebt?

Tote Frauen und Pathos

Nick Cave ist für mich ein großer Künstler und ein Phänomen. Ich ergänze dazu ganz sexistisch: ein gut aussehender Mann (vor allen Dinger später, als er etwas mehr auf den Rippen hat), stilbewusst bis eitel, mit einer wunderbaren Stimme. Den sexistischen Blick auf Nick Cave nutze ich ganz bewusst. Ich halte ihn für durchaus angemessen, denn in seinen Liedern ertönt es genauso: Frauen sind entweder Mütter, Huren oder tot – gerne auch eine Kombination von allem.
An eye for an eye, a tooth for a tooth, anyway I told the truth … warum sollte ich also auf den Sexismus verzichten? Aber ich bin ja gar nicht so. Doch das Universum des Nick Cave lockt mich nicht sonderlich. Fan war ich also nie.

Wer wie ich Ende der 80er Jahre auf einem deutschen Gymnasium war, kann wahrscheinlich heute immer noch den Song „Mercy Seat“ mit-sprechsingen. Es gab keinen Weg vorbei an diesem Monster von einem Song. Dummerweise verbinde ich damit das Bild blasser Jünglinge, die mit aller Inbrunst, die ihre schmalen Oberkörper zuließen, jede Zeile mitgröhlten – so, als könnten sie nachvollziehen, wie ein Verurteilter sich auf dem elektrischen Stuhl fühlen würde.

Diese beiden Punkte – Frauenrollen und Pathos – sorgen bei mir für eine gewisse Distanz. Interessant, dass ich viel davon in der Graphic Novel wieder gefunden haben. Reinhard Kleist hat ein Heldenlied gezeichnet, aber er verzichtet nicht auf Brüche, Ecke und Kanten und gib so dem Künstler Nick Cave eine stimmige Tiefe.

Deswegen brauchte ich auch deutlich mehr Lesezeit – oder besser: Betrachtungszeit – als ich erst dachte. Die Brüche, Ecken und Kanten gilt es zu entdecken und zu erkunden. Das erste Drittel des Buches ist eher biographisch gehalten. Hier sind es die Querverweise und Hintergrundinfos, die es zu finden und entschlüsseln gilt. Diese Figur ist eindeutig Siouxsie, das muss Lydia Lunch sein, dieser Mode-Stil, jener Club und was läuft da im Hintergrund im Radio?

Im weiteren Verlauf vermischen sich biographische Fakten mit der Welt, über die Nick Cave in seinen Songs schreibt. Seine Figuren klagen ihn an: mein (Schöpfer)Gott, warum hast Du uns das angetan? Berechtigte Frage, finde ich.

Warum schreibt Nick Cave gerade diese Texte? Ist es der Kampf mit den eigenen Dämonen? Oder nur die pure Lust an der eigenen Wortmacht? Ich freue mich, dass diese Fragen gestellt und nicht beantwortet werden. So sorgt Reinhard Kleist dafür, dass sich jeder auf seine Art seiner Graphic Novel nähern kann – auch ein faszinierter Nicht-Fan wie ich.

Bleibt mein Problem, dass ich nicht angemessen über die Illustrationen erzählen kann. Sie sind passend und gigantisch. Genügt das? Ich finde nicht. Der Kölner Stadtanzeiger schlägt sich da deutlich besser: „höchste Intensität und tiefstes Schwarz.“ (Leider ist die Rezension nicht mehr online)

Alles andere als eine tote Frau: Anita Lane

Lesen bildet. In diesem Fall meinen Musikgeschmack: zum Entsetzen meiner Freundin Andrea habe ich Anita Lane wirklich erst in der Graphic Novel „Nick Cave – Mercy on me“ entdeckt. Das hat die Musikerin nicht verdient! Zum Ausgleich läuft sie jetzt bei mir rauf und runter.


Infos zur Graphic Novel:

Reinhard Kleist

Nick Cave – Mercy on me

Carlsen Verlag

ISBN  978-3-551-76466-9


RRRSoundz, der Musik-Kurator vulgo DJ meines Vertrauens, empfahl mir diesen Song von Birthday Party: Mr. Clarinet. Recht hatte er natürlich.


Mehr Kunst? Mehr Musik? Hier entlang!


Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.
Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder?

Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal.

Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben.

Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen?

Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung

Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die Besteigung eines Dreitausenders. Kommt vor, sollte aber anders werden. Was tun?

Aufstehen, bis 5 zählen, und, wenn möglich und einem selbst angenehm, „Ich stehe!“ rufen. Dann wieder zurück auf die Couch. Das ist ok. Vielleicht kann man aber auch, wenn man schon mal steht, Bonuspunkte sammeln und einmal um den Tisch laufen?

Jane MacGonigal liefert nicht nur äußerst kreative Beispiele, was man in solchen lähmenden Situationen alles konkret machen könnte – sie begründet auch mit Beispielen aus dem Leben und aus der Forschung, warum solche Mini-Aktionen bereits einen Unterschied machen. Wir gewinnen Handlungshoheit zurück, wir überraschen Gehirn und Nervensystem mit einer neue Verhaltensvariante, die positive neurophysiologische Folgen haben wird.

Für mich klingt das machbarer als To-Do-Listen, Verpflichtungserklärungen und Motivationskärtchen am Spiegel. Doch was mich endgültig überzeugt hat, ist das Gesamtkonzept, in das diese Mini-Lösungen eingebunden werden: Power-Ups, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheime Identität und epische Siege.

Boss-Gegner Steuererklärung

Gamification Grundsätze: Sie sind stärker als sie glauben. Sie sind von potenziellen Verbündeten umgeben. Sie sind der Held ihrer eigenen Geschichte.
Ich bin stärker als ich glaube. Ich bin von potenziellen Verbündeten umgeben. Ich bin die Heldin meiner eigenen Geschichte.

Bloß nicht davonrennen vor diesem Gegner! Beim Computerspiel gehen wir ja auch nicht davon aus, dass wir das letzte Level auf Anhieb lösen werden. Nein, wir scheitern und versuchen es erneut. Wie kann es uns gelingen, diesen Spielgeist auf das Alltagsleben zu übertragen?

In dem wir das Leben aufschlüsseln wie ein Spiel. Zuerst sammeln wir Power-Ups. Bei Super Mario sind das Münzen, im wahren Leben sind das Kleinigkeiten, die uns gut tun. Ich dachte ja, ich hätte das längst. Aber Jane MacGonigal würde 15 Minuten Gymnastik, was ich beispielsweise bisher dafür verwendet haben, eher in den Bereich der Quest legen. Viel zu kompliziert, viel zu fordernd. Ein Power-Up ist jetzt zum Beispiel bei mir aufstehen, ans Fenster gehen, in die Ferne schauen. Entspannt Augen und Geist, sorgt für Bewegung und ist so gut wie immer umsetzbar.

Ein Power-Up ist eine positive Aktivität, die Sie leicht unternehmen können und die einen kurzen Moment der Freude, der Stärke, des Muts oder der Verbindung schafft.
Gamify your Life – S. 202

Wer den Boss-Gegner Steuererklärung angeht, der sollte sich vorher viele Power-Ups bereit gelegt haben.

Der Bösewicht ist in dem Fall schnell benannt: Dark Lord Steuererklärung. Er bringt aber Verbündete mit wie Angst vor der Deadline, Mount Ablage, Formular-Phobie oder das Ich-kann-das-nicht-Gespenst. Welche Power-Ups würden bei welchem Bösewicht helfen?

Das große Ziel, das uns den epischen Sieg bringen wird, ist klar: fristgerechte Abgabe der Steuererklärung. Das zerlegen wir jetzt in Mini-Ziele und Kleinst-Herausforderungen, die sogenannten Quests. Bei mir wäre das traditionell gewesen, dass ich zuerst meine Ablage in Ordnung bringe. Ihr ahnt es: in Gamify your Life empfiehlt Jane MacGonigal deutlich kleinere Herausforderungen. Quests sind für sie „einfache, tägliche Projekte, die Ihnen helfen, Ihre größeren Ziele zu erreichen.“

Das ist, was für mich das Gamification-Konzept zu etwas ganz Besonderem macht! Anstatt ehrfürchtig an den Marathon zu denken freue ich mich lieber daran, meine Laufschuhe zu schnüren und bringe durch solche Mini-Aktionen und Kleinst-Siege Veränderungen in meinem Leben voran. Das funktioniert, weil es gute Laune macht und sich Gehirn und Gewohnheiten automatisch mit der Zeit daran ausrichten.

Was ist Dein Spiel?

Gut, um den Marathon geht es bei mir nicht. Zu den vielen kleinen und großen Baustellen in meinem Leben gehört aber zum Beispiel der Bösewicht namens Bewegungsarmut. 25 Jahre lang bin ich durch den Laden gerannt, bin in die Hocke, um ein Buch aus dem untersten Handlager nachzulegen, um mich kurz darauf zu strecken, um einem Kind etwas aus dem obersten Regal zu geben. Ich habe mich verrenkt, um die überformatigen Kalender als Geschenk zu verpacken und habe Kisten geschleppt. Kurz: jetzt im Büro-Alltag mangelt es mir nicht nur an Bewegung an sich sondern auch an Abwechslung in der Bewegung. Dazu hatte ich auch schon im Beitrag Sitzen gefährdet die Gesundheit geschrieben.

Gamification: die Prinzipien.: Fordern sie sich, sammeln sie PowerUps, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheimidentität, epischer Sieg
Gamification – der 7-Punkte-Plan.

Mehr Bewegung ins Leben bringen ist eine Aufgabenstellung, die perfekt für eine Runde Gamify your Life geeignet ist!

Heute habe ich schon ein neues Power-Up entdeckt in Form einer Katzenfigur, die einen sehr gelenkigen Buckel macht. Quests habe ich auch absolviert: den Wäschekorb über den Kopf gestemmt, ans Fenster gelaufen, um zu schauen ob der Baum noch da ist und im Stehen die Schuhe gebunden. Während bisher bei so etwas mein innerer Kritiker nur zynisch gelacht hat, gelingt es mir jetzt von Mal zu Mal besser, diese Kleinigkeiten als Erfolg zu bewerten. Womit ich einen neuen Bösewicht benannt hätte. Ein Verbündeter begleitet mich mit seinem Rollator bei Mini-Spaziergängen – ja, Verbündete kann man überall finden!

Mal sehen, was morgen an Fähigkeiten und Quests dazu kommt! Schließlich habe ich keine Lust, immer wieder das gleiche Level zu spielen. Mit den Prinzipien von Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben wird mir das auch garantiert nicht passieren!


Angaben zum Buch:

Sachbuch Gamify your Life (eBook (EPUB)) Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Jane McGonigal

Gamify your Life 
Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Herder Verlag
ISBN: 978-3-451-30494-1

Leseprobe beim Verlag

TedTalks mit Jane McGonnical


 SuperBetter – das Spiel zum Buch

Aus den Theorien, Ideen und Beobachten von Jane MacGonical heraus ist ein Spiel entstanden, sozusagen das Gamification-Game: SuperBetter. Die App ist für mich eine gute Möglichkeit, das gesamte Gamification-Konzept umzusetzen und mich nicht nur auf das zu beschränken, was mir leicht fällt!


Auch hiermit kann man prima spielen: Selbstwert-Generator

Burgen für neugierige Einsteiger

Sachbuch zum Thema Burgen: Ritterburgen aus der Buchreihe Beck Wissen

Burgen gibt es hier in der Pfalz mehr als genug. Roter Sandstein, Reste eines Turms, ein Schild, das eine Jahreszahl angibt und weitere Informationen, die nur dem Fachmann etwas sagen, Brennnesseln, Eidechsen.

In der Burg oder etwas unterhalb eine Pfälzer Hütter oder Gastwirtschaft, in der man gut einkehren kann.

Das war lange mein Bild von Burgen.

Mit jeder Reise kam eine neue Idee, ein neues Bild dazu, wie eine Burg aussehen konnte. Bauwerke von Vauban, Fake-Festungen wie Carcassone, Katharerburgen, wehrhafte Wasserschlösser, slawische Wallanlagen, keltische Ringwälle und Menschen in Kostümen, die versuchen, das Leben in Burgen in Großbritannien zum Leben zu erwecken.

Nur die Einkehrmöglichkeiten waren nie so gut wie in der Pfalz.

Fantasy, Romantik und Historiker

Die slawische Wallanlage Groß-Raden und die imposanten Burgen der Katharer weckten dann meine Neugier. Ein Buch musste her. Meine Wahl fiel auf eine Einstiegslektüre: Ritterburgen – Bauwerk, Herrschaft und Kultur aus der Reihe Beck Wissen.

Ich schätze die Reihe sehr, habe aber auch schon Bücher abbrechen müssen, weil sie für mich zu fachlich, zu trocken und zu sehr für Menschen geschrieben waren, die schon im Thema sind. Nicht so bei Joachim Zeune. Er hat einen angenehmen Schreibstil, dem man gut folgen kann, und versteht es, so zu schreiben, dass man als interessierter Laie seine Ausführungen versteht.

Vor allen Dingen macht es ihm Spaß, auseinander zu pflücken, was wirklich historisch belegt ist und was sich durch Romantik, Fantasy und Mittelaltermärkte in unser Bild von Burgen geschlichen hat. Das sind die amüsanten Momente während der Lektüre. Doch das Vergnügen braucht eine solide Basis: was ist eine Burg? Welchen Zweck hatte sie?

Ansonsten gibt es viel Architekturgeschichte und einen Abriss, wann welche Art Burg gebaut wurde, ab wann bei Burgen verstärkt Wert auf Verteidigung gelegt wurde (das war nicht immer so), ab wann es Burgverliese gab (ab der Inquisition) und ob jede Burg eine Ritterburg war.

Für eine richtig gute Idee halte ich sein Kapitel 9 „Statt eines Nachworts: Die zwölf schlimmsten Irrtümer über Burgen„, das noch einmal alles zusammenfasst, was ihm am Herzen liegt.

Jetzt muss ich für mich nur noch klären, welche Burg ich mir als nächstes anschaue. Die Auswahl an Burgen in meiner Umgebung ist groß und ich kenne tatsächlich noch nicht alle!


Joachim Zeune Ritterburgen erschienen in der Reihe Beck Wissen

Infos zum Buch:

Joachim Zeune

Ritterburgen
Bauwerk, Herrschaft, Kultur

Beck Wissen
ISBN 978-3-406-66091-7


 Auch das Elsass hat schöne Burgen: Elsass. Wo der Zander am liebsten in Riesling schwimmt

 

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst - Zitat

Natürlich ist mein Leserinnen-Herz für schön gestaltete Bücher besonders empfänglich. Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst hat ein wunderbar griffiges Papier mit einer leichten Struktur, ein sehr stimmiges Cover, Illustrationen, die wie ein Begleit-Akkord dem Text eine weitere Stimme hinzufügen und ein Layout, das den Inhalt unterstützt.

Mein Leserinnen-Kopf hingegen sucht Inspiration und Ideen. Beide zusammen freuen sich über eine gute Geschichte und eine klug gewählte Sprache.

Mit Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst sind beide glücklich – Kopf und Herz.

Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst

Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst, kann es sein, dass Dich die Antwort eine Weile beschäftigen wird. Gelassenheit und Weisheit gibt es immer noch nicht als Zaubertrank mit sofortiger Wirkung.

Als Leser sollte man daher Zeit für dieses Buch einplanen, das einen schon durch seinen Aufbau entschleunigt. Jedes Kapitel widmet sich einem großem Lebensthema wie Innehalten, Leidenschaft, Beziehungen, Zukunft und Spiritualität und wird mit einer persönlichen Geschichten eingeleitet. Dann folgen mehreren Seiten mit Sinnsprüchen und Weisheiten. Als Abschluss bietet der Zen-Mönch Haemnin Sunim noch konkreten Rat an.

Dann legt man Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst am besten erst einmal zur Seite und lässt den Text sacken. Wer durch das Buch durch hetzt bringt sich selbst um viel Genuss. Innehalten ist nicht nur Thema des Buches, sondern auch sein Prinzip.

Es gibt viel mehr gewöhnliche Stunden im Leben als außergewöhnliche. Wir stehen im Supermarkt in der Schlange. Wir verbringen Stunden mit der Fahrt zur Arbeit und zurück. Wir gießen die Blumen und füttern unsere Haustiere. Glück bedeutet, in diesen gewöhnlichen Stunden einen Moment der Freude zu finden.

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst – S. 182

Humor, Weisheit und Bescheidenheit

Haemin Sunim ist ein leiser, bescheidener Erzähler. Sein ausgeprägter Humor ist sanft, eher ein Schmunzeln. Er lacht mit den Menschen, nicht über sie. Seine Geschichten und Beobachtungen erzählt er in einem Tonfall, der Ruhe ausstrahlt. Schon allein dadurch gelingt es dem Leser, sich auf das Innehalten einzulassen.

Zudem berichtet der Autor sehr ehrlich aus seinem Leben, auch über Dinge und Ereignisse, die ihm heute eher peinlich sind. Doch alles, was geschah, war eine Möglichkeit zu lernen, und machte ihn zu dem, was er heute ist. Wenn er es gelernt hat, kann es jeder lernen.

Seine stille, bescheidene Art zu erzählen und der kluge Aufbau des Buches, das im klaren Rhythmus zwischen Anekdoten, fast poetischen Weisheiten und konkreten Ratschlägen wechselt, hat mich begeistert.

Was für ein Unterschied zu der Sammlung buddhistischer Weisheitsgeschichten „Die Kuh, die weinte“, die mir mit der Selbstdarstellungs-Show des Autors so gewaltig auf die Nerven ging – hier meine Rezension!

Auf das Innehalten folgt der Aufbruch

Ein solcher Grenzgänger zwischen den Welten wie Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, der persönliche Anekdoten mit universeller Weisheit und den Buddhismus mit dem modernen Alltag verbindet, braucht besondere Illustrationen.

Youngcheol Lee fügt der humorvollen und bescheidenen Erzählstimme des Autors Haemin Sunim und dem klugen Aufbau des Buches eine weitere Ebene hinzu. Seine Bilder führen den Menschen aus der Stille wieder hinaus in die Weite. Auf das Innehalten in der Lektüre folgt der Aufbruch, voller Vertrauen in die Menschen, das Leben und die Welt.


Hamein Sunim - Buch-Cover Die schönen Dinge siehst Du nur wenn du langsam gehst

Weitere Infos zum Buch:

Haemin Sunim

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Ins Deutsche übertragen von Claudia Seele-Nyima
Illustrationen von Youngcheol Lee

Scorpio Verlag
ISBN 978-3-95803-134-0


Mit gesunden Faszien beweglich bleiben – ohne dafür Sport zu machen

Sachbuch: Aufrecht und geschmeidig Mit gesunden Faszien beweglich und schmerzfrei bleiben

Faszien. Haben wir schon immer genutzt und vor allem schon immer gespürt. Seit gut einem Jahr lesen wir auch eine Menge darüber. Doch alles, was ich bisher gelesen hatte, hat mich nicht so wirklich … abgeholt?

Abgeholt ist eigentlich ein Begriff, den man bei Romanen und Geschichten verwendet. Ich finde, er passt aber auch bei Sachbüchern und Ratgebern.

Die meisten Bücher und Artikel zu Faszien, Faszien-Training und der unvermeidlichen Blackroll, haben mich nicht in meinen eigenen Lebensumständen abgeholt.

Da ging es viel um Menschen, die durch den Park oder den Wald joggen. Mache ich nicht. Würde ich viel zu viel verpassen: Lichtreflexionen, Schmetterlinge, Vogelstimmen. Ich gehe lieber spazieren.

Faszientraining ist, so kam es mir bisher vor, etwas für Menschen, die Krafttraining machen. Oder ernsthaft Sport. Ich bewege mich gerne, verlasse aber den Saal, wenn es um Sport geht.

Trainiere die Faszien – das geht auch ohne Sport

Susanne Noll geht das Thema anders an. So anders, dass ich ihr zuhöre. Nicht nur das: ich beginne, Ratschläge von ihr in meinen Alltag zu integrieren.

Denn das ist genau das, was sie anders macht: sie holt Menschen in ihrem Alltag ab – in ihrem bewegungsarmen Alltag. Dort setzt sie an. Sitzen, stehen, gehen, tippen, telefonieren, bücken. Strecken nicht vergessen, eine Bewegung, die fast aus unserem Alltag verschwunden ist, seit wir nicht mehr Kind sind und uns zum Bonbon-Glas auf dem Küchenschrank gestreckt haben.

Es sind elementare Übungen, die sie uns vorschlägt. Vieles hat mit Spüren zu tun. Aber immer hat sie auch konkrete Vorschläge für Alltagsbewegungen, für Optimierungen, für Abwechslung im Bewegungs-Einerlei.

Die drei Komponenten des Faszientrainings

Das große AHA-Erlebnis hat sie mir beschert, indem sie das Faszientraining in drei Themenfelder unterteilt. Damit hat sie mir genau die Struktur gegeben, die mir bisher bei dem Thema gefehlt hat:

  • Federn, Schwingen und Springen: für höhere elastische Speicherkapazität, mehr Elastizität und ein belastbares Fasernetz
  • Dehnen: federnd und langsam-schmelzend, möglichst lange myofasziale Ketten, für mehr Elastizität, mit entzündungshemmenden Effekt
  • Rollen und Selbstmassage: für Belebung der Bindegewebe-Matrix, gegen Verfilzungen und Verklebungen

(Zitat S. 97 – Susanne Noll, Aufrecht und geschmeidig. Mit gesunden Faszien beweglich und schmerzfrei bleiben)

Diese drei Trainingsfelder ergänzt Susanne Noll in ihren Empfehlungen um Spüren für eine feinere Körperwahrnehmung. Damit kann nicht nur ich etwas anfangen. Jeder, der schon Erfahrung mit Krankengymnastik oder Physiotherapie gemacht hat, kann ihre Übungen und Empfehlungen nachvollziehen.

Für mich hätte der theoretische Teil, der sehr gut verständlich und locker geschrieben ist, etwas kürzer sein können. Aber bei einem Gesamtumfang von 184 Seiten hält einem die Theorie nicht wirklich davon ab, schnell zu den Übungen zu gelangen. Genau diese Vorschläge zum Faszientraining sind das, was das Buch für mich auszeichnet: alltagsnah und leistungssport-fern und mehr Übungen, als ich bisher in den anderen Büchern entdeckt habe. Das verstehe ich, das kann ich umsetzen. Um genau zu sein: ich bin schon dabei!


Angaben zum Buch:

Susanne Noll

Aufrecht und geschmeidig
Mit gesunden Faszien beweglich und schmerzfrei bleiben

Mit einem Vorwort von Robert Schleip

Scorpio Verlag
ISBN 978-3-95803-096-1


Lust auf mehr Bewegung im Alltag, aber keine Lust auf Sport? Dann lies doch mal hier rein:

Endlich lesen was ich will: Skulduggery Pleasant

eBook skulduggery pleasant jugendbuch mit einem Skelett im Anzug auf dem Cover

Endlich lesen, was ich will. Das dachte ich mir, als ich vor ein paar Jahren die Ladenfläche der Buchhandlung verließ und nicht mehr lesen musste, was verkauft werden sollte.

Lust hatte ich aber auch auf Bücher, die ich jahrelang im Stapel verkauft hatte, ohne sie jemals selbst zu lesen.

Warum auch? Ich war mir auch so sicher, dass sie gut sind.

Manchmal hatte ich kurz reingelesen. Noch viel häufiger hatte ich mich auf das Urteil meiner Testleser-Gang verlassen. Wenn diese Kinder und Jugendlichen ihre Leseexemplare samt Bewertungsbogen zurück brachten konnte ich meist schon am Gesichtsausdruck erkennen, ob das Buch gut war. Bei Skulduggery haben sie alle gestrahlt – Jungs genauso wie Mädchen.

Schock deine Eltern, lies Skulduggery Pleasant

Endlich lesen, was ich will, dachten sich in der Tat auch viele Kids, die damals in der Buchhandlung anno 2007 zum ersten Band der Serie Skulduggery Pleasant griffen. Kaum ein Jugendbuch hat den Slogan Schock Deine Eltern, lies ein Buch schon allein durch das Cover so gut zum Ausdruck gebracht.

Ja, es mussten viele Eltern bei der Buchwahl ihrer Kinder erst einmal schlucken. Versuche, den Inhalt zusammenzufassen, machten es meist nicht besser: „Also, das ist ein Skelett, das war mal ein Magier. Der ist tot, lebt aber immer noch. Und er hat echt coole Freunde. Die hauen witzige Sprüche raus und kämpfen gegen die Bösen. Die Reihe macht echt süchtig!“

Aber wer will schon einem 12-jährigen widersprechen, der freiwillig zum Buch greift? Eben.

Recht hatten sie natürlich, die Testleser

Nun hatte auch ich endlich das Vergnügen, den ersten Band der Skulduggery-Reihe zu lesen. Selbst ein bekennendes Weichei wie ich hatte mit dem action-betonten Erzählstil Spaß. Wie kann das sein?

Skulduggery Pleasant verbindet Welten. In jeder Hinsicht. Das Buch greift Sehgewohnheiten aus Zeichentrickfilmen und Actionfilmen auf und verbindet es mit dem, was nur Bücher können: dem Leser die Freiheit des Kopfkinos und des Schwerpunkt-Setzens zu geben. Jeder Leser kann frei entscheiden, ob er die Action im eigenen Kopf fortsetzt oder so wie ich lieber mit dem Ausblenden aussteigt. Im Film kann man das nicht. Selbst wenn man wegschaut, verheißt die Tonspur nichts Gutes.

Skulduggery verbindet auch Alltagswelten der Jugendlichen. Die Heldin muss ein großes Erbe antreten, das aus Geld, Haus und vielen Geheimnissen besteht. Das ist der Schritt in Richtung Erwachsen-Sein. Es gibt aber auch die Familie, die Rückhalt bietet, wenn es denn nötig ist. Vor allem gibt es aber die coole Clique, die einen fordert und fördert und manchmal so richtig in die Bredouille bringt. Also alles so, wie es im optimalen Teenager-Leben auch läuft.

Wer vom Gender-Marketing genervt ist, der sollte sowieso zu dieser Jugendbuchreihe greifen. Genauso wie alle, die meinen, dass in Jungs-Büchern keine Heldinnen vorkommen können. Hier passt alles – und alles basiert auf dem Kunstgriff, dass der Superheld ein Skelett ist. Amazing.

Schade, dass ich damals in der Buchhandlung nie von Eltern ein stolzes „Also mein Kind hat schon alle Skulduggery Bücher gelesen!“ gehört habe. So konnte die Serie nie den generationen-übergreifenden Kultstatus erreichen.

Vielleicht ist aber genau das nicht schade, denn zur Pubertät gehört zu lesen, was Erwachsene doof finden. Also alles richtig gemacht, lieber Derek Landy!


Jugendbuch Skulduggery Pleasent - ein Skelett als Meisterdetektiv

Infos zur Jugendbuch-Serie:

 

Derek Landy

Skulduggery Pleasant

Website des Loewe Verlag

empfohlen ab 12 Jahren


 Was könnte man denn sonst noch so lesen in dem Alter?

Oder doch lieber Fantasy für Erwachsene?


 

 

5 Dinge, die wir im Leben nicht ändern können

Buch-Cover: 5 Dinge, die wir nicht ändern können und das Glück das daraus entsteht - David Richo - Windpferd Verlag - Taschenbuch

Fünf Dinge, die wir nicht ändern können und das Glück daraus entsteht ist kein Buch für Menschen, die von sich erwarten, alles im Griff zu haben. Oder eben eines für genau diese Menschen.

David Richo beginnt sein Buch ganz handfest und knackig. Die 5 Dinge, die wir nicht ändern können, benennt er gleich zu Beginn.

Dann beginnt für den Leser eine Reise.

Von den klaren, griffigen Fakten führt der Weg zu Philosophie und Spiritualität. Zeitweise ist die Poesie ein guter Weggefährte.

Nach dem der Leser diese Gipfel hinter sich gelassen hat, wird der Weg wieder vertrauter und wir nähern uns der gewohnten Landschaft der westlichen Psychologie, die ab und an von etwas jungscher Analytischer Psychologie in ein unbekanntes Licht getaucht wird.

Danach fühlt sich der Leser gestärkt. Er hat Gelassenheit entwickelt und ist bereit, das Leben zu akzeptieren. Zumindest bewegte sich meine Gemütsverfassung nach der Lektüre in diese Richtung.

Doch was sind diese 5 Dinge, die wir nicht ändern können?

Die 5 Dinge, die wir laut David Richo nicht ändern können, sind:

  1. Alles verändert sich und endet irgendwann.
  2. Nicht immer geht alles nach Plan.
  3. Das Leben ist manchmal nicht gerecht.
  4. Leiden gehört zum Leben.
  5. Die Menschen sind nicht immer liebevoll und loyal.

Doch wie bitte soll daraus Glück entstehen?

In diesem Buch vertrete ich die Ihnen vielleicht etwas radikal vorkommende Ansicht, dass die fünf Gegebenheiten gar nicht so übel sind, wie sie erscheinen mögen. Das, was uns eigentlich Probleme bereitet, ist, dass wir diese Gegebenheiten fürchten und dagegen ankämpfen. Haben wir erst einmal gelernt, diese grundlegenden alltäglichen Tatsachen anzunehmen und zu schätzen, dann werden wir begreifen, dass sie genau das sind, was wir brauchen, um wirklich glücklich zu werden.
David Richo – Fünf Dinge, die wir nicht ändern können, und das Glück, das daraus entsteht. Windpferd Verlag.

Auch wenn ich dem Autor im mittleren Teil des Buches nicht auf allen poetisch-philosophischen Höhenflügen gefolgt bin, war es doch eine wohltuende, inspirierende Lektüre.


Angaben zum Buch:

David Richo

Fünf Dinge die wir nicht ändern können und das Glück das daraus entsteht

Übersetzt von Maike und Stephan Schuhmacher

Windpferd Verlag
ISBN 978-3-86410-058-1
Taschenbuch

Leider nicht mehr lieferbar. Neuauflage unter folgendem Titel:

Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Mit buddhistischer Weisheit und westlicher Psychologie zu mehr Gelassenheit: Über die Wurzeln des Unglücklichseins und Wege zu Freiheit und Erfüllung

Anaconda Verlag – Penguin-Randomhouse


 5 Dinge, 10 Fakten, drei Fragen … ab und zu machen mir solche Listen ja richtig Spaß:

 

War alles schon immer so? Maschine steht still

Die Maschine steht still - E.M. Forster - kurzer Roman

Alles schon da gewesen, dieses online ist nichts Neues. Früher die Nachbarin am Küchenfenster, heute Facebook.

Von heute nach gestern geschaut klingt das alles plausibel. Die Möglichkeiten sind neu, das menschliche Verhalten nicht.

Wer aber Die Maschine steht still von E. M. Forster liest schaut von gestern auf heute und wieder zurück – und erschrickt.

Das, was uns heute in unserer Online-Welt als problematisch oder sogar gruselig erscheinen könnte, hat er voraus gesehen. Dabei kümmert sich E. M. Forster weniger um technische Funktionen. Er stellt den Menschen und sein Verhalten in den Mittelpunkt, seine Bereitschaft, für Sicherheit und Bequemlichkeit eigenes Erleben aufzugeben.

Dieser Spiegel stammt von gestern. Die Erzählung erschien 1909 zum ersten Mal. Müsste ein so alter Spiegel nicht blind sein? Müsste es nicht irgendwo eine Stelle geben, an der der Leser von heute sich mit einem „Ja, aber …“ an das sichere Ufer retten könnte.

Gibt es nicht. Selbst der Schluss, den man heute sicherlich anders schreiben würde, gibt uns keine Chance, ein Bollwerk aus unserer Modernität zu errichten, das uns vor diesem Blick auf die Menschheit schützen würde.


Infos zum Buch:

E. M. Forster

übersetzt von Gregor Runge

Hoffmann und Campe

Aus der Kurzbeschreibung des Verlags:

E. M. Forsters visionäres Werk wirft Fragen auf, die von großer Aktualität sind: Wie kann der Mensch seine Selbstbestimmung wahren gegenüber Maschinen, die immer stärker unser Leben bestimmen?

Ausführliche Rezensionen bei


Mehr SF-Buchtipps auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Vom Gestern in die Zukunft der SF: Ann Leckie – Die Maschinen.